RF_GettyImages-172857220_RZ_1340x754 RF_GettyImages-172857220_RZ_1340x754 | © Luftbild von Rijeka, Kroation | ©Getty Images / Spanic

Special | Kroatien | Coronavirus

Corona und Erdbeben treffen Kroatien hart

Maßnahmen der Regierung schränken das öffentliche Leben und die Wirtschaft stark ein. Davon betroffen bleibt auch der für das Land wichtige Tourismussektor.


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Außer von der Coronapandemie ist Kroatien auch von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Die Wirtschaft wird 2020 einen massiven Einbruch erleben. (Stand: 2. Juli 2020)

    Der erste bestätigte Fall einer Coronavirusinfektion wurde in Kroatien am 25. Februar 2020 gemeldet. Daraufhin wurde am 11. März 2020 der Epidemienotstand ausgerufen. Seit Ende April 2020 werden die Einschränkungen im öffentlichen Raum nach und nach gelockert.

    Einschränkungen im öffentlichen Leben weitestgehend aufgehoben

    Der Coronakrisenstab der Regierung hat nach der Ausrufung des Notstandes die Gegenmaßnahmen immer weiter verschärft. Nach dem Erdbeben am 22. März 2020 wurde die Bewegungsfreiheit zusätzlich auf den Wohnsitz eingeschränkt. Das entschlossene Vorgehen des Krisenstabs mit Innenminister Davor Božinović und Gesundheitsminister Vili Beroš an der Spitze kam bei der Bevölkerung gut an. Dank dessen ging die Zahl der Infizierten seit April wieder zurück. Das machte die stufenweise Lockerung der Einschränkungen möglich - zunächst im Einzelhandel und im öffentlichen Nahverkehr. Seit Ende Mai sind bereits auch größere Versammlungen wieder erlaubt.

    Da die kroatische Wirtschaft stark vom Tourismus abhängig ist, war eine schnelle Öffnung der Grenzen besonders wichtig. Seit Ende Mai 2020 ist die freie Einreise aus den meisten Ländern der Europäischen Union (EU) wieder möglich. Ungeachtet der steigenden Infektionszahlen will die Regierung die eingeführten Lockerungen vorerst nicht zurücknehmen.

    Corona bremst Wirtschaft zunehmend aus

    Dennoch wird die Coronakrise im gesellschaftlichen Leben und noch mehr in der Wirtschaft tiefe Spuren hinterlassen. Verantwortlich dafür sind weniger die staatlich verordneten Einschränkungen, sondern eher die wegbrechende Nachfrage. Der Verbrauch wird zurückgehen, Investitionen - auch die ausländischer Unternehmen - werden auf den Prüfstand gestellt, Aufträge aus dem Ausland bleiben aus.

    Die Epidemie wird auf jeden Fall eine Rezession zur Folge haben. So rechnet die EU-Kommission für 2020 in ihrer Frühjahrsprognose mit einem starken Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von real 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2021 wird zwar wieder ein Wachstum von 7,5 Prozent erwartet. Die Verluste von 2020 werden damit jedoch bei weitem nicht ausgeglichen.

    Von einem starken Einbruch gehen auch namhafte Forschungsinstitute aus. Nachdem klargeworden sei, dass nicht nur die Vorsaison, sondern auch 60 bis 70 Prozent der touristischen Hauptsaison verloren sind, erwarten wir jetzt einen BIP-Rückgang von 8,5 Prozent, so die Expertin der österreichischen Raiffeisen Research (RBA) Zrinka Živković Matijević. Sie gibt zu bedenken, dass sich die kroatische Wirtschaft wegen ihrer stark auf den Tourismus ausgerichteten Struktur von der Krise nicht so schnell erholen wird wie Länder mit einer breit gefächerten Wirtschaftsstruktur.

