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EIB definiert neue Vergabekriterien für Energieprojekte

Die EIB hat neue Richtlinien zur Förderfähigkeit von Energieprojekten ausgearbeitet und legt dabei besonderen Fokus auf Klimaschutz. Hier entstehen Geschäftschancen.

Von Heike Hoffmann | Brüssel

Die Europäische Investitionsbank (EIB) richtet als Hausbank der EU 90 Prozent ihrer Finanzierung an die EU-27 und 10 Prozent an Drittstaaten. Die Finanzierung von Energieprojekten durch die EIB wurde bisher von den zuletzt 2013 überarbeiteten Kriterien geregelt. Um diese an die Energiewende und den Klimaschutz anzupassen, initiierte die EIB 2019 einen öffentlichen Konsultationsprozess über ihr Regelwerk zu Finanzierungskriterien für Energieprojekte (FKE), über die GTAI berichtete. Darauf aufbauend hat die Bank ihre neuen FKE im Jahr 2019 ausgearbeitet. Sie gelten mit einer Übergangsfrist ab Ende 2021. Parallel dazu beschloss die EIB 2019 auch eine ehrgeizigere Strategie für Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit.

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Das Übereinkommen von Paris von 2015 zum Klimaschutz und die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) fordern nachhaltige und langfristige Investitionen im Energiesektor. „Wie schaffen wir Wachstum, das Arbeit schafft, und wie reduzieren wir gleichzeitig unseren CO2-Ausstoß?“ fragte Koen Doens, Leiter der Generaldirektion Internationale Entwicklung und Zusammenarbeit der EU-Kommission (International Cooperation and Development, DEVCO), 2019 gegenüber deutschen Unternehmen. „Wir müssen die Möglichkeiten technischer Innovationen nutzen und dazu enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten“, lautete seine Antwort. Hier setzt die EIB als weltgrößter multilateraler Geber im Bereich Klimaschutz an.


Seit 2012 hat die Bank 150 Milliarden Euro für Projekte bereitgestellt, die Treibhausgasemissionen senken und bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels helfen. So konnten insgesamt 550 Milliarden Euro mobilisiert werden. Von 2015 bis 2019 wendete die EIB mehr als 65 Milliarden Euro für Investitionen im Sektor Erneuerbare Energien (EE), Energieeffizienz und Energieverteilung auf. In 2018 brachte die Bank über 16,2 Milliarden Euro im Kampf gegen den Klimawandel und somit für den Sektor Energie und Infrastruktur auf (ein Drittel der Gesamtfinanzierung). Innerhalb der EU machte dieser Betrag fast die Hälfte der EIB-Darlehen aus (44,9 Prozent; 21,5 Milliarden Euro). Außerhalb der EU waren im Vergleichsjahr 21 Prozent der Gelder dafür bestimmt. Unter welchen Bedingungen die EIB derartige Finanzierung zur Verfügung stellt, legen die neuen FKE fest.

Neue FKE, neue Vorgaben

Die neuen Kriterien bringen ab 2021 einige bedeutende Veränderungen mit sich. „Wir werden die Finanzierung von Projekten mit fossilen Energieträgern einstellen und künftig eine Klimastrategie verfolgen, die die Ambitionen aller anderen öffentlichen Finanzinstitute übertrifft“, sagte EIB-Präsident Werner Hoyer. Dies gilt sowohl für die Produktion als auch für die Infrastruktur von Öl und Gas. Darüber hinaus hat die EIB einen neuen Emissionsstandard verabschiedet (250 Gramm CO2 pro Kilowattstunde anstelle von 550 Gramm).

Unterteilt in vier Subtypen beschreiben die FKE die förderfähigen Projektarten inner- und außerhalb der EU. Bestimmte Projektausrichtungen wie grenzüberschreitende Kooperation von EU-Mitgliedstaaten und Integration von EE sind erwünscht. Darüber hinaus werden Maßnahmen benannt, die die EIB ergreift, um diese Ziele zu erreichen. So will sie die Finanzierung von bis zu 75 Prozent der förderbaren Investitionskosten im Bereich Energieeffizienz und Dekarbonisierung übernehmen oder mehr technische und wirtschaftliche Beratung anbieten. Je nach Zielregion können die Maßnahmen variieren, je nach Subtyp kann es neue Finanzierungsinstrumente der EIB geben.

