RF_GettyImages_1016596514_RZ_1340x754 RF_GettyImages_1016596514_RZ_1340x754 | © Schweden, Stockholm | © GettyImages/Remus Kotsell

Special | Schweden | Coronavirus

Wirtschaftliche Folgen halten sich in Grenzen

Die schwedische Wirtschaft hat das Jahr 2020 relativ gut überstanden. Für Einreisende wurde eine Testpflicht eingeführt. Lokal gelten strengere Beschränkungen. 


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Die schwedische Wirtschaftsleistung hat wegen Corona knapp 3 Prozent eingebüßt. Örtliche Unternehmen bleiben nach dem Jahreswechsel optimistisch. (Stand: 17. Februar 2021)

    Schwedens Wirtschaft überstand das erste Coronajahr weit besser als noch im Frühjahr 2020 befürchtet. Laut einer vorläufigen Schätzung des schwedischen Statistikamtes SCB sank das Bruttoinlandsprodukt 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent. "Die Rezession wurde durch starke Unterstützungsmaßnahmen und strukturelle Merkmale der Wirtschaft gemildert. Sie hat einen hohen Anteil an Jobs, die aus der Ferne ausgeführt werden können, einen relativ kleinen Gastgewerbesektor und einen großen Exportsektor", konstatierten Experten des Internationalen Währungsfonds Anfang Februar 2021 in ihrem Bericht.

    Demnach bleiben weiterhin Risiken bestehen, die vor allem mit dem ungewissen Pandemieverlauf und der Impfstoffverfügbarkeit zusammenhängen. Zudem haben "die expansive Politik und einfache Finanzierungsbedingungen zur Vermeidung einer Finanzkrise beigetragen, erhöhen aber die Anfälligkeit" für neue Schocks.

    Rollt die Konkurswelle erst an?

    Die Anzahl der Konkurse lag außer in den ersten drei Pandemiemonaten im nahezu gesamten Jahr 2020 deutlich unter dem Vorjahreswert - nicht zuletzt dank umfangreicher Hilfsmaßnahmen. Der Dezember 2020 brachte aber laut der Agentur für Wachstumspolitikanalysen Tillväxtanalys einen Anstieg um 27 Prozent. Am stärksten zugenommen haben im Gesamtjahr die Zahlungsunfähigkeiten bei Reiseveranstaltern und -büros, im Finanz- und Versicherungswesen, bei Herstellern von Lebensmitteln, Getränken und Tabakprodukten, in der Gastwirtschaft sowie im Transport- und Logistiksektor.

    Trotz der leicht rückläufigen Konkurse nahm die Anzahl der von diesen betroffenen Mitarbeiter um 5 Prozent gegenüber 2019 zu. Insgesamt waren im Dezember 2020 etwa 450.000 Schweden arbeitslos - ein Drittel mehr als zwölf Monate zuvor. Die Arbeitslosenquote stieg im gleichen Zeitraum um über 2 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent. Laut Prognosen des staatlichen Konjunkturinstitutet wird sie 2021 auf bis zu 9 Prozent weiter steigen und danach nur langsam zurückgehen.

    Optimistischer Investitionsausblick

    Zusätzlich zum Abbau von Arbeitsplätzen fuhren viele Unternehmen ihre Investitionstätigkeit zurück. Die Europäische Kommission bezifferte in ihrer Herbstprognose den Rückgang der Bruttoanlageinvestitionen in Schweden 2020 auf 3,4 Prozent. Käufe von Maschinen und Geräten sollten um 11,5 Prozent zurückgegangen sein.

    Laut dem staatlichen Konjunkturinstitutet könnte das Investitionsvolumen aber bereits im Laufe des Jahres 2021 auf das Vorkrisenniveau zurückkehren - größtenteils dank der öffentlichen Hand. In der Industrie sollen Bruttoanlageinvestitionen, von Regierungsmaßnahmen angespornt, um bis zu 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen. So gibt es Vergünstigungen für Maschinenkäufe, die Förderung von Forschung und Entwicklung, "grüne" Staatsinvestitionen und zahlreiche Stützen für den Arbeitsmarkt, Jobeinsteiger und das Wachstum von Kleinstfirmen.

