Update Start-Ups

28.01.2019

Chiles Start-ups sind regional ausgerichtet

Santiago de Chile will sich als eine der führenden globalen Technologiehauptstädte positionieren. Ausländischen Investoren erleichtert die Regierung die Teilnahme am Startup-Ökosystem und hat 2017 ein neues Technologievisum eingeführt, das in nur 15 Tagen erhältlich ist.

Die größte Herausforderung für das Regierungsprogramm „Start-Up Chile“ besteht nicht darin, die Gründer anzuwerben, sondern sie langfristig zu halten. Bisher reisen etwa 80 Prozent nach der Teilnahme an dem sechsmonatigen Programm wieder ab. Ein neuer Folgefonds namens Scale bietet Absolventen nach Abschluss des Seed-Programms 100.000 US-Dollar (US$) Kapital, wenn sie ihren Betrieb in Chile aufnehmen.

In einer 2016 durchgeführten Befragung gaben 51 Prozent der seit 2010 von „Start-Up Chile" geförderten Unternehmen an, noch aktiv zu sein. Die Regierung geht von ähnlichen Werten in anderen Teilen der Welt aus. Mit 49,7 Prozent liegt die Überlebensrate der ausländischen Neufirmen jedoch unter der chilenischen (55,4). Die staatliche Wirtschaftsförderung sieht die kulturelle Nähe als Grund für den Erfolg: Nationale Start-ups hätten tendenziell bessere Netzwerke und Möglichkeiten zur Finanzierung.

Internationalisierung wird erst langsam ein Thema

Marcos Rivas ist Mitbegründer und geschäftsführender Partner von City Global, einem Unternehmen, das sich auf das Wachstum von Start-ups spezialisiert hat. Die Bereitschaft, sich der Herausforderung der Internationalisierung zu stellen, bringe nicht jeder seiner Landsleute mit. „Wir wären als Unternehmen gern global, aber in der Regel kostet es uns Überwindung, die Komfortzone zu verlassen. Oft denken wir, dass es da draußen nicht so viele Anreize gibt." Als Beispiel nennt er Argentinien, wo die Projekte „aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Veränderungen in einem komplizierten Umfeld entstehen“. Argentinische Gründer achten deshalb seiner Erfahrung nach darauf, dass ihre Firmen außerhalb der Landesgrenzen funktionieren.

Obwohl der Trend zur Internationalisierung begonnen hat, befindet sich der Markt nach Meinung von Marco Rivas noch in der Anfangsphase. Selbst für große Unternehmen, wie die bedeutendste Fluggesellschaft des Kontinents Latam, oder die Handelskonzerne Cencosud und Falabella, sei es nicht einfach gewesen, meint Rivas.

Technologie-Start-ups sind Vorreiter

Für Inkubatoren oder Investmentfonds steht der Blick über die Landesgrenzen außer Frage. Anleger riskieren heute ihr Kapital nicht in Projekten, die nur auf einen Markt abzielen, so der Tenor. Eine internationale Ausrichtung sei die Grundvoraussetzung, insbesondere im Bereich technologiebasierter Projekte.

Der von Microsoft geförderte Inkubator und Accelerator Imagine Lab konzentriert sich auf innovative technologiebasierte Unternehmen. Durch die Bereitstellung von Finanzierung, Wissen, Netzwerken und Allianzen soll Start-ups die Internationalisierung erleichtert werden. Das Portfolio von Imagine Lab umfasst 85 Unternehmen. Davon sind knapp 12 Prozent mit Niederlassungen oder Büros im Ausland vertreten, hauptsächlich in anderen lateinamerikanischen Ländern. Laut Camila Rodríguez, Leiterin der Kommunikationsabteilung, hat Imagine Lab bisher aber nur ein ausländisches Unternehmen gefördert, das nach Chile expandiert ist.

Max Johansson, der den Geschäftsbereich Unternehmertum leitet, nennt drei Möglichkeiten für Start-ups, sich zu internationalisieren: einen Teil des Teams in das Zielland zu verlegen, das Geschäft nur aus dem Ursprungsland zu betreiben und das Auslandsgeschäft über lokale Mitarbeiter abzuwickeln oder ein Partnernetzwerk aufzubauen. Als Standortvorteile Chiles nennt Johansson staatliche Vergünstigungen zur Finanzierung von Unternehmen, ein einfaches Ökosystem, Co-working-Spaces, Workshops und ein im regionalen Vergleich besseres Verständnis von Innovation. „Chile ist wie ein Pilot, um das Start-up dann nach Europa, in die USA oder in andere Länder zu exportieren“, ist Johansson überzeugt.

Lateinamerika bleibt, mit Ausnahme Brasiliens, für chilenische Start-ups indes, maßgeblich auf Grund der Sprache, die bevorzugte Anlaufstelle. Argentinien betrachten die meisten Gründer und Business Angels als einen Markt mit viel Konkurrenz - in dieser Hinsicht vergleichbar mit Chile. Wer regionales Wachstum anstrebt, orientiert sich meist zuerst nach Peru und Kolumbien. Das Nachbarland Peru hat für lateinamerikanische Verhältnisse ebenfalls wenige Marktzugangsbeschränkungen. Kolumbien ist aufgrund des dynamischen Marktes interessant. Viele Länder der Region orientieren sich bei ihren Gesetzesentwürfen am Vorreiter Chile. Auch das als erfolgreich geltende Regierungsprogramm „Start-Up Chile" kopieren Staaten weltweit.


Text: Anne Litzbarski

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