RF_Getty_579470138_RZ_1340x754 RF_Getty_579470138_RZ_1340x754 | © Saigon Skyline von Geschäfts-und Verwaltungsbezirk von Saigon |© Getty Images/Phung Huynh Vu Qui

Special | Vietnam | Coronavirus

Vietnam kämpft gegen die zweite Corona-Welle

Nach 99 Tagen ohne Binnnenfälle kämpft Vietnam seit dem 25. Juli gegen einen erneuten Corona-Ausbruch.



  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Seit dem 25. Juli kämpft Vietnam gegen eine zweite Corona-Welle. Mit Lockdowns und Massentests versucht das Land  den Ausbruch in den Griff zu bekommen. (Stand: 7. August 2020)

    99 Tage lang hatte Vietnam die Pandemie unter Kontrolle. Seit Mitte April waren keine Neuinfektionen innerhalb des Landes mehr aufgetreten. Dies änderte sich schlagartig am 25. Juli, als in der zentralvietnamesischen Millionenstadt Danang, einem beliebten Reiseziel, der erste neue Coronafall festgestellt wurde. Innerhalb weniger Tage schossen die Ansteckungszahlen in den dreistelligen Bereich. Die Ansteckungen gingen von verschiedenen Krankenhäusern der Stadt aus. Die meisten Erkrankten sind Patienten eines der betroffenen Krankenhäuser, Pflegepersonal und Angehörige oder Kontaktpersonen dieser Personengruppen. Erstmals musste das Land auch Corona-Todesfälle beklagen.

    Die Zentral- sowie die Lokalregierungen reagierten schnell und umfassend auf die neue Erkrankungswelle. Seit dem 28. Juli befindet sich Danang wieder im Lockdown. Menschen dürfen nur zum Einkaufen die Wohnung verlassen. Lediglich essentielle Einrichtungen, wie Lebensmittelläden, Tankstellen und Apotheken, sind geöffnet. Der Flugverkehr von und nach Danang ist seit dem 28. Juli eingestellt. Auch das benachbarte Hoi An, ein weltberühmter Touristenort, ist seit dem 29. Juli geschlossen, nachdem mehrere Coronafälle festgestellt wurden.

    Andere Orte wie Buon Ma Thuot und Dalat im zentralen Hochland sind ebenfalls teilweise unter Quarantäne gestellt. In Ho Chi Minh City und Hanoi reagierten die Stadtverwaltungen mit kostenlosen Massenschnelltests für Personen, die sich seit dem 8. Juli in Danang aufgehalten haben.



    Seit dem 19. Juni 2020 gilt Vietnam nach den Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete des Robert-Koch-Instituts nicht mehr als Risikogebiet. Damit müssen aus Vietnam Einreisende in Deutschland nicht in Quarantäne. Allerdings dürfte sich diese Einstufung wieder ändern, sollte das Land die neue Welle nicht in den Griff bekommen.

    Vietnam ist erneut in Alarmstimmung

    Der Neuausbruch hat die Menschen des Landes in höchste Alarmstimmung versetzt. Die Bevölkerung deckt sich erneut mit Schutzmasken ein und storniert den Sommerurlaub. Veranstaltungen wie Konferenzen und Messen, die nach der ersten Welle zum Teil bereits wieder stattgefunden haben, werden nun wieder abgesagt. 

    In Ho Chi Minh City und Hanoi finden die Schutzmaßnahmen nach Dekret 19 von April 2020 wieder Anwendung. Danach bleiben nicht notwendige Dienstleistungseinrichtungen wie Bars, Massagesalons oder Spielhallen geschlossen. Veranstaltungen mit mehr als 30 Personen sind verboten. Büros, Fabriken und Werkstätten aber dürfen, unter Einhaltung von Hygieneregeln, weiterarbeiten. 

    Der innervietnamesische Flug- und Zugverkehr läuft grundsätzlich noch, allerdings mit regionalen Einschränkungen und - je nach Strecke -  in verminderter Frequenz. Der interkontinentale Auslandsflugverkehr jedoch ruht nach wie vor. Zwar ist eine Ausreise aus Vietnam nach Europa teils über Korea möglich. Auch die staatliche Fluglinie Vietnam Airlines bietet seit Juli wieder einen wöchentlichen Direktflug zwischen Ho Chi Minh City sowie Hanoi und Frankfurt an, allerdings nur mit Personentransport aus Vietnam heraus. Für Einreisende aus dem Ausland, und somit auch aus Deutschland, sind die Grenzen abgesehen von einzeln mit den vietnamesischen Behörden ausgehandelten Fällen nach wie vor geschlossen. 

    Die Pandemie schlägt auf die Wirtschaft durch

    Die Wachstumsprognosen für Vietnam sehen trotz coronabedingter Einbrüche im internationalen Vergleich noch positiv aus. Der internationale Währungsfonds erwartet laut World Economic Outlook von April 2020 für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent. Ratingagenturen wie Moody’s kommen zu vergleichbaren Schätzungen und gehen für 2020 von 2,8 Prozent Zuwachs aus. Die Asian Development Bank erwartet sogar eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von gut vier Prozent. Eine Rezession prognostiziert bislang keine Institution. 

    Die Halbjahreszahlen stützen die im internationalen Vergleich positiven Prognosen, wobei die Auswirkungen des Neuausbruchs allerdings noch offen sind. Vietnam verzeichnete im ersten Halbjahr trotz Corona und Lockdown ein BIP-Wachstum von 1,8 Prozent. So zieht die Industrieproduktion nach starken Rückgängen im Lockdown-Monat April seit Mai 2020 wieder an und legte im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,6 Prozent zu. Dabei erzielten die Pharma- und Chemieindustrie überdurchschnittliche Steigerungen. Auch Vietnams Exporte gewannen leicht um 0,2 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019.

