RF_Getty_1060859352_RZ_1340x574 RF_Getty_1060859352_RZ_1340x574 | © Aerial view of Copenhagen skyline and Amagertorv town square with fountain, Denmark©GettyImages/Alexander Spatari

Special | Dänemark | Coronavirus

Regierung reagiert auf steigende Infektionszahlen

Dänemark verschärft seine Einreisebeschränkungen weiter. Der erhoffte Wirtschaftsaufschwung könnte sich verspäten.


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Dänemarks Wirtschaft litt stärker unter den Folgen der Pandemie als die der skandinavischen Nachbarn. Die Weichen für erneutes Wachstum sind aber gestellt. (Stand: 2. März 2021)

    Nach ersten Schätzungen des dänischen Statistikamtes DST ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2020 um real 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Die Auswirkungen der Coronakrise waren damit in Dänemark stärker als auf dem norwegischen Festland und in Schweden, wo das BIP um weniger als 3 Prozent sank.

    Verantwortlich für den Abschwung der dänischen Wirtschaft waren vor allem die Exporte, deren Volumen im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent sanken. Besonders schwach entwickelte sich die weltweite Nachfrage nach dänischen Dienstleistungen, deren Ausfuhren um über 17 Prozent zurückgingen. Sie fanden auch im Inland 7 Prozent weniger Abnehmer als 2019. Den Rückgang des privaten Konsums um mehr als 3 Prozent konnten die um 2,4 Prozent gestiegenen Einkäufe von Gütern, ausgenommen Kfz, nur etwas abmildern.

    Ausgeblieben ist dagegen der Anfang 2020 befürchtete Investitionseinbruch. Zwar gaben Unternehmen knapp 8 Prozent weniger für Maschinen und Geräte aus, dafür steigerten sie aber ihre Einkäufe von Patenten und Know-how um 3,5 Prozent. Wohnungsinvestitionen lagen knapp 5,5 Prozent über dem Vorjahreswert, sonstige Bauvorhaben sogar knapp 7,5 Prozent höher.

    Bauwirtschaft legt zu

    Insgesamt nahmen die Umsätze im dänischen Hochbau in den ersten neuen Monaten 2020 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um fast 12 Prozent zu. Parallel dazu verzeichnete der Tiefbau einen Rückgang um über 4 Prozent. Um etwa 10 Prozent sank auch der Auftragswert für Elektroinstallationen und hydraulische Anlagen.

    Für das laufende Jahr erwarten Experten eine weiterhin positive Entwicklung im Wohnungsbau - auch dank der staatlichen Renovierungsprämie. Der Anfang 2021 gestartete Bau des Fehmarntunnels dürfte für eine Belebung im Verkehrsinfrastrukturbau sorgen. Der Industrieverband Dansk Industri prognostiziert auch einen Anstieg um 2 Prozent bei Bauinvestitionen im Unternehmenssektor - angetrieben von der Wasser- und Energiewirtschaft sowie dem Ausbau der digitalen Infrastruktur. Im Bereich der Produktionskapazitäten dürften hingegen vor allem bereits laufende Projekte fertiggestellt werden. Im Hinblick auf neue Vorhaben ist eher mit Zurückhaltung zu rechnen.

    Nicht alle Branchen blicken auf ein schlechtes Jahr zurück

    Die Nachfrage nach Maschinen und Geräten wird 2021 voraussichtlich auf dem Vorjahresniveau oder leicht darunter liegen. Dabei war bereits das erste Pandemiejahr für den dänischen Maschinenbau hart. Nach den Verarbeitern von Mineralkraftstoffen, deren Umsätze laut DST im Jahr 2020 um etwa 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr nachließen, war der Maschinenbau die am stärksten betroffene Branche. Hersteller von Kraftmaschinen verloren nahezu ein Drittel ihrer Vorkrisenumsätze, solche von Metallbearbeitungsmaschinen knapp 15 Prozent. Einzig die Nachfrage nach elektrischen Maschinen und Geräten stemmte sich gegen den Trend - der Sektor setzte mit 2,7 Milliarden Euro nahezu 16 Prozent mehr um als 2019.

    Zu den Gewinnern zählte auch die Chemieindustrie, deren Umsätze um 10 Prozent gegenüber 2019 wuchsen. Verluste um 3 bis 5 Prozent verzeichneten nur Anbieter von Düngemitteln, anorganischen Chemikalien sowie Kunststoffen in Primärform. Um über 6 Prozent zulegen konnten Getränkehersteller. Die Umsätze der Bekleidungs- und Schuhproduzenten stiegen um knapp 3 Prozent. Die Nahrungsmittelindustrie übertraf das Vorjahresergebnis hingegen nur knapp.