    Für eine Erholung spricht auch der zunehmende Optimismus bei schwedischen Firmen, den selbst die Verbreitung von Virusmutationen kaum bremsen konnte. "Der Beginn des Jahres 2021 zeigt eine anhaltend hohe Aktivität im schwedischen verarbeitenden Gewerbe. Die Produktionspläne der Unternehmen sind expansiver geworden, was auf eine optimistische Wahrnehmung der Wirtschaft über die nächsten sechs Monate hinweist", kommentierte Jörgen Kennemar, der bei der Swedbank für die Analyse des Einkaufsmanagerindexes (PMI) verantwortlich ist.

    Weiterführende Informationen zu ausgewählten Branchen gibt unser Branchencheck.

    Konsumlaune verhalten

    Angesichts der prognostizierten, langsamen Erholung des Arbeitsmarktes sind von der Konsumentwicklung keine Wunder zu erwarten. Laut vorläufigen Zahlen des SCB sanken die Ausgaben der schwedischen Haushalte 2020 um 4 bis 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gegen den Trend entwickelten sich demnach nur die Ausgaben für Lebensmittel, Möbel und Wohnen. Den größten Kundenschwund erlebten die Modeindustrie sowie Hotels und Gaststätten: Die Ausgaben für ihr Angebot gingen jeweils um über 20 Prozent zurück. Laut Prognosen wird 2021 nur ein Teil der Verluste wieder wettgemacht werden können - der Anstieg soll bei etwa 3 Prozent liegen.

    Außenhandel

    Bereits in den letzten beiden Monaten 2020 wurden im Außenhandel die Volumina des gleichen Vorjahreszeitraums erreicht. Im Gesamtjahr ergab sich aber auf Eurobasis ein Rückgang um über 8 Prozent. Rückläufig waren nach den ersten elf Monaten 2020 vor allem Einfuhren von Energierohstoffen (-35 Prozent), Erzeugnissen aus Eisen und Stahl (-22 Prozent), Kfz (-16 Prozent) und anderen Transportmitteln (-48 Prozent), Kunststoffen und Kunststoffprodukten (-10 Prozent) sowie Maschinen (-9 Prozent).

    Die schwedischen Exporte haben nach vorläufigen Angaben des SCB 2020 im Jahresvergleich zwar auch abgenommen, das Minus war mit 5 Prozent jedoch wesentlich niedriger als bei den Importen. 2021 dürfte sich das Bild jedoch umkehren. Das Importwachstum dürfte gegen 6 Prozent tendieren. Sollte sich die Coronalage allmählich beruhigen und die Weltkonjunktur kein Nachbeben erleben, könnte die Nachfrage nach schwedischen Produkten 2021 je nach Prognose um 3 bis 5 Prozent zulegen.

    Deutsche Lieferanten sind in bester Ausgangslage um davon zu profitieren. Ihre Umsätze sanken 2020 langsamer als der Durchschnitt der Importe. Die Stellung als bevorzugtes Lieferland bleibt der Bundesrepublik entsprechend sicher. Ob Norwegen als größter ausländischer Abnehmer schwedischer waren überholt werden konnte, wird sich aber erst nach Bekanntgabe der endgültigen Zahlen erweisen.

    Lesen Sie die aktuelle Einschätzung der schwedischen Wirtschaftslage von Professor Hubert Fromlet, Senior Berater der Deutsch-Schwedischen Handelskammer.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Wegen des weiterhin akuten Infektionsgeschehens und der damit zusammenhängenden Beschränkungen verlängert die Regierung einige Hilfsmaßnahmen. (Stand: 24. Februar 2021)

    Unterstützungsmaßnahmen der Regierung

    Was?

    Wer?

    Wie viel?

    Wann?