    Vietnam schafft es trotz Corona, ausländische Investitionen ins Land zu holen, wenn auch in den ersten sechs Monaten die Anzahl der neuen Investitionsprojekte um knapp 18 Prozent zurückging. 

    Die Tourismusindustrie und die Luftfahrt hingegen sind schwer angeschlagen. Reisedienstleistungen brachen im ersten Halbjahr um 53 Prozent ein, die Hotel- und Gastronomiebranche verzeichnete Einschnitte von gut 18 Prozent. Der internationale Tourismus, ein wichtiger Wirtschaftszweig, ist komplett weggebrochen. Zwar lief der Binnentourismus seit Anfang Mai wieder an. Die Hoffnungen der Branche auf eine dauerhafte Belebung aber wurden durch den Neuausbruch erst einmal wieder zunichte gemacht. Landesweit stornieren inländische Touristen ihre bereits gebuchten Reisen. Der internationale Tourismus wird erst nach Abklingen der Pandemie und damit voraussichtlich nicht vor 2021 an Schwung gewinnen.

    AHK unterstützt Unternehmen

    Um Unternehmen zu unterstützen, informiert die AHK Vietnam in ihrem Liveblog über neue Entwicklungen. Auch steht sie Unternehmen weiterhin bei individuellen Problemen zur Verfügung und hilft mit ihrem Netzwerk bei der Erarbeitung praktikabler Lösungen.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Seit Beginn der zweiten Corona-Welle am 25. Juli 2020 gibt es wieder mehr lokale und regionale Beschränkungen. (Stand: 6. August 2020)

    Da Vietnam ab Mitte April zunächst keine inländischen Neuinfektionen mehr verzeichnet hatte, waren seit dem 16. Juni zunächst sämtliche Beschränkungen innerhalb des Landes aufgehoben. Mit dem erneuten Corona-Ausbruch in der zentralvietnamesischen Millionenstadt Danang ziehen die Schutzmaßnahmen der Regierung wieder an.

    In weiten Landesteilen, vor allem aber in Ho Chi Mingh City und Hanoi müssen nicht notwendige Einrichtungen wie Bars, Massagesalons und Spielhallen, geschlossen bleiben. Größere Veranstaltungen, Messen, Sportereignisse und religiöse Festivals sind landesweit untersagt. Einige vom Ausbruch betroffene Regionen wie Danang, das benachbarte Hoi An sowie Teile der Provinz Daklak im zentralen Hochland befinden sich im Lockdown.    

    Danang ist vom Personentransport abgeschnitten

    Der inländische Flug-, Bahn- und Busverkehr sowie der öffentliche Personennahverkehr in Vietnam läuft wieder weitestgehend wie vor der Krise. Aufgrund des neuen Corona-Ausbruchs im zentralvietnamesischen Danang ist allerdings jeglicher Personentransport von und nach Danang eingestellt. 

    Inlandsflüge sind seit dem 23. April wieder erlaubt. Distanzregeln an Bord gelten nicht mehr, lediglich das Tragen einer Gesichtsmaske während des Fluges ist Pflicht. Zudem müssen Flugpassagiere vor dem Flug eine Gesundheitserklärung abgeben. Die lokalen Fluglinien fliegen auf den wichtigsten Strecken zwischen Hanoi und  Ho Chi Minh City in Vorkrisenfrequenz. Der Flugverkehr mit Danang aber ist seit dem 28. Juli aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens eingestellt. Auch weniger zentrale inländische Ziele werden angeflogen, mangels Auslastung aber seltener als in der Vergangenheit. Die Nord-Süd-Eisenbahn zwischen Hanoi und Ho Chi Mingh City sowie der provinzübergreifende Busverkehr laufen mit leichten, dem Neuausbruch geschuldeten Einschränkungen weitestgehend normal.  

    Passagierflüge aus und nach Vietnam massiv eingeschränkt

    Der grenzüberschreitende Flugverkehr ist seit dem 1. April 2020 auf unbestimmte Zeit stark eingeschränkt, Direktflüge nach Europa sind gestoppt. Im innerasiatischen Verkehr läuft der Flugverkehr seit dem 16. April 2020 auf sehr niedrigem Niveau und unregelmäßig wieder an. Vor allem Flüge nach Korea bieten eine Weiterreisemöglichkeit nach Deutschland beziehungsweise Europa.  

    Interkontinentalflüge aus Vietnam sowie nach Vietnam gibt es zur Zeit nur in Form von diplomatisch unterstützten Spezialflügen. Die deutsche Auslandshandelskammer in Vietnam hatte in Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft  Ende Juli einen Rückholflug in Richtung Vietnam für deutsche Experten und Diplomaten sowie deren Familienangehörige organisiert. Ob in naher Zukunft ein weiterer Flug zwischen Deutschland und Vietnam stattfinden wird, ist noch offen.

    Die vietnamesische Regierung erwägt zwar eine Einreiseerlaubnis aus Ländern, die mehr als 30 Tage keine Neuinfektionen verzeichnet haben, und sie steht auch in konkreten Gesprächen über eine schrittweise Wiederaufnahme von Flügen von und nach China, Japan und Korea. Angesichts der steigenden Infektionszahlen auch in diesen Ländern aber ist ungewiss, ob und wann tatsächlich eine partielle Grenzöffnung erfolgt.