    Hoher Anteil des Tourismussektors problematisch

    Der hohe Anteil der Tourismusbranche am kroatischen BIP und damit die hohe Abhängigkeit von Einnahmen aus diesem Sektor sind die wichtigsten Gründe für den erwarteten massiven Einbruch 2020. Riesige Verluste beim wichtigsten kroatischen Wirtschaftssektor und damit auch bei den anderen mit dem Tourismus zusammenhängenden Branchen sind unausweichlich. Mit dieser Entwicklung wird auch ein Rückgang des Verbrauchs und der Investitionen einhergehen.

    Auch andere Branchen leiden unter der Coronakrise. Dazu gehören sowohl die, die vom Binnenmarkt leben, wie etwa die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, der Dienstleistungssektor (Gastronomie, Tourismusdienstleistungen) und die Bauwirtschaft. Aber auch Zweige, die zu einem beträchtlichen Teil vom Export abhängig sind, wie zum Beispiel die Holzindustrie, spüren die Folgen der Epidemie.

    Kroatischen Unternehmen drohen hohe Verluste

    Einer Umfrage der Kroatischen Wirtschaftskammer (HGK) zufolge rechnen rund 80 Prozent der Unternehmen mit Verlusten infolge der Coronakrise. Etwa 6 Prozent der kleinen und 3 Prozent der großen Firmen erwarten, dass sie bei Fortdauer der Krise schließen müssen.

    Schwierigkeiten sehen auch die Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer (AHK Kroatien) für sich. Knapp ein Drittel der befragten Mitgliedsfirmen rechnet derzeit mit Umsatzrückgängen von über 50 Prozent, berichtet AHK-Geschäftsführerin Stefanie Ziska. Rund 78 Prozent der Unternehmen verzeichnen eine sinkende Nachfrage und 43 Prozent klagen über fehlende Ware und Dienstleistungen. Die AHK informiert auf ihrer Sonderseite über aktuelle Entwicklungen.

    Doch gerade die Sicherung der Lieferketten wäre im Moment immens wichtig, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, betont Ziska. Die Regierung sei deshalb gefordert. Immerhin habe sie kürzlich ein umfangreiches Rettungspaket auf den Weg gebracht. Das Paket umfasst zum Beispiel den Aufschub von Einkommensteuern und von Sozialversicherungsbeiträgen sowie Beihilfen für die Erhaltung von Arbeitsplätzen in betroffenen Branchen, berichtet die AHK-Chefin.

    Von Waldemar Lichter | Zagreb

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Trotz starken Anstiegs von COVID-19-Fällen will Kroatien das öffentliche Leben weitestgehend aufrechterhalten. Die Einreise für EU-Bürger ist möglich. (Stand: 26. Oktober 2020)

    Kroatien hatte am 11. März 2020 den Epidemienotstand ausgerufen. Seit dem 1. Juli 2020 ist in Anlehnung an die Anweisungen der Europäischen Kommission die Einreise ins Land für alle Bürger der Europäischen Union (EU) und des Schengengebiets sowie deren Familienangehörige möglich.

    Generell sind bei der Einreise Kontaktdaten sowie Angaben zu Aufenthaltsort und -dauer zu hinterlassen. Um lange Wartezeiten an der Grenze zu vermeiden, wurde dazu ein Onlineformular erstellt. Da bereits am 9. Mai 2020 bei der Einreise die Quarantäne weggefallen ist, müssen lediglich Anweisungen und Empfehlungen des kroatischen Gesundheitsamtes beachtet werden. Die erste Reisewarnung für Teilgebiete Kroatiens hat das Auswärtige Amt bereits am 20. August 2020 ausgesprochen. Davon sind derzeit die meisten Bezirke einschließlich der Hauptstadtregion betroffen.

    Drittstaatenangehörige müssen weiterhin einen triftigen Einreisegrund vorweisen. Dazu zählen das Bestehen wirtschaftlichen Interesses, touristische oder geschäftliche Gründe, Schulungspflichten oder unausweichliche persönliche Anliegen. Angesichts einer sehr schlechten Epidemielage in den Westbalkan-Nachbarländern ist seit dem 11. Juli 2020 für diese Einreisenden eine 14-tägige Quarantänepflicht beziehungsweise die Nachweispflicht eines negativen medizinischen Tests eingeführt worden.