    Arbeitsmarkt vor langem Genesungsprozess

    Alle sonstigen Industriebereiche konnten ihr Ergebnis von 2019 nicht erreichen. Insgesamt gingen die Industrieumsätze um über 4,5 Prozent zurück. Entsprechend geriet der seit 2013 verzeichnete Rückgang der Arbeitslosigkeit ins Stocken. Im Mai 2020 waren 5,5 Prozent der arbeitswilligen Dänen ohne eine Einstellung - der höchste Wert seit sechseinhalb Jahren. Im weiteren Jahresverlauf normalisierte sich die Situation, die Arbeitslosenquote sank um über einen Prozentpunkt. Damit war sie allerdings weiterhin um nahezu ein Viertel höher als vor dem Coronaausbruch. Von einer deutlichen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ist 2021 nicht auszugehen. Zwar hoffen alle, dass sich die globale Konjunkturlage im Jahresverlauf verbessert. Andererseits wird wohl erst nach dem Auslaufen der Hilfsmaßnahmen der tatsächliche Einfluss der Pandemie auf die Anzahl der Arbeitsstellen sichtbar. Die gute soziale Absicherung sollte dennoch dafür sorgen, dass der private Konsum 2021 sichtlich zulegt. Mehr als eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau ist allerdings nicht zu erwarten.

    Einfuhren deutlich gesunken

    Unwahrscheinlich scheint auch eine gänzliche Erholung der Wareneinfuhren. Nach vorläufigen Hochrechnungen von DST nahmen diese 2020 um knapp 4 Prozent zum Vorjahr ab. Weit stärker betroffen waren Kraftstoffe und Transportmittel. Um 6 Prozent zulegen konnten Chemikalien. Der zweite Gewinner waren demnach interessanterweise Maschinen: Importe von 20,3 Milliarden Euro bedeuteten einen Anstieg um 1,5 Prozent.

    Der Nachfragerückgang nach deutschen Produkten blieb dank Chemieerzeugnissen und verarbeiteten Waren unter drei Prozent. Damit konnte Deutschland seine Führungsposition unter den Lieferländern festigen. Dänemark bezieht knapp 22 Prozent seiner Warenimporte vom südlichen Nachbar.

    Die Verfolger konnten beim Importanteil allerdings laut DST noch stärker zulegen: Das zweitplatzierte Schweden legte beim Einfuhrvolumen um 1,4 Prozent zu, die drittplatzierten Niederlande um knapp 4 Prozent. Bei den dahinterliegenden China und Polen überschritt die Dynamik sogar 5 Prozent.

    Die beiden letztgenannten Länder gehörten zusammen mit den Niederlanden auch zu den wenigen Großabnehmern dänischer Waren, deren Bestellungen 2020 höher ausfielen als ein Jahr zuvor. Die beiden wichtigsten Kunden Deutschland und Schweden kürzten ihre Aufträge um entsprechend 11 und 15 Prozent und trugen damit maßgeblich zum Exportrückgang um 5 Prozent bei.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Die dänische Regierung hat sich entschieden, Hilfsmaßnahmen wieder aufleben zu lassen oder zu verlängern - vorerst bis April. (Stand: 2. März 2021)

    Hilfsmaßnahmen für Unternehmen in Dänemark

    Maßnahme

    Adressaten

    Umfang

    Geltungszeitraum

    Kurzarbeit

    Alle Unternehmen

    Unternehmen, die mindestens 30 Prozent ihrer Belegschaft oder mehr als 50 Angestellte entlassen müssten, können im Rahmen der Arbeitsplatzsicherung eine Gehaltskostenerstattung von bis zu 75 Prozent erhalten.

    09.12.20 bis 5.04.21

    Vorher gültig: 9.03.20 bis 30.08.20

    Fixkostenerstattung

    Alle Unternehmen (mit einem Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum),

    Veranstalter von öffentlichen Events mit mindestens 50 Teilnehmern

    Je nach Höhe des Umsatzrückgangs kann die Erstattung von bis zu 80 Prozent der monatlichen Fixkosten von mindestens 12.500 dänischer Kronen (etwa 1.679 Euro) beantragt werden.

    Unternehmen, die von einer Zwangsschließung direkt betroffen sind, erhalten 100 Prozent erstattet.