    Einreisesperre für Ausländer auf unbestimmte Dauer

    Ausländer dürfen seit dem 22. März nicht mehr nach Vietnam einreisen. Die genaue Dauer der Einreisesperre ist unbestimmt. Einreisevisa werden nicht mehr erteilt, und die Möglichkeit der visumfreien Einreise für Deutsche ist aufgehoben. Auch Personen vietnamesischer Abstammung, aber ohne vietnamesische Staatsangehörigkeit, ist die Einreise untersagt.

    Vom Einreiseverbot ausgenommen sind Experten, qualifizierte Fachkräfte und leitende Angestellte, wenn sie bereits über einen vietnamesischen Aufenthaltstitel verfügen. Dieser aber muss zum Zweck der Erwerbstätigkeit ausgestellt worden sein. Bei Ankunft müssen sich Reisende einer gesundheitlichen Untersuchung und einer zweiwöchigen Quarantäne unterziehen. Dies gilt auch für Familienangehörige, die bereits eine Aufenthaltsberechtigung haben.

    Visaverlängerungen mit Hindernissen

    Ausländer, die sich bereits im Land aufhalten und aufgrund des Wegfalls von Transport- und Flugverbindungen das Land nicht mehr verlassen können, benötigen nicht selten die Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis. Die Erteilung oder Verlängerung von Visa aller Art ist zur Zeit wegen nicht ganz klarer Vorgaben der Einwanderungsbehörden erschwert. 

    Allerdings ermöglicht die vietnamesische Regierung Visaverlängerungen nunmehr bis zum 31. August 2020, für den Fall, dass Einreisende mit Touristenvisum Vietnam aufgrund der Pandemie nicht verlassen konnten. Betroffene sollten sich bei bei Überschreitung der erlaubten Aufenthaltsdauer mit der zuständigen Botschaft in Verbindung setzen. Zudem empfiehlt die Deutsche Botschaft deutschen Staatsbürgern, die sich in Vietnam aufhalten, dringend, sich auf der sogenannten Elefand-Liste des Auswärtigen Amtes einzutragen, um im Notfall erreichbar zu sein. 

    Neue Arbeitserlaubnis nur für Experten 

    Auch die Erteilung von Arbeitserlaubnissen ist in der augenblicklichen Situation schwierig. Bereits erteilte, nun ablaufende Arbeitsgenehmigungen werden in der Regel zwar noch verlängert, allerdings mit Verzögerung. Mittlerweile aber ist die Neuerteilung von Work Permits auch für Personen, die bislang noch nicht in Vietnam gearbeitet haben, wieder möglich. 


    Aktuelle Informationen zu Einreisebeschränkungen
    Quelle: Germany Trade and Invest


    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland
    Quelle: Germany Trade and Invest
    • zu den aktuellen Maßnahmen informiert die vietnamesische Regierung auf Englisch
    • die AHK hat eine Sonderseite eingerichtet
    • tagesaktuelle Informationen auf Englisch liefert die staatliche Tageszeitung Vietnam News


    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Der gesundheitliche Schutz der Bevölkerung hat für die vietnamesische Regierung Vorrang. Steuerstundungen und günstige Kredite sollen der Wirtschaft helfen. (Stand: 5. August 2020)

    Vietnams Regierung hat seit März 2020 Hilfsprogramme für Unternehmen und Privatpersonen aufgelegt.

    Maßnahmen zur unmittelbaren Bewältigung der Krise

    Der staatliche Krankenversicherungsträger Vietnam Social Insurance übernimmt seit Beginn der Pandemie sämtliche Kosten für Tests und Behandlungen von Covid-19-Erkrankungen sowie für eine eventuell erforderliche Quarantäne. Ausländische Staatsbürger sind hiervon grundsätzlich ausgenommen.

    Sicherung des Lebensunterhalts Schwerpunkt der Regierungsmaßnahmen

    Zudem hat die Regierung ein Sozialprogramm für Unternehmen und Privatpersonen in Höhe von 2,7 Milliarden US-Dollar (US$) aufgelegt. Ein Großteil der Maßnahmen zielt auf die Sicherung des Lebensunterhalts sozial fragiler Bevölkerungsschichten und Arbeitnehmer ab, die aufgrund von Entlassung oder Freistellung ohne Gehalt Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Gemäß dem World Bank Mobile Household Survey erhielten bis Mitte Juni 2020 geschätzt 6,5 Millionen Haushalte Unterstützungszahlungen.

    Arbeitgeber stehen grundsätzlich in der Pflicht, ihren Arbeitnehmern auch im Falle der vorübergehenden Betriebsstilllegung oder Betriebseinschränkungen Lohnfortzahlung in Höhe des Mindestlohns zu zahlen. Sehen sich Betriebe hierzu außerstande, können sie 50 Prozent der ausstehenden Zahlungsverpflichtungen zum Nullzinssatz aufnehmen. Praktisch aber arbeitet ein Großteil der Betriebe mit mehr oder weniger freiwilligen Lohnverzichtserklärungen der betroffenen Arbeitnehmer.

    Banken schnüren Kreditpakete

    Die Regierung hat die Banken angewiesen, Kredite in Höhe von 12,1 Milliarden US$ zu abgesenkten Zinssätzen auszugeben. Bereits Anfang März hatte die Staatsbank die Kreditzinsen für Darlehen mit kurzer Laufzeit um zunächst 0,5 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent, im Mai um weitere 0,5 Punkte auf 5 Prozent abgesenkt. 

    Die ersten Banken haben spezielle Kreditpakete zu deutlich niedrigeren Zinsen auf den Markt gebracht. Die Nachfrage an Krediten steigt indes deutlich langsamer als in den vergangenen Jahren. Das Kreditwachstum lag in den ersten sieben Monaten 2020 laut Staatsbank bei lediglich 3,45 Prozent. 

