Forschungs­landschaft

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Steigende FuE-Aufwendungen

In Deutschland werden enorme Summen in die Entwicklung neuer Technologien und Innovationen investiert. Kein anderes europäisches Land gibt mehr für Forschung und Entwicklung (FuE) aus. Bereits seit zehn Jahren steigen die deutschen FuE-Ausgaben kontinuierlich an.

Im Jahr 2011 wendeten Staat und Wirtschaft für Forschungsprojekte am Standort Deutschland ca. 74,8 Mrd. Euro auf. Das entspricht 2,88 Prozent vom BIP. Mit diesem Anteil belegt Deutschland im EU-Vergleich den vierten Platz, hinter den nordischen Ländern (Finnland, Schweden, Dänemark), jedoch deutlich vor Frankreich und dem Vereinigten Königreich.


Damit befindet sich die Bundesrepublik auf dem besten Wege, das von der Europäischen Union vorgegebene 3-Prozent-Ziel schon bald zu erreichen. Mehr als zwei Drittel der Aufwendungen werden schon jetzt von der forschungsstarken Privatwirtschaft getragen.

Balkendiagramm: Ausgaben für FuE in Deutschland | © Germany Trade & Invest GmbH In Mrd. EUR

Einsteins Erben

Die Stärke des Forschungsstandorts Deutschland bringt stets auch bedeutende Wissenschaftler von Weltrang hervor. Albert Einsteins Karriere begann in Deutschland, die 1921 zur Verleihung des Nobelpreises für Physik führte. Nicht nur Max Planck und Robert Koch, sondern auch die letzten Preisträger Harald zur Hausen (2008) und Peter Grünberg (2007) unterstreichen die Kontinuität der Forschungsqualität in Deutschland: Mehr als 70 wissenschaftliche Nobelpreise wurden an Deutsche vergeben.

Deutschland beherbergt die größte Forschungsgemeinschaft in Europa – 21 Prozent der Wissenschaftler in der EU leben und arbeiten hier. Deutsche Forscher wirken darüber hinaus an Projekten in der ganzen Welt mit. Zum Beispiel erarbeitet die Max-Planck-Gesellschaft ihre Forschungsergebnisse mit über 5.000 Partnern an Forschungseinrichtungen in 108 Ländern.

Tortendiagramm: Anteil der EU-Wissenschaftler  | © Germany Trade & Invest GmbH

Bewährter Wissenschaftstransfer

Die deutsche FuE-Landschaft zeichnet sich durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft aus. Grundlage hierfür bildet das dichte und dezentrale Netz aus über 400 Universitäten und Fachhochschulen. Nicht nur die leichte Verfügbarkeit von hochqualifizierten Hochschulabsolventen wird damit deutschlandweit sichergestellt.

Auch die wertvollen Kooperationsmöglichkeiten und Zugangskanäle zu Grundlagen-, und angewandter Hochschulforschung werden von der Privatwirtschaft genutzt. Dort erarbeitete Erkenntnisse werden so effektiv zur industriellen Umsetzung vorangetrieben. Wissenschaftler können problemlos in die unternehmenseigenen Teams aus Entwicklern und Forschern integriert werden. Zudem wird die Laboreinrichtung vermehrt von den Instituten gestellt.

In den vergangenen Jahren konnte Deutschland auch beim formalen Technologietransfer beeindruckende Fortschritte verzeichnen. Hierzu zählen vor allem die im Jahr 2001 geschaffenen 24 Patentverwertungsagenturen, mit deren Hilfe schutzrechtlich gesicherte Hochschulergebnisse kommerzialisiert und in die Wirtschaft übertragen werden können. Auch die Einrichtungen der außeruniversitären Forschung verfügen über eigene Verwertungsstellen.

Es verwundert also nicht, dass internationale Entscheidungsträger dem Wissenstransfer zwischen Unternehmen und Universitäten in Deutschland ein sehr gutes Zeugnis ausstellen. Lediglich die Schweiz und die USA mit ihren stark entwickelten Transferstrukturen rangieren vor Deutschland.


Balkendiagramm: Wissenstransfer zwischen Universitäten und Unternehmen | © Germany Trade & Invest GmbH Bezugsjahr 2010, Managerbefragung Quelle: IMD World Competitiveness Report (2010)

Renommierte Forschungsinstitute

Deutschland besitzt durch seine öffentlich geförderten außeruniversitären Forschungsgemeinschaften im weltweiten Vergleich ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.

Die anwendungsorientierten Institute, Fraunhofer-Gesellschaft und Leibniz-Gemeinschaft, ermöglichen vor allem kleinen und mittleren Unternehmen den Zugriff auf Spitzenforschung. Mit mehr als 80 Einrichtungen und 17.000 Mitarbeitern setzt die Fraunhofer-Gesellschaft dafür 1,6 Milliarden Euro an Forschungsgeldern pro Jahr ein. Ein Großteil der Finanzierungsgrundlage wird durch Kooperationen mit der Industrie in Form von Vertragsforschung erwirtschaftet.