    Seit 19. Mai 2020 gibt es keine Einschränkungen für die Abwicklung der Güterbeförderung. Bis dahin wurden für Transitfahrten Richtung Südosteuropa Lkw-Konvois gebildet. Der Personenverkehr erfolgt in der Regel an den Hauptgrenzübergängen. Generell ist seit dem 15. Juni 2020 der internationale Bus- und Schienenverkehr für den Personentransport erlaubt. Der internationale Busbetreiber FlixBus hat seit dem 18. Juni 2020 einige Busverbindungen unter anderem nach Deutschland und Österreich wieder aufgenommen. Geöffnet sind wieder die Grenzübertritte für den internationalen Fährverkehr. Seit dem 9. Juli 2020 können Kreuzfahrtschiffe mit bis zu 200 Passagieren wieder anlegen. Mittlerweile bieten außer der nationalen Fluggesellschaft Croatia Airlines auch einige europäische Flugbetreiber im reduzierten Umfang Linienflüge nach/aus Zagreb an.

    Einschränkungen im öffentlichen Raum wieder etwas verschärft

    Dank der nach eigener Einschätzung günstigen Epidemieentwicklung hatte die kroatische Regierung damit begonnen, die Einschränkungen im öffentlichen Leben schrittweise zu lockern. Ende April 2020 wurde der öffentliche Personennahverkehr wieder aufgenommen, im Mai auch der Personenfern- sowie der Flugverkehr innerhalb des Landes. Seit dem 25. Juni ist im öffentlichen Personenverkehr das Tragen einer Schutzmaske Pflicht. Für den Einzelhandel und für Dienstleistungsbetriebe gibt es keine Einschränkungen mehr.

    Linderung gab es auch für die stark leidende Tourismusbranche, die sich schon seit Mitte März 2020 im „Sperrmodus“ befand. Am 11. Mai 2020 konnten Gaststättenbetriebe und Cafés in leicht begrenztem Umfang ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen. Aufgrund der steigenden Infektionen gelten jedoch seit dem 14. August 2020 für Cafés und Nachtclubs erneut kürzere Öffnungszeiten. Seit Mitte Oktober 2020 unterliegen alle Gaststättenbetriebe dieser Regelung. Nach Museen und Galerien öffneten seit dem 18. Mai 2020 auch Theater, Konzerthallen und Kinos. Der öffentliche Gesundheitssektor bleibt vorerst trotz der zweiten Coronawelle grundsätzlich für alle Patienten zugänglich.

    Strengere Vorschriften bei Versammlungen

    Die Bewegungsfreiheit war nach dem Erdbeben vom 22. März 2020 grundsätzlich auf den Hauptwohnsitz beschränkt. Das Verlassen des Wohnorts war nur aus wenigen Gründen gegen Vorlage eines Bewegungsausweises erlaubt, wie etwa einer geschäftlichen oder medizinischen Notwendigkeit. Seit 11. Mai 2020 sind diese Ausweise nicht mehr erforderlich.

    Seit dem 26. Oktober 2020 sind alle Zusammenkünfte im öffentlichen Raum mit über 50 Personen verboten. Darüber hinaus beschließen einzelne Bezirke beziehungsweise Gemeinden eigene schärfere Maßnahmen dazu auf ihrem Gebiet. Schuleinrichtungen und Universitäten bieten im laufenden Schuljahr grundsätzlich Präsenzunterricht an. Kindergärten sind im Normalbetrieb. Die Corona-App wird seit Ende Juli 2020 vorerst auf freiwilliger Basis genutzt.

    Aktuelle Informationen zu Einreisebeschränkungen

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland

    Von Waldemar Lichter | Zagreb

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Die kroatische Regierung will die für die Unternehmen günstigen Fördermaßnahmen zur Arbeitsplatzsicherung bis zum Jahresende fortsetzen. (Stand: 29. Oktober 2020)

    Die bestehenden Maßnahmen zum Erhalt von Arbeitsplätzen hat die Regierung Ende Oktober 2020 deutlich attraktiver ausgestaltet und einem breiteren Unternehmenskreis zugänglich gemacht. So wird seit Oktober die Entschädigung für Kurzarbeit von umgerechnet 264 Euro auf 369 Euro netto pro Person im Monat erhöht. Der Staat trägt auch die dafür anfallenden Sozialbeiträge. Dabei sind maximal 70 Prozent (zuvor 50 Prozent) der jeweiligen Arbeitszeit förderfähig. Nach wie vor gilt diese Hilfsmaßnahme für Unternehmen mit mindestens 10 Vollzeitbeschäftigten, die einen Umsatzrückgang von wenigstens 20 Prozent aufweisen.