    Steuerstundungen entlasten Unternehmen

    Die Regierung ermöglicht von der Gesundheitskrise betroffenen Unternehmen durch Dekret 41/2020/ND-CP Steuererleichterungen. Das Gesamtpaket liegt bei 7,7 Milliarden US$. Unternehmen aus besonders betroffenen Branchen wie Textil, Landwirtschaft, Automobil, Tourismus und Gastronomie oder Transport können danach ihre Körperschaft- und Umsatzsteuerzahlungen um bis zu fünf Monate verschieben. Auch die Zahlung von Individualeinkommensteuer und Landnutzungsgebühren wird gestundet.  Produktions- und Dienstleistungsunternehmen, die 2020 einen Jahresumsatz von weniger als 200 Milliarden VND (8,6 Millionen US$) erzielt haben, profitieren 2020 gemäß Resolution 116/2020 der Nationalversammlung von einer Steuererleichterung in Höhe von 30 Prozent der Steuerlast.      

    Maßnahmen zur wirtschaftlichen Wiederbelebung

    Die Regierung plant bereits jetzt für die Zeit nach der Bewältigung der akuten Gesundheitskrise. Nachdem die öffentlichen Investitionen in den vergangenen Jahren eher zäh flossen, sieht das bislang erst in Ansätzen bestehende Konjunkturprogramm, formuliert in Direktive 11 der Regierung vom 4. März 2020, die beschleunigte Ausschüttung öffentlicher Gelder vor. Einzelbranchen erhalten Sonderförderungen.

    Gerade der Infrastrukturbereich soll angeschoben werden. So sollen teilweise schon jahrelang verzögerte Vorhaben, wie Flughafen- oder Energieprojekte, endlich umgesetzt werden. Auch der Straßenbau wird vorangetrieben. Tatsächlich erhöhte die Zentralregierung in den ersten sechs Monaten des Jahres ihre Investitionen um 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings erreichte sie damit trotzdem nur 31 Prozent des Plans.

    Die Regierung versucht, systemrelevante oder besonders betroffene Branchen wie die Autoindustrie verstärkt zu unterstützen. So senkt sie die Registrierungsgebühr für in Vietnam hergestellte Kraftfahrzeuge um 50 Prozent. Die Kosten für die Registrierung eines Neufahrzeugs beim Straßenverkehrsamt beträgt ohne die aktuelle Gebührensenkung ortsabhängig zwischen 10 bis 12 Prozent des Kaufpreises. Importierte Fahrzeuge profitieren nicht von dieser Neuvorgabe.

    Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen

    Die verstärkten Infrastrukturinvestitionen fördern die Bauwirtschaft, schaffen aber auch bessere Rahmenbedingungen für die gesamte Wirtschaft. Außerdem treibt die Regierung gerade im Export- und Zollbereich den Bürokratieabbau voran, fördert die Digitalisierung der Verwaltung und unterstützt die Ausweitung des elektronischen Zahlungsverkehrs.

    Zugang zu Fördermitteln für deutsche Firmen

    Die Fördermaßnahmen der vietnamesischen Regierung stehen allen in Vietnam registrierten Unternehmen offen, unabhängig davon, ob sie ausländisch finanziert sind oder nicht. Damit können auch deutsche Unternehmen beispielsweise von Steuerstundungen profitieren. Die Aufnahme vergünstigter Kredite steht ebenfalls allen in Unternehmen im Land offen. In der Praxis zeigen sich vietnamesische Banken bei der Kreditvergabe an ausländische Unternehmen aber eher zögerlich.

    Öffentliche Verschuldung

    Die Weltbank qualifiziert die Reaktion der vietnamesischen Regierung als pragmatisch und weitsichtig zugleich. Die finanziellen Aufwendungen liegen bislang bei knapp einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes und werden durch den Notfallfonds der Regierung abgedeckt. Die Gefahr einer coronabedingten Überschuldung sieht die Weltbank zur Zeit nicht.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Der landesweite und auch der grenzüberschreitende Güterverkehr funktioniert trotz Corona, wenn auch verzögert. Problematisch bleibt der Luftfrachtverkehr. (Stand: 5. August 2020)

    Der Luftfrachtverkehr ist fast komplett zum Erliegen gekommen. Im Juni 2020 erreichte die Transportleistung lediglich 89 Millionen Tonnenkilometer, gegenüber Juni 2019 ein Rückgang um 86 Prozent. Internationale Pas sagierflüge sind nach wie vor so gut wie eingestellt. Zusätzlich eingesetzte reine Frachtflugzeuge können die ausgefallenen Flüge nicht auffangen. Die Frachtpreise steigen und können, je nach Zielregion und Dringlichkeit, durchaus das Fünffache des Vorkrisenniveaus erreichen.

    Schiffe und Trucks weiter im Einsatz

    Die Schiffsfracht wird  durch nationale Einschränkungen kaum beeinträchtigt. Zwar gelten Quarantänevorgaben für Crewmitglieder, die in Vietnam von Bord gehen wollen. Auch gibt es Hygiene- und Desinfektionsvorschriften bei Betreten des Schiffes beispielsweise durch Zoll- und Hafenmitarbeiter sowie beim Löschen der Ladung. Diese Vorgaben aber führen, so Branchenvertreter, lediglich zu Verzögerungen von wenigen Stunden. Die Häfen des Landes arbeiten mittlerweile wieder auf Normalniveau.

