Special USA

USA: Infrastrukturausbau mit hohem Nachholbedarf

Die US-Regierung will die Ausgaben für die Infrastruktur künftig deutlich steigern. Vereinfachte Genehmigungsverfahren sowie eine stärkere Beteiligung privater Kapitalgeber stehen im Fokus. Der Investitionsbedarf in den Bereichen Verkehr, Wasser- und Energie ist beträchtlich. Deutsche Zuliefererprodukte und Ausrüstungen kommen in fast allen Marktbereichen zum Einsatz. Hindernis für ausländische Branchenunternehmen sind zunehmende Local-Content-Bestimmungen.

US-Regierung setzt auf private Investoren

Leistungsfähige Infrastrukturen sind für die USA von essenzieller Bedeutung. Angesichts der Entfernungen in dem drittgrößten Flächenland der Erde und des anhaltenden Wachstums von Wirtschaft und Bevölkerung müssen diese dort besonders hohen Ansprüchen genügen. Im Vergleich zu anderen führenden Industrienationen belegt die weltgrößte Volkswirtschaft bei der Infrastruktur allerdings schon länger keine Spitzenplätze mehr. Jahrzehntelange Unterinvestitionen machen sich in vielen Sektoren in zunehmenden Substanzverlusten bemerkbar. Dies betrifft vor allem die landgebundenen Verkehrs- und Transportwege, aber auch kommunale Wasserversorgungssysteme und vielerorts die Stromdistribution.

US-Experten fordern schon seit geraumer Zeit höhere Sektorinvestitionen, um mit der ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung auch künftig Schritt halten zu können. Nichtsdestotrotz blieben die Ausgaben in der jüngeren Vergangenheit weit hinter den geforderten Werten zurück. Gemessen als Anteil am BIP waren sie in den letzten Jahren rückläufig und liegen derzeit mit circa 2,4% sogar wieder unter ihrem langjährigen Durchschnittswert (2,6%).

Die volkswirtschaftlichen Folgekosten sind beträchtlich. Allein im Straßenverkehr werden sie - durch Arbeitszeitverluste, Lieferverzögerungen, erhöhte Benzinkosten etc. - auf jährlich hohe zwei- oder sogar dreistellige Milliarden-US-Dollar-Beträge geschätzt. Nach einem im März 2017 herausgegebenen Report der American Society of Civil Engineers (ASCE) sind die bis 2025 projizierten US-Infrastrukturausgaben von insgesamt rund 2,5 Billionen $ bei Weitem nicht ausreichend, um den Notwendigkeiten im Land gerecht zu werden. Für alle Infrastrukturen zusammen hält der Verband bis dahin noch rund 2 Billionen $ zusätzlich für erforderlich.

Ein zentrales Ziel der neuen Trump-Regierung ist es, die US-Infrastrukturausgaben künftig deutlich zu steigern. Dies soll durch vereinfachte Projektgenehmigungsverfahren und eine rund 1 Billion US$ umfassende Investitionsoffensive bewerkstelligt werden. Ein maßgeblicher Finanzierungsbeitrag ist in dem Trump-Plan privaten Kapitalgebern zugedacht. Zudem soll er unter der Leitmaxime „Buy American - Hire American“ stehen. Weitere Details waren bis Anfang Juni 2017 noch nicht bekannt.


Rahmenbedingungen

Indikator

2016

2025 (Prognose)

Bevölkerung (in Mio.)

324,1

345,1

Bevölkerungswachstum (in %)

0,7

0,7

Bevölkerung Stadt (in Mio.)

268,0

292,3

Bevölkerung Land (in Mio.)

56,1

52,8

BIP (real, in Mrd. US$)

18.403

25.889

Investitionen (in % des BIP)

19,8

20,3 *)

*) 2021
Quellen: Worldometers; Congressional Budget Office; IWF; Berechnungen von Germany Trade & Invest


Qualität der Infrastruktur (2016/2017)

 

Ranking

Score

Qualität der gesamten Infrastruktur (Transport, Telefonie, Kommunikation)

12

5,7

Qualität der Straßen

13

5,6

Qualität der Schienentransportsysteme

13

5,1

Qualität der Häfen

10

5,7

Qualität der Lufttransportsysteme

9

6,1

Qualität der Elektrizitätsversorgung

17

6,5

Quelle: Global Competitiveness Report


Text: Martin Wiekert

USA will Verkehrsprojekte verstärkt als PPP ausschreiben

Bei der Straßen- und Brückeninfrastruktur wird der Investitionsbedarf besonders hoch eingeschätzt. Fast zwei Drittel aller US-Straßen befinden sich nach einer Erhebung der Obama-Regierung in keinem guten Zustand mehr. Und fast 56.000 Brücken im Land sind laut der American Road and Transportation Builders Association (ARTBA) dringend reparaturbedürftig oder müssten eigentlich ersetzt werden.