    Lohnbeihilfen werden umgestaltet

    Auch die Subvention für die Arbeitsplatzsicherung wird seit Oktober an die Erfordernisse der Wirtschaft angepasst. So kann sie auch von Unternehmen, die einen Umsatzeinbruch von mindestens 40 (zuvor 60) Prozent erlitten haben, beansprucht werden. Abhängig von der Höhe des Umsatzverlustes kann der monatliche Zuschuss umgerechnet 264 Euro bis höchstens 528 Euro pro Person ausmachen. Bezuschusst werden auch die darauf anfallenden Sozialversicherungsbeiträge.

    Diese Hilfsmaßnahme gilt sowohl für selbständig Beschäftigte als auch für Mikro- und kleine Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten sowie für die von der Pandemie stark betroffenen Wirtschaftssektoren. Dazu zählen etwa der Tourismus sowie begleitende Dienstleistungen, Personenbeförderung und Luftgütertransport sowie die Landwirtschaft. Bei verordneter Betriebsschließung infolge der Pandemie, können die Hilfen auch von Unternehmen aus sonstigen Branchen beansprucht werden.

    Beihilfen zur Arbeitsplatzsicherung sehr gefragt

    Im Rahmen der bisherigen Notprogramme wurden seit Mitte März bis Mitte Oktober 2020 Beihilfen von insgesamt 1,3 Milliarden Euro ausgezahlt. Die Fortführung der Hilfsmaßnahmen bis zum Jahresende soll bis zu 47 Millionen Euro kosten. Generell werden dabei auch Gelder aus der SURE-Fazilität der Europäischen Union eingesetzt.

    Maßnahmen zur Verbesserung der Liquidität wurden von der Wirtschaft ebenfalls stark genutzt. Sie konnten bis zum 20. Juni 2020 beantragt werden. Diese betrafen zum Beispiel die Begleichung der Mehrwertsteuer erst bei Zahlungseingang und nicht bei Rechnungsstellung. Weitere Entlastungen waren für Unternehmen mit starken Umsatzrückgängen vorgesehen. So konnten alle Unternehmen mit einem Umsatzverlust von über 20 Prozent Entlastungen bei der Einkommen- und Körperschaftsteuer sowie bei Sozialversicherungsbeiträgen beantragen.

    Programme für günstige Liquiditätskredite werden ausgebaut

    Zur Verbesserung der Liquiditätslage von Unternehmen wurde die Kroatische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Hrvatska banka za obnovu i razvitak; HBOR) in die Pflicht genommen. Sie wird mit zusätzlichen Mitteln ausgestattet, um eine Kreditvergabe an Unternehmen für diesen Zweck zu ermöglichen. So wurde im Oktober 2020 ein Vertrag mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) unterzeichnet, der für kleine und mittelständische Unternehmen Darlehen zur Bekämpfung der Krise von über 200 Millionen Euro bereitstellt.

    Die Wirtschaft verlangt eine zügigere Durchführung von Programmen der Förderagentur für kleine und mittlere Unternehmen HAMAG-Bicro. Für Liquiditätsdarlehen zu günstigen Bedingungen (sogenannte Corona-Kredite) standen 50 Millionen Euro zur Verfügung. HAMAG-Bicro will ihren gesamten Fördertopf für 2020 von ursprünglich geplanten 152 Millionen auf knapp 400 Millionen Euro aufstocken. Sonderförderprogramme wurden zuletzt für den Verkehrssektor (80 Millionen Euro) sowie die Kultur- und Kreativwirtschaft (40 Millionen Euro) aufgelegt.