    Der internationale Schiffstransport von und nach Vietnam hingegen wird durch internationale Verwerfungen im Schifffrachtverkehr gestört. Einbrüche bei den Frachtvolumina führen zu vermehrten Routenänderungen, Leerfahrten oder kompletten Stornierungen. Problematisch ist nach wie vor der Mangel an Containern. Allgemein, verstärkt aber bei Sonderausstattungen wie temperaturgeführten Containern, schlagen Engpässe auf die Preise nieder.

    Der inländische und grenzüberschreitende Straßentransport läuft weiter, wenn auch aufgrund geringerer Frachtvolumina unregelmäßiger. Die Grenzübergänge für Trucks von und nach China sind nach Schließungen im Februar und März wieder geöffnet. Mit verlängerten Abfertigungszeiten ist zu rechnen, da Hygiene- und Desinfektionsvorgaben eingehalten werden müssen. Allerdings kommt es nicht mehr zu mehrtägigen Abfertigungsstaus wie noch zu Pandemiehochzeiten. Bestimmte Transporte werden prioritär abgefertigt. Hierzu zählen Warentransporte durch Authorised Economic Operators (AEO) oder solche, die in Bonded Area verbracht werden sollen.

    Die Grenzübergänge nach Laos und Kambodscha sind zur Zeit für den Personenverkehr geschlossen, nicht jedoch für den Warenverkehr. Grenzüberschreitender Überlandtransport Richtung Thailand ist möglich; es können sich aber aufgrund von Quarantäne- und Hygienevorgaben Verzögerungen ergeben.

    Vietnam hält sich mit Import- und Exportbeschränkungen zurück

    Wie die Regierungen der ganzen Welt versucht auch die vietnamesische Führung, die für die Bekämpfung der Covid-Pandemie erforderliche Notfallausstattung zu beschaffen. Zu diesem Zweck hat sie Steuererleichterungen für die Einfuhr von medizintechnischen Produkten (inklusive Zulieferungen für die medizintechnische Produktion) erlassen.

    Mit Exportbeschränkungen hält sich die Regierung bislang hingegen zurück. Um den landeseigenen Bedarf zu decken, kooperiert das Gesundheitsministerium vielmehr eng mit den medizintechnischen Unternehmen des Landes. Zwischenzeitlich hatte die Regierung auch den Export medizinischer Schutzmasken und die Ausfuhr von Medikamenten für die Behandlung von Covid-Erkrankungen quotiert beziehungsweise untersagt. Diese Ausfuhrverbote sind seit dem 29. April 2020 aber wieder aufgehoben.

    Exporte gewinnen wieder an Schwung

    Die aufgrund der Coronakrise geringere Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere aus Europa, und die erschwerten Transportbedingungen schlugen sich im Frühjahr 2020 deutlich auf die vietnamesischen Ausfuhren nieder. Inzwischen scheint aber die Talsohle durchschritten zu sein. Im Juni gewannen die vietnamesischen Exporte gegenüber dem Vormonat Mai mit einer Steigerung von 17,6 Prozent wieder rapide an Schwung.

    Trotz großer Exporteinbrüche vor allem im Lockdown-Monat April erzielten die vietnamesischen Exporteure im gesamten ersten Halbjahr 2020 ein sehr leichtes Exportwachstum in Höhe von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

    Die Ausfuhren eines der wichtigsten Exportgüter des Landes, Smartphones (inklusive Teile), lagen im Zeitraum Januar bis Juni 2020 zwar 6,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums, zogen im Juni 2020 aber gegenüber Mai 2020 mit einer Steigerung um 24,5 Prozent wieder deutlich an. Textil und Bekleidung verlor im ersten Halbjahr ebenfalls, legte im Juni aber um sogar fast 40 Prozent gegenüber Mai zu.

    Der weltweite Trend zum Homeoffice beflügelt die Computerbranche. So exportierte Vietnam in den ersten sechs Monaten 2020 gut 25 Prozent mehr elektronische Güter, Computer und Computerteile als noch in der Vorjahresperiode.


    Vietnamesische Exporte im Juni 2020

    Wert (Mio. US$)

    nominale Veränderung gegenüber Mai 2020 (in %)

    Telefone/Smartphones und Bestandteile

    3.648

    24,5

    Elektronische Güter, Computer und Bestandteile

    3.947

    16,2

    Textil und Bekleidung

    2.602

    39,4

    Maschinen, Werkzeuge und Bestandteile

    1.907

    10,6

    Schuhe

    1.437

    9,8

    Holz und Holzprodukte (inkl. Holzmöbel)

    947

    22,7

    Meeresfrüchte

    719

    12,1

    Exporte insgesamt

    22.565

    17,6

    Quelle: Customs Vietnam


    Die weitere Entwicklung dürfte vor allem davon abhängen, wie die Pandemie in den USA und der Europäischen Union (EU), den wichtigsten Abnehmern des Landes, weiter verläuft. Während die Nachfrage aus der EU nach wie vor schwach ist und die Lieferungen Vietnams in die EU im ersten Halbjahr um knapp neun Prozent zurückgingen, legte die Nachfrage aus den USA zu. Die Ausfuhren in die USA stiegen in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um annähernd 15 Prozent. Insbesondere Computer, aber auch elektrische Ausstattungen, zogen mit 91 beziehungsweise 82 Prozent rapide an. Gerade die verstärkten Lieferungen elektronischer Komponenten in die USA könnte ein Indiz dafür sein, dass US-amerikanische Unternehmen für Zulieferungen zunehmend auf Märkte außerhalb Chinas setzen.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Die Lieferketten für Vietnams herstellende Industrie funktionieren weitestgehend. (Stand: 5. August 2020)

    Produzierende Unternehmen in Vietnam sind von einer Unterbrechung der Lieferketten verhältnismäßig wenig betroffen und können in der Regel weiterarbeiten. Dennoch gehen internationale Lieferschwierigkeiten zumindest an den deutschen Unternehmen im Land nicht vorbei. 59 Prozent der befragten Firmen klagten laut dem AHK Business Outlook 2020 über die erschwerte Zulieferung von Vorprodukten.

