Dieser Inhalt ist relevant für:
TaiwanStart-up
Wirtschaftsumfeld
Wirtschaftsumfeld | Taiwan | Start-up
Taiwan setzt verstärkt auf Start-ups, um seine Industrie zu modernisieren. Im Jahr 2021 wird ein neuer Hub seine Türen öffnen.
09.09.2020
Von Alexander Hirschle | Taipei
Im kommenden Jahr soll ein neuer Start-up-Park in Taiwan eröffnet werden. Nach Informationen der Behörde National Development Council (NDC) in der lokalen Presse soll der neue Hub ab Juni 2021 in der Stadt Tainan als Inkubator für Start-ups fungieren und diese fit für die Weltmärkte machen. Der geplante Park wird mit anderen Inkubatoren im Land zusammenarbeiten, wie etwa der Taiwan Tech Arena (TTA) in Taipei und der Start-up Terrace in New Taipei City.
Nahezu zeitgleich wurde die Meldung veröffentlicht, dass der Bau des ersten lokalen Hubs für Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence, AI) begonnen hat. Der AI-Park in New Taipei City soll bis 2023 fertig gestellt werden und umfasst vier 17-stöckige Gebäude mit einer Fläche von 53.000 Quadratmetern. Auch dort sollen nach Inbetriebnahme unter anderem lokale und internationale Start-ups wie auch bereits existierende Unternehmen des Sektors angesiedelt werden. Die Kosten für den Bau des AI-Centers werden auf rund 460 Millionen US-Dollar (US$) veranschlagt.
In den nächsten vier Jahren werden Regierungsorganisationen knapp 340 Millionen US$ für die Entwicklung von Start-ups in Taiwan zur Verfügung stellen - vor allem für günstige Kredite. Wichtigste Geldgeber sind dabei das Wissenschaftsministerium, das Wirtschafts- und Bildungsministerium sowie NDC selbst. Taiwan verfügt derzeit über rund 4.000 Start-ups, allein 312 davon finden sich in der TTA. Weitere wichtige Anlaufstellen sind die Initiativen Taiwan Startup Stadium (TSS) und der private Accelerator SparkLabs Taipei.
Die taiwanische Regierung will ihre Bemühungen verstärken, Start-ups vor allem in neuen Wachstumssektoren zu positionieren. Als Vorbild gilt in diesem Zusammenhang die Gründung des heutigen Halbleitergiganten Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) vor mehr als drei Jahrzehnten, die stilprägend war für eine ganze Generation nachfolgender Elektronikunternehmen des Landes. Als wichtigste Vorteile des Standorts Taiwan gelten offizieller Lesart zufolge unter anderem die gut aufgestellten Lieferketten auf der Insel, das große Reservoir an hochqualifizierten IT-Beschäftigten sowie ein hoher Grad an Patentschutz und Datensicherheit.
Im Rahmen eines Workshops der British Chamber Taipei mit dem German Trade Office (GTO; AHK) zum Thema Start-up-Gründung nannten Vertreter der führenden Inkubatoren Taiwans weitere Standortvorteile. Neben einem starken Start-Up-Ökosystem verfüge die lokale Industrie in diversen Industriebereichen über erstklassige und international führende Technologien wie etwa bei Hightech-Textilien, Informations- und Kommunikationtechnologie, Elektronik sowie Medizintechnik. Darüber hinaus können Unternehmen in Taiwan gemäß verschiedener Untersuchungen auf mit die schnellste Internetgeschwindigkeit weltweit zurückgreifen.
Ebenso gab das US-Institut Business Environment Risk Intelligence im August 2020 bekannt, dass Taiwan gemäß des dreimal jährlich ermittelten Business Risk Service Report weltweit die drittbeste Investitionsdestination nach der Schweiz und Norwegen und die attraktivste in Asien sei. Auf der anderen Seite wird bemängelt, dass administrative und bürokratische Prozesse vor allem für ausländische Start-up-Gründer zum Teil recht umfassend und langwierig seien.
Als großer Pluspunkt für ein Start-Up-Engagement gilt hingegen die starke Forschungslandschaft in Taiwan. Eine wichtige Funktion als Brückenkopf zwischen Forschung und kommerziellen Anwendungen nimmt dabei das renommierte Industrial Technology Research Institute (ITRI) ein. Es hat sich marktorientierte Forschung als wichtiges Ziel auf die Fahnen geschrieben, circa 500 Beschäftigte wandern pro Jahr in private Industriefirmen sowie Start-ups ab und transferieren ihr Know-how dorthin. In der taiwanischen Forschungslandschaft gibt es nur wenige Professoren mit Industrieerfahrung. Umso zentraler ist die Rolle von ITRI als Scharnier zwischen Entwicklung und Praxis. TSMC ging etwa seinerzeit als ein Spin-off aus dem ITRI-Reservoir hervor.
Das Institut fokussiert sich dabei auf Branchen, bei denen Taiwan eine Technologielücke zwischen fünf und sieben Jahren zu den jeweils führenden Nationen aufweist. Auch ITRI unterstützt die Entstehung von Start-ups, unter anderem über seinen Inkubator Open Lab , der bereits mehr als 270 Firmen auf den Markt gebracht hat - 29 davon als Initial Public Offerings; 49 Firmen sind im größten Wissenschaftspark Taiwans in Hsinchu angesiedelt. Mehr als 2 Milliarden US$ wurden dabei investiert und rund 20.000 Arbeitsplätze geschaffen. Ebenso hat ITRI mit Taiwan ITRI New Venture Association einen eigenen Verband zur Förderung von Start-ups gegründet. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass in Taiwan auch künftig Zukunftsindustrien von jungen und innovativen Unternehmen angekurbelt werden.