    Informationen zu Liquiditätsmaßnahmen (Kredite, Kreditstundungen und -umschuldungen) sind bei der staatlichen Finanzagentur FINA abrufbar. In den Genuss der Hilfsmaßnahmen kommen alle in Kroatien registrierten Unternehmen, einschließlich Tochterfirmen deutscher Unternehmen.

    Unterstützung für Tourismus und Landwirtschaft

    Weitere Hilfsmaßnahmen wurden für besonders von der Coronakrise betroffene Zweige realisiert oder in Aussicht gestellt. Dazu gehört vor allem der Tourismussektor, aber auch die Landwirtschaft. So wurden temporär die Touristikgebühren (boravisna pristojba) ausgesetzt und die Konzessionsgebühren für Hotels und Campingplätze gesenkt. Auch der Bankensektor kommt dem notleidenden Fremdenverkehr mit Kreditstundungen bis Mitte 2021 entgegen.

    Im Agrarsektor gab es Fördermaßnahmen für die landwirtschaftliche Erzeugung und den Weinsektor (jeweils 7 Millionen Euro) sowie für die Einrichtung eines digitalen Marktplatzes. Im Herbst 2020 sind 47 Millionen Euro an Liquiditätshilfen für Agrarbetriebe bereitgestellt worden. Im Mai 2020 hat die Regierung einen Aktionsplan aufgestellt, der zur Verminderung oder Streichung der administrativen Gebühren auf staatlicher und lokaler Ebene in Höhe von insgesamt 70 Millionen Euro führen sollte.

    Um die Finanzierung der umfangreichen Hilfsmaßnahmen zu ermöglichen, wurden Kürzungen bei allen Ministerien vorgenommen. Auch Gelder der Europäischen Union werden stärker eingesetzt. Die Weltbank hat zudem Ende Juni ein Darlehen in Höhe von 276 Millionen Euro für die Umsetzung der Krisenmaßnahmen gewährt. Die Entwicklungsbank des Europarates (CEB) hat außerdem zur Bekämpfung der Covid-19-Folgen, darunter für die Beschaffung von medizinischer Schutzausstattung, ein Darlehen in Höhe von 200 Millionen Euro bereitgestellt.

    Die im März und April 2020 beschlossenen Hilfsmaßnahmen hatten nach Berechnungen der kroatischen Nationalbank einen Umfang von 4,1 Prozent des für 2020 erwarteten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Auf Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze im 2. Quartal 2020 entfielen dabei rund 2 Prozent des BIP oder umgerechnet 950 Millionen Euro. Statt eines Überschusses, wie zunächst geplant, wird der Staatshaushalt 2020 infolge der Coronakrise nach Schätzung des Finanzministeriums mit einem Defizit von umgerechnet 3,3 Milliarden Euro oder 6,7 Prozent des BIP abschließen.

    Von Waldemar Lichter | Zagreb

  • Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Am härtesten trifft Covid-19 den Tourismussektor. Aber auch die damit verbundenen Branchen und die Holzindustrie verzeichnen starke Geschäftseinbußen. (Stand: 1. Juli 2020)

    Für die kroatische Tourismusbranche ist die Coronapandemie eine riesige Katastrophe. Deren Ausbruch im März 2020 brachte die Vorsaison vollständig zum Erliegen. Am 19. März 2020 wurden Hotel- und andere Beherbergungsobjekte geschlossen, ebenso Restaurants. Die stufenweise Lockerung der Coronabeschränkungen brachte zwar einige Entlastungen. Doch das Jahr gilt für die Branche als verloren.

    Touristische Hauptsaison gefährdet

    Denn das Schlimmste kommt noch. Die Unsicherheit über die Dauer der Epidemie, die sich häufig ändernden Vorschriften über Einreisesperren und Einschränkungen des öffentlichen Lebens lassen nichts Gutes für die Hauptsaison erwarten. Kaum jemand - ob aus dem Ausland oder Inland – hat angesichts der Unwägbarkeiten einen Urlaub für den Sommer oder Herbst 2020 gebucht. Geprüft werden derzeit verschiedene Modelle, wie Touristen aus den wichtigsten Herkunftsländern sicher und ohne Quarantäne ins Land kommen könnten, etwa mit direkten Sonderzügen aus Tschechien oder Polen über Ungarn an die Küste.