    Wichtigster Lieferant für die vietnamesische produzierende Industrie ist China mit einem Importanteil von 25 Prozent. Nachdem die Produktion in China wieder hochgefahren wurde und der Land- und Seefrachttransport, wenn auch lückenhafter als zuvor, angelaufen ist, pendeln sich die Zulieferungen ein. Damit ist insbesondere die Schuh- und Bekleidungsindustrie wieder mit Vorprodukten versorgt. Allerdings brechen der Branche die Aufträge der wichtigsten Abnehmer USA und Europa weg.

    Auch große Elektronikunternehmen wie Samsung, die zwischenzeitlich dringend benötigte Komponenten einfliegen mussten, können wieder regulär produzieren. Korea und Japan, die zusammen im Juni 2020 knapp 26 Prozent aller Importe stellten, mussten nur wenig Produktionsausfälle verkraften und liefern bislang ohne größere Probleme und Verzögerungen, ebenso wie Taiwan. Damit ist die Zulieferung weiterer wichtiger Komponenten für die Elektronikindustrie, der mit Abstand wichtigsten Industrie des Landes, weitestgehend gesichert.

    Auch die Textilindustrie, ein zweites wichtiges Standbein der vietnamesischen Wirtschaft, leidet kaum unter Problemen bei der Zulieferung. Die wichtigsten Lieferanten von Garnen, Stoffen und Accessoires, Korea und China, produzieren und liefern wie gewohnt und ohne wesentliche Einschränkungen. 

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Gesundheitswesen in Vietnam

    Covid-19: Gesundheitswesen in Vietnam

    Vietnam produziert Masken, Handschuhe, Schutzkleidung und neuerdings auch Beatmungsmaschinen. Gesundheits- und Nachverfolgungsapps sind stark gefragt. (Stand: 5. August 2020).

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Vietnam
    Quelle: Ministry of Health; General Statistics Office; Business Monitor International (BMI)

    Indikator

    2018 

    Bevölkerungsgröße (in Mio.)

    94,6

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre (in %)

    7,4

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner 

    0,9

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner 

    2,8

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (US$)

    149,4


    Vietnams Gesundheitswesen steht für ein Land mittleren Einkommens recht gut da. In den städtischen Zentren existieren einige öffentliche spezialisierte Krankenhäuser, die im Regelfall eine medizinisch angemessene Patientenversorgung gewährleisten können.

    Bereits im Normalbetrieb aber sind die staatlichen Krankenhäuser in Ho Chi Minh City (HCMC) und Hanoi hoffnungslos überlastet. Branchenexperten schätzen die Auslastung auf 130 Prozent. In vielen der staatlichen Krankenhäuser ist die medizintechnische Ausstattung zudem veraltet oder nicht vollständig einsatzbereit.

    Außerhalb der großen städtischen Zentren sieht es mit der ärztlichen - vor allem der intensivmedizinischen - Versorgung eher schlecht aus. Viele lokale und Provinzkrankenhäuser sind weder technisch noch von der Ausbildung des Personals her in der Lage, umfassendere medizinische Notfälle zu behandeln. Ein großflächiger Ausbruch der Coronapandemie in Vietnam würde, so Branchenexperten, in kürzester Zeit zum Kollabieren der medizinischen Versorgung führen.

    Vietnams Gesundheitssektor wappnet sich für den Notfall

    Das Ministry of Health und die Krankenhäuser des Landes wissen dies. Entsprechend haben Behörden und Krankenhäuser die medizinische Notfallversorgung in kürzester Zeit soweit wie möglich hochgefahren. Zudem haben Hanoi, Ho Chi Minh City und die nördliche Provinz Quang Ninh Feldkrankenhäuser für die Behandlung von Covid-Erkrankten errichtet. Das zentralvietnamesische Danang hat angesichts des von mehreren Krankenhäusern der Stadt ausgehenden neuen Corona-Ausbruchs eine Turnhalle zum Notkrankrankenhaus umgebaut. Im Akutfall sollen hier bis zu 2.000 Patienten behandelt werden können. Landesweit wurden Quarantäneeinrichtungen geschaffen, die zur Zeit vor allem Rückkehrer aus dem Ausland beherbergen. 

    Gesundheitsministerium pusht die Produktion von Notfallausstattung

    Das Gesundheitsministerium arbeitet eng mit in- und ausländischen medizintechnischen und pharmazeutischen Unternehmen des Landes zusammen, um den Fortgang der Produktion sicherzustellen. Hierbei liegt das Augenmerk darauf, die im Falle des Ausbruchs erforderliche Ausstattung sicherzustellen. Die Behörden des Landes unterstützen Branchenunternehmen mit Einfuhrerleichterungen und der vorrangigen Zollabfertigung von Vorprodukten für die als „essentiell“ deklarierte medizintechnische Produktion. Wichtige Medikamente und medizintechnische Ausstattung registriert das Gesundheitsministerium im Fast-Track-Verfahren.

    Bei medizintechnischen Produkten, die für die Bekämpfung der Pandemie ohne Bedeutung sind (wie orthopädische oder chirurgische Ausstattung) war die Nachfrage seit Februar stark eingebrochen, so die Aussage von Branchenvertretern. Nicht notwendige Operationen wurden verschoben und werden nur zögerlich wieder in Angriff genommen. 

