Special Südkorea Wege aus der Coronakrise

Südkorea stemmt sich gegen das Coronavirus

Südkorea wehrt sich bisher erfolgreich gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Das verarbeitende Gewerbe hält sich ziemlich gut. Dennoch musste die Regierung die Märkte stützen.


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Südkoreas Neuinfektionen mit Covid-19 sind stabil. Das verarbeitende Gewerbe erreichte im 4. Quartal 2020 wieder das Vorkrisenniveau. Das gilt jedoch nicht für alle Branchen. (Stand: 24. März 2020)

    Südkorea wurde früh von der Pandemie getroffen. Eine Zeit lang hatte das Land wegen der massiven Verbreitung des Coronavirus in Daegu und Umgebung nicht nur die höchsten Infektionszahlen nach China, sondern auch pro Kopf deutlich mehr Fälle als die Volksrepublik. Auch wenn die dritte Infektionswelle noch nicht überwunden ist, bleibt Südkorea im Vergleich zu Europa oder den USA erfolgreich bei der Bekämpfung der Pandemie.

    Bewegungsfreiheit nach wie vor gegeben

    Im Land gibt es keine größeren Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit. Ausnahmen gelten selbstverständlich für mit dem Coronavirus infizierte Personen und für Einreisende aus dem Ausland, die für zwei Wochen in Quarantäne müssen. Vereinzelt treten befristete Produktionsunterbrechungen oder Ladenschließungen auf, weil ein Mitarbeiter oder Kunde an Covid-19 erkrankt ist.

    Südkoreas Exporte brachen im April und im Mai 2020 wegen Shut- und Lockdowns in wichtigen Abnehmermärkten jeweils um rund ein Viertel gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat ein. Dementsprechend gab es in diesem Zeitraum mehr Produktionsstopps. Seitdem hat sich die Situation gebessert, und seit November 2020 liegen die Ausfuhren bereits wieder über dem Niveau von 2019. Da südkoreanische Firmen eine große Fertigung im Ausland haben, trafen die dortigen Werksschließungen (etwa in China, den USA oder Europa) und die geringere Nachfrage indirekt die südkoreanische Wirtschaft.

    Wirtschaft leidet, Industrie hält sich relativ gut

    Die Wirtschaft wurde von der Coronakrise stark getroffen, auch wenn der reale Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1 Prozent im Jahr 2020 einer der geringsten unter den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD war. Das verarbeitende Gewerbe erreichte im 4. Quartal von 2020 bereits wieder das Vorkrisenniveau. Für 2021 erwartet die Bank of Korea (BOK) beim BIP ein reales Plus von 3 Prozent. Obwohl für die Gesamtwirtschaft und für den Warenhandel bereits ein Übertreffen des Vorkrisenniveaus wahrscheinlich ist, gilt dies nicht für den privaten Konsum. Der Hauptgrund dafür ist die schwierige Situation am Arbeitsmarkt.

    Prognose für die südkoreanische Wirtschaft (reale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in Prozent)

    Indikator

    2017

    2018

    2019

    20201

    20212

    20222

    BIP

    3,2

    2,9

    2,0

    -1,0

    3,0

    2,5

    Privater Verbrauch

    2,8

    3,2

    1,7

    -4,9

    2,0

    2,8

    Ausrüstungsinvestitionen

    16,5

    -2,3

    -7,5

    6,8

    5,3

    3,0

    Export von Waren3

    15,8

    5,4

    -10,4

    -5,5

    9,6

    4,4

    Import von Waren3

    17,8

    11,9

    -6,0

    -7,1

    11,6

    5,2

    1) vorläufiges Ergebnis; 2) Prognose; 3) nominale Veränderung in ProzentQuelle: BOK

    Halbleiterboom hilft durch die Krise

    Besonders gut hat sich in der Krise die Elektronikindustrie und dabei vor allem das Segment der Halbleiter geschlagen. Hier treibt die Pandemie die ohnehin wachsende Nachfrage weiter, sodass die Aussichten auch für 2021 sehr gut sind. Daneben konnte vor allem die Nahrungsmittelindustrie wachsen. Dagegen waren Raffinerien, der Schiffbau sowie die Kfz- und Stahlindustrie stark von der Pandemie betroffen. Die Aussichten für die Produktion in der Kfz-Industrie sind für 2021 angesichts der verbesserten Nachfrage auf ausländischen Absatzmärkten aber deutlich besser als noch 2020. Aufgrund der Erholung in wichtigen Industriebranchen dürfte sich 2021 zudem die Lage in der Chemieindustrie und Stahlbranche verbessern.