    Kompensation von Umsatzausfällen

    Selbstständige mit einem Mindestumsatz von 200.000 skr (etwa 19.727 Euro), ab November mindestens 180.000 skr (etwa 17.754 Euro) im Jahr 2019

    Seit November 2020 bis zu 70 Prozent des Umsatzrückgangs, aber nicht mehr als 48.000 skr (etwa 4.735 Euro); um eine Kompensation beantragen zu können, muss ein Mindestumsatzrückgang gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum von 30 Prozent dokumentiert werden; Grundlage für die Berechnung des Umsatzrückgangs ist der entsprechende Vorjahreszeitraum

    Kurzarbeit

    Alle Unternehmen

    Normalerweise können Angestellte für maximal 7 aufeinanderfolgende Monate in Kurzarbeit geschickt werden und Arbeitgeber einen Ausgleich bis 50 Prozent der Kosten beantragen; wegen Corona wurde die Obergrenze der Dauer bis zum 30.06.2021 aufgehoben und der Erstattungsanteil im Zeitraum 1.12.2020 bis 31.3.2021 auf 75 Prozent angehoben; zu den normalerweise möglichen Kürzungen der Arbeitszeit um 20, 40 oder 60 Prozent wurde für den Zeitraum 1.1. bis 30.4.2021 eine zusätzliche Kürzungsschwelle von 80 Prozent hinzugefügt; weitere Informationen gibt und Anträge bearbeitet die Schwedische Agentur für Wirtschaftliches und Regionales Wachstum

    k.A.

    Steuerstundung

    Alle Unternehmen mit nicht selbstverschuldeten Liquiditätsproblemen

    Umfasst Mehrwertsteuer und Lohnsteuer;  nähere Informationen stellt das schwedische Finanzamt auf Englisch zur Verfügung; die digitale Beantragung ist ausschließlich auf Schwedisch möglich

    k.A.

    Korrektur der Vorsteuer

    Alle Unternehmen, die Vorsteuer zahlen

    Zusätzliche Möglichkeit um die Höhe der Vorsteuer wegen coronabedingter Umsatzveränderungen anzupassen sowie eine Rückerstattung der Steuerzahlungen für Januar und Februar zu fordern

    Bis Ende 2020

    Fixkostenerstattung

    Alle Unternehmen mit Nettoverkäufen von mindestens 250.000 skr (etwa 23.609 Euro) im letzten vollen Finanzjahr, die für die F-Steuer registriert sind

    Unternehmen, die von coronabedingten Umsatzrückgängen betroffen sind, die im Vergleich zum entsprechenden  Monat 2019 mindestens folgende Höhen betragen:

    • März, April 2020 - 30 Prozent,
    • Mai 2020 - 40 Prozent,
    • Juni bis Oktober 2020 - 50 Prozent,
    • November 2020 bis April 2021 - 30 Prozent

    können eine Erstattung der Fixkosten beantragen; Kleinunternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern und Jahresumsätzen unter 100 Millionen skr (etwa 9,9 Millionen Euro) können bis zu 90 Prozent, größeren bis zu 70 Prozent der unausweichlichen Fixkosten erstattet werden;  in beiden Fällen liegt die Obergrenze der Kompensation für den Zeitraum August 2020 bis April 2021 bei 97 Millionen skr (etwa 9,6 Millionen Euro);  Unternehmen, die ihre Tätigkeit wegen Maßnahmen auf Grundlage des Pandemiegesetzes vorübergehend ganz aussetzen müssen, können eine Erstattung von bis zu 100 Prozent beantragen;  in ihrem Fall beinhalten Fixkosten zusätzlich Lohnkosten, die nicht bereits von den Kurzarbeitsregelungen profitieren; die Obergrenze der Kompensationszahlungen wurde auf 75 Millionen skr  (etwa 7,7 Millionen Euro) monatlich festgelegt

    01.03.2020 bis 30.04.2021

    Antragsfrist für März bis Juli 2020 abgelaufen; für den Zeitraum August 2020 bis Februar 2021 können Anträge zwischen dem 25.2.2021 und dem 30.04.2021 eingereicht werden

    Überbrückungskredit

    KMU

    Der staatliche Investmentfonds Almi bietet kleinen und mittleren Unternehmen, die vor der Coronakrise finanziell gesunden waren, Vorzugskredite im Rahmen des Brygglån an.

    k.A.