    Mittlerweile weltweit händeringend gesuchte medizinische Verbrauchsmaterialien wie Gesichtsmasken, Handschuhe oder Schutzkleidung, aber auch Laborausstattung wie Abstrichröhrchen stellt Vietnam selbst her. Soweit es die Versorgungssituation in Vietnam gestattet, gehen diese Produkte auch in den Export. Exportbeschränkungen für medizinische Schutzmasken sind seit dem 29. April aufgehoben. Auch Medikamente, die zur Behandlung von Coronaerkrankungen genutzt werden, dürfen wieder ausgeführt werden.

    Lokale Unternehmen gehen in die Produktion von Beatmungsgeräten

    Bei technisch komplexerer Ausstattung wie Röntgengeräten ist Vietnam grundsätzlich auf Importe angewiesen. Knapp 90 Prozent aller medizintechnischen Geräte kamen laut BMI 2018 aus dem Ausland, 14 Prozent davon aus Deutschland. Gerade Beatmungsmaschinen aber sind auf dem internationalen Markt in hinreichender Menge und zu bezahlbaren Preisen kaum noch zu bekommen.

    Um diese Versorgungslücke zu schließen, ist die Vingroup Ende März in die Produktion eigener Beatmungsgeräte eingestiegen. Die Lizenz für die invasiven Beatmungsmodelle liefert die amerikanische Firma Medtronics. Die ersten Geräte wurden am 20. Juni durch vietnamesische Zertifizierungsbehörden abgenommen und sollen teils auch in den Export gehen.  

    Im Bereich Forschung und Smart Health rüstet Vietnam ebenfalls auf. Die Vietnam Military Medical University hat in Zusammenarbeit mit Viet A Technologies im März 2020 ein Covid-Test-Kit entwickelt. Ende April wurde das Test Kit CE- und CFS- (Certificate of Free Sale) zertifiziert. Zudem hat die WHO das Test-Kit "Made in Vietnam" unter seinen Emergency Use Listing-Verfahren anerkannt. Mittlerweile werden die Tests auch exportiert, unter anderem nach Europa. 

    Nachverfolgungsapps finden reißenden Absatz

    Gesundheits- und vor allem Covid-19-Tracking-Apps haben rasanten Zulauf. Die in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Behörden entwickelten Anwendungen Suc Khoe Viet Nam (Gesundheit Vietnam), die Hanoi Smart City-Patienten-Nachverfolgungsapp sowie die Gesundheitsregistrierungs- und Tracking-App NCOVI zählen in Vietnam zu den meistabgerufensten Anwendungen. Bei allen Apps werden sensibelste Daten (wie der volle Name und Adresse, Gesundheitsstatus und Standort) abgefragt und im Falle einer  Erkrankung auch ganz oder teilweise veröffentlicht. Dies scheint die Nutzer allerdings nicht zu stören.

    Das Gesundheitsministerium hat in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Information und Kommunikation zudem mit "Bluezone" eine Tracking-App entwickelt, die den Kontakt mit erkrankten Personen melden soll. Infolge des Neuausbruchs in Danang scheint das zunächst eher eingeschränkte Interesse an dieser Anwendung rapide gestiegen zu sein. Zeitungsberichten zufolge wurde die App seit dem dem 25. Juli landesweit verstärkt heruntergeladen und ist nunmehr auf gut 8,5 Millionen Smartphones installiert. Ziel des Informationsministeriums sind 50 Millionen Nutzer bis zum 10. August. Damit diese Zahl erreicht wird, will das Informationsministerium eine SMS-Kampagne starten, die Smartphonebesitzer zur Installation auffordert.  

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Vietnams Wirtschaft legt trotz Corona leicht zu. Die IKT- und auch die Elektronik-Branche könnten von der Krise profitieren. Der Tourismus leidet stark. (Stand: 5. August 2020)

    Die Covid-19-Pandemie führt in Vietnam trotz niedriger Infektionszahlen branchenübergreifend zu Umwälzungen. Aufgrund der massiven Einschränkungen im April konnte die Wirtschaft des Landes im ersten Halbjahr 2020 nur ein für vietnamesische Verhältnisse vergleichsweise niedriges Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent erzielen. Immerhin aber fiel das Land nicht wie andere Länder in eine Rezession.

    Mit der vorläufigen Eindämmung des Virus macht sich seit Mai Optimismus breit, wenn auch auch nur vorsichtig. Nachdem der Purchasing Managers Index (PMI) im Juni mit 51,1 Punkten nach schwierigen Monaten wieder in den Bereich der Expansion geklettert war, fiel er bereits im Juli mit 47,6 Punkten wieder ab. Ob der neue Corona-Ausbruch Ende Juli zu weiteren wirtschaftlichen Einbrüchen führen wird, hängt davon ab, ob und wenn ja, wie schnell der bislang weitgehend lokale Ausbruch eingedämmt werden kann.  

    Unabhängig vom aktuellen Infektionsgeschehen bleibt das Geschäftsumfeld schwierig. Eine nach wie vor schwache internationale Nachfrage und praktische Einschränkungen wie die Unmöglichkeit internationaler Geschäftsreisen erschweren die Gewinnung neuer, vor allem internationaler Aufträge. 

    Dienstleistungssektor kämpft mit Corona

    Während die herstellende Industrie im Land wieder weitestgehend im Normalmodus arbeitet, leiden weite Bereiche des Dienstleistungssektors.

