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Albanien lockt ausländische Investoren mit steuerlichen Anreizen

Albanien ist noch kein etablierter Investitionsstandort für deutsche Firmen. Das Land arbeitet an der Verbesserung seines Investitionsklimas. Doch das Umfeld bleibt herausfordernd.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad

Ausländische Direktinvestitionen (FDI) sind ein zentraler Wachstumsmotor der albanischen Wirtschaft. Im Jahr 2024 flossen rund 1,6 Milliarden Euro in das Adrialand, was rund 6 Prozent des BIP entspricht. Doch die ungleiche sektorale Verteilung der Direktinvestitionen dämpft die Modernisierung der Wirtschaft. Denn ein Großteil der FDI fließt in unbewegliche Objekte der Tourismusinfrastruktur und Immobilien sowie in nicht-exportorientierte Sektoren wie die Energiewirtschaft, den Telekommunikationssektor und das Bankwesen.

Albaniens Investitionsprofil unterscheidet sich von dem der stärker industriell geprägten Nachbarländer Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Nordmazedonien. Schwach ausgeprägte industrielle Lieferketten und ein Mangel an qualifizierten Facharbeitern erschweren Investitionen ins verarbeitende Gewerbe und exportorientierte Branchen. Die Bedeutung der FDI für industrielle Entwicklung und Steigerung der Produktivität ist daher begrenzt. Um die Wirtschaftsstruktur des Landes zu diversifizieren, setzt die Regierung auf die Ansiedlung verarbeitender Betriebe, darunter aus Deutschland.

Investitionsklima: Chancen überwiegen Herausforderungen

Um mehr ausländische Investoren zu gewinnen, arbeitet Albanien an der Verbesserung seines Images als stabiler und zugleich reformorientierter Investitionsstandort. Vor allem der Tourismus dient als Aushängeschild für ein positives Bild Albaniens im Ausland. Das Land gilt als sicheres Reiseland mit einer jungen, weltoffenen Bevölkerung und einem großen Potenzial für Partnerschaften. Zudem verbessern die Aussicht auf eine EU-Mitgliedschaft und die damit einhergehenden Reformen perspektivisch die Standortbedingungen.

Die Regierung arbeitet zudem an der Verbesserung des Investitionsklimas und setzt vor allem auf finanzielle Anreize. FDI sind unbeschränkt in alle Branchen möglich und Gewinne dürfen ausgeführt werden. Durch den angestrebten EU-Beitritt werden gesetzliche Regelungen harmonisiert. Die Verwaltung digitalisiert ihre Prozesse für Unternehmensregistrierung, Steuererklärungen und Genehmigungen. Seit 7. Oktober 2025 macht die Implementierung des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums (SEPA) ausländische Direktinvestitionen aus der EU schneller und günstiger.

Doch sehen sich ausländische Investoren mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Dazu zählen vor allem der ineffiziente öffentliche Sektor, eine überbordende Bürokratie, die Rechtsunsicherheit beim Erwerb von Grundbesitz aufgrund komplexer Landbesitzverhältnisse und nicht aktualisierter Kataster. Hinzu kommen Risiken bei der Rechtsdurchsetzung, langwierige Gerichtsverfahren und Korruption.

Nachbarländer sind wichtigste Investoren

Der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen steigt stetig an. In erster Linie handelt es sich dabei um reinvestierte Gewinne. Größter ausländischer Investor in Albanien ist traditionell Italien. Firmen aus dem Adria-Nachbarland sind vor allem in der Bau- und Textilindustrie sowie dem Dienstleistungssektor tätig. Türkische Firmen investieren vor allem in Infrastruktur- und Energieprojekte, wohingegen Unternehmen aus Griechenland und Österreich ihr Geld in das Bankwesen, Immobilien und Versorgungsbetriebe anlegen. Deutsche Firmen bekunden steigendes Interesse an der albanischen Wirtschaft. Größere Investitionen sind jedoch die Ausnahme.

Größte deutsche Investoren in Albanien (Stand: Februar 2026)
UnternehmenBranche

Volumen in Millionen Euro

Lindner Group (Tirana Business Park)Gewerbegebiet/Immobilien

100

ProCredit BankFinanzdienstleistungen

49

MesserMedizinische Gase

10

LidlEinzelhandel / Logistik

6

KnaufBaustoffe

6

ForschnerAutozulieferindustrie

4

Röfix (Fixit Gruppe)Baustoffe

3,8

Lufthansa Industry SolutionsIT-Dienstleistungen

3,2

PSZAutozulieferindustrie

1

HyretechIT-Dienstleistungen

0,3

Quelle: Deutsche Industrie- und Handelsvereinigung in Albanien (DIHA) 2026.

Investitionsförderung: Steuervergünstigungen sind bevorzugtes Mittel

Zentrale Anlaufstelle für ausländische Investoren ist die Albanian Investment and Development Agency (AIDA). Die staatliche Investitionsfördergesellschaft betreut Firmen individuell und unterstützt diese bei einer geplanten Ansiedlung.

Für größere Vorhaben zwischen 30 und 50 Millionen Euro und mindestens 50 neu geschaffenen Arbeitsplätzen in bestimmten strategischen Sektoren wie Bergbau, Infrastruktur, Energie, Kommunikation oder Abfallwirtschaft bietet die Regierung den Status eines „strategischen Investors“ an. Dieser gewährt Investoren steuerliche Vergünstigungen und vereinfachte bürokratische Verfahren während der Umsetzung der Projekte. Der Status soll aktuell Ende 2026 auslaufen.

Auch für andere Sektoren erhalten Investoren Vergünstigungen: Projekte in der Tourismusbranche erhalten einen vergünstigten Mehrwertsteuersatz von 6 Prozent. Eine Körperschaftssteuer wird in den ersten 10 Jahren nicht erhoben und öffentlicher Grund und Boden kann für 99 Jahre gemietet werden.

Bei Investitionen in die verarbeitende Industrie von rund 3 Millionen Euro verpachtet die Regierung staatlichen Grund und Boden für den symbolischen Betrag von 1 Euro. Dafür müssen mindestens 50 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Investor erhält eine Befreiung von der Einfuhrsteuer für Maschinen und Anlagen. Für die Qualifikation der Mitarbeitenden stehen weitere Zuschüsse bereit. Unternehmen aus der Automotive-Industrie sowie im IKT-Sektor bezahlen nur 5 Prozent Körperschaftssteuer.

Für Projekte in erneuerbare Energien bietet der Staat langfristige Abnahmeverträge. Für Investitionen in die Landwirtschaft gewährt der Staat eine Befreiung von der Einfuhrsteuer, für Saatgut, Düngemittel und Pestizide werden nur 10 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Die Körperschafts- und Gewinnsteuer betragen jeweils nur 5 Prozent. Die Pacht von Grund und Boden ist bis zu 99 Jahren möglich.

Daneben kümmert sich die Albanian Investment Corporation um die wirtschaftliche Nutzbarmachung staatlicher Liegenschaften. Das bevorzugte Instrument hierzu sind Öffentlich-Private Partnerschaften (PPP) mit in- und ausländischen Investoren.

Des Weiteren gewähren technische und wirtschaftliche Entwicklungszonen (TEDA) wie Elbasan, Kashar oder Koplik eine Befreiung auf Einfuhrzölle sowie Mehrwert- und Grundsteuern. Zudem sind Weiterbildungskosten sowie Forschungs- und Entwicklungskosten von der Steuer abzugsfähig.

Die GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

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