    Arbeitslosengeld

    Selbstständige

    Selbstständige werden bei der Auszahlung von Arbeitslosengeld von der sogenannten Fünf-Jahre-Regel befreit, wenn sie ihre Tätigkeit aussetzen, weil die Einnahmen coronabedingt wegfallen. Diese besagt, dass ein Selbstständiger zwischen dem Geltendmachen von Ansprüchen auf Arbeitslosenunterstützung mindestens fünf Jahre ununterbrochen am Markt aktiv gewesen sein muss;

    Bis Ende 2021

    Niedrigere Selbstbehalte

    Selbstständige

    Bei einem Überschuss bis zu 100.000 skr (etwa 9.846 Euro) muss nur die Rentenabgabe (10,21 Prozent) anstatt aller Sozialabgaben (28,97 Prozent) abgeführt werden.

    Gilt für gesamtes Jahr 2020

    Höhere Starthilfe

    Neugründer

    Verdoppelung der Auszahlungsdauer der Starthilfe auf 12 Monate.

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Arbeitsmarkt hat oberste Priorität

    Sofern trotz Kurzarbeit und anderer Hilfsmaßnahmen Kündigungen unausweichlich werden, sollten sich Unternehmen mit den schwedischen Arbeitsrechtsbestimmungen vertraut machen, vor allem mit der flexibleren Auslegung des Arbeitsmangels als Kündigungsgrund.

    Für entlassene Mitarbeiter wurden die Mindestanforderungen bezüglich der Beschäftigungsdauer und der Dauer der Mitgliedschaft bei der freiwilligen Arbeitslosenversicherung (A-Kassa) für die Auszahlung von Arbeitslosengeld gesenkt. Zudem wurde zeitweise die zeitliche Obergrenze für den Bezug von Arbeitslosengeld von 104 Wochen ausgesetzt. Denjenigen, die den Anspruch nach dem 31. Oktober 2020 verloren haben oder verlieren werden, wird bis zum 1. Juli 2021 Unterstützung ausgezahlt.

    Damit die Zeit ohne Anstellung so kurz wie möglich bleibt, sollen Unternehmen zu Neuanstellungen motiviert werden. Mit Nachlässen bei den Sozialabgaben sollen Kleinstfirmen zum Wachstum animiert werden. Damit auch Berufseinsteiger und Langzeitarbeitslose bessere Chancen haben, werden mehr Mittel für Einführungs- und Extrajobs bereitgestellt. Zudem können Unternehmen unabhängig von ihrer Größe günstiger Berufseinsteiger einstellen.

    Flexiblere Krankschreibungen

    Die Gültigkeit großzügigerer Regelungen im Krankheitsfall ist um vier Monate bis Ende April 2021 verlängert worden. Angestellte müssen demnach am 15. statt wie bisher am 8. Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Arbeitgeber können die Erstattung der während der Zusatzfehltage ausgezahlten Löhne bei der Sozialversicherung beantragen. Handelt es sich um eine langwierige Krankheit, die einer Reha bedarf, kann die übliche Überprüfung der Arbeitsfähigkeit nach 180 Krankheitstagen ab März 2021 auf einen Zeitpunkt nach dem 365. Tag verlegt werden, falls der Arzt glaubt, bis dahin sei der Patient wieder arbeitsfähig.

    Eigentümer von Ein-Personen-Gesellschaften sowie Kommanditisten können ebenfalls bis Ende April 2021 einen pauschalen Ausgleich für die ersten 14 Krankheitstage sowie eine Kompensation für eine vom Arzt verordnete Quarantäne in Anspruch nehmen. Mitbewohner von positiv auf Covid-19 getesteten Personen werden angehalten, ebenfalls zu Hause zu bleiben. Dafür können sie die sogenannte Trägerzulage (smittbärarpenning) beantragen. Diese beträgt bis zu 80 Prozent ihres Gehaltes, aber nicht mehr als 78 Euro pro Tag.