    Die Tourismusindustrie ist hart getroffen. Reisedienstleistungen brachen im ersten Halbjahr 2020 nach Angaben des vietnamesischen Statistikamtes um 53 Prozent ein. Ausländische Touristen dürfen nicht nach Vietnam einreisen. Zwar zog zumindest der inländische Reiseverkehr seit Anfang Mai wieder an. Der erneute Corona-Ausbruch Ende Juli aber trifft mit Danang, einer aufstrebenden Ferienregion am südchinesischem Meer, ausgerechnet ein Zentrum des vietnamesischen Tourismus. 80.000 Urlauber wurden in einer Hauruck-Aktion zwischen dem 25. und 27. Juli aus der Millionenstadt in ihre Wohnorte zurückgebracht. In Folge stornieren Kunden landesweit ihre Sommerurlaube. Viele gerade der kleineren Tourismusunternehmen, die auf Erholung hofften, stehen erneut vor dem Nichts.

    Der Sektor, der 2018 dem Kulturministerium zufolge gut 8 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitrug, wird wohl erst wieder Vorkrisenniveau erreichen, wenn die Pandemie - sei es aufgrund eines Impfstoffes oder wirksamer Medikamente - beherrschbar wird. Nur in diesem Fall werden ausländische Touristen, insbesondere aus Korea und China, wieder das Land bereisen können und auch wollen.

    Der Einzelhandel hat sich nach dem Lockdown-bedingten Einbruch im April wieder erholt. Im gesamten ersten Halbjahr 2020 legte der Einzelhandelsumsatz sogar um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. 

    Textilunternehmen satteln um

    Der Produktionsbereich ist bislang weniger von der Krise betroffen. Nach Aufhebung des Lockdowns hat ein Großteil der Unternehmen die Produktion wieder hochgefahren, soweit es die Auftragslage gestattet.

    Insbesondere Unternehmen der Schuh- und Bekleidungsindustrie aber klagen über bedeutende Umsatzeinbußen und Auftragsausfälle. Textilunternehmen erweitern die Produktion um die Herstellung von weltweit dringend nachgefragten Schutzmasken und versuchen so, ausbleibende oder stornierte Aufträge zu kompensieren. Laut Zeitungsberichten rechnet allein das größte Textilunternehmen des Landes, Vinatex, mit der Kündigung von 50.000 Mitarbeitern. In der Schuhproduktion kam es bereits zu den ersten großen Entlassungswellen. 

    Mittelfristig erwarten Branchenbeobachter eine Konsolidierungswelle in Sektoren, die in der Wertschöpfungskette eher am unteren Ende angesiedelt sind. Unternehmen in der Plastik- und Kautschukindustrie, aber auch in der Textilbranche sowie der Holz- und Möbelverarbeitung beginnen zu straucheln. Gerade kleine, wenig effizient arbeitende und finanziell schwach aufgestellte Unternehmen werden Schwierigkeiten haben, eine sinkende nationale und internationale Nachfrage zu kompensieren. Dies dürfte den Weg frei machen für technologisch, finanziell und unternehmerisch besser aufgestellte Unternehmen.

    Ausländische Elektronikunternehmen erwägen Umsiedlung nach Vietnam

    Die Elektronik- und Zulieferindustrie des Landes könnte einer der Gewinner der Krise werden. Vertreter von Industrieparks im Norden Vietnams berichten, dass große internationale Unternehmen und deren Zulieferer sich mit Hochdruck neue Standbeine jenseits ihrer Produktion in China suchen. 

    Für japanische Unternehmen, bereits jetzt einer der wichtigsten Investoren im Land, ist eine Auslagerung der Produktion aus China heraus eine besonders attraktive Option. So kündigte die japanische Regierung Anfang April 2020 an, Umsiedlungen japanischer Unternehmen zurück nach Japan oder in einen der zehn Staaten der ASEAN-Staatengemeninschft finanziell zu unterstützen. Am 17. Juli veröffentlichte die Japan External Trade Organization (JETRO) eine Liste der ersten 30 für eine Förderung ausgewählten Unternehmen. Genau die Hälfte plant eine Ansiedlung in Vietnam, darunter Unternehmen aus den Bereichen Elektronik, Automobilzulieferung, Medizintechnik und Chemie.  

    Der IKT- Bereich hat durch die Krise an Dynamik gewonnen. Home Office, Sicherheitsabstände in der Produktion und Reisebeschränkungen machen Internet of Things und Industrie 4.0-Lösungen wie Fernwartung, flexible Produktion und 3D-Druck von Ersatzteilen und Komponenten auch attraktiv für Unternehmen, die bislang entsprechende Investitionen scheuten.

    Einige große und mittlere Unternehmen, so berichten Brancheninsider,  denken über eine Digitalisierung von Unternehmensprozessen wie Personalverwaltung, Einkauf und Vertrieb nach, um mittelfristig kostenoptimierter arbeiten zu können. Inwieweit sich eine Digitalisierung von Unternehmensverwaltung und Produktion durchsetzen kann, wird aber erheblich davon abhängen, wie die Unternehmen es finanziell durch die Krise schaffen.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Coronavirus und Recht

    Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße auch für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren vietnamesischen Geschäftspartnern. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wann ist eine Berufung auf „höhere Gewalt“ möglich?


    Was regelt der Vertrag?

    Spätestens wenn Probleme entstehen, ist es sehr wichtig, zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen hierzu unter „Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“).


    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Zunächst: die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: Genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit, zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.


    Was gibt es generell zu beachten?

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens, wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Nationales Recht: Nichterfüllung von Verträgen nach vietnamesischem Recht

    Ein Länderbericht „Coronavirus und Verträge“ liegt zurzeit nicht vor. Bei Fragen zum Thema kontaktieren Sie bitte die in der Marginalspalte angegebene Ansprechpartnerin.

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