Das Netzwerk der Leibniz-Gemeinschaft umfasst 83 Institute mit fast 14.000 Mitarbeitern. Auch die weltweit renommiertesten Institute der Grundlagenforschung sind in Deutschland beheimatet. Die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft erlauben Unternehmen, kostspielige Grundlagenforschung auszulagern. Sie mindern damit das Risiko der Entwicklung von neuen Produkten und senken die Kosten für FuE.

Das Zusammenspiel von Universitäten, Forschungsorganisationen, Industrieforschung und weiteren Akteuren stellt eine international einzigartige Arbeitsteilung in der Wertschöpfung neuen Wissens dar. Die differenzierte Aufgabenwahrnehmung der beteiligten Institutionen füllt das gesamte Spektrum von vorwettbewerblicher, meist von öffentlicher Hand unterstützter Grundlagenforschung bis zu industriefinanzierter, kommerzialisierbarer Anwendungsforschung.


Diagramm: FuE-Aufwendungen nach Forschungscharakter und Akteuren | © Germany Trade & Invest GmbH Bezugsjahr 2011. Alle Werte beziehen sich auf die FuE-Aufwendungen (in Mrd. EUR). Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung (2010), Statistisches Bundesamt (2013)

Effektive Kompetenzzentren

Deutschland zeichnet sich zudem durch eine ausgereifte Struktur hochinnovativer regionaler Netzwerke und Cluster aus, die Unternehmen einen exzellenten Zugang zu Wissen, Technologien und Wertschöpfungsketten bietet. Interaktive Forschungs- und Lernprozesse sorgen dabei für eine schnellere Technologiediffusion mit anschließender Markteinführung.

Als besonderes Qualitätssiegel gilt dabei die Mitgliedschaft in der Initiative „go-cluster“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Hier wurden mehr als 60 Cluster aufgenommen, die harte Kriterien erfüllen. Dabei wird unter anderem die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft genau begutachtet und überprüft, wie stark sich das Netzwerk seinem Innovationsschwerpunkt widmet. Die Initiative ermöglicht auch Förderungen, um besondere Clusterdienstleistungen zu entwickeln.

Kooperative Gemeinschaftsforschung findet außerdem in den Forschungsnetzwerken der industriegetragenen „Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF)“ statt. Mehr als 50.000 kleine und mittelständische Unternehmen haben sich in ca. 103 Konsortien organisiert und führen technologiefeldrelevante Forschungsvorhaben durch. Neben der Überwindung von strukturbedingten Nachteilen von KMU im Bereich von FuE, wird die Partnersuche sowie der Zugang zu Universitätsnetzwerken vereinfacht.

Zukunftsweisende Reforminitiativen

Auf dem Weg in die Wissensökonomie stellen Bund und Länder die Weichen um den großen Herausforderungen eines intensiven, globalen Innovationswettbewerbs zu begegnen. Mit drei großen Reforminstrumentarien wird das deutsche Wissenschaftssystem fit gemacht für die Zukunft.

Dabei dient die Exzellenzinitiative dem Ausbau innovativer Spitzenforschung an den Hochschulen. Gefördert werden 37 Forschungsstätten in 13 Bundesländern, um die internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Unter der Reforminitiative Hochschulpakt 2020 werden umfangreiche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um den steigenden Bedarf an hochgebildeten Fachkräften zu befriedigen. In den Jahren 2011 – 2015 wird mit Hilfe dieser Programmlinie ein bedarfsgerechtes Angebot für erwartete 275.000 zusätzliche Studienanfängerinnen und –anfänger geschaffen.

Komplettiert werden die Reformanstrengungen durch den Pakt für Forschung und Innovation. Im Fokus stehen die Einrichtungen der außeruniversitären Forschung, die ihre internationalen Spitzenpositionen mit Hilfe finanzieller Planungssicherheit ausbauen sollen. Zur Erreichung dieses Ziels werden Bund und Länder von 2011 – 2015 eine jährliche Erhöhung der Zuschüsse um 5 Prozent gewähren.

Neben der Reformierung des Wissenschaftssystems hat sich die Bundesregierung auch die Erschließung und Ausschöpfung internationaler FuE-Potenziale zum Ziel gesetzt. Mit der 2008 formulierten Internationalisierungsstrategie wurde eine Vielzahl an Maßnahmen ins Leben gerufen. Dazu gehört unter anderem der Aufbau von Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäusern in den wichtigsten Metropolen der Welt. Als zentrale Anlauf- und Servicestellen für Forscher und Unternehmen können sich Interessierte über den Wissenschaftsstandort Deutschland informieren.

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Marc Lehnfeld

Marc Lehnfeld

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