    Und so überschlagen sich Experten derzeit mit immer schlimmeren Prognosen. Nach Einschätzung von Klara Matić, Leiterin der Investitionsabteilung bei Colliers Croatia, könnte Kroatien 2020 je nach Szenario einen Rückgang der Übernachtungszahlen von 65 bis sogar 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr erleiden. Tourismusminister Gari Cappelli rechnet mit einem Einbruch der Brancheneinnahmen von 60 bis 75 Prozent. Dabei verbuchte der Tourismus 2019 noch einen Rekord mit 20,7 Millionen Gästen und 108,6 Millionen Übernachtungen. Die Einnahmen werden auf über 10,5 Milliarden Euro beziffert.

    Ausstrahlung auf andere Branchen

    Das Wohlergehen der Tourismusbranche ist dabei für Kroatien lebenswichtig. Der Sektor steht für rund 19 Prozent des kroatischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ein dermaßen starker Rückschlag stoppt das Wirtschaftswachstum und führt zur Rezession. Ausfälle im Tourismus haben zudem schwere Folgen für andere Branchen, etwa die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie oder die mit dem Fremdenverkehr verbundenen Dienstleistungen.

    Außerdem sind für eine große Zahl von Kroaten die Einnahmen, die sie aus der Vermietung von Ferienwohnungen und Zimmern an Touristen erzielen, eine wichtige Einkommensquelle. Fallen sie weg oder sinken diese Einnahmen, so wird das verfügbare Einkommen reduziert. Das und die erwartete Zunahme der Arbeitslosigkeit werden den Verbrauch privater Haushalte dämpfen.

    Neben der geringeren Nachfrage der Hotels und der Gastronomiebetriebe dürfte der sinkende private Konsum nicht nur die Anbieter von Importprodukten, sondern auch die kroatische Nahrungsmittel- und Getränkebranche negativ treffen. Unter geringerer Kauflust leidet auch der Handel. Dieser war außerdem von den – inzwischen gelockerten - Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und des öffentlichen Lebens schwer betroffen.

    Marktbeobachter stellen bereits eine (durch die Einschränkungen erzwungene) Umstellung der Käufergewohnheiten fest. So sei seit dem Ausbruch der Pandemie eine Explosion von Onlinekäufen und Lieferdienstangeboten für Früchte, Gemüse und andere Lebensmittel festzustellen gewesen, so die auf den Lebensmittelmarkt spezialisierte Zagreber Consultingfirma Smarter.

    Automobilzulieferer spüren Nachfragerückgang

    Wie in anderen Ländern ist die Automobilzuliefererindustrie auch in Kroatien von den Auswirkungen der Coronapandemie negativ betroffen. Eines der Vorzeigeunternehmen der Branche, AD Plastik aus Solin bei Split, war gezwungen, die Produktion in seinen Werken in Kroatien, Serbien und Ungarn am 20. März 2020 zu stoppen. Der Grund: Die wichtigsten Abnehmer in Europa hatten zuvor die Produktionsbänder angehalten. Die AD-Plastik-Werke haben ihre Produktion inzwischen wiederaufgenommen. Gearbeitet wird jedoch im reduzierten Umfang.

    Holzindustrie fürchtet um den italienischen Markt

    Mit massiven Problemen ist die Holzindustrie konfrontiert. Mit einer Exportquote von 70 Prozent reagiert der Zweig besonders empfindlich auf die gesunkene Nachfrage aus dem Ausland oder auf Einschränkungen bei Logistik und Transport. Da für viele Unternehmen Italien ein besonders wichtiger Exportmarkt ist, bereiten die wegbrechenden Märkte dort der kroatischen Holzindustrie großes Kopfzerbrechen. Sollte sich die Lage in Italien und in anderen Teilen Europas weiter verschärfen, so könnte es zur Einstellung der Produktion kommen, warnen Experten. Seit Mai 2020 werden in der Branche jedoch wieder positive Zeichen festgestellt.