    Aktuelle Informationen zu Krisenmaßnahmen in Schweden
    • Eine Übersicht der Corona-Hilfsmaßnahmen auf Englisch bietet das öffentliche Businessportal Verksamt an.
    • Auf Deutsch informiert das Sonderportal der AHK Schweden.

    Innovationen und Umwelt bieten Chancen

    Trotz des Umfangs der akuten Hilfsmaßnahmen bleiben in der Staatskasse genug Mittel für zukunftsorientierte Programme. Zwar wird sich auch im größten Land Skandinaviens die seit 2015 gehaltene "schwarze Null" wieder rot einfärben. Der öffentliche Schuldenstand, der 2019 bei etwa 35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) lag, wird 2020 sichtlich zulegen. Dennoch wird der schwedische Haushalt damit im Vergleich mit den anderen Staaten der Europäischen Union weiterhin sehr gut dastehen.

    Die schwedische Finanzministerin kündigte für 2021 ein Konjunkturpaket im Umfang von knapp 10 Milliarden Euro an. Im Fokus stehen Nachhaltigkeit, Innovationen, Bildung und Gesundheit.

    Unternehmen und Forschungsinstitute erhalten Unterstützung für ihre Innovationstätigkeit. Um auch die allgemeine Investitionstätigkeit zu beschleunigen, erhalten Unternehmen zudem neue Abschreibungsmöglichkeiten für die Erneuerung des Maschinenparks. Sie werden auch auf dem Weg zum „fossilfreien Schweden“ unterstützt. Die zentrale Bezuschussung der Gesundheitspflege wird sowohl in direkter Verbindung mit der Pandemiebekämpfung als auch in Bereichen wie Onkologie, notärztliche Hilfe oder Geburtshilfe eingesetzt.

    Schwedischer Corona-Impfplan

    Schwedens will allen Erwachsenen bis Ende Juni 2021 einen Impftermin anbieten. Einige der dafür verantwortlichen 21 Regionen haben aber bereits erklärt, dass sie wegen der Lieferengpässe frühestens Mitte Juli so weit sein werden.


    Die Impfung ist freiwillig und kostenlos und soll in folgender Reihenfolge durchgeführt werden:

    1. Pflegeheimbewohner und Senioren in häuslicher Pflege sowie deren Mitbewohner und medizinische Pfleger (Januar 2021);
    2. Personen ab dem 65. Lebensjahr oder mit Behinderungen sowie Gesundheitspersonal (Januar-Februar 2021);
    3. Personen unter dem 65. Lebensjahr aus Risikogruppen (Februar-März 2021);
    4. Sonstige Erwachsene (Frühestens im April 2021).

    Die schwedische Gesundheitsagentur Folkhälsomyndigheten sieht vorerst keine Impfungen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vor. In Fällen vorliegender Vorerkrankungen kann eine Impfmöglichkeit mit dem zuständigen Kinderarzt geprüft werden.

    Quelle: Nationales Gesundheitsamt Sundhedsstyrelsen 2021

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Schweden führt eine Testpflicht bei Einreisen ein. Einzelne Regionen verschärfen Coronamaßnahmen. (Stand: 24. Februar 2021) 

    Das am 8. Januar 2021 vom Parlament verabschiedete Pandemiesondergesetz gibt der Regierung bis Ende September dieses Jahres eine Rechtsgrundlage, um weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu verhängen. Bisher wurden allerdings hauptsächlich die bisher geltenden, im europäischen Vergleich eher lockeren Maßnahmen verlängert.