    Im Dienstleistungssektor wuchsen 2020 von den wichtigeren Branchen nur der Finanzsektor, der öffentliche Sektor, Telekommunikation und das Gesundheitswesen. Eingebrochen ist hingegen die Wirtschaftsleistung im Freizeitsektor sowie bei Hotels und Restaurants. Aufgrund der nach wie vor bestehenden Einschränkungen bei Kontakten, insbesondere im privaten Bereich, bleibt die Lage in diesen Branchen 2021 angespannt.

    Zahlreiche Unternehmen sind von Einnahmeausfällen und Liquiditätsengpässen betroffen. Dadurch entsteht das Risiko von Zahlungsunfähigkeiten. So ist beispielsweise die Zukunft des Autobauers Ssangyong zurzeit noch offen.

    Deutsche Unternehmen in Südkorea rechnen 2021 mit Erholung

    Deutsche Firmen in Südkorea sind von der schwierigen Lage weniger betroffen als die Gesamtwirtschaft. Laut der Umfrage der AHK Korea unter ihren Mitgliedern vom März 2021 gaben 47 Prozent an, dass ihr Umsatz in Südkorea 2020 gestiegen ist, während 36 Prozent berichteten, dass er geringer als im Vorjahr ausfiel. Diese Einschätzung spiegeln die gestiegenen deutschen Exporte nach Südkorea im Coronajahr 2020 wider.

    Der Ausblick für die nächsten zwei Jahre ist grundsätzlich positiv. Insgesamt 44 Prozent der deutschen Unternehmen sind teilweise optimistisch, weitere 42 Prozent neutral und nur 11 Prozent pessimistisch im Hinblick auf ihren Umsatz in Südkorea. Die Erwartungen für die Gewinne sind insgesamt neutral, mit 33 Prozent teilweise optimistischen und 31 Prozent teilweise oder stark pessimistischen Firmen. Des Weiteren gaben 58 Prozent der befragten Unternehmen an, ihre Investitionen und Geschäftsausgaben im Land unverändert zu lassen, während 34 Prozent diese erhöhen wollen. Mit 64 Prozent erwartet ein Großteil der Umfrageteilnehmer noch 2021 die Erholung vom Coronavirus, wobei 58 Prozent dabei vom 2. Halbjahr 2021 ausgehen. Allerdings rechnen dennoch 30 Prozent der Firmen damit, dass nachhaltige Besserung erst 2022 oder später eintreffen wird.

    Trotz der guten Geschäftsergebnisse und des erfolgreichen Umgangs mit der Coronakrise fühlt sich eine Mehrheit der deutschen und europäischen Unternehmen in Südkorea schlechter behandelt als einheimische Firmen. Dabei beklagen die Befragten die diskretionäre Umsetzung von Regeln, die fehlende Transparenz politischer Entscheidungen, das Umfeld sich abzeichnender zusätzlicher neuer Verantwortlichkeiten sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Die Ergebnisse der Umfragen können auf der Webseite der AHK Korea eingesehen werden.

    Weitere Informationen zur Wirtschaftsstruktur finden sich im Beitrag "Südkorea im Umbruch".

    Von Frank Robaschik | Seoul

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Südkorea stabilisiert seine Wirtschaft vor allem über die Eindämmung des Virus, Liquiditätshilfen, die Stützung der Devisenmärkte und die Förderung bestimmter Branchen. (Stand: 24. März 2021)

    Maßnahmen zur unmittelbaren Bewältigung der Krise

    Die südkoreanische Regierung machte bereits früh deutlich, dass sie bereit ist, die Wirtschaft mit finanziellen Mitteln zu stützen. Im Februar/März 2020 setzte ein starker Abfluss ausländischen Kapitals aus Südkorea ein und US-Dollar (US$) wurden trotz hoher Devisenreserven knapp. Die Spannung an den Devisenmärkten ließ erst nach, nachdem das Land am 19. März 2020 einen Währungs-Swap mit den USA über 60 Milliarden US$ vereinbarte.

