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Wirtschaftsausblick | Kanada

Kanada will Topziel für innovative Unternehmen bleiben

Kanadas Wirtschaftswachstum gewinnt 2024 wieder etwas an Fahrt: Konjunkturforschende sagen ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1 bis 1,5 Prozent voraus.

Von Heiko Steinacher | Toronto

Top-Thema: Bundeshaushalt sieht hohe Investitionen in den KI-Sektor vor

Ein Großteil der Mehrausgaben im neuen Bundeshaushalt von April 2024 fällt auf die Bereiche Wohnen, Gesundheit und Verteidigung. Aber auch in Innovationen und Technologie fließt viel Geld: darunter 1,7 Milliarden US-Dollar (US$) in den Aufbau von KI (Künstliche Intelligenz)-Kapazitäten. 

Kanada hat bereits 2017 eine nationale KI-Strategie verabschiedet. Im Jahr 2023 wurden dort 57 Prozent mehr KI-Patente angemeldet als 2022. Bereits im Jahr davor war diese Zahl um 27 Prozent angewachsen.

Erfolge im Bereich der KI-Forschung und -Entwicklung (FuE) sind auch das Ergebnis der unter Premierminister Justin Trudeau geschaffenen fünf kanadischen Spitzencluster. Diese von der Industrie geführten öffentlich-privaten Kooperationen konzentrieren sich auf fünf Technologiebereiche und verteilen sich vom Atlantik bis zum Pazifik.

Unternehmen wollen zuerst digitalisieren und automatisieren

Kanadas Regierung hat KI bereits in fast 300 Projekten und Initiativen eingesetzt. Auch an industriellen FuE-Projekten sowie Prototypen mangelt es bei KI-gestützten Produktionstechnologien nicht. In der industriellen Fertigung wird KI dagegen eher selten eingesetzt. Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe sind zwar an neuen Technologien interessiert, doch haben sie zunächst die digitale Transformation im Blick. KI wird für sie erst später interessant.

Wirtschaftsentwicklung: Es geht langsam aufwärts

Das Wirtschaftswachstum wird 2024 durch das starke Bevölkerungswachstum und damit höhere Arbeitskräfteangebot angetrieben. Geschäftsklimaumfragen der Royal Bank of Canada (RBC) zufolge erhellen sich zudem die Umsatzerwartungen der Unternehmen. Auch berichten die Firmen von weniger Kapazitätsengpässen.

Bisher hatte es die Zentralbank nicht eilig, die geldpolitischen Zügel zu lockern. Das will sie erst, wenn sich die Kerninflation, also die Entwicklung der Verbraucherpreise ohne Nahrungsmittel und Energie, anhaltend entspannt. Es wird erwartet, dass der Leitzins, der im April 2024 immer noch bei 5 Prozent lag, ab Mitte des Jahres schrittweise gesenkt wird. Bei einer expansiveren Geldpolitik könnte das BIP dann 2025 wieder stärker zulegen, vermutlich um circa 2 Prozent.

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Unternehmen wollen in der 2. Jahreshälfte wieder mehr investieren

Durch anhaltend hohe Kreditkosten konzentrieren sich die Unternehmen darauf, ihre Kapazitäten besser auszulasten, anstatt zu expandieren. Im 2. Halbjahr 2024 dürften die Erweiterungsinvestitionen aber wieder anziehen, vor allem in den Bereichen Elektrofahrzeuge, Petrochemie sowie Öl und Gas.

Honda will 11 Milliarden US$ in eine Fabrik für Elektrofahrzeuge und Teile in der Provinz Ontario investieren. Im neuen Bundeshaushalt wurde eine neue zehnprozentige Steuergutschrift für Investitionen in die E-Fahrzeug-Lieferkette angekündigt: Sie gilt für Unternehmen, die in die Montage, Batterieproduktion und Herstellung von Kathodenmaterial in Kanada investieren. Der neue Steueranreiz wird zusätzlich zu der bereits bestehenden 30-prozentigen Steuergutschrift für Investitionen in neue Maschinen und Ausrüstungen für saubere Technologien gewährt.

Großprojekten der Autoriesen im E-Mobil-Bereich folgen immer mehr Zulieferer, darunter auch deutsche: So investiert der schwäbische Automobilzulieferer PWO rund 7 Millionen US$ in eine neue Montagelinie in seinem Werk in Kitchener, Ontario. 

Das Bevölkerungswachstum heizt die Nachfrage nach Wohnraum an, sodass die Wohnungsbauinvestitionen im 1. Halbjahr 2024 zunehmen dürften. Sie gingen 2022 und 2023 deutlich zurück: Machten sie im Jahr 2021 noch fast 10 Prozent des BIP aus, waren es 2023 nur noch 7,7 Prozent. Gleichzeitig nährt die Aussicht auch auf sinkende Hypothekenzinsen die Hoffnung, dass der Wohnungsmarkt die Talsohle durchschritten hat.

Im 2. Halbjahr 2024 zieht sowohl der Export als auch der Import an

Im Außenhandel erwartet Kanada sowohl ausfuhr- als auch einfuhrseitig mehr Schwung. Mit der Erweiterung der Trans-Mountain-Ölpipeline werden zum einen die Energieexporte des Landes stark anwachsen. Zum anderen werden durch die fortschreitende Umrüstung der Autowerke mehr Kfz exportiert. Infolgedessen dürfte die Gesamtausfuhr im 2. Halbjahr 2024 um 4 bis 5 Prozent zulegen. Für den Hochlauf der Kfz-Produktion werden indes mehr Teile und Materialien benötigt, wodurch auch der Import etwa mit gleicher Rate steigen dürfte.

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Deutsche Perspektive: Beschleunigter Ausbau der Erneuerbaren bietet Chancen

Um fossile Brennstoffe zu ersetzen, will der Regionalversorger Hydro-Québec bis 2035 bis zu 80 Milliarden US$ in neue Anlagen zur Erzeugung sauberer Energie und weitere 50 Milliarden US$ in das Stromnetz investieren. Die Windstromerzeugung soll damit verdreifacht werden. Deutlich mehr Energie werde künftig auch aus Solar und Batterie kommen. Außerdem sollen neue Pumpspeicherkraftwerke gebaut und bestehende erweitert werden. Um die erneuerbare Energie einspeisen zu können, sind 5.000 Kilometer zusätzliche Übertragungsleitungen geplant.

Ganz ähnlich lesen sich die Investitionspläne von British Columbias Energieversorger BC Hydro. Ontario dagegen setzt stark auf Atomkraft, die in Kanada wie in den USA als grüne Energie gilt. Um bis 2050 klimaneutral zu sein, müssen die landesweiten Stromnetzkapazitäten etwa verdoppelt und aus emissionsfreien Quellen gespeist werden. Mit rund 60 Prozent Anteil spielt die Wasserkraft in Kanadas Strommix zwar die Hauptrolle. Ausbaupotenzial besteht dagegen vor allem bei Wind- und Solarenergie. Das bietet Projektentwicklern für erneuerbare Energien vielfältige Geschäftschancen – auch deutschen Unternehmen. Zumal der Ausbau der Windkraft im Osten des Landes auch an die Produktion von grünem Wasserstoff gekoppelt ist, wovon deutsche Hersteller von Elektrolyse- und Brennstoffzellentechnik profitieren können.

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Weitere Informationen zu Kanada finden Sie auf unserer Länderseite.

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