Digitalisierung der Wirtschaft in Afrika

In einer Fabrik ein junger Ingenieur, der ein Tablet hält | © iStock.com/funstock

Afrika erschließt sich über digitale Netze neue Märkte

Im IT-Sektor sehen Experten einen wesentlichen Baustein für die Entwicklung Afrikas. Angesichts einer mangelhaften Verkehrsinfrastruktur in weiten Teilen des Kontinents ist das physische Reisen beschwerlich und teuer. Digitale Netze eröffnen neue Möglichkeiten zur Kommunikation oder zum Angebot verschiedener Dienstleistungen. Zudem erhalten selbst entlegene Regionen über das Internet erstmals Zugang zu weltweit verfügbaren Informationen.

E-Commerce: Umsatz im Onlinehandel vervielfacht sich in Nigeria jährlich

E-Commerce erlebt einen Boom in vielen afrikanischen Ländern. Vorreiter war das mit 180 Mio. Einwohnern sehr dicht besiedelte Nigeria. Von Lagos aus bieten die Online-Portale Jumia und Konga.com vor allem Kleidung und Elektronikartikel an. Jumia, das in mehreren Ländern die führende E-Commerce-Plattform ist, wurde von der deutschen Rocket Internet ins Leben gerufen.

Das Umsatzwachstum der E-Commerce-Anbieter in Nigeria vervielfacht sich jährlich. Das gilt auch für andere afrikanische Metropolen wie Abidjan, Dakar und Accra. Gemessen am Umsatz des gesamten Einzelhandels besetzt E-Commerce immer noch einen geringen Marktanteil. Marktkenner sehen daher ein riesiges Potenzial. Kernmarkt ist Nigeria: Ein Blick auf die Daten zur Internetnutzung deutet darauf hin, dass das Potenzial für E-Commerce noch längst nicht ausgeschöpft ist. Bereits jetzt ist das westafrikanische Land der zehntgrößte Internetmarkt weltweit. Vor allem im mobilen Internet sehen Experten die Zukunft in Nigeria. Derzeit sind die führenden lokalen Mobilfunknetzbetreiber MTN, Globacom, Airtel und Etisalat dabei, in 3G-Technologie zu investieren. Bislang gehen von den etwa 130 Mio. aktiven Handynutzern weniger als 10% damit ins Internet und von diesen Wenigen ist bis dato auch nur ein sehr geringer Teil (etwa 5%) beim Online-Shopping aktiv.

B2B spielt eine zunehmende Rolle im Großhandel. Kunden speziell im ländlichen Bereich bestellen über E-Commerce-Plattformen und verkaufen dann offline an ihre Kundschaft. Jumia und Konga.com haben auf ihren Webseiten bereits Angebote entwickelt, die für solche Großkunden interessant sind. Viele Konsumgüter werden im Übrigen aus China per Container nach Nigeria importiert. Daher ist die chinesische E-Commerce-Plattform Alibaba eine der am meisten besuchten in Nigeria.

E-Government: Südafrika will mit elektronischen Ausschreibungen Korruption bekämpfen

Der Fortschritt beim "E-Government" verläuft in Afrika schleppend. Vielfach sind die Behörden finanziell schlecht ausgestattet. Kundenorientiertheit und Transparenz ist im öffentlichen Sektor in vielen afrikanischen Staaten nach wie vor ein Fremdwort. Den politischen Willen vorausgesetzt, könnten elektronische Lösungen helfen, diese Transparenz zu schaffen.

Durch Korruption und Missstände bei der öffentlichen Auftragsvergabe entstehen vielen afrikanischen Staaten jährlich Schäden in Millionenhöhe. Mittels Digitalisierung und Zentralisierung des Vergabeverfahrens will die südafrikanische Regierung gegensteuern.

Ausschreibungen werden in Südafrika künftig über ein zentrales E-Tender-Portal veröffentlicht. Gleichzeitig wird eine Central Supplier Database geschaffen, in der alle Bieter registriert sein müssen. Das System kann einen Abgleich mit Daten der Steuerbehörden sowie des Handelsregisters vornehmen und so zum Beispiel verhindern, dass öffentlich Angestellte selbst Geschäfte mit dem Staat machen. Die Beeinflussung von Vergabeverfahren ist in der Kaprepublik so weit verbreitet, dass hierfür sogar der Begriff "Tenderpreneurship" entstanden ist.