    Aus deutscher Sicht vielleicht ungewöhnlich ist das Thema rekommendationer, hier geht es um Empfehlungen. Diese sind theoretisch freiwillig, Verstöße werden also nicht geahndet. Allerdings wird im öffentlichen Leben ein hohes Maß an Selbstverantwortung vorausgesetzt. Um Missverständnisse und Unannehmlichkeiten zu vermeiden, sollten die Empfehlungen nach Möglichkeit befolgt werden.

    Wird die theoretische Freiheit überstrapaziert und die Infektionslage entsprechend gravierender, lässt sich die Regierung Möglichkeiten für weitere Einschränkungen offen. Hierzu gehören laut Sozialministerin Lena Hallengren Schließungen im Einzelhandel, im Dienstleistungssektor, im Gastgewerbe sowie im Freizeit- und Kulturbereich. Einer eventuellen Umsetzung muss die Zustimmung des Parlaments vorausgehen.

    Landesweit nur wenige Einschränkungen

    Bisher müssen landesweit im Einzelhandel sowie in Sport- und Freizeiteinrichtungen nur Kundenobergrenzen eingehalten werden - zehnmal weniger Personen als die Fläche in Quadratmetern dürfen es sein. Im Dienstleistungssektor soll auf Hygieneregeln und Maßnahmen zur Infektionsvermeidung geachtet werden.

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland

    Gaststätten müssen einen Mindestabstand von einem Meter zwischen Gästegruppen gewährleisten. Diese dürfen wiederum nicht mehr als vier Personen umfassen. Speisen und Getränke dürfen nur an Tischen serviert werden. Auch der Verkauf zum Mitnehmen ist erlaubt. Ab März dürfen Restaurants, Bars oder Cafés bis maximal 20.30 Uhr geöffnet bleiben.

    Das bisher für alle Zusammenkünfte geltende Teilnehmerlimit von acht Personen könnte im März zumindest im öffentlichen Bereich durch eine flexiblere Lösung ersetzt werden, die nach Innenräumen und Außenbereichen sowie Veranstaltungsarten unterscheidet. Bis dahin gilt nur eine Ausnahme für Beerdigungen, hier dürfen 20 Personen teilnehmen.

    Homeoffice wo es nur geht

    Bis Ende Mai 2021 sind staatliche Agenturen angehalten, Mitarbeiter, deren Präsenz im Büro nicht zwingend notwendig ist, ins Homeoffice zu schicken. Private Arbeitgeber sollen dem Beispiel nach Möglichkeit folgen. Dort, wo Arbeit im Homeoffice keine Option ist, könnte das Schwedische Zentralamt für Arbeitsumwelt vorbeischauen. Dieses wurde von der Regierung beauftragt, "gezielte Aufsichtsmaßnahmen mit Schwerpunkt auf gefährdete Branchen für die Coronaausbreitung" durchzuführen. Im Fokus dürfte unter anderem die Einhaltung der Coronaregeln stehen, die das Amt veröffentlicht.

    Wer doch im Büro präsent sein muss, sollte andere Transportmöglichkeiten als den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen. In diesem gilt landesweit die Empfehlung, an Werktagen zu Stoßzeiten (7 bis 9 Uhr sowie 16 bis 18 Uhr) einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Im Fernbusverkehr ab einer Streckenlänge von 150 Kilometern wird bis mindestens Ende Mai 2021 jeder zweite Sitzplatz freibleiben müssen.

    Lokale Unterschiede

    Seit Mitte Februar nutzen einzelne Kommunen verstärkt ihre Befugnisse eigene, schärfere Regelungen einzuführen. Dazu gehört beispielsweise die Ausweitung der Empfehlung zum Mund-Nasen-Schutz-Tragen auf den gesamten Tag und auf alle öffentlichen Innenräume.

    Auch kann in Schulen ab der zweiten Sekundarstufe (Gymnasieskola) Fernunterricht eingeführt werden. In der Region Västra Götaland um Göteborg gilt beispielsweise seit dem 21. Februar 2021die Empfehlung, das bestimmte Altersgruppen nur noch 20 Prozent Präsenzunterricht haben sollen. In der Kommune Stockholm soll direkt nach den Winterferien, also in der zweiten Märzwoche, der gesamte Unterricht auf Distanz stattfinden. Hochschulen sind landesweit aufgerufen, den Unterricht in einer Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht durchzuführen.