    Von Waldemar Lichter | Zagreb

  • Covid-19: Gesundheitswesen in Kroatien

    Covid-19: Gesundheitswesen in Kroatien

    Kroatien baut Kapazitäten im Gesundheitssystem aus. Geräte werden importiert, Desinfektionsmittel und Schutzmasken im Land selbst produziert. (Stand: 22. Oktober 2020)

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Kroatien
    Quelle: UN, OECD, WHO, Weltbank, FitchSolutions, Eurostat

    Indikator

    Wert

    Bevölkerungsgröße (in Millionen)

    4,13 (2019)

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre (in Prozent)

    20,9 (2019)

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner

    3,4 (2018)

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner

    5,4 (2018)

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (Euro)

    862 (2018)

    Kroatiens Gesundheitssystem ist stabil und funktioniert. Dies besser als es die niedrigen Ausgaben für das System und seine zahlreichen Probleme vermuten lassen, urteilen Fachleute. Der Zugang der Bevölkerung zu den Dienstleistungen des Gesundheitssystems gilt als gut, das Spektrum der zur Verfügung stehenden Behandlungen ist breit. Der öffentliche Finanzierungsanteil ist vergleichsweise hoch. Dennoch wird der Zustand des Systems als wenig befriedigend bewertet.

    Nach Angaben von Eurostat gab das Land 2018 rund 3,5 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen aus. Zum Vergleich: Dem gemessen an der Einwohnerzahl halb so großen Slowenien war es 3,8 Milliarden Euro wert. Gemessen am Anteil des Bruttoinlandsproduktes oder auch an Ausgaben pro Kopf der Bevölkerung belegt Kroatien bei den Gesundheitsausgaben nur einen der hinteren Plätze in der Europäischen Union (EU).

    Krankenhäuser sind unterfinanziert und verschuldet

    Beklagt werden die starke Unterfinanzierung der Gesundheitseinrichtungen, ihre geringe Effizienz und lange Wartezeiten auf notwendige Behandlungen. Die Verschuldung der Krankenhäuser gegenüber ihren Lieferanten ist ein Dauerthema. Der Schuldenberg erreichte im Herbst 2020 rund 660 Millionen Euro, es drohen Engpässe bei wichtigen Medikamenten. Wenig erfreulich fällt die Bewertung im europäischen Vergleich aus. In der Ratingliste des Euro Health Consumer Index (EHCI) belegte Kroatien 2018 den 24. Platz von insgesamt 35 Ländern. Es war damit immerhin besser als einige andere Länder der Region wie etwa Polen, Bulgarien oder Ungarn.

    Gesundheitssektor für die zweite Welle gewappnet

    Bei der Bewältigung der Pandemie im Herbst will das Gesundheitswesen auf seinen guten Erfahrungen vom Frühjahr aufbauen. Die erforderlichen Maßnahmen wurden damals frühzeitig ergriffen. Ende Januar ist 2020 beim Gesundheitsministerium ein Krisenstab aktiviert worden.

    Die Aufnahmekapazitäten in den Krankenhäusern sowie Lagerbestände an Schutzausrüstung seien laut Krisenstab auch im Herbst ausreichend. Das System soll nun auch für Nicht-Covid-Patienten zugänglich bleiben. Problematisch könnte allerdings der Fachkräftemangel sein. Inzwischen werden Arbeitskräfte für den Umgang mit Intensivpatienten schnell umgeschult. Personalengpässe zeigen sich auch bei der epidemiologischen Kontaktnachverfolgung. Zur Testentnahme werden zusätzliche Sonderambulanzen eingerichtet, wobei Diagnoselabore gelegentlich über mangelnde Reagenzien und Verbrauchsmaterial klagen.