Durch den Ende 2015 verabschiedeten „Fixing America’s Surface Transportation Act“ (FAST) wurden zwar einige wichtige Bundesprogramme für weitere fünf Jahre am Laufen gehalten. Für mehr als eine Beibehaltung des bisherigen jährlichen Ausgabenniveaus wird das 305 Mrd. US$ teure Finanzierungspaket jedoch nicht ausreichen.

Geht es nach der neuen Trump-Regierung, sollen gerade prioritäre Verkehrsprojekte künftig vermehrt im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften (PPP) finanziert werden. Die bisherigen Erfahrungen mit solchen Modellen sind in den USA jedoch eher durchwachsen. Hinzu kommt, dass Mautstraßen und -brücken bei den Bürgern unbeliebt sind. Es bleibt abzuwarten, inwieweit es der neuen Regierung gelingt, für solche Vorhaben vermehrt private Investoren zu gewinnen. Im US-Kongress würde es ihr angesichts anhaltender Defizitprobleme Schwierigkeiten bereiten, für ihre Infrastrukturpläne in größerem Umfang neue Mittel zu gewinnen.

Im Bereich des Schienenverkehrs besteht vor allem bei Stadt- und Regionalbahnen ein erhöhter Modernisierungs- und Ausbaubedarf. Insbesondere in den Ballungszentren sind die öffentlichen Massenverkehrssysteme oft chronisch überlastet. Aufgrund fehlender Mittel müssen hier viele öffentliche Träger schon länger auf private Kapitalgeber setzen.

Interessante Beteiligungsmöglichkeiten bestehen zudem bei Projekten für neue Hochgeschwindigkeitspersonenzugstrecken. Neben der bereits in Bau befindlichen California High-Speed Rail gibt es auch noch eine Reihe weiterer interessanter Vorhaben.

Im Bereich der privaten Frachtbahnen könnten sich bald wieder bessere Auftragschancen ergeben. Hier wachsen die Hoffnungen, dass die Investitionen infolge der Trump-Politik und steigender Kohle-, Öl- und Industriegütertransporte künftig wieder zunehmen.

Bei Häfen und Wasserstraßen führt die Erweiterung des Panamakanals in den USA zu umfassenden Strukturveränderungen. Die Ost- und Südküstenhäfen werden dadurch attraktiver für den Warenaustausch mit Asien und investieren in neue Anlagen und Ausrüstungen. Das wachsende Exportgeschäft mit LNG und Erdöl bleibt weiterhin vor allem am Golf von Mexiko ein wichtiges Investitionsthema.

Auch im US-Flughafenbau ergeben sich attraktive Geschäftsmöglichkeiten. Steigende Einkommen und ein verbessertes Wirtschaftswachstum sorgten derzeit für ein anziehendes Fracht- und Passagieraufkommen. Verschiedene Großflughäfen stoßen zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen und müssen umfangreiche Modernisierungs- und Erweiterungsinvestitionen vornehmen. Dazu gehören unter anderem die Einrichtungen in La Guardia/New York, San Francisco International, Atlanta Hartsfield-Jackson oder auch Seattle-Tacoma.


Strukturdaten Verkehrsinfrastruktur

 

2016

2020 (Prognose)

Wert der Bauinvestitionen insgesamt (in Mrd. US$)

1.164,4

1.378,5

davon Verkehrsinfrastrukturbau

133,6

154,7

Straßennetz (in 1.000 Meilen) 2)

4.177,1

k.A.

Schienennetz (in 1.000 Meilen) 2)

140,0

k.A.

Flughäfen 2)

19.299

k.A.

Flughäfen (in Mio. Passagiere)

775,5

k.A.

Containerhäfen (Frachtvolumen, Mio. short tons, 1) 2)

2.345,8

k.A.