    Je nach Region vom 09.12.20 oder 11.12.20 bis 5.04.21

    Vorher gültig: 09.03.20 bis 08.07.20 (oder 30.11.20, falls von Zwangsschließungen, gekürzten Öffnungszeiten oder Versammlungsverbot direkt betroffen)

    Fixkostenerstattung

    Selbstständige

    Bis zu 90 Prozent Erstattung der monatlichen Fixkosten bis zu 33.000 dkr (etwa 4.437 Euro) bei mindestens einem Angestellten, bis zu 30.000 dkr (etwa 4.034 Euro)

    Um die Hilfe zu erhalten, darf der Eigentümer monatlich nicht mehr als 23.000 dkr (etwa 3.093 Euro) an sich selbst auszahlen.

    Selbstständige, die von einer Zwangsschließung direkt betroffen sind, erhalten 100 Prozent erstattet.

    Je nach Region vom 09.12.20 oder 11.12.20 bis 5.04.21

    Vorher gültig: 09.03.20 bis 08.08.20

    Erstattung von verderblichen Gütern

    Alle Unternehmen

    Unternehmen, die saisonale Güter (z.B. Weihnachtsspezialitäten) mit einer Haltbarkeit von mindestens einem Monat anbieten und diese wegen der Coronamaßnahmen nicht verkaufen konnten, können bis zu 200.000 dkr (etwa 26.893 Euro) Erstattung beantragen.

    k.A.

    Höhere Steuerabschreibungen

    Handwerker, Haus-Dienstleister

    Besitzer, Mieter und Mitbewohner von Wohnimmobilien können dank der BoligJob-Regelung einen Teil der Kosten für Haus- und Handwerkarbeiten von ihrer Einkommensteuer absetzen. Für 2021 wird das Limit pro Person:

    • für Hausarbeiten (Putzen, Gartenarbeit, Kinderpflege) auf 25.000 dkr (etwa 3.359 Euro) vervierfacht;
    • für Handwerksarbeiten (vor allem klimarelevante Arbeiten an Dämmung, Heizung, Warmwasser, erneuerbaren Energien, aber auch Installation von Breitbandinternet und Alarmanlagen sowie Außenanstriche) auf 25.000 dkr (etwa 3.359 Euro) verdoppelt.

    2021

    Steuerstundung

    KMU

    Die dänische Zoll- und Steuerverwaltung gewährt zinsfreien Aufschub der Einzahlung von Lohnsteuer (A-Skat), Selbstständigensteuer (B-Skat), Mehrwertsteuer und Arbeitsmarktsteuer.

    Beantragung voraussichtlich Februar bis März 2021; Rückzahlung spätestens zum 01.11.21

    Steuerkredit 

    KMU

    Kleine- und mittlere Unternehmen können beim Steueramt einen Kredit in Höhe der Lohnsteuer (A-Skat), der Arbeitsmarktabgaben (AM-bidrag) sowie der Mehrwertsteuer (VAT) beantragen.

    Antragsstellung: 03.02.21 bis 31.03.21; Rückzahlung bis 01.11.21

    Kreditgarantien

    Exportierende Unternehmen

    (mindestens 10 Prozent Exportanteil an Umsätzen)

    Die Exportkreditagentur EKF sichert 80 Prozent des Kreditrisikos für Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent.

    01.03.20 bis 30.04.21

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Für Mitarbeiter von Unternehmen gelten weitreichende Lockerungen bei den Krankschreibungsregeln. Die Anforderung, innerhalb der letzten 12 Monate mindestens 225 Arbeitsstunden ohne staatliche Unterstützung ausgekommen zu sein, wurde bis Ende April 2021 ausgesetzt. Genauso lange wird auf die Zwangsteilnahme von Langzeitkranken an Maßnahmen zur Arbeitswiederaufnahme (Jobafklaringsforløb) verzichtet.

    Arbeitslose, deren Anspruch auf Arbeitslosenhilfe vor dem 30. April 2021 abläuft, erhalten bis Ende April weiter Unterstützung.

    Für Arbeitsmarkt-Neueinsteiger und Arbeitslose legte die Regierung ein Fort- und Weiterbildungsangebot vor. Bis 2023 werden während der Dauer der Ausbildung 110 Prozent des normalen Arbeitslosengeldes ausgezahlt. Ungelernte über 30-Jährige ohne Anstellung können sich in einem Beruf "mit Zukunftsaussichten" weiterbilden.

