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Special Philippinen Seidenstraße

Chinas Firmen setzen auf digitale Seidenstraße in den Philippinen

Die Philippinen bieten zahlreiche Geschäftschancen für digitale Aktivitäten. Chinesische Firmen nutzen diese Möglichkeiten zunehmend.


  • Alibaba weitet Engagement in den Philippinen aus

    Besonders in den Bereichen Cloud-Lösungen und Fintech ist Chinas Technologieriese Alibaba mit Tochtergesellschaften aktiv.

    Das Unternehmen Alibaba Cloud trat im Herbst 2020 dem philippinischen Firmenzusammenschluss Fintech Alliance.ph bei. Die Gesellschaft, die zur chinesischen Alibaba Group zählt, will damit nach Aussagen lokaler Medien zum Wachstum der Fintech-Industrie in den Philippinen beitragen. Fintech Alliance.ph schließt strategisch wichtige Branchenakteure zusammen und soll als Katalysator für die nachhaltige Entwicklung der philippinischen Finanzbranche durch Innovation fungieren. Bis 2022 will die Allianz eigenen Angaben zufolge als Self-Regulatory Organisation innerhalb der ASEAN anerkannt sein.

    Der Vorsitzende der Fintech Alliance.ph, Lito Villanueava, begrüßt es, dass die Alibaba Group eine nachhaltige und dynamische Finanztechnologie in den Philippinen mitgestalten wird. Die Mitgliedschaft des chinesischen Unternehmens käme zur richtigen Zeit, da derzeit alle Stakeholder der Allianz dabei helfen, die Auswirkungen der Corona-Pandemie abzufedern.

    Alibaba will Coronakrise zur Expansion nutzen

    Das chinesische Unternehmen will Presseangaben zufolge sein Engagement in den Philippinen im Rahmen der Coronakrise noch intensivieren. Die lokalen Firmen sind angesichts des in der Metropolregion Manila seit März fast durchgehenden Lockdowns - einem der schärfsten weltweit - massiv dazu gezwungen, ihre Geschäfte auf digitale Aktivitäten umzustellen. Nach Einschätzung von Unternehmensvertretern sind die Philippinen in diesem Zusammenhang ein wichtiger Markt für die chinesische Firma.

    Alibaba Cloud hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2023 rund 5.000 Betriebe zu unterstützen. In den kommenden drei Jahren sollen 50.000 IT-Beschäftigte in dem Inselstaat über das Alibaba Academy Program fortgebildet und 10.000 Arbeitnehmer im Rahmen des Alibaba Certificate Program zertifiziert werden. Allein 2020 sollen 280 Millionen US-Dollar (US$) investiert werden. Derzeit verfügt die chinesische Firma über lokale Partner in verschiedenen Sektoren wie Einzelhandel, Fintech, Medien, Information, Kommunikation, Gesundheitswesen und Bildung.

    Philippinen bietet gute Chancen für Cloud-Lösungen

    Schon in den vergangenen Jahren haben immer mehr philippinische Unternehmen auf Cloud-Dienstleistungen zurückgegriffen. Die Regierung implementierte zur Unterstützung der lokalen Firmen bei diesen Bemühungen 2017 eine sogenannte Cloud-First-Policy, mit Hilfe derer Behörden und öffentliche Stellen Cloud-Computing als IT-Entwicklungsstrategie im Rahmen der Infrastrukturplanung und Beschaffung implementieren sollen.

    Die Philippinen gelten aufgrund verschiedener Faktoren als guter Zielmarkt für Cloud-Lösungen. Im Bereich Katastrophenschutz werden Firmen in dem von Erdbeben und Taifunen geplagten Land künftig verstärkt auf cloudbasierte Back-up-Lösungen zurückgreifen. Auch rangiert die Internetaffinität, gemessen an der Partizipation und Verweildauer in sozialen Medien, unter den höchsten weltweit.

    E-Sports wird nach Einschätzung von Experten der nächste große Wachstumsmarkt auf dem Archipel. Rund 94 Prozent der Internetnutzer im Land sind aktiv im Mobile Gaming, 11 Prozent nutzen dabei cloudgestützte Spiele- oder Streamingplattformen. Im Zuge der Corona bedingten Ausgangssperren dürfte das Online-Spielen weiter an Bedeutung gewonnen haben. Alibaba nutzte auch hier schon die Chance, um bei den Ende 2019 in den Philippinen durchgeführten 30. Southeast Asian (SEA) Games für die E-Sport-Events seine Cloud- und Sicherheitslösungen in Partnerschaft mit dem lokalen Unternehmen PLDT Enterprise einzubringen.

    Engagement auch im digitalen Zahlungsverkehr

    Bereits 2017 hatte das Unternehmen Ant Financial Services Group Presseangaben zufolge Minderheitsanteile von 45 Prozent an der lokalen Firma Mynt erworben, die Teil des führenden philippinischen Mobilfunkbetreibers Globe Telecom ist. Ebenso ist die lokale Gruppe Ayala an Mynt beteiligt. Ant Financial selbst wiederum gehört zur Alibaba Gruppe. Mynt betreibt den internationalen Micropayment-Service GCash, mit Hilfe dessen unter anderem bargeldlose Online-Einkäufe getätigt, Rechnungen gezahlt oder Überweisungen getätigt werden können.

    Auch Alibaba Cloud hat mit Mynt zusammengearbeitet, um GCash mit fortgeschrittenen Cloud- und intelligenten Datentechnologien zu versorgen und auf diese Weise umfangreiche Transaktionen tätigen zu können. Ebenso läuft über Mynt der Service von Fuse Lending, der Einwohnern ohne Zugang zum Bankensystem private oder Geschäftskredite einräumt. Nach Aussage von Mynt in der lokalen Presse war das Ziel des Engagements, günstige digitale Finanzdienstleistungen für Menschen und kleine Betriebe zur Verfügung zu stellen, die sonst nur schwer Zugang zu solchen erhalten.

    Zentralbank will bargeldlose Services ausweiten

    Übergreifend soll nach Einschätzung von Experten der digitale Zahlungsverkehr auf dem Archipel zunehmen. Angesichts der Einschränkungen im Rahmen der Coronakrise berichten Banken von größeren Transaktionsvolumina über ihre digitalen Kanäle. Die Zentralbank Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP) hatte im Vorfeld schon das Ziel ausgegeben, dass bis Mitte 2023 die Hälfte aller monetären Überweisungen im Land bargeldlos erfolgen sollen. Nun gehen die obersten Währungshüter davon aus, dass dieser Prozentsatz deutlich früher erreicht werden kann. 2020 dürfte der Anteil bereits 30 Prozent überschreiten, nachdem er 2017 bei nur einem Prozent gelegen hatte.

    Um die Ziele zu erreichen, setzt die Zentralbank ebenfalls auf Fintech und das vor allem bei der wirtschaftlichen Erholung im Nachgang zur Coronakrise. Aus diesem Grund erarbeitete die Organisation schon im Frühjahr 2020 eine auf drei Jahre ausgerichtete Roadmap für die digitale Transformation des Zahlungsverkehrs, die den Aufbau einer robusten Infrastruktur, rechtlicher Rahmenbedingungen, Ausbildungsmöglichkeiten und E-Goverment-Lösungen umfassen soll. Die Geschäftschancen in diesem Bereich für ausländische Firmen in den Philippinen dürften daher tendenziell weiter zunehmen.

    Von Alexander Hirschle | Taipei

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