Investitionschancen und -risiken

02.01.2018

Politische Stabilität in Polen lässt nach

Der mit 38 Millionen Einwohnern größte Markt Mittelosteuropas (MOE) durchlebte 2016 mit 2,7 Prozent Wirtschaftswachstum ein Dreijahrestief. Das Tempo soll aber laut Polnischer Nationalbank (NBP) 2017 eine Vier vor dem Komma und 2018 etwa 3,4 Prozent erreichen. Nähere Informationen finden Sie im „Wirtschaftsausblick Polen".

Die sich nicht zuletzt dank Sozialmaßnahmen der Regierung beschleunigenden Konsumausgaben sowie über 122 Mrd. Euro Finanzmittel der Europäischen Union (EU), die bis 2023 ausgegeben werden können, machen Polen als Markt für ausländische Unternehmen attraktiv. Mehr zu den Stärken und Schwächen der Wirtschaft Polens finden Sie in unserer SWOT-Analyse Polen.


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2015

2016

2017

Bruttolohn für einen Geschäftsführer (in Euro) 1)

3.466

3.209 2)

k.A.

Miete jeweils für Büroraum in Warschau (in Euro pro qm)

 

 

 

Innenstadt

25,00

24,00

23,75

außerhalb der Innenstadt

15,00

14,25

14,75

1) "Lohn- und Lohnnebenkosten in Polen" 2) Rückgang größtenteils bedingt durch die Abwertung des Zloty um 4,3 Prozent
Quellen: Sedlak & Sedlak, Cushman & Wakefield


Der wirtschaftliche Erfolg des Landes baut auch in Zukunft vor allem auf seiner Branchenvielfalt und gut ausgebildeten und motivierten Fachkräften auf. Allerdings hat die Ende 2015 von der rechtskonservativen Regierung losgetretene Gesetzeslawine viele Investoren verunsichert. Besonders fallen eine Bankensteuer und umstrittene Justizreformen auf. Das Justizministerium darf seit August 2017 ohne Grund die Richter von Zivil- und Strafgerichten entlassen. Eine neue Abgabe für den Einzelhandel wurde vorerst durch die Europäische Kommission gestoppt.

Immer sichtbarer wird der zunehmende wirtschaftliche Patriotismus. Selbst bei hochinnovativen Unterfangen, wie dem Wettbewerb für einen Elektroautoentwurf, wird permanent unterstrichen, dass damit der Grundstein für ein „polnisches“ E-Mobil gelegt wird. Der Staat nutzt sich am Markt öffnende Chancen, um zum Beispiel sein Engagement im Bankensektor zu erhöhen. Mit einer umfangreichen Novelle des erst ein Jahr zuvor beschlossenen Erneuerbare-Energien-Gesetzes wurden im Sommer 2016 nahezu der gesamtem Branche die Flügel gestutzt (s.a. "Branche kompakt: Flaute für Windenergie in Polen").

Dies spiegelt sich in Investorenmeinungen wieder. Nach drei Jahren an der Spitze des Standortattraktivitätsrankings der deutschen Auslandshandelskammern (AHK) im MOE-Raum musste sich Polen sowohl 2016 als auch 2017 der Tschechischen Republik geschlagen geben. Die davor als besondere Stärken hervorgehobenen Faktoren, wie politische Stabilität und Vorhersehbarkeit der Wirtschaftspolitik, zählen seitdem zu den am schlechtesten benoteten.

Der fortlaufende Ausbau der Infrastruktur oder die immer noch vorhandenen Fachkräfte ziehen dennoch weiterhin Investoren an. Großkonzerne, wie Daimler, LG Chem oder Lufthansa, kündigten in den letzten Monaten Vorhaben im Wert von jeweils dreistelligen Millionensummen an. Andererseits berichten einige KMU, mit ihren Projekten vorerst abwarten zu wollen.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mrd. Euro)

Indikator

2013

2014

2015

Kumulierter Bestand

168,5

174,0

167,1

Nettotransfers

2,1

10,8

12,1

Quelle: Polnische Nationalbank


Deutsche Direktinvestitionen (in Mio. Euro)

Indikator

2012

2013

2014

Kumulierter Bestand

21,5

22,6

22,7

Nettotransfers

-4.113

2.830

531

Quelle: Deutsche Bundesbank


Größte deutsche Investoren (Stand: 2016)

Unternehmen

Branche

Umsatz in Mio. Euro

Lidl

Einzelhandel

3.208,7

Volkswagen Poznan

Kfz-Produktion

2.864,2

Metro Group Polska

Einzel- und Großhandel

2.466,1

Kaufland Polska

Einzelhandel

2.314,8

Volkswagen Group Polska

Kfz-Handel

2.177,3

Quelle: Liste der 500 größten Unternehmen der Tageszeitung Rzeczpospolita


Text: Michal Wozniak

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