Der Brexit und seine Folgen

Flagge VK und Flagge EU mit entgegengesetzten Richtungspfeilen | © Getty Images/Prasit photo
31.05.2018

Der Brexit und seine Folgen

Neues Absatzpotenzial auf europäischen Zielmärkten

Das Vereinigte Königreich lieferte 2017 rund 189 Milliarden Euro an Waren in die Europäische Union (EU). Unabhängig davon, welche Handelsregeln nach dem Brexit gelten werden, dürften britische Lieferanten Marktanteile in den EU-Ländern verlieren. Dadurch eröffnen sich Chancen für andere Anbieter.

Lesen Sie hier, welche Auswirkungen in den einzelnen Ländern und Branchen zu erwarten sind und welche Rolle britische Lieferungen dort spielen.

Gesamtwirtschaftliche Folgen in ausgewählten europäischen Ländern

Unsere Korrespondenten haben untersucht, wie sich der Brexit auf Konjunktur, Handel und Direktinvestitionen in 13 europäischen Ländern auswirken könnte:

Frankreich: Folgen des Brexits überschaubar
Frankreich befindet sich wie Deutschland in einer Gruppe europäischer Länder, die von den wirtschaftlichen Auswirkungen eines harten Brexits betroffen wären. Die Effekte sind aber nach Einschätzung von Experten geringer als in noch enger mit der britischen Wirtschaft verzahnten Ländern wie Irland, den Niederlanden oder Belgien. Prognosen rechnen durch den Brexit bis 2021 mit einem Rückgang des französischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) von jährlich 0,3 Prozentpunkten....weiterlesen

Niederlande: Brexit könnte Wirtschaft hart treffen
Die Niederlande werden den Brexit wahrscheinlich überdurchschnittlich stark spüren, da sie in Außenhandel und Investitionen besonders eng mit dem Vereinigten Königreichs verbunden sind. Neue Handelsbarrieren werden wohl deutlich auf die örtliche Konjunktur durchschlagen. Der Logistikhub Rotterdam muss im Warenverkehr mit der Insel einen erheblichen bürokratischen Zusatzaufwand befürchten. Amsterdam bemüht sich derweil um übersiedlungswillige Fintechs. ...weiterlesen

Irland: Brexit beeinträchtigt Unternehmen in vielerlei Hinsicht
Für Irland hat das Vereinigte Königreich als Wirtschaftspartner in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren. Diesen Trend wird der Brexit noch verstärken. Da die Verflechtung aber nach wie vor groß ist, stellt der britische EU-Austritt Irland vor große Herausforderungen. Gerade für kleinere Firmen und ländliche Gebiete ist das Vereinigte Königreich oft der wichtigste Auslandsmarkt. Zudem verlaufen Irlands Transitwege zu anderen EU-Märkten meist über Großbritannien. ...weiterlesen

Belgien: Vereinigtes Königreich ist wichtiger Handelspartner
Belgien ist eine äußerst offene Volkswirtschaft und hat in der EU mit den engsten Austausch mit dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland. Daher kann sich der Brexit auf Belgien weit stärker als auf die meisten anderen Mitgliedstaaten auswirken. In den Jahren 2018 und 2019 soll Belgiens Wirtschaft aber weiter dynamisch wachsen. Ein starker Konjunkturmotor bleibt der Außenhandel. ...weiterlesen

Spanien: Unternehmen bereiten sich auf den Brexit vor
Investitionen, Warenhandel, Tourismus: Gleich an mehreren neuralgischen Stellen ist Spanien mit dem Vereinigten Königreich eng verbunden und an einer möglichst undramatischen Scheidung interessiert. Zum Teil wirft der Brexit bereits seine Schatten voraus. Im Vergleich zum Vorjahr sind 2017 die spanischen Exporte auf die Insel gesunken. Zugleich sehen Unternehmen und Regierung auch Chancen durch die mögliche Anwerbung von Investoren und europäischen Institutionen. ...weiterlesen