Komponenten der FKE der EIB

Subtypen

Förderfähige Projektarten und -ausrichtungen

Dekarbonisierung

.Gebäuderenovierung

.Energieeffizienz in Neubauten laut neuen Standards

.Bessere Energieleistung öffentlicher Beleuchtung

.Energieeinsparung bei KMU und Industrie

Innovative Technologien

.Kraft-Wärme Kopplung

.Wärmeerzeugung durch EE

.Produktion und Lagerung von Energieträgern aus CO2-armen Energiequellen

.Versorgung mit für CO2-reduzierende Technologie kritischen Rohstoffen 

.Technologien zur Dekarbonisierung (neben Wind und Solar)

.Unterstützung neuer EE-Quellen; Marktintegration EE

Infrastruktur für Elektrizität

.Forschung und Entwicklung innovativer, kohlenstoffarmer Technologien; Markteinbindung und kommerzielle Produktion

.Neue Arten von Energieinfrastruktur

Infrastruktur für Elektrizität

.Übertragungs- und Verteilernetze, mit Ausnahme von Anschlüssen an Braun- und Steinkohlekraftwerke

.Gasinfrastruktur für CO2-arme Gassorten und für die Verbrauchsverringerung

.Fernwärme- und Fernkältenetze

.Ausbau von EE-Grundlastkapazität (z.B. für Elektromobilität)

Quelle: EIB


Energiemarkt eröffnet Geschäftschancen

Der Anteil der EE am Energiemix wird laut EIB voraussichtlich rasant ansteigen. Die EU hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 einen Anteil der EE von mindestens 32 Prozent am gesamten Energiehaushalt sicherzustellen. Die EIB hält einen Anteil von 60 Prozent für machbar, die Hälfte davon aus variablen Quellen wie Wind und Solar. Auch dezentrale Energie wird laut Bank einen großen Anteil an zukünftigen Investitionen in der Stromerzeugung ausmachen. Der Erdgasanteil wird wiederum zurückgehen (innerhalb der EU um 20 Prozent bis 2030 und um 70 bis 85 Prozent bis 2050). Trotz der strengen Vergabekriterien der EIB bietet der Wandel im Energiesektor vielfältige Chancen für Firmen, denn neue Technologien und Märkte werden sich entwickeln, neue Geschäftsmodelle schaffen und Investitionsmöglichkeiten bieten.
So müssen sich, betrachtet man allein die EU-27, die jährlichen Investitionen in Energie laut EIB von 2021 bis 2030 im Vergleich zum vorangegangenen Jahrzehnt auf 396 Milliarden Euro pro Jahr verdoppeln, um den zunehmenden Energiebedarf zu decken und die Klimaziele zu realisieren.

Das betrifft auch die Energiemärkte in Drittstaaten, in denen die Nachfrage nach Energie stark wächst. Laut Internationaler Energieagentur erfordert der Zugang zu Strom von 2018 bis 2030 pro Jahr 48 Milliarden Euro an Investitionen. Die EIB räumt diesem als Basis von wirtschaftlicher Entwicklung und regionaler Integration oberste Priorität ein. Weiterhin fördert die Bank in diesen Weltregionen auch eine nachhaltige und hochqualitative Infrastruktur sowie emissionsarme und effiziente Energiesysteme. Die Energiewende will die EIB besonders in der südlichen und östlichen Nachbarschaft sowie auf dem westlichen Balkan fördern. Die Internationale Energieagentur rechnet mit weltweiten Investitionen in den Energiesektor außerhalb der EU in Höhe von 3,5 Billionen Euro pro Jahr bis 2030. Das entspricht dem siebenfachen der erwarteten Investitionen innerhalb der EU.

Die EIB veröffentlicht ihre FKE auf ihrer Homepage.
Über Ausschreibungen, welche Beteiligungsmöglichkeiten für deutsche Firmen bieten, informiert die GTAI auf ihrer Homepage.

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