1) 1 short ton = 0,907 Tonnen; 2) 2014
Quellen: U.S. Census Bureau; FMI; Department of Transportation


Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mrd. US$)

Träger

Projektstand

California High-Speed Rail Project; Hochgeschwindigkeitszugverbindung über 520 Meilen zwischen San Francisco und Los Angeles/Anaheim

62,1

California High-Speed Rail Authority

Baubeginn erfolgt, fortlaufende Ausschreibung weiterer Baulose

Gateway Project; Bau eines Bahntunnels unter dem Hudson River und Modernisierung der regionalen Bahninfrastruktur

24,0

Amtrak und Port Authority of New York and New Jersey etc.

Planung, Finanzierung für Vorstudien gesichert

La Guardia Airport Terminal B Redevelopment; PPP/BOT-Projekt zur Flughafenmodernisierung

4,0

Port Authority of New York and New Jersey
La Guardia Central Partners

Planung/Bau

Quellen: Presseberichte, Recherche von Germany Trade & Invest


Text: Martin Wiekert


Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest:

Transport und Verkehr

Bauwirtschaft

USA setzen auf Erdgas und bauen Stromnetze aus

Die US-Energiewirtschaft befindet sich weiterhin in einem grundlegenden Strukturwandel. Der 2005 gestartete Fracking-Boom, der mit einer signifikanten Ausweitung der einheimischen Erdgas- und Rohölproduktion einherging, ist nach der Einschätzung der meisten Experten noch lange nicht am Ende. Die mit dem Ölpreiscrash ab Mitte 2014 einsetzende Branchenkonsolidierung könnte den Analysten zufolge schon bald überwunden sein. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass es nach der sich zuletzt andeutenden Marktstabilisierung nicht erneut zu einem drastischen Einbruch der Welterdölpreise käme.

Gemäß eines neuen Reports der U.S. Energy Information Administration (EIA) befindet sich die US-Rohölproduktion 2017 wieder auf Wachstumskurs. Nach einer Förderung von 8,9 Mio. Barrel pro Tag (bpd) 2016 soll sie im aktuellen Jahr auf 9,2 Mio. bpd und 2018 auf 9,7 Mio. bpd zulegen. Bei der Erdgasproduktion erwartet die EIA 2017/18 ebenso wieder Zuwächse. Die Talsohle bei den Investitionen könnte infolgedessen bald durchschritten sein (siehe dazu auch "US-Öl- und Gasindustrie schaltet in den Expansionsmodus").

Realisieren sich die Prognosen, sollten auch die Kapitalaufwendungen für Pipelines und andere für den Sektor benötigte Infrastrukturen wieder anziehen. Die Öl- und Gaswirtschaft kann dabei auf die Unterstützung der Trump-Regierung bauen, die die Nutzung der einheimischen Energieressourcen tatkräftig voranbringen will. Vorhaben wie die Keystone-XL-Pipeline und andere Großprojekte sollten dadurch von vereinfachten Genehmigungsverfahren profitieren.

In der US-Stromwirtschaft dürfte sich der Trend weg von Kohle und hin zu kostengünstigem Erdgas und den erneuerbaren Energien langfristig weiter fortsetzen. 2016 stellten die Regenerativen über 60% aller neu gebauten Erzeugungskapazitäten, während Erdgaskraftwerke mit 34% erstmals einen höheren Beitrag zur Versorgung lieferten als Kohlestromerzeuger. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist der Anteil von Kohlestrom in den USA um fast 20 Prozentpunkte gesunken.

Kurz- bis mittelfristig könnten zwar ein konjunkturbedingt anziehender Stromverbrauch, das Zurückdrehen von Umweltregulierungen und Trump’sche Hilfen für „saubere“ Kohle wieder für einen Anstieg der Kohlestromnachfrage sorgen. Umfassende neue Kraftwerksinvestitionen dürften damit jedoch nicht einhergehen (siehe "US-Kohleindustrie hat weiter zu kämpfen"). Auf dem Vormarsch bleiben hingegen effiziente Gaskraftwerke und die durch Bundessteuerkredite und ambitionierte Bundesstaaten-Quoten geförderten erneuerbaren Energien.

Interessante Geschäftschancen ergeben sich außerdem im Bereich Stromnetzausbau und -modernisierung. Dieser sollte künftig auch von der geplanten Trump’schen Infrastrukturoffensive profitieren.