    Konjunktur wird nachhaltig angekurbelt

    Damit nicht nur die Auszubildenden etwas zu tun haben, stellte die Regierung noch vor der Sommerpause einige Konjunkturmaßnahmen vor. Sie sollen nicht nur Unternehmen wieder zu mehr Umsatz verhelfen, sondern auch zum Klimaschutz beitragen. Etwa 4 Milliarden Euro investiert die Regierung, um den staatlichen Wohnungsbau klimaneutraler zu machen. Mit über 300 Millionen Euro wird der Austausch von Öl- und Gaskesseln gefördert. Die Recyclingquote soll steigen.

    Die Elektrifizierung der Überlandbusse soll beschleunigt werden. Mit einer neu aufgestellten Besteuerung von Kraftfahrzeugkäufen hofft die Regierung den Trend zu grünen Antrieben und Treibstoffen zu stärken. Aus dem gleichen Grund wird langfristig eine Neuausrichtung der Straßennutzungsgebühren geplant. Dem Außenhandel soll der Bau des Fehmarntunnels zugutekommen, der Anfang 2021 startet.

    Exportwirtschaft erhält umfangreiche Hilfen

    Ende November 2020 beschloss das Parlament ein zusätzliches Hilfspaket im Wert von über 3 Milliarden Euro. Ein Teil dieser Summe dient als Rücklage für eine mögliche Verlängerung der Hilfsmaßnahmen. Die Freigabe zusätzlicher Mittel aus dem Ferienfonds soll vor allem der angeschlagenen Tourismusbranche helfen.

    Für die Unternehmenswelt am wichtigsten dürfte allerdings das knapp 230 Millionen Euro große Exportpaket sein. "Wir verwenden außerordentliche Mittel, um die dänischen Exportunternehmen und die an der Exportwirtschaft hängenden vielen hunderttausenden dänischen Arbeitsplätze zu stärken. Gleichzeitig drängen wir auf grüne, dänische Lösungen und klimafreundliche Technologien, die zum globalen Wandel beitragen können", erklärte Finanzminister Nicolai Wammen die über einen Zeitraum von drei Jahren laufenden Maßnahmen.

    Die Anstrengungen werden sich auf mehr Exportberatung sowie breitere Fördermöglichkeiten durch den staatlichen Exportkreditgeber EKF konzentrieren. Dessen Finanzierungskapazitäten sollen im Zeitraum 2021 bis 2023 um fast eine halbe Milliarde Euro gesteigert werden. EKF soll zudem auch mit höherem Risiko belegte Transaktionen unterstützen.

    Als dritter Bestandteil des Exportpakets sind jährlich knapp 10 Millionen Euro für die Entwicklung einer neuen Life-Science-Strategie vorgesehen. Sie soll "eine gute Patientenversorgung, Arbeitsplätze sowie Wachstum und Wohlfahrt in Dänemark unterstützen sowie auf weiter wachsende Exporte hinwirken".

    Kommunen sollen schneller zahlen

    Rechnungen sollen so früh wie möglich ohne Ausschöpfung der Zahlungsfrist beglichen werden. Unternehmen können zudem die zweite Rate der Immobiliensteuer (dækningsafgift) erst 2021 entrichten.

    Der kommunale Anlage- und Investitionsrahmen wurde für 2021 auf knapp 2,9 Milliarden Euro erhöht. Selbstverwaltungen aller Ebenen sollen zusammen ferner fast 765 Millionen Euro für Sonderausgaben in Verbindung mit der Coronapandemie erhalten. Die dänischen Regionen erhalten über 308 Millionen Euro mehr für die Gesundheitspflege, etwa 40 Prozent davon für Baumaßnahmen. Im Rahmen des regionalen Technologiebeitrags sollen zudem 53 Millionen Euro in neue Behandlungsmethoden fließen. Der Fokus liegt dabei auf Prävention, Früherkennung und Behandlung außerhalb der Gesundheitseinrichtungen.

    Dänischer Corona-Impfplan

    Die Impfkampagne kommt in Dänemark im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union zügig voran. Dennoch sollen die bislang geplanten 100.000 Impfungen täglich vervierfacht werden. Dazu wurde Mitte Februar 2021 eine Ausschreibung für private Dienstleister angekündigt.

