Update Start-Ups

28.01.2019

Mexico City etabliert sich als Fintech-Zentrum

Die Zahl der Start-ups nimmt in Mexiko drastisch zu, wie besonders die prosperierende Fintech-Branche zeigt. In diesem Bereich existierten Mitte 2018 laut Daten der Analysefirma Finnovista rund 334 junge Firmen, während es Mitte 2017 nur 238 und Mitte 2016 erst 158 Unternehmen waren. Rund 45 Prozent der Fintech-Start-ups waren 2018 jünger als zwei Jahre. 31 Prozent waren zwischen drei und vier Jahren am Markt.

Die mexikanische Gründerszene zeigt jedoch, dass nicht nur die Zahl der Firmen zunimmt. Zwischen 2015 und 2017 konnten 32 Unternehmen jeweils über 4 Millionen US-Dollar (US$) an Venturecapital einsammeln und gehören damit schon zu den reiferen Investitionszielen. Analysten prognostizieren, dass in den nächsten Jahren einige Firmen Mittel in Höhe von je bis zu 50 Millionen US$ einwerben werden, um auch international zu potenten Playern zu werden.

Mexiko-Stadt und Guadalajara sind die Gründerzentren

Mexiko-Stadt ist das unbestreitbare Zentrum der mexikanischen Start-up-Szene. Mit Start-up Mexico hat der größte Inkubator des Landes seinen Hauptsitz dort. Viele der dort gegründeten Unternehmen bleiben der Stadt treu und siedeln sich in den relativ günstigen Außenbezirken an. „Alleine in der Stadt gibt es einen riesigen Markt für unser Produkt“, berichtet Moisés Trejo von SinLlave. „Außerdem finden viele Wettbewerbe und Gründerkonferenzen hier statt“, so Trejo weiter.

Daneben bemüht sich besonders die Regierung des Bundesstaates Jalisco um die Ansiedlung junger Unternehmen. Die Landeshauptstadt Guadalajara ist schon seit Längerem Produktionsort ausländischer IT-Firmen wie IBM, Intel, Oracle und Kodak. Die Verantwortlichen knüpfen an dieses Technologiecluster an und organisieren im Rahmen der Initiative Ciudad Creativa Digital zahlreiche Events zusammen mit den etablierten Konzernen.

Dahingegen spielt für Gründer im nördlich gelegenen Monterrey die Nähe zu den USA sowie zum Hauptsitz der wohl bekanntesten Privatuniversität des Landes, dem Tec de Monterrey, eine wichtige Rolle. Einige Firmen sind bereits als Spinoffs von Tec-Studierenden entstanden. Auch für die Grenzstadt Tijuana ist die Nähe zum US-Markt wichtig, vor allem zum Silicon Valley. Entsprechend sind dort viele Jungunternehmen mit US-amerikanischer Kapitalbeteiligung oder Beratung ansässig.

Wettbewerbe und Events machen gute Geschäftsideen sichtbar

Junge Unternehmen bekommen in Mexiko immer mehr Möglichkeiten, ihre Ideen einem breiten Fachpublikum zu präsentieren. Unter den staatlich initiierten Wettbewerben und Förderevents ist neben Reto México die jährliche Semana Nacional del Emprendedor des Inadem die wichtigste Veranstaltung. „Wir konnten auf der Semana Nacional del Emprendedor unser Start-up als Successstory präsentieren und haben so einen Finanzierungspartner gefunden“, berichtet Moisés Trejo von SinLlave. Auch private Institutionen richten große Wettbewerbe aus, darunter der Accelerator Startupbootcamp in der Fintech-Branche und die Inkubatoren Wayra und Posible im Bereich Internet of Things.

Fintech und Onlinehandel boomen

Das Branchenspektrum, in denen mexikanische Start-ups aktiv sind, ist breit. Viele Projekte haben jedoch eins gemein: Die Firmengründer versuchen die oft unflexiblen Geschäftsstrukturen im Land aufzubrechen. Bestes Beispiel ist die Fintech-Branche, die mittlerweile der wichtigste Bereich für Firmengründer in Mexiko sein dürfte. Traditionelle Kreditinstitute sind äußerst konservativ in ihrer Geschäftsstrategie, wodurch Angehörige des informellen Sektors vielfach keinen Zugriff auf Bankdienstleistungen haben. Auch Unternehmen berichten von hohen Hürden für die Finanzierung neuartiger Projekte und teuren Zinsniveaus.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist der Onlinehandel. Mit einem für 2018 prognostizierten Umsatz von rund 12 Milliarden US$ liegt Mexiko zwar im Pro-Kopf-Vergleich hinter anderen Ländern in Lateinamerika, doch die wachsende Bevölkerung von mittlerweile 125 Millionen Einwohnern und die Expansionsmöglichkeiten ins restliche Lateinamerika machen Mexiko als Plattform interessant. Mit Linio hat eines der größten Onlinekaufhäuser der Region seinen Hauptsitz in Mexiko. Andere Firmen beschäftigen sich mit Onlineanwendungen für den Gesundheitsbereich, dem Internet of Things und onlinebasierten Lernplattformen. Relativ neu sind Projekte in der Elektrizitätswirtschaft, angestoßen durch die Liberalisierungen der seit 2013 laufenden Energiereform.

Einstieg kann für ausländische Firmen interessant sein

Ausländische Firmen können von den Ideen mexikanischer Start-ups profitieren, wie jüngst das spanische Softwareunternehmen Latinia zeigte. Der Hersteller von Nachrichtensystemen für die Finanzindustrie gab Mitte Juli 2018 bekannt, 1 Million US$ in den Accelerator Startupbootcamp zu investieren, der in Mexiko ein Fintech-Programm betreibt. Startupbootcamp nutzt die Mittel, um aussichtsreiche Jungfirmen zu unterstützen.

Von deutscher Seite richtete Bosch Mitte 2017 zusammen mit Centraal, einem Anbieter von Co-Working-Flächen, in Guadalajara ein Zentrum für Innovation und Entrepreneurship (Centro de Innovación y Emprendimiento) ein. Auf 2.000 Quadratmetern stellt Bosch Arbeitsflächen und IT-Labore für Gründer zur Verfügung und vernetzt die Jungunternehmer untereinander. Der Automobilzulieferer Continental organisierte auf der Hannover Messe 2018 einen Workshop für vier Start-ups, unter anderem für Target Robotics aus Mexiko.


Text: Florian Steinmeyer

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