Italien: Moderate Brexit-Risiken
Italien gehört zu den europäischen Ländern, die von einem Brexit relativ wenig betroffen werden könnten. Das Vereinigte Königreich rangiert als Absatzmarkt auf Platz fünf, die Investitionen von dort sind überschaubar. Allerdings können auch minimale Auswirkungen der fragilen Erholung der italienischen Wirtschaft schaden. Zudem sind britische Touristen eine wichtige Einnahmequelle. ...weiterlesen

Polen: Rückgang der EU-Fördermittel wegen Brexit befürchtet
Polens Wirtschaft wird vom Brexit voraussichtlich nicht aus ihrer Bahn geworfen. Dennoch drohen besonders durch den Wegfall des Vereinigten Königreichs in seiner Funktion als zweitgrößter EU-Beitragszahler Einbußen beim EU-Mittelzufluss. ...weiterlesen

Schweden: Der Brexit verheißt wenig Gutes
Das Ergebnis des Brexit-Referendums verdarb den Schweden gehörig die Laune. Die überregionale Tageszeitung Dagens Nyheter sah darin einen „Mittsommernachtsalbtraum“ für die Regierung in Stockholm. Svenska Dagbladet verglich sie mit einem Erdbeben der Stärke neun auf der Richterskala. Das Vereinigte Königreich war einer der stärksten Verbündeten für Schweden in der Europäischen Union. Experten erwarten mehrheitlich negative Folgen für die schwedische Wirtschaft. ...weiterlesen

Schweiz: Wirtschaft kann mit dem Brexit leben
Für die Schweiz ist der Brexit zwar keine konkrete Bedrohung, jedoch macht er eine Reihe von Anpassungen der Rechtsgrundlagen nötig, da die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich auf den Schweizer Verträgen mit der EU basieren. Das Vereinigte Königreich ist bei Waren der sechstwichtigste und bei Dienstleistungen der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz. ...weiterlesen

Tschechien: Sorge um einen wichtigen Absatzmarkt
Für Tschechien bedeutet der Brexit einige Unsicherheiten hinsichtlich der Wirtschaftsentwicklung. Das Vereinigte Königreich zählt zu den wichtigsten Handelspartnern und ist ein bedeutender Investor. Die Warenlieferungen auf die Insel entsprechen 3 bis 4 Prozent der Wirtschaftsleistung. Besonders die Kfz-Industrie wäre von Handelsbeschränkungen betroffen. Als Nettoempfänger von Mitteln der Europäischen Union drohen Tschechien Einschnitte bei den Überweisungen aus Brüssel. ...weiterlesen

Slowakei: Brexit bremst Wirtschaftswachstum
Kein Land in Europa ist wirtschaftlich so eng mit der Europäischen Union verflochten wie die Slowakei. Über 80 Prozent des Außenhandels werden mit ihr abgewickelt. Wenn die drittgrößte Volkswirtschaft das Bündnis verlässt, bleibt das in Bratislava nicht ohne Folgen. Befürchtet werden geringere Zuwendungen aus EU-Strukturfonds und schwierigere Lieferbedingungen für die dominierende Autoindustrie. Relativ gering sind die Importe aus dem Vereinigten Königreich. ...weiterlesen

Luxemburg: Brexit könnte vor allem Dienstleister beeinträchtigen
Für Luxemburg ist das Vereinigte Königreich ein sehr viel wichtigerer Außenhandelspartner bei Dienstleistungen als bei Waren. Zudem sind britische Direktinvestoren mit einem hohen Kapitalbestand im Großherzogtum engagiert. Daher kann der geplante britische EU-Austritt nennenswerte Auswirkungen auf Luxemburg haben. ...weiterlesen

Malta: Brexit wird Wirtschaftsboom nicht bremsen
Die Wirtschaft der ehemaligen britischen Kolonie Malta ist immer noch eng mit dem Vereinigten Königreich verbunden. Als Handelspartner rangiert Großbritannien zwar lediglich auf Platz sechs, doch der Austausch von Dienstleistungen ist von großer Bedeutung. Dies geht einerseits auf Direktinvestitionen aus dem Vereinigten Königreich im Bankensektor zurück. Andererseits spielen Tourismus und Gesundheitswesen eine wichtige Rolle für die Wirtschaft des kleinen Inselstaates. ...weiterlesen