Ziel ist ein umfassendes E-Procurement System, das auch einen Online-Shop für die Beschaffung von Gütern wie Büromaterial enthalten soll. Auch andere afrikanische Länder wie Kenia oder Sambia betreiben Initiativen für E-Procurement.

E-Health: In Südafrika per SMS zum Medizin-Helpdesk

Neben Kenia, Ghana oder Ruanda gehört auch Südafrika zu den Ländern, die eine E-Health Strategie entwickelt haben. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Gesundheitsdienstleistungen mit Hilfe von Mobiltelefonen (mHealth). Die Abdeckungsrate für den Mobilfunk lag 2014 schon bei 145%, auch weite Teile der ärmeren Bevölkerung werden erreicht. Rund 100 mHealth Projekte werden am Kap bereits umgesetzt, schätzen Branchenkenner.

Darunter fällt auch das von der Regierung unterstützte Vorhaben MomConnect. Schwangere und junge Mütter erhalten wichtige Gesundheitsinformationen und können sich über SMS auch an ein kostenfreies Helpdesk mit Fachpersonal wenden. Andere Anwendungen wie B-Wise bieten eine Gesundheitsberatung speziell für Jugendliche.

Gesundheitssystem in Südafrika

Indikator

Wert

Einwohnerzahl (2014 in Mio.)

54

Bevölkerungswachstum (2014 in % p.a.)

1,58

Altersstruktur der Bevölkerung (2014)

 

.Anteil der unter 15-Jährigen (%)

30

.Anteil der über 60-Jährigen (%)

8,4

Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2014 in Jahren)

61,2

Jahreseinkommen pro Kopf (2013 in US$)1)

6.770

Gesundheitsausgaben pro Kopf (2012 in Rand pro Jahr) 2)

.privat

12.008

.öffentlich

2.857

Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2013 in %)

8,3

Ärzte/100.000 Einwohner (2013)

78

Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2011)

230

Anzahl privater Krankenhausbetten (2013)

34.600

Anzahl öffentlicher Krankenhausbetten (2011)

68.524

1) Jahresdurchschnittskurs 2013: 1 Euro = etwa 1,4 US$; 2) Jahresdurchschnittskurs 2012: 1 R = circa 0,12 US$
Quellen: Statistics SA; Health Systems Trust; World Health Organization

Auch die Anwendung von Telemedizin wird in ländlichen Regionen erprobt. Das Unternehmen Telemedicine Africa kooperiert mit den Partnern Dimension Data und der staatlichen Finanzierungsgesellschaft IDC. Ländliche Gesundheitszentren erhalten telemedizinische Geräte. Untersuchungsergebnisse, etwa Blutdruckwerte, werden an Ärzte in den nächstgelegenen Krankenhäusern übermittelt; es folgt eine Beratung mit dem örtlichen Personal per Videokonferenz. Für einfache Untersuchungen wird der Weg in die Stadt dadurch überflüssig.

An Bedeutung gewinnen zudem elektronische Informations- und Patientendatensysteme. Bislang verfügen meist nur größere Einrichtungen über IT-Systeme, es gibt fast keine Interoperabilität. Allein im öffentlichen Gesundheitssektor werden 42 verschiedene Systeme gezählt. Zukünftig soll ein landesweites elektronisches Patientendatensystem entstehen.

Fintech: Mobile Banking passt zur Handy-Kultur Afrikas

In Ostafrika gilt das Zahlungssystem "M-Pesa" als technologische Innovation. Das von der kenianischen Mobilfunkfirma Safaricom in Kooperation mit Vodafone entwickelte und erstmals 2007 in Kenia eingeführte System ermöglicht privaten bargeldlosen Zahlungsverkehr über Mobiltelefone - ohne reguläres Bankkonto. Die Nutzer füllen ihr Guthaben bei M-Pesa-Vertragspartnern, vornehmlich Händler, Tankstellen und Kioske, auf. Dort heben sie auch ab. Geld kann an jeden geschickt werden, der ein Handy hat. Andere Firmen haben mittlerweile vergleichbare Systeme entwickelt.