    Eine Übersicht der lokal und regional geltenden Sonderregelungen bietet das offizielle Regierungsportal auf Englisch.

    Bis Ende März gelten strengere Einreiseregeln

    Einheitlich sind die vorerst bis Ende März 2021 geltenden, verschärften Einreisebestimmungen. Von Geschäftsreisenden außerhalb des Transportsektors wird je nach Land des Reiseantritts zumindest ein negatives Testergebnis eines maximal 48 Stunden zuvor gemachten Coronatests verlangt. Wer den Einreiseregeln nicht nachkommt, wird an der Grenze abgewiesen. Vorabgenehmigungen für die Einreise werden nicht erteilt.

    Schwedische Einreiseregeln

    Ausreiseland / Personengruppe

    EU (ausgenommen Dänemark)

    Dänemark, Norwegen, Vereinigtes Königreich

    Andorra, Island, Liechtenstein, Monaco, San Marino, Schweiz, Vatikanstaat

    sonstige Länder (mit Ausnahmen)

    Personen mit Wohnsitz / Aufenthaltsgenehmigung in Schweden

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    Personen unter 18 Jahren

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    Personen, die ein Kind unter 18 Jahre begleiten

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    Personen, die in dringenden Familienangelegenheiten reisen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    Elternteile, die zu ihrem in Schweden wohnhaften Kind reisen

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    Personen, die zur dringenden medizinischen Behandlung nach Schweden reisen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    Personen, die zum Studium einreisen

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    Flugpassagiere im Transit

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    Personen, die Waren oder Personal transportieren

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    Seeleute

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    Pendler

    mit negativem Testergebnis (bis zu 7 Tage alt)

    mit negativem Testergebnis (bis zu 7 Tage alt)

    mit negativem Testergebnis (bis zu 7 Tage alt)

    mit negativem Testergebnis (bis zu  7 Tage alt)

    Personal im Gesundheitswesen und in der Altenpflege, Forscher

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    Fachkräfte, deren Arbeit nicht aufschiebbar und aus wirtschaftlicher Perspektive notwendig ist

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    Saisonarbeiter in der Land-, Forst- und Gartenwirtschaft

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    Personen, die im Rahmen der Rentierhaltung die Grenze überschreiten

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    Diplomaten

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    Personen, die in internationalen Organisationen arbeiten und deren Präsenz in Schweden unabdingbar ist

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    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    Personen, die an der internationalen Polizei-, Rettungskräfte- oder Zollzusammenarbeit teilnehmen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    Personen, die an der internationalen Militärzusammenarbeit teilnehmen

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    Personen, die an internationalen Profisportveranstaltungen teilnehmen

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    Personen, die internationalen Schutzes bedürfen bzw. aus humanitären Gründen einreisen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    ohne Einschränkungen

    Personen, die sonstige Arbeiten in Schweden ausführen

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    Personen, die über Schweden zwischen Dänemark und Bornholm verkehren

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    Sonstige Personen

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    mit negativem Testergebnis

    Einreiseverbot

    Quelle: Schwedisches Justizministerium 2020

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Flugverkehr stark zurückgegangen

    Durch die neuen Regelungen dürfte die Erholung im Flugverkehr auf sich warten lassen. Der schwedische Flughafenbetreiber Swedavia meldete für 2020 einen Rückgang der Passagierzahlen um 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr - auf das Niveau der frühen 1980er Jahre. Ebenso stark zurückgegangen ist die Anzahl der Flugverbindungen nach Europa.

    Der Verkehr auf dem Seeweg funktioniert größtenteils gemäß den normalen Fahrplänen. Allerdings gelten besondere Infektionsschutzmaßnahmen, wie eine Maskenpflicht. Aktuelle Details sind bei den Betreibern Stena Lines und TT-Lines einzusehen.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

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