    Die Financial Services Commission teilte am 24. März 2020 mit, dass Südkorea Liquidität von mehr als 85 Milliarden US$ bereitstellt. Darunter waren 50 Milliarden US$ für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie in Einzelfällen für große Firmen, 27 Milliarden US$ zur Stabilisierung des Anleihen- und rund 9 Milliarden US$ zur Stabilisierung des Aktienmarkts eingeplant. Das Paket enthielt zudem 17 Milliarden US$, um Exporteure und südkoreanische Unternehmen im Ausland mit Liquidität zu unterstützen. Danach folgten weitere Liquiditätshilfen, unter anderem für Airlines, Reedereien, Raffinerien und den Schiffbau.

    Die Bank of Korea senkte am 16. März 2020 den Leitzins um 50 Basispunkte auf 0,75 Prozent und ließ Anleihen von Banken als Sicherheit für ihre Offenmarktoperationen zu. Am 26. März versprach sie unbegrenzte Liquidität für Finanzinstitute für die drei Monate April, Mai und Juni 2020. Am 28. Mai 2020 senkte sie den Leitzins nochmals um 25 Basispunkte auf 0,5 Prozent.

    Für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern bezahlten Urlaub gewährten, waren von April bis September 2020 im Falle von KMU Zuschüsse von bis zu 90 Prozent der Löhne möglich, im Falle großer Firmen von bis zu zwei Dritteln. Die Zuschüsse sind an einige formale Voraussetzungen gebunden und greifen nicht bei Arbeitszeitverkürzung. Für die Branchen Verkehr, Beherbergung, Messen und Ausstellungen, Luftabfertigung und Duty-free-Shops gelten die großzügigeren Regeln noch bis Ende März 2021.

    Maßnahmen zur wirtschaftlichen Wiederbelebung

    Im Jahr 2020 legte die Regierung vier Nachtragshaushalte auf und erhöhte damit die geplanten Ausgaben um knapp 36 Milliarden US$. Ein Schwerpunkt war die Minderung sozialer Härten. Der Budgetansatz für 2021 liegt über dem von 2020, einschließlich der Nachtragshaushalte. Darüber hinaus stieß die Regierung Anfang März 2021, etwas mehr als einen Monat vor den Wahlen in Seoul und Busan, einen weiteren Nachtragshaushalt in Höhe von mehr als 12,5 Milliarden US$ mit einem Fokus auf Hilfen für kleine Firmen an. Das größte staatliche Wohnungsbauunternehmen sollte sein Projektvolumen 2020 auf circa 17 Milliarden US$ nahezu verdoppeln.

    Von März bis Juni 2020 senkte die Regierung die Verbrauchsteuer beim Erwerb von Autos von 5 Prozent auf 1,5 Prozent. Zwischen Juli 2020 und Juni 2021 gilt ebenfalls eine reduzierte Steuer von nunmehr 3,5 Prozent.

    Am 15. Juni 2020 kündigte das Ministry of Economy and Finance (MOEF) mehr als 12 Milliarden US$ an Krediten, Garantien, Fonds und Versicherungen zur Unterstützung südkoreanischer Firmen bei Bauprojekten im Ausland an. Auch die Auflage eines Fonds in Höhe von circa 1 Milliarde US$ zur Förderung des Exports von Waren und Dienstleistungen des Gesundheitssektors war ein Bestandteil.

    Der am 3. Juli 2020 vom Parlament genehmigte dritte Nachtragshaushalt über circa 30 Milliarden US$ dient primär zur Finanzierung des New Deal mit Schwerpunkten auf der Digitalisierung und mehr Umweltfreundlichkeit. Die Stadt Seoul will im Rahmen eines Green New Deal bis 2022 mehr als 2 Milliarden US$ aufwenden.

    Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen

    Das Ministry of Science and ICT brachte die Telekommunikationsgesellschaften über die Bereitstellung von Finanzierungen dazu, die Investitionen in 5G-Netze im 1. Halbjahr 2020 auf 3,4 Milliarden US$ anheben zu wollen. Am 15. Juli 2020 verkündete das Ministerium, dass die drei großen Mobilfunkanbieter und SK Broadband ab diesem Datum bis 2022 insgesamt mehr als 20 Milliarden US$ in den Ausbau der mobilen 5G-Netze investieren werden.

    Das staatliche Budget für Infrastrukturausgaben stieg 2020 um 17,6 Prozent, wobei es 2021 nochmal um einen zweistelligen Prozentsatz zulegen soll.

    Im Rahmen des Digital New Deal soll unter anderem künstliche Intelligenz stärker genutzt werden. Hinzu kommt im Rahmen der Industriepolitik die Förderung weiterer Zukunftsbranchen wie Biopharmazeutika, Halbleiter, autonomes Fahren, Elektromobilität, Wasserstoffwirtschaft, Robotik, Batterien und Drohnen.

    Zugang zu Fördermitteln für deutsche Firmen

    Am interessantesten ist für deutsche Unternehmen die Steuersenkung beim Kauf von Autos. Dank dieser Maßnahme konnten deutsche Anbieter 2020 mehr Autos als im Vorjahr verkaufen. In Einzelfällen nutzten deutsche Firmen laut einer Umfrage der AHK Korea das Programm für Zuschüsse für Mitarbeiter in bezahltem Urlaub. Zum Teil konnten sie Hilfsprogramme nicht nutzen, da sich diese an KMU richteten und bei der Bewertung der Unternehmensgröße der Niederlassungen in Südkorea auch die Zentralen in Deutschland mitgezählt wurden. Bei anderen Programmen berichteten Umfrageteilnehmer, dass das Design der Programme nicht auf den Unternehmensalltag in den Firmen passe.

    Öffentliche Verschuldung

    Südkoreas Regierung war 2019 laut Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD mit rund 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes nicht überdurchschnittlich hoch verschuldet. Damit können die geplanten Programme finanziert werden. Allerdings ist die Geschwindigkeit der Schuldenzunahme 2020 sehr hoch, die Bevölkerung altert rapide und dürfte bald abnehmen, was die Tragbarkeit der Verschuldung erschweren wird.

    Informationen zu weiteren Maßnahmen der südkoreanischen Regierung zur Stützung der Wirtschaft finden sich auf einer Sonderseite der AHK Korea und beim MOEF.

    Südkoreanischer Impfplan

    Südkorea begann am 26. Februar 2021 mit den Impfungen und hat bis zum 23. März mehr als 700.000 Menschen geimpft. Bis zur nächsten Grippesaison im November 2021 will das Land Herdenimmunität erreichen.


    Prioritäten des Ende Januar 2021 veröffentlichten Impfplans sind:

    • Medizinisches Personal mit hohem Kontaktrisiko zu Covid-19- und Risikopatienten; Personal und Insassen von Gefängnissen
    • Personen in der Altenpflege, sonstiges medizinisches Personal
    • Erwachsene mit chronischen Krankheiten und Personen ab 65 Jahren, beginnend mit älteren Bevölkerungsgruppen.


    Am 16. Februar gab das Amt des Premierministers den Kauf von weiteren 46 Millionen Impfdosen von Pfizer/BioNTech und Novavax bekannt. Damit soll Impfstoff für 79 Millionen Menschen zur Verfügung stehen. Südkorea hat knapp 52 Millionen Einwohner.