Strukturdaten Energieinfrastruktur

 

2016

 2020 (Prognose)

Primärenergieverbrauch (in Billiarden Btu)

96,5

99,7

Stromverbrauch/Kopf (in kWh/Kopf)

11.964

11.955

Stromerzeugungskapazitäten (in GW)

1.007,8

(2015)

1.018,7

Kohle/Öl/Gas (in %)

70,4

64,7

erneuerbare Energien (einschließlich Pumpspeicher-Wasserkraft, in %)

19,7

25,6

Atomkraft (in %)

9,9

9,7

Durchschnittlicher Endpreis für Industriestrom (in US$-Cent pro kWh)

6,75

7,09

Durchschnittlicher Endpreis für Haushaltsstrom (in US$-Cent pro kWh)

12,55

12,82

Bevölkerung mit Anschluss an das Stromnetz (in %)

100

100

Quelle: U.S. Energy Information Administration, Annual Energy Outlook 2017


Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mrd. US$)

Träger

Projektstand

Keystone XL; 1.200-Meilen-Öl-Pipeline vom kanadischen Alberta nach Nebraska

7,0

TransCanada
Keystone XL

Planung/Genehmigungsphase

Rush Creek Wind Project; 600-MW-Windpark in Colorado mit 90 Meilen 345-kv-Übertragungsleitung

1,0

Xcel Energy

 

Planung/Genehmigungsphase

Diverse LNG-Exportterminals

 

Bis zu 13,5 Mrd. US$

Diverse: Projektliste

Weitere Infos

Unterschiedliche Stadien, zum Teil schon im Bau

Quellen: Presseberichte, Recherche von Germany Trade & Invest


Text: Martin Wiekert


Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest:

Kraftwerksbau

Energieerzeugung

Übertragung und Verteilung

USA investieren in Ausbau des Breitbandnetzes

Die US-Ausgaben für Ausrüstungen, Dienstleistungen und Infrastrukturen im IKT-Sektor befinden sich auf einem stetigen Wachstumspfad und dürften nach den Erwartungen der Telecommunications Industry Association in den nächsten Jahren um etwa 5% per annum zulegen.

Hauptwachstumstreiber der Infrastrukturausgaben in diesem Bereich ist das immer weiter steigende Datenaufkommen. Vor allem im ländlichen Raum stehen noch umfassende Investitionen in den Ausbau des Breitbandnetzes an. Zudem sorgt die wachsende Beliebtheit des Cloud Computing für einen ständig zunehmenden Bedarf an neuen Daten- und Rechenzentren.

Die Umsetzung des Internet of Things (IoT) und die zunehmende Anzahl vernetzter Geräte wird die Nachfrage nach Telekommunikationsinfrastrukturen in den kommenden Jahren zusätzlich beflügeln. Intelligente Produktions- und Transporttechnologien, Smart Homes und der gesamte Bereich der (Gesundheits-)Wearables versprechen dabei besonders große Wachstumsimpulse.

Im Mobilfunkbereich investieren die Mobilfunkbetreiber weiterhin in den Ausbau ihrer LTE-Netze. Der Fokus liegt dabei inzwischen auf verteilten Antennensystemen und zusätzlichen Kleinfunkzellen, die zur Verdichtung der Services an Orten mit einem hohen drahtlosen Datenaufkommen benötigt werden. Zudem laufen schon die Vorbereitungen zur Einführung des Mobilfunkstandards 5G. Dieser dürfte nach Einschätzung von Marktexperten ab etwa 2020 auf dem US-Massenmarkt ankommen.

Weitere Informationen zur Entwicklung des US-IKT-Marktes:


Strukturdaten IKT-Infrastruktur

Indikator

2016

2020 (Prognose)

Geschwindigkeit der Internetanschlüsse (Medianwert in Mbps)

39

k.A.

Festnetzanschlüsse (in % der Einwohner)

32,0

32,7

Anzahl der Mobilfunkabos (in Mio.)

386,0

430,0

in % der Bevölkerung

119,2

128,5

Anzahl der Breitband-Festnetzabos (in Mio.)

103,6

108,9

in % der Bevölkerung

32,0

32,7

Ausgaben für Zugänge zum Breitband-Festnetz (in Mrd. US$)

44,7

47,7

Anzahl der für M2M-Dienste vernetzten Geräte (in Mio.) 