Verbraucher in Kenia, Tansania, Uganda und Ruanda transferierten 2014 umgerechnet rund 46 Mrd. US$ mit Hilfe ihrer elektronischen Brieftasche, dies entsprach etwa einem Drittel des BIP der vier Länder. Die Zahl der registrierten Nutzer stieg von 29 Mio. im Jahr 2009 auf 82 Mio. Ende 2014. Die Zahl der Anbieter liegt in den vier Ländern mittlerweile bei 24. Safaricom ist mit seinem M-Pesa-System und 21 Mio. registrierten Kunden der Marktführer.

Handygestützter Geldtransfer ist ideal für die Entwicklungsländer Afrikas. Er ist schneller und effizienter als jeder Bankservice, sicherer als Bargeld und transparenter. Er passt zur verbreiteten Kultur Handy-gestützter sozialer Netzwerke. Vor allem Frauen haben es leichter, ein kleines Business zu starten, sagen Entwicklungsexperten. Bei Freunden und Verwandten kann man sich leichter etwas Geld leihen und später wieder zurückzahlen.

Inzwischen wird mit dem elektronischen Geld in Geschäften und Bars bezahlt, man begleicht damit seine Wasser- und Stromrechnungen. Grenzen gibt es kaum. Ein Beispiel: Wer als Kioskbetreiber in einem noch nicht elektrifizierten Dorf eine kleine Solaranlage installiert, bei der die Kundschaft ihr Handy auflädt, kann die Anschaffungskosten dank der Mobil-Money-Systeme in Miniraten abstottern. Bleibt die Zahlung aus, kann der Verkäufer die Solaranlage mit Hilfe einer Handy-App aus der Ferne abschalten.

IKT Infrastruktur: Afrika steht vor Sprung zu 3G

Der Internetzugang erfolgt in Afrika vor allem über das Smartphone; ein teurer PC ist damit nicht nötig. Niedrige Einstiegspreise sind das entscheidende Argument auf einem Kontinent, auf dem die meisten Menschen nur wenig Geld zur Verfügung haben. Laut einer Studie von McKinsey lag der Beitrag des Internets zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), zum Beispiel durch Onlinehandel oder internetspezifische Geschäftsfelder, in Afrika 2012 bei etwa 1,1%, verglichen mit etwa 3,6% in den Industrieländern. Die Unterschiede einzelner Länder in beiden Gruppen sind jedoch groß. Auch die Herkunft des Beitrags unterscheidet sich stark. Während in Kenia beispielsweise der Anteil, den das Internet zum BIP beiträgt, zu 90% auf privatem Konsum basiert, sind es für Marokko nur 34%. Dafür nimmt hier der Außenhandel, repräsentiert vor allem durch Business Process Outsourcing (BPO), 40% ein. Deshalb sollte jedes Land für sich betrachtet werden.

Das Wachstumspotenzial ist enorm. Lag die Internetdurchdringung in Afrika 2012 noch bei 16%, wird sie bis 2025 auf 50% steigen. Der Beitrag des Internets zum BIP wird nach Schätzungen von McKinsey in diesem Zeitraum von 18 Mrd. auf 300 Mrd. US$ zunehmen.

IT-Infrastruktur in Afrika

 

2010

2014

Internationale Internet-Bandbreite pro Nutzer (Bit/s)

 

 

 Ägypten

5.370

9.302

 Kenia

3.529

25.200

 Marokko

4.558

10.768

 Nigeria

2.348

3.150

 Südafrika

202.453

149.542

 Tunesien

13.086

25.972

Mobilfunkteilnehmer/Verträge (je 100 Einwohner)

 

 

 Ägypten

90,5

114,3

 Kenia

61

73,8

 Marokko

101,1

131,7 1)

 Nigeria

54,7

77,8

 Südafrika

97,9

149,7

 Tunesien

104,5

128,5

Anteil der Haushalte mit Internetzugang (in %)