    Von Frank Robaschik | Seoul

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Einreisende nach Südkorea müssen für zwei Wochen in Quarantäne. Im Inland bestehen keine Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Seit Weihnachten gelten Kontaktbeschränkungen. (Stand: 24. März 2021)

    Innerhalb Südkoreas gibt es – außer in der Quarantäne – keine Einschränkungen bei der Bewegung im Land. Dennoch sind alle aufgerufen, zur Eindämmung des Virus eine angemessene Distanz zu wahren und Hygieneregeln einzuhalten. Ferner muss beispielsweise auf öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

    Visafreie Einreise aus Deutschland ausgesetzt

    Seit dem 13. April 2020 ist die visafreie Einreise für Deutsche ausgesetzt, im Gegenzug zu den Einreisebeschränkungen für Südkoreaner in Deutschland. Visa für touristische Zwecke werden zurzeit nicht erteilt. Für das Boarding eines Fluges nach Südkorea muss seit dem 8. Januar 2021 ein innerhalb von 72 Stunden vor der Ausreise ausgestelltes negatives Covid-19-PCR-Testergebnis in englischer oder koreanischer Sprache vorgelegt werden. Außerdem muss die Körpertemperatur beim Einstieg ins Flugzeug unter 37,5 Grad liegen, ansonsten wird die Beförderung verweigert. Seit dem 1. April 2020 sind alle nach Südkorea einreisenden Personen verpflichtet, sich in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne zu begeben. Zusätzlich müssen sie bei Ankunft einen Corona-Test absolvieren. Des Weiteren sind seit dem 1. Juni 2020 im Land lebende Ausländer verpflichtet, in der Regel bereits vor der Ausreise aus Südkorea eine Erlaubnis zur Wiedereinreise zu beantragen.

    Quarantäne und ärztliches Zeugnis können in Ausnahmefällen für Inhaber einer Quarantänebefreiung (Isolation Exemption Certificate) entfallen. Eine solche Bescheinigung kann vor Reiseantritt von der südkoreanischen Botschaft im Herkunftsland für Personen ausgestellt werden, die aus einem wichtigen geschäftlichen, humanitären oder akademischen Grund Südkorea kurzzeitig besuchen. Die AHK Korea hat die Unterstützung von Geschäftsreisenden, wie etwa Monteuren, bei der Beantragung einer Quarantänebefreiung als neue Dienstleistung eingeführt.

    Viele Firmen lassen einen Teil ihrer Mitarbeiter von zu Hause arbeiten. Schulen durften mit einer teilweisen Unterbrechung von Ende Mai bis Juli 2020 lange Zeit nur im Online-Format unterrichten. Von der zweiten Septemberhälfte bis Mitte Dezember 2020 und wieder seit Mitte Februar 2021 fand und findet – je nach Alter der Schüler – mit bis zu einem Drittel oder zwei Dritteln der Stunden wieder Präsenzunterricht in den Schulen statt.

    Die Regierung versucht trotz der im ost- und südostasiatischen Vergleich hohen Fallzahlen, die Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes so gering wie möglich zu halten.

    Private Kontakte seit Weihnachten stark eingeschränkt

    Im November 2020 führte die Regierung ein neues System des Social Distancing mit zusätzlichen Stufen ein. Nach diesen Kriterien hätte vor Weihnachten bereits die höchste Stufe dieses Systems ausgerufen werden können. Die Regierung schreckte allerdings davor zurück, weil dann viele kleine Unternehmen hätten vorübergehend schließen müssen. Stattdessen wurden über Weihnachten und Neujahr (23. Dezember 2020 bis 3. Januar 2021) im Großraum Seoul, in dem die Hälfte der Bevölkerung wohnt, Treffen von mehr als vier Personen untersagt. Damit sollten private Kontakte reduziert werden. Ausnahmen galten für Hochzeiten und Beerdigungen mit bis zu 50 Teilnehmern. Die Maßnahme wurde seitdem immer wieder verlängert und gilt inzwischen landesweit. Eine Lockerung der Social-Distancing-Stufen wurde mehrfach angekündigt, aber angesichts konstanter Neuinfektionen verschoben.