    Die Impfung ist freiwillig und kostenlos. Eine Anmeldung ist nach Erhalt einer entsprechenden Aufforderung per Post oder E-Mail für Personen mit einer dänischen Personennummer NemID möglich. Das nationale Gesundheitsamt Sundhedsstyrelsen hat einen detaillierten Zeitplan für die Impfung einzelner Personengruppen vorgelegt: 

    • bis Ende der 6. Kalenderwoche - alle Pflegeheimbewohner;
    • bis Ende der 8. Kalenderwoche - alle über 65-Jährigen in häuslicher oder persönlicher Pflege;
    • bis Ende der 10. Kalenderwoche - alle über 85-Jährigen;
    • bis Ende der 16. Kalenderwoche - alle Personen im Alter von 80 bis 84 Jahren;
    • bis Ende der 17. Kalenderwoche - alle Mitarbeiter des Gesundheits- und Altenpflegesektors, ausgewählte Personen, die im sozialen Bereich tätig sind und bei der Arbeit erhöhten Infektionsrisiken ausgesetzt sind oder kritische Funktionen erfüllen, ausgewählte Personen mit Vorerkrankungen, die einen schweren Coronaverlauf begünstigen und deren Verwandte;
    • bis Ende der 18. Kalenderwoche - alle Personen im Alter von 75 bis 79 Jahren;
    • bis Ende der 19. Kalenderwoche - alle Personen im Alter von 65 bis 74 Jahren;
    • bis Ende der 20. Kalenderwoche - alle unter Personen unter 65 Jahren mit Vorerkrankungen, die einen schweren Coronaverlauf begünstigen;
    • bis Ende der 21. Kalenderwoche - alle Personen, die sozialkritische Funktionen ausüben;
    • bis Ende der 26. Kalenderwoche - alle Personen im Alter von 16 bis 64 Jahren.
    Quelle: Nationales Gesundheitsamt Sundhedsstyrelsen

    Staatsverschuldung bleibt vergleichsweise niedrig

    Die Finanzierung der Maßnahmen dürfte dem dänischen Staat keine Probleme bereiten. Dennoch wird der seit 2016 erzielte Budgetüberschuss wohl frühestens in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wieder erreicht werden können. Die Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte 2020 um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr zunehmen. Mit 45 Prozent des BIP würde sie aber auch dann noch zu den niedrigsten in der gesamten Europäischen Union (EU) zählen. Von den westlichen EU-Ländern weist nur Schweden eine niedrigere Schuldenquote auf.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Dänemark schließt ausgewählte Grenzübergänge mit Deutschland. Im Inland soll langsam wieder geöffnet werden. (Stand: 24. Februar 2021)

    Zwei Monate nach der Einführung weitreichender Beschränkungen im Alltagsleben stellte die dänische Regierung ihre schrittweise Rücknahme in Aussicht. So werden ab dem 1. März 2021 die seit Weihnachten geltenden Schließungen im Einzelhandel - außerhalb des täglichen Bedarfs -  teilweise aufgehoben. Läden mit weniger als 5.000 Quadratmeter Fläche können wieder öffnen, müssen aber striktere Vorgaben bezüglich der maximalen Kundenanzahl befolgen. Größere Spezialgeschäfte dürfen dagegen nur Kunden nach vorheriger Terminabsprache empfangen. Einkaufscenter sowie einige Dienstleister wie Friseure, Schönheits- oder Massagesalons, bleiben mindestens bis zum 5. April 2021 geschlossen.

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland

    Mindestens genauso lange gelten die restlichen Beschränkungen. Dazu zählt, dass die Gastronomie ausschließlich Speisen "zum Mitnehmen" verkaufen darf oder die Schließung von Nachtclubs und Diskotheken. Im öffentlichen Raum, also auch in öffentlichen Transportmitteln, im Gastgewerbe, in Kultur- und Bildungsstätten, in Gesundheitseinrichtungen sowie in Einkaufsläden, gilt die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung.

    Die Begrenzung der Teilnehmerzahl bei Events bleibt bei 5 Personen. Allerdings sind weitere Ausnahmen hinzugekommen. Bisher durften es nur mehr Personen beim Treffen der nächsten Familie sein. Auf der Insel Bornholm wird das allgemeine Teilnehmerlimit ab März 2021 auf 10 Personen verdoppelt. Zeitgleich werden landesweit bei Sport- und Vereinsaktivitäten im Freien 25 Personen zusammenkommen können. Wiedereröffnet werden auch Kulturstätten unter freiem Himmel. Für den Einlass wird allerdings ein negatives Ergebnis eines maximal 72 Stunden alten Coronatests vorgelegt werden müssen.