245

560

Quellen: Telecommunications Industry Association (TIA), Federal Communications Commission (FCC)


Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mrd. US$)

Träger

Projektstand

Pacific Light Cable Network (PLCN); 12.800 km Unterwasser-Internetkabelverbindung zwischen L.A. und Hongkong mit einer Kapazität von 120 Tbps bis 2018

k.A.

TE Connectivity, Facebook, Google, Pacific Light Data Communication Co.
TE SubCom

Planung

Ausbauprogramm für ultraschnelles Kabelinternet mit bis zu 10 Gbps, 2017 bis 2022

k.A.

Altice USA

 

Planung

Quellen: Presseberichte, Recherche von Germany Trade & Invest


Text: Martin Wiekert


Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest

USA benötigen hohe Investitionen in Wasser- und Abfallwirtschaft

Alternde und zunehmend sanierungsbedürftige Systeme im Wasser-/Abwasserbereich sind in den USA in immer mehr Regionen ein kritischer Faktor. Hinzu kommen Dürreprobleme und wachsende Versorgungsengpässe, die sich vor allem in Kalifornien und in anderen südlich gelegenen US-Bundesstaaten bemerkbar machen (siehe hierzu auch "Kalifornien braucht nachhaltige Lösungen für die Wasserkrise"). Eine bewässerungsintensive Landwirtschaft und der Wasserverbrauch beim „Fracking“ der Öl- und Gaswirtschaft sorgen hier noch für zusätzliche Friktionen.

Nicht erst seit den Ereignissen in Flint im Bundesstaat Michigan, wo es aufgrund von bleikontaminiertem Trinkwasser zu zahlreichen Vergiftungsfällen gekommen ist, fordern Experten nachhaltig höhere öffentliche Ausgaben. Die dringend benötigte Investitionsoffensive in diesem Sektor lässt dennoch weiter auf sich warten. Gerade in den von Wasserknappheit betroffenen Regionen können Modernisierungs- und Kapazitätserweiterungsmaßnahmen allerdings nicht mehr lange aufgeschoben werden (vergleiche auch "US-Kongress beschließt neues Wasserinfrastrukturpaket").

Es bleibt abzuwarten, in welchem Ausmaß im Rahmen des von US-Präsident Trump angekündigten Infrastrukturplans auch Mittel zur Verbesserung der Wasserinfrastruktur bereitgestellt werden. Das von Trump avisierte Zurückdrehen von Umweltregulierungen dürfte sich indes eher negativ auswirken. In der jüngeren Vergangenheit waren es gerade die Wasserschutzvorschriften der U.S. Environmental Protection Agency (EPA), die hier für zusätzliche Bauaktivitäten sorgten.

In den Bereichen Abfallentsorgung und -recycling bewirken der Wirtschaftsaufschwung und das Wachstum der Bevölkerung eine kontinuierlich steigende Nachfrage. Da der Deponieraum in vielen Regionen immer knapper wird, dürfte künftig in weitere Müllverbrennungs-, Recycling- und Kompostierungsanlagen investiert werden. Eine ausführliche Betrachtung dieses Marktsegments findet sich in der GTAI-Publikation "Branche kompakt: Abfallwirtschaft in den USA auf stetigem Expansionspfad".


Strukturdaten Umweltinfrastruktur

Indikator

2016

2020 (Prognose)

Investitionen in Umweltinfrastruktur (in Mrd. US$) 1)

41,7

51,4

Verbesserte Sanitäreinrichtungen (% der Bevölkerung mit Zugang) 2)

100

3)

k.A.

Anschluss an Trinkwassernetz (% der Bevölkerung, 2015) 2)

98

3)

k.A.

Müllaufkommen (in 1.000 Tonnen)

258.460

4)

k.A.

Recycling (in 1.000 Tonnen)

89.400 4)

k.A.