    Stufen des Social Distancing in Südkorea seit November 2020

    Stufe 1

    Stufe 1.5

    Stufe 2

    Stufe 2.5

    Stufe 3

    Neuinfektionen pro Tag (Wochenschnitt)

    Unter 100 im Großraum Seoul; unter 30 in den meisten Regionen; unter 10 in Gangwon und in Jeju

    Wie Stufe 1; bei Menschen ab 60 Jahren unter 40 im Großraum Seoul, unter 10 in den meisten Regionen; unter 4 in Gangwon und Jeju

    Verdopplung von Neuinfektionen innerhalb einer Woche mit Stufe 1,5 oder Infektionen unter Stufe 1,5 steigen in zwei oder mehr Provinzen simultan weiter an oder mehr als 300

    400 bis 500 oder Infektionen steigen landesweit trotz Stufe 21


    800 bis 1.000 oder Infektionen steigen landesweit trotz Stufe 2,51

    Schulen

    Max. 2/3 der Schüler in Schulen2

    Max. 2/3 der Schüler in Schulen2

    Max. 1/3 der Schüler in Schulen2

    Max. 1/3 der Schüler in Schulen2

    Nur Online-Unterricht

    Ansammlungen von Menschen

    Mehr als 500 Menschen nur nach vorheriger Absprache mit regionalen Gebietskörperschaften

    Feste und einige Arten von Treffen mit mehr als 100 Teilnehmern verboten

    Mehr als 100 Personen verboten

    Mehr als 50 Personen verboten

    Mehr als 10 Personen verboten

    Religiöse Rituale

    Jeder zweite Sitz bleibt frei

    Max. 30 Prozent der Plätze belegt; kein Essen

    Max. 20 Prozent der Plätze belegt; kein Essen

    Max. 20 Personen; kein Essen

    Nur Online

    Büros von Institutionen und Firmen

    Teil der Mitarbeiter soll von zu Hause arbeiten (etwa 1/5 der Belegschaft)

    Teil der Mitarbeiter soll von zu Hause arbeiten (etwa 1/3 der Belegschaft)

    Teil der Mitarbeiter soll von zu Hause arbeiten (etwa 1/3 der Belegschaft)

    Teil der Mitarbeiter soll von zu Hause arbeiten (möglichst mehr als 1/3 der Belegschaft)

    Alle Mitarbeiter müssen von zu Hause arbeiten; wenige Ausnahmen für Büro-Präsenz

    1) Anteil von Patienten ab einem Alter von 60 Jahren, Neuinfektionen sowie verfügbare Krankenhausbetten für Schwerkranke können als zusätzliche Kriterien genutzt werden; 2) Rest der Schüler hat Online-UnterrichtQuelle: Ministry of Health and Welfare

    Vereinfachte Reisemöglichkeiten mit China und weiteren Ländern

    Südkorea und China haben vereinfachte Einreisemöglichkeiten für Geschäftsleute des jeweils anderen Landes vereinbart. Diese gelten seit dem 1. Mai 2020 für zehn Städte und Regionen in der Volksrepublik (darunter Shanghai und Tianjin) beziehungsweise für ganz Südkorea. Details werden auf der Webseite des südkoreanischen Außenministeriums bereitgestellt.

    Später folgten sogenannte "Fast Track"-Vereinbarungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indonesien, Singapur und Japan. Die Übereinkommen mit Singapur und Japan gelten auch für im jeweiligen Partnerland und in Südkorea dauerhaft lebende Ausländer. Ab Anfang 2021 findet zudem eine Vereinbarung mit Vietnam Anwendung. Allerdings ist die Gewährung von Quarantänebefreiungen für eine ganze Reihe von Ländern, darunter das Vereinigte Königreich, Singapur und Japan, derzeit ausgesetzt.

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Bestimmungen werden seit dem Ausbruch der Coronapandemie regelmäßig den aktuellen Begebenheiten angepasst. Personen, die nach Südkorea reisen wollen, sollten sich daher unmittelbar vor der Reise erneut zur Situation vor Ort kundig machen.

    Die Logistik in Südkorea läuft nach wie vor gut. Häfen und Flughäfen sind weiterhin geöffnet. Allerdings kam es Verspätungen von Schiffen, sodass Warentransporte zum Teil länger dauerten. Da Linienflüge wegfielen, steht weniger Volumen für Luftfracht zur Verfügung, und die Preise sind gestiegen. Fluggesellschaften funktionierten daher teilweise Passagierflugzeuge zu Frachtmaschinen um. Inzwischen haben die Airlines einige Verbindungen wieder in den Flugplan aufgenommen.

    Von Frank Robaschik | Seoul

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