    Präsenzunterricht mit regelmäßigen Tests

    Regelmäßige Tests spielen ebenfalls eine wichtige Rolle beim Zurückfahren der Einschränkungen im Schulwesen. Dabei kommen Dänemark die verhältnismäßig großen Testkapazitäten zugute: Täglich werden über 100.000 Coronatests durchgeführt - kaum weniger als im nahezu 16-mal so bevölkerungsreichen Deutschland.

    In der zweiten Februarwoche 2021 kehrten Kinder bis zur 4. Klasse in den Präsenzunterricht zurück. Ab März dürfen dies auch die Abgangsklassen der Grund-, Sekundär- und Erwachsenenbildung. Allerdings vorerst nur in Nord- und Westjütland und jeweils halbe Klassen wöchentlich abwechselnd. Schülern und Lehrpersonal bis zur 9. Klasse wird dabei "nachdrücklich empfohlen", sich zweimal wöchentlich auf eine Infektion zu testen. In den höheren Klassen ist dies Pflicht. Je nach Entwicklung des Infektionsgeschehens könnten weitere Regionen ab Mitte März nach gleichem Muster folgen.

    Quarantänepflicht nach Einreise

    Getestet werden ferner alle Einreisenden - auch Dänen. Und für nahezu alle gilt danach eine zehntägige Quarantänepflicht. Das Eilgesetz über Einreisevoraussetzungen wurde am 2. Februar 2021 verabschiedet. Die Dauer der Quarantäne kann mit einem negativen Ergebnis eines frühestens am vierten Tag nach der Einreise durchgeführten PCR-Test abgekürzt werden.

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Für alle nicht mit Wohnsitz in Dänemark gemeldeten Personen ab dem 13. Lebensjahr, die nicht nur im Transit unterwegs sind oder Waren transportieren, gilt ferner, dass beim Grenzübergang ein negatives Ergebnis eines maximal 24 Stunden zuvor durchgeführten Coronatests vorgelegt werden muss. Zusätzlich muss ein triftiger Grund für die Einreise bestehen. Neben ausgewählten privaten Verpflichtungen gehören dazu:

    • eine berufliche Tätigkeit in Dänemark;
    • die Teilnahme an einem Gerichtsverfahren;
    • die Erbringung einer Dienstleistung in oder Beförderung von Waren nach oder aus Dänemark;
    • eine Tätigkeit als Seemann, Flugzeugbesatzungsmitglied oder Diplomat.

    Ausgewählte Grenzübergänge mit Deutschland geschlossen

    Wegen des Infektionsherdes in Norddeutschland wurden zum 20. Februar 2021 mehrere Grenzübergänge mit Deutschland geschlossen. Mit triftigem Grund kann die Grenze weiterhin passiert werden:

    • per Auto oder zu Fuß in Fröslev, Kruså, Padborg, Pebersmark, Saed und Skomagerhus;
    • per Zug in Padborg und Tönder;
    • mit der Fähre in Havneby auf der Insel Römö.

    Personen, die Krankheitssymptome aufweisen oder kein negatives Testergebnis vorlegen können, werden an der Grenze abgewiesen. Die Möglichkeit, eine Vorabgenehmigung für die Einreise zu erlangen, besteht nicht.

    Ausreisende aus Dänemark, die im Zielland ein Coronatestergebnis vorlegen müssen, können einen Untersuchungstermin beim Corona-Testcenter vereinbaren. Inhaber der sogenannten NemID können dies online tun, ansonsten telefonisch.

    Verkehrsverbindungen bleiben eingeschränkt

    Aufgrund der geltenden Reisebeschränkungen ist auch das Transportangebot ausgedünnt. Der Kopenhagener Flughafen fertigte 2020 insgesamt 63 Prozent weniger Flüge und sogar 75 Prozent weniger Passagiere ab. Zum Jahreswechsel standen auf der Abflugtafel nur fast 75 Prozent weniger Flüge als zwölf Monate zuvor. Besonders ausgedünnt ist das Verbindungsnetz zu den europäischen Nachbarn. "2020 war ein historischer Tiefpunkt für die Luftfahrt und den Flughafen Kopenhagen. Tausende Mitarbeiter haben ihre Stellen bei den Unternehmen und Fluggesellschaften verloren, die am Flughafen tätig waren. Wir sind zurück im Jahr 1970", resümierte Peter Krogsgaard, Chief Commercial Officer des Airports.

    Ausgedünnt ist ebenfalls das Verbindungsnetz auf der Schiene. Direkte Verbindungen nach Kopenhagen werden aus Deutschland vorerst nicht angeboten. Zudem ist in regionalen und InterCity-Zügen eine Sitzplatzreservierung notwendig.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

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