1) Abwasser und Müllentsorgung, Wasserversorgung, Naturschutz und Entwicklung; 2) verbesserte Sanitäreinrichtungen (improved sanitation facilities - Kategorie der WHO); 3) 2015; 4) 2014
Quellen: U.S. Census Bureau, FMI, WHO

 

Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mrd. US$)

Träger

Projektstand

Northeast Water-Purification Plant (NEWPP) Expansion; Erweiterung der Abwasseraufbereitung der Stadt Houston, Texas

1,3

City of Houston

Design-Build-Auftrag an das Houston Waterworks Team (JV aus CH2M und CDM Smith)

Planung

Biosolids Digester Facilities Project at the SE Wastewater Treatment Plant in San Francisco; Anlage zur Behandlung von Bioabfällen mit Energiegewinnung

1,3

San Francisco Public Utilities Commission
Projektinfos

Planung

Plastic-to-diesel-fuel Recycling Plant in Carroll County, Indiana; Bau einer Kunststoff-Recyclinganlage

0,3-0,4

GEP Fuel & Energy, Indiana
Projektinfos

Planung

Quellen: Presseberichte, Recherche von Germany Trade & Invest


Text: Martin Wiekert

Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest:

Wasserversorgung

Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz

USA: Bevölkerungswachstum sorgt für Nachfrage im Bildungssektor

Ständigen Baubedarf gibt es in den USA im Bereich der sozialen Infrastruktur. Im Bereich Erziehung/Bildung, dem wertmäßig bedeutendsten Segment, ergeben sich vor allem bei privatfinanzierten Einrichtungen immer wieder interessante Auftragschancen. Im Gesundheitssektor sorgen das Wachstum und die Alterung der Bevölkerung für eine anziehende Nachfrage nach Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Nicht zuletzt eröffnen sich auch bei Großprojekten im Stadionbau und bei anderen Freizeitbauten attraktive Geschäftsmöglichkeiten.


Ausgewählte Projekte

Vorhaben

Investitionssumme (Mrd. US$)

Träger

Projektstand

Las Vegas NFL Stadium Project; Stadionneubau mit circa 65.000 Plätzen bis 2020

1,9

Las Vegas Stadium Authority

Planung

Women’s Hospital der Medical City Dallas

 

0,125

Medical City Dallas
Projektinfos

Planung

Quellen: Presseberichte; Recherche von Germany Trade & Invest


Text: Martin Wiekert

Weiterführende Marktinformationen von Germany Trade & Invest:
Gesundheitswesen
Medizintechnik

USA: Liquide Kapitalmärkte finanzieren viele Projekte

Bundesfinanzierungen haben im US-Infrastrukturbau nach wie vor eine herausragende Bedeutung. Dies gilt insbesondere im Verkehrssektor, wo beispielsweise Großprojekte im Brücken- und Schnellstraßenbau, im Personenschienenverkehr oder im Hafenbau oft von der Bundesregierung und den Bundesstaaten kofinanziert werden. Öffentliche Vorhaben im Bildungssektor, in der Wasserversorgung oder in der Strom- und Gasdistribution werden dagegen primär durch die Bundesstaaten und Kommunen auf die Beine gestellt.

Sowohl öffentliche als auch private Infrastrukturprojekte werden häufig über die in den USA sehr liquiden Kapitalmärkte finanziert. Ausländischen Privatinvestitionen steht diese Möglichkeit ebenso zur Verfügung. PPP-Modelle finden hauptsächlich auf den nachgeordneten föderalen Ebenen Anwendung. Ihre Verbreitung hängt dabei stark von den bundesstaatlichen Rahmenbedingungen ab und ist regional recht konzentriert, im Verkehrssektor beispielsweise auf Florida, Kalifornien, Texas, Colorado und Virginia.


Text: Martin Wiekert

USA: Deutsche Zuliefererprodukte und Bauausrüstungen gefragt

Der US-Infrastrukturbau bietet deutschen Unternehmen auch weiterhin vielfältige Geschäftsmöglichkeiten. Ihr Planungs- und Ingenieur-Know-how wird vor allem bei technisch komplizierteren Projekten nachgefragt. Deutsche Zuliefererprodukte und Bauausrüstungen kommen in fast allen Marktbereichen regelmäßig zum Einsatz.

Einer der prominentesten Akteure in der US-Bauwirtschaft ist die zur spanischen ACS-Gruppe gehörende Hochtief. Die Essener sind nach eigenen Angaben über ihre Hochbau-Tochter Turner führender Generalunternehmer in den USA und zugleich mit ihrem Infrastrukturableger Flatiron einer der wichtigsten Anbieter im Verkehrswegebau. Weitere umfassend im Markt aktive Firmen sind unter anderem Siemens und der Engineering- und Servicekonzern Bilfinger.