 

 

 Ägypten

25,3

36,8

 Kenia

6,3

16,9

 Marokko

25,5 2)

50,4

 Nigeria

6,1

8,5

 Südafrika

10,1

37,3

 Tunesien

11,4

28,8 3)

1) aktive Teilnehmer inkl. MVNO; 2) in Regionen mit Elektrifizierung; 3) vorläufig
Quelle: Internationale Fernmeldeunion ITU

Der gesamte IT-Sektor in Subsahara-Afrika ist sehr heterogen. Vorreiter sind neben Südafrika das ostafrikanische Kenia und das westafrikanische Senegal. Märkte mit viel Potenzial, aber auch großem Nachholbedarf, sind Nigeria, Angola oder Äthiopien.

Den Aufbau der Mobilfunknetze haben aufgrund der maroden Staatshaushalte weitestgehend private Mobilfunkunternehmen wie MTN (Südafrika), Vodafone (Großbritannien), Orange (Frankreich) und Airtel (Indien) durchgeführt. Es gibt noch weitere Anbieter, deutsche sind jedoch nicht dabei. Stand kurz nach der Jahrtausendwende der Aufbau der Mobilfunknetze für Telefonie an, sind die Mobilfunkunternehmen seit einigen Jahren dabei, den nächsten Schritt in Richtung des mobilen Internets zu machen. Hierfür bauen die Handynetzbetreiber und Internetprovider ihre Übertragungskapazitäten auf 3G, teilweise bereits auf 4G-Kapazität aus. In den lukrativen Ballungsräumen wie Johannesburg, Lagos oder Nairobi finanzieren sie diese Investition selbst, in ländlichen Gebieten helfen Geberorganisationen wie die Weltbank. Gleichfalls wurden zwischen 2009 und 2014 mehrere Breitband-Unterseekabel entlang der west- und ostafrikanischen Küste verlegt, die nach Asien, Europa und Nordamerika führen.

Mit dem Ausbau auf 3G-Kapazität sowie den Unterseekabeln werden die afrikanischen Staaten erstmals auf breiter Basis ans Internet angeschlossen.

IT-Arbeitsmarkt: Breiter Talent-Pool an IT-Absolventen in Tunesien

Tunesien steht noch am Anfang einer dynamischen Entwicklung seines IT-Sektors. IT-Unternehmen sind durch die neuen unternehmerischen Freiheiten nach dem Sturz des Ben-Ali-Regimes 2011 an Kooperationen mit ausländischen Unternehmen interessiert. In rund 1.800 Unternehmen des Privatsektors arbeiten 80.848 Beschäftigte im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie. Aktuelle Zahlen zeigen, dass der Sektor wächst: Laut der Tunisian Association for Communication and Technology beabsichtigen tunesische IT-Unternehmen, ihre Mitarbeiterzahl bis Ende 2015 um 7% und bis Ende 2016 um 10% zu erhöhen. Mehrere internationale Unternehmen haben R&D-Zentren eingerichtet.

"Mit Kosten im Jahr von rund 26.000 Euro pro Entwickler sind die Leistungen vergleichbar mit Indien", so Martin Stork, Vize-Präsident des SAP Africa Growth Plan. Zu den weiteren Standortvorteilen kämen die geografische Nähe und der Umstand, dass es keine oder kaum Zeitunterschied zu Europa gebe. Stork verweist im Gespräch außerdem auf den breiten Talent-Pool mit 13.000 IT-Absolventen im Jahr und die verbreiteten Englisch-Kenntnisse bei den Software-Entwicklern im Land.

Als Absatzmarkt hinkt Tunesien dem nordafrikanischen Wettbewerber Marokko hinterher. Der Markt für IT-Dienstleistungen wird in Marokko bis 2017 jährlich um mehr als 10% zulegen, stellte eine Studie der International Data Corporation fest. Banken, Telekommunikationsunternehmen und Regierung investieren kräftig, zudem dient Marokko dank intensiver Geschäftsbeziehungen und eines ausgebauten Netzes von Flugverbindungen als Sprungbrett für den westafrikanischen Markt.