    Zentrale Einrichtung für die Behandlung von Coronapatienten in Kroatien ist die Infektionsklinik Dr. Fran Mihaljević in Zagreb. Das Klinikkrankenhaus Dubrava (KB Dubrava) mit 300 Betten wurde zur zentralen Aufnahmeeinrichtung für die Region Zagreb erklärt. Ähnliche Aufnahmezentren sind auch für Rijeka, Split und Osijek vorgesehen. Da die Belegungsrate vor allem in den Kliniken in Zagreb sehr schnell steigt, werden derzeit sekundäre Behandlungszentren vorbereitet. Sie sollen zusätzliche 3.000 Betten schaffen.

    Eingeschränkte Reaktionsfähigkeit auf Krisen

    Die bisher guten Ergebnisse bei der Bekämpfung der Coronakrise könnten zu einer besseren Platzierung Kroatiens in den Rankings der Gesundheitssysteme führen. So hat das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) untersucht, wie es um die Fähigkeit der Gesundheitssysteme in Mittel- und Osteuropa steht, auf Krisen wie den Ausbruch einer Pandemie zu reagieren. Laut dem dafür genutzten Global Health Security (GHS)-Index aus dem Jahr 2019 hat Kroatiens Gesundheitssystem insgesamt zwar ganz gut abgeschnitten. Bei der Reaktionsfähigkeit auf Krisen belegte das Land jedoch den vorletzten Platz von 23 untersuchten Ländern.

    Medizintechnik wird beschafft

    Die Regierung hat Vorbereitungen auf den Ausbruch der zweiten Coronawelle getroffen. Mitte Juni 2020 wurde für die Infektionsklinik Dr. Fran Mihaljević ein leistungsstarker Diagnostikapparat beschafft, der 1.500 Coronatests pro Tag ermöglicht. Im Frühjahr 2020 wurden aus Kohäsionsmitteln der EU 37 Millionen Euro für Beatmungsgeräte, Schutzausrüstungen und andere Medizintechnik bereitgestellt.

    Laut Gesundheitsminister Vili Beroš verfügt Kroatien über 14.500 Akutbetten, davon 800 auf Intensivstationen. Außerdem seien über 800 Beatmungsgeräte, davon 500 stationäre und 300 mobile, sowie 36 ECMO-Geräte (Extrakorporale Membranoxygenierung) einsatzbereit. Beschafft werden derzeit zusätzliche 250 Geräte.

    Die Schäden im Gesundheitssektor, die das schwere Erdbeben am 22. März 2020 in Zagreb angerichtet hatte, werden auf 120 Millionen Euro geschätzt. Davon war von den für Coronabehandlung relevanten Krankenhäusern nur die Infektionsklinik Dr. Fran Mihaljević merklich betroffen (Sanierungsbedarf von 20 Millionen Euro). Sie ist dennoch voll einsatzfähig.

    Kaum eigene Produktion von Medizintechnik im Land

    Zu einem der wenigen Hersteller medizinischer Schutzausstattung im Land gehört die Firma Meditex (Zabok). Die Firma stellt vor allem Schutzbekleidung her und beliefert primär kroatische Kunden. Auch der Textilienhersteller Čateks (Čakovec) hat die Produktion von Schutzanzügen aufgenommen. Hochwertige Atemschutzmasken werden zum größten Teil aus China eingeführt. Mittlerweile konnten aber einige inländische Unternehmen, wie Delt Papir (Zagreb; Papiererzeugnisse), Splendor tekstil (Sesvete; Arbeitsbekleidung) sowie Horeca Medico (Osijek) die Produktion von OP-Masken aufnehmen.

    Auf Initiative des Wirtschaftsministeriums wurde im Frühjahr 2020 eine Fachgruppe gegründet, die Möglichkeiten für eine Produktion von FFP2- und FFP3-Schutzmasken ausloten sollte. Bisher hat sie aber keine Ergebnisse ausgewiesen. Kroatien kann sich ferner aus eigener Produktion mit Desinfektionsmitteln versorgen. Hersteller sind unter anderem die Tochter des Ölkonzerns INA, Ina Maziva, sowie die Haushaltschemiefirma Meteor Grupa – Labud (Zagreb).

    Von Waldemar Lichter | Zagreb

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