Auftragsvergaben durch EPC-Kontraktoren spielen im Land abhängig vom jeweiligen Marktsegment eine unterschiedliche Rolle. Eine Auflistung führender Design- und EPC-Firmen, aufgegliedert nach verschiedenen Aktivitätsbereichen, bietet zum Beispiel "Engineering News-Record".

Firmen aus dem Ausland, die sich an US-Bauausschreibungen beteiligen wollen, müssen sich in der Regel sehr sorgfältig darauf vorbereiten. Auch private Bauleistungen und Zulieferaufträge werden in den USA häufig ausgeschrieben. Größere US-Bundestender finden sich auf der Website "Federal Business Opportunities". Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Ausschreibungsportale auf bundesstaatlicher und kommunaler Ebene.

Ein verbreitetes Hindernis für ausländische Branchenunternehmen sind Local-Content-Bestimmungen. Hierunter fallen auch die bei manchen Ausschreibungen relevanten Vorgaben zu "Buy America" und "Buy American". So kann zum Beispiel verlangt sein, dass lokal produzierte Zuliefermaterialien verwendet werden müssen oder dass die erwünschten Dienstleistungen durch ortsansässige Unternehmen zu erbringen sind. Mit der neuen „America-First-Politik“ in Washington könnten solche Vorgaben künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

Das Government Procurement Agreement (GPA) der Welthandelsorganisation wurde zwar auch von den USA unterzeichnet, bietet aber vor solchen Diskriminierungen nur einen begrenzten Schutz. Zum einen greift es erst ab bestimmten Schwellenwerten, zum anderen sind wichtige Bereiche - unter anderem auch einige Bauleistungen – ausgeklammert. Hinzu kommt, dass die GPA-Regeln unterhalb der US-Bundesebene häufig keine Anwendung finden.

Zur Umgehung von Local-Content-Vorschriften kann es Sinn machen, eine örtliche Niederlassung mit amerikanischen Arbeitnehmern zu unterhalten. Bieterkooperationen mit US-Firmen sind eine weitere gängige Strategie. Ohnehin erfordert die erfolgreiche Marktbearbeitung ein differenziertes lokales Kontaktnetzwerk. Hilfreich sind zudem einschlägige Referenzprojekte, die am besten bereits vor Ort realisiert wurden.

Generell muss in allen Marktsegmenten mit einer hohen Wettbewerbsintensität gerechnet werden. Die starke Preiskonkurrenz bekommen auch Zulieferer und Dienstleister zu spüren. Dies gilt vor allem bei den hart umkämpften Ausschreibungen öffentlicher Auftraggeber.

Zu einer Hürde bei der Auftragsabwicklung entwickelt sich zunehmend die Knappheit qualifizierter Baufachkräfte. In gefragteren Teilsegmenten der Branche hat die Lohnspirale bereits spürbar angezogen.


Text: Martin Wiekert

USA: Kontakte, Veranstaltungen, Internetadressen

 

Institution/Name

Internetadresse

Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

www.ahk-usa.de

Der Delegierte der Deutschen Wirtschaft/Representative of German Industry and Trade - RGIT

www.rgit-usa.com

U.S. Department of Transportation (DOT)

www.transportation.gov

Infos zum Programm  „Build America“

www.transportation.gov/buildamerica

Infos zu PPP im Verkehrssektor (mit Infos zur  Bundesstaatengesetzgebung)

www.fhwa.dot.gov/ipd/p3

U.S. Census Bureau (Daten zur Bauwirtschaft)

www.census.gov/econ/construction.htm

Associated Builders and Contractors, Inc. (ABC)

www.abc.org

American Road & Transportation Builders Association (ARTBA)

www.artba.org

Association of Equipment Manufacturers (AEM)

www.aem.org

American Society of Civil Engineers (ASCE)

www.asce.org

ASCE-Infos zum Zustand der US-Infrastruktur 2017

www.infrastructurereportcard.org

Engineering News Record (ENR)

www.enr.construction.com

CONEXPO-CON/AGG (Baumaschinenmesse)

www.conexpoconagg.com

Infos zur Messelandschaft in den USA

http://www.auma.de/de/messemarkt/messemaerkteausland/laenderberichte/usa/seiten/messewirtschaft.aspx

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest 


Text: Martin Wiekert

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