Allerdings tun sich - trotz des großen Potenzials - deutsche Unternehmen bisher schwer, in Marokkos Offshore-Sektor Fuß zu fassen. Grund ist vor allem die Sprachbarriere. Französisch ist neben Arabisch Landessprache. Englischkenntnisse sind bei den IT-Fachkräften im Gegensatz zu Tunesien weniger verbreitet. Aufgrund der höheren Lebenshaltungskosten gehen Schätzungen von um 30% höheren Entwicklungskosten in Marokko im Vergleich zu Tunesien aus. Für Unternehmen lohnt sich deshalb ein Blick auf die Standorte außerhalb der Metropolen. Abdelaziz Boumahdi, General Manager des Dienstleisters Atento Morocco, zufolge sind die Lohnkosten in Tétouan 25% niedriger als in Casablanca.

Intelligente Städte – Smart Cities: Johannesburg will erste Smart City des Kontinents werden

"Smart Cities" sind in Afrika meist noch ein Thema für die fernere Zukunft. Subsahara-Afrika ist im "IESE Cities in Motion Index 2015" mit Kapstadt, Durban, Pretoria und Johannesburg ausschließlich durch südafrikanische Städte vertreten.

Im Rahmen ihrer "Growth and Development Strategy 2040" will sich Johannesburg zur ersten Smart City des Kontinents mausern. Ein wichtiger Meilenstein ist das bereits fertiggestellte Johannesburg Broadband Network (JBN). Mit Hilfe des 900 km langen Glasfasernetzes sollen nicht nur alle kommunalen Einrichtungen miteinander verbunden, sondern auch die Wirtschaft in das digitale Zeitalter befördert werden. Im Rahmen der Smart Citizen Initiative sind zusätzlich 1.000 Wi-Fi Hotspots geplant.

Ein Prestigeobjekt ist die großflächige Einführung von Smart Metern. Diese sollen dafür sorgen, dass Johannesburg künftig von Notabschaltungen ganzer Stadtgebiete verschont bleibt. Der städtische Versorger City Power kommuniziert über die Smart Meters und Smartphones Verbrauchslimits an die Haushalte. Nutzer können dadurch energiefressende Geräte vom Netz nehmen, ausreichender Strom für Grundfunktionen bleibt aber erhalten. So will die Stadt bei drohender Netzüberlastung rund 770 MW einsparen.

Eine Smart City aus einem Guss plant der chinesische Großinvestor Zendai Group. Im Osten Johannesburgs soll die rund 84 Mrd. R (umgerechnet rund 6,2 Mrd. US$) teure Zendai Modderfontein City für 100.000 Einwohner entstehen. Als Technologiepartner ist PCCW Global aus Hongkong mit an Bord.

Kommunikation: Internet läuft in Afrika über das Handy

Aufgrund des hohen Sättigungsgrades im Bereich Telefonie bieten die Dienstleister zunehmend Datenservices in Form von mobilem Internet an. Etwa 26,5% der rund 1,1 Mrd. Afrikaner haben Internetzugang. Nur rund 9,8% nutzen das Internet, die meisten davon über ein Smartphone. Das wirkt sich auch auf den Bereich Social Media aus.

So bieten in Ghana die beiden Mobilfunkbetreiber MTN und Airtel die kostenlose Nutzung von Facebook, Twitter und Google an, um Kunden zu ködern. Neben Musik sollen bald auch Videos heruntergeladen werden können. Da die Internetnutzung in Afrika nur wenig über den PC läuft, werden vor allem Handy-kompatible Soziale Medien genutzt. Statt auf Google, das eher auf PCs zugeschnitten ist, läuft die Werbung vor allem über Facebook.

Digitale Kommunikation in Afrika

 

2010

2012

2013

Anteil Internetnutzer (in % der Einwohner)

9,8

14,4

16,7

Festnetz-Breitband-Anschlüsse (in % der Einwohner)

0,2

0,2

0,3

Mobile Breitband-Anschlüsse (in % der Einwohner)

1,8

8,5

10,3

Quelle: Internationale Fernmeldeunion ITU

Auch die Medienlandschaft verändert sich. So baut der schweizerische Ringier-Verlag in Nigeria mit Pulse.ng ein werbefinanziertes Nachrichtenportal und mit ady.com ein Anzeigenportal auf.

