Wirtschaftsumfeld | Israel | Außenhandel

Deutsche Exportwirtschaft festigt Position in Israel

Israelische Importe aus Deutschland steigen. Dank der Währungsrelationen sind Einfuhren preiswerter geworden. Aber: Negative Auswirkungen der Corona-Krise sind wahrscheinlich.

Von Wladimir Struminski | Jerusalem

Im Jahr 2019 nahmen die israelischen Warenimporte aus Deutschland zum vierten Mal in Folge zu und erreichten 5,5 Milliarden US-Dollar. Das waren 2 Prozent mehr als im Vorjahr und 18,8 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Für das laufende Jahr ist aufgrund der Corona-Krise mit Einbußen zu rechnen.


Israelische Wareneinfuhr 2014 - 2019 (Mrd. US$)

Jahr

Einfuhr

Davon: Aus Deutschland

Deutscher Importmarktanteil in %

2014

72,3

4,7

6,4

2015

62,1

3,8

6,1

2016

65,8

4,1

6,2

2017

69,1

4,7

6,8

2018

76,6

5,4

7,0

2019

76,6

5,5

7,2

Quelle: Zentralamt für Statistik (Central Bureau of Statistics)

In der Rangliste führender Lieferländer belegte die Bundesrepublik 2019, wie schon in den Vorjahren, Rang vier hinter den USA, China und der Schweiz. Indessen handelt es sich bei einem Großteil der laut der israelischen Außenhandelsstatistik aus der Schweiz gelieferten Waren in Wirklichkeit um Energieträger aus Drittländern, die in der Schweizer Statistik nicht erscheinen. Deshalb liegt Deutschland faktisch auf Rang drei der Lieferantenliste.

Führende Lieferländer Israels 2019

Land

Einfuhr in Mio. US$

Importmarktanteil  in %

USA

12.273

16,0

China

6.721

8,8

Schweiz

5.567

7,3

Deutschland

5.528

7,2

Belgien

3.570

4,7

Türkei

3.174

4,1

Vereinigtes Königreich

2.994

3,9

Niederlande

2.857

3,7

Italien

2.772

3,6

Quelle: Zentralamt für Statistik


Made in Germany beliebt

Ein weiterer Grund sind die Währungsrelationen. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wurde ein klarer Aufwertungstrend des Neuen Schekels gegenüber dem Euro verzeichnet. Das schafft Nachfrageimpulse nach Waren aus der Eurozone, wobei deutsche Erzeugnisse wegen ihres hohen Qualitätsniveaus einen zusätzlichen Vorteil genießen. Nach Meinung israelischer Handelsexperten sei es für israelische Käufer attraktiv, wenn renommierte Produkte „Made in Germany“ auch relativ günstig zu erwerben sind. Ein wesentlicher Faktor beim Wachstum der deutschen Warenlieferungen ist ein gestiegenes Interesse deutscher Exporteure an dem israelischen Markt. Ein Marktsegment, in dem der Preis eine größere Rolle als das Image spielt, sind die Hausmarken israelischer Handelsketten. Die unter dem Namen des jeweiligen Handelsunternehmens ins Regal gestellten Produkte stammen oft aus Deutschland.

Fahrzeuge und Maschinen dominieren

Je nach Warenkategorie fiel die Expansion deutscher Lieferungen in den letzten Jahren, unterschiedlich aus. Allerdings konnten in allen drei führenden Bereichen – Fahrzeuge, Maschinen und Chemie – Zuwächse verzeichnet werden. Die Importe von Fahrzeugen aus der Bundesrepublik konnten sich innerhalb des Jahrfünfts 2015 bis 2019 nahezu verdoppeln. Das Wachstum der Maschineneinfuhr flachte 2019 ab – allerdings auf historischem Rekordniveau.

Dagegen weisen die Einfuhren von Chemieprodukten, Kunststoff- und Kautschukprodukten sowie von Optik, Mess- und Regel-, Medizintechnik aus Deutschland in dem vergangenen Jahrfünft keine nennenswerte Dynamik auf. Indessen bleibt die Bundesrepublik auch in diesen Bereichen ein führendes Lieferland.

Versierte Vertriebspartner wichtig

Die Warenstruktur der deutschen Exporte nach Israel prägt oft die Wahl der lokalen Vertriebspartner. Importeure, die hohen Anforderungen genügen müssen, wie sie der Absatz und die Betreuung von technisch anspruchsvollen Produkten mit sich bringt, sind im Durchschnitt etablierter und größer als Handelsunternehmen, die einfachere Waren importieren.

Ablesen lässt sich das auch an den Ergebnissen einer Studie des Zentralamts für Statistik für das Jahr 2018. Danach wurden 68 Prozent der für die Erhebung erfassten deutschen Waren von Importeuren abgewickelt, die mindestens 50 Mitarbeiter beschäftigten. Bei China, deren Lieferungen zu einem höheren Anteil aus einfacheren Produkten, inklusive Konsumgütern, bestehen, lag der Anteil der Großimporteure am Wert der erfassten Einfuhr bei 57 Prozent.

Führende Kategorien der Einfuhr aus Deutschland 2014 bis 2019 (Mio. US$)

HS-Abschnitt

Warenkategorie

2014

2018

2019

Deutscher Importmarktanteil 2019 in %

VI

Chemie

746

712

756

10,3

VII

Kunststoff und Kautschuk

322

347

346

10,7

XVI

Maschinenbau und Elektroindustrie  

1.488

1.730

1.738

9,9

XVII

Fahrzeuge

733

1.277

1.395

13,2

XVIII

Optik, Mess- und Regel-, Medizintechnik

384

406

403

13,8

Quelle: Zentralamt für Statistik

Importbedarf bleibt grundsätzlich hoch

Die Folgen der Corona-Krise auf den Außenhandel Israels sind derzeit noch nicht absehbar, aber mit Einbußen muss gerechnet werden. Dennoch wird die arbeitsteilige Einbindung der israelischen Industrie in den Welthandel die Importentwicklung auch in den kommenden Jahren prägen. Das ist auch bei Produkten wichtig, mit denen die deutsche Exportwirtschaft auf dem israelischen Markt gut vertreten ist. So stellt Israel so gut wie keine Beförderungsmittel her. Daher wird die steigende Nachfrage unmittelbar in Importe umgesetzt.

Die israelische Maschinen- und Ausrüstungsbranche wiederum produziert hochwertige Fabrikate, sucht ihre Wachstumschancen aber auf dem Weltmarkt. Wegen ihres hohen Spezialisierungsgrades überlassen israelische Maschinenbauer den einheimischen Markt zu rund 70 Prozent ausländischer Konkurrenz. 

Der Markt für langlebige Konsumgüter versorgt sich ebenfalls überwiegend über die Einfuhr. Das gilt insbesondere für Elektrohausgeräte, Unterhaltungselektronik und Telekommunikationsbedarf, die im Lande so gut wie nicht hergestellt werden. Deshalb wird der steigende Lebensstandard in den kommenden Jahren in diesem Bereich direkt für eine Importexpansion sorgen.

Für das neue Jahrzehnt wird eine schnelle Marktdurchdringung des Internets of Things erwartet, was die Nachfrage nach elektronisch steuerbaren Geräten beflügeln dürfte. Bei Nahrungsmitteln herrschen einheimische Hersteller vor, doch weist die Einfuhr von Erzeugnissen der Nahrungsmittelindustrie einen kräftigen Aufwärtstrend auf.







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