Die Digitalisierung des Fernsehens ist in Afrika noch am Anfang. Von den 54 Staaten sind derzeit nur Malawi, Mauritius, Mosambik, Ruanda und Tansania digitalisiert. Ausschreibungen für den Aufbau des digitalen Fernsehnetzes wird es unter anderem noch in Côte d’Ivoire und der DR Kongo geben. Internationale Medien- oder Telekommunikationsunternehmen können sich bewerben. Kritiker sprechen von Absprachen zwischen den Interessenten und der jeweiligen Regierung

Mehr Markttransparenz für Kenias Landwirte

Der Kenianer Paul Wachira ist Nebenerwerbslandwirt. Seine drei Kühe geben täglich zusammen etwa 20 l Milch. Ein Nachbar mit Moped bringt die Milch an die nächste Straße, wo morgens ein Zwischenhändler im Auftrag einer Molkerei vorbeikommt.

Eine smarte Waage stellt nicht nur die angelieferte Menge fest, sondern bestimmt auch die Qualität. Die Daten werden unmittelbar an die Molkerei weitergegeben, die diese auf einem Internet-Portal ihren Lieferanten zur Verfügung stellt. Paul kann auf dem Smartphone seines Freundes sofort sehen, wie viel die Milch erlöst hat, und ob Menge und Qualität stimmen. "Früher", sagt Paul, "haben die Mittelsmänner uns Farmer schon mal über den Tisch gezogen und zu wenig bezahlt oder einen Liter abgezweigt und durch Wasser ersetzt. Heute geht das nicht mehr." Bezahlt wird Paul am Ende der Woche durch eine Überweisung auf sein Handy.

Wenn es nach der kenianischen Regierung geht, sollen bald alle Kleinfarmer Nutznießer einer digitalen Landwirtschaft werden. Mit gesammelten Daten ließe sich zum Beispiel besser planen und steuern. Demnächst wird Paul dann auch auf einer digitalen Landkarte sehen können, wie der Boden seiner Parzelle beschaffen ist und welches Gemüse er dort am besten anbauen kann.

Gefördert wird die Digitalisierung der Landwirtschaft vor allem von internationalen Gebern, darunter auch der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundes.

Rechtsgrundlage für die Digitalisierung in Afrika

Die Erfordernisse der fortschreitenden Digitalisierung des afrikanischen Kontinents spiegeln sich in nationalen Gesetzen und Gesetzesvorhaben wider. Beispielhaft seien der Electronic Transactions Act 2008 in Ghana, der Protection of Personal Information Act 2013 in Südafrika oder der Cybercrime (Prevention, Prohibition etc.) Act 2015 in Nigeria genannt.

Im Bereich des E-Commerce basiert die nationale Gesetzgebung teilweise auf dem Modellgesetz über den elektronischen Handel der Kommission der Vereinten Nationen für Internationales Handelsrecht (UNCITRAL) vom 12.6.1996. Dies gilt für Ghana, Südafrika, Gambia, Liberia, Madagaskar, Mauritius, Ruanda und Sambia.

Das UN-Übereinkommen über den Einsatz elektronischer Kommunikation in internationalen Verträgen vom 23.11.05 wurde darüber hinaus bislang von Madagaskar, Senegal, Sierra Leone und Südafrika unterzeichnet. Für die Republik Kongo als erstem und bisher einzigem Staat in Subsahara-Afrika ist es am 1.8.14 in Kraft getreten.

Südafrika hat zudem das Übereinkommen des Europarates vom 23.11.2001 über Computerkriminalität unterzeichnet; für Mauritius ist es am 1.3.14 bereits in Kraft getreten. Auch die Afrikanische Union (AU) hat Mitte 2014 mit der Convention on Cyber Security and Personal Data Protection ein Rahmenwerk verabschiedet, das E-Commerce, Datenschutz und Cyberkriminalität regelt, bislang jedoch durch kein Land ratifiziert wurde.

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