Update Start-Ups

28.01.2019

Mexiko ist zweitgrößtes Start-up-Ökosystem in Lateinamerika

Viele Schwellenländer, darunter auch Mexiko, beklagen, dass junge und gut ausgebildete Fachkräfte in die Industriestaaten abwandern. Paulino Vacas hat die entgegengesetzte Richtung gewählt. Er ist Gründer von MoTeBo, einem Start-up, das Produkte für das Internet of Things (IoT) und intelligente Kleidung herstellt. Nach seiner Promotion in Harvard zog es ihn zurück nach Mexiko. „Das Land bietet günstige Startbedingungen und einen großen Markt.“ Allerdings sei es wichtig, den richtigen Standort zu wählen. „Wir sind im zentral gelegenen León sowie in Tijuana nahe der US-Grenze ansässig, da neben dem mexikanischen auch der US-Markt interessant für uns ist.“

Allgemein ist die Neigung, ein eigenes Unternehmen zu gründen in Mexiko stark ausgeprägt. Zum einen herrscht eine niedrigere Risikoaversion vor als beispielsweise in Europa. Zum anderen bietet die Möglichkeit sein eigener Chef zu sein eine reizvolle Alternative zu den niedrigen Löhnen und wenigen Urlaubstagen als Arbeitnehmer. Da zudem der Staat und die privaten Investoren ihr Engagement in den vergangenen Jahren extrem ausgebaut haben, beheimatet Mexiko mittlerweile neben Brasilien das größte Start-up-Ökosystem in Lateinamerika.

Staatliche Zentren bieten gutes Förderangebot

Der Boom der Start-up-Szene ist zu einem guten Teil mit dem stärkeren staatlichen Engagement zu erklären. 2013 wurde das Nationale Institut für Gründer Inadem (Instituto Nacional del Emprendedor) ins Leben gerufen. Die Behörde legt eigene Fonds wie den Fondo Nacional Emprendedor auf, die direkt in Unternehmen investieren. Daneben hat sich das Inadem in den vergangenen Jahren an Risikokapitalfonds, darunter LIV Capital, IGNIA, ALLVP und Dila Capital beteiligt, die ihrerseits aussichtsreiche Start-ups finanzieren.

Ein weiteres Instrument der staatlichen Förderung sind Start-up-Zentren. Start-up Mexico ist das wichtigste unter ihnen und betreibt Campusse in Mexiko-Stadt, León, Mérida, Nuevo Laredo und Querétaro. Eine andere Initiative ist Ciudad Creativa Digital in Guadalajara. In diesen Zentren erhalten Unternehmensgründer Arbeitsräume, rechtliche Unterstützung sowie den Zugang zu Kapitalgebern und potenziellen Kooperationspartnern.

Anhand weiterer Programme arbeitet die mexikanische Regierung daran, die Digitalisierung von Unternehmen und Bevölkerung zu verbessern. Das umfassendste Programm ist die Nationale Digitalstrategie (Estrategia Digital Nacional), welche die Förderinstrumente verschiedener Ministerien koordiniert. Beispiel ist die Plattform Reto México, auf der Firmen und Institutionen Wettbewerbe für digitale Start-ups ausschreiben können.

Private Institutionen bieten Starthilfe

Mit der wachsenden Gründerszene haben in den vergangenen Jahren auch die privaten Unterstützungsangebote zugenommen und sich ausdifferenziert. Während vor rund fünf Jahren noch vorrangig große Venturecapitalfonds wie 500 Startups den Gründern Hilfe in Form von Inkubatoren und Acceleratoren anboten, verfügen mittlerweile auch Privatunternehmen, nationale Förderbanken, Universitäten und der nationale Wissenschaftsrat Consejo Nacional de Ciencia y Tecnología (Conacyt) über entsprechende Programme. Inadem stellt eine Datenbank mit Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Start-up-Initiativen privater Unternehmen in Mexiko (Auswahl)

Initiative

Unternehmen

Sektor

Internetadresse

Bosch CentraalBoschIT/Industrie 4.0

www.bosch.com.mx/en/mx/newsroom_3/news_3/news-detail-page_1344.php

Eleva Food Technology

Accelerator

BimboNahrungsmittel

www.bimboeleva.com

Open Future/WayraTelefónicaTelekommunikation/IT

www.openfuture.org

Open SpaceBBVA BancomerFintech

www.centrodeinnovacionbbva.com

PosibleTelevisa/Nacional Monte de PiedadTelekommunikation/IT

www.posible.org.mx

TelmexHubTelmexTelekommunikation/IT

https://telmexhub.org

The VenturePernod RicardUmweltschutz/Nachhaltigkeit

www.chivas.com/the-venture

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Viele Finanzierungsmöglichkeiten, doch kein Königsweg

Mitte 2017 waren laut Zahlen des mexikanischen Verbands für privates Kapitel Asociación Mexicana De Capital Privado (Amexcap) knapp 60 Fonds in Mexiko aktiv, die zusammen rund 1,6 Milliarden US-Dollar (US$) an Risikokapital vergeben hatten. Die Mehrzahl von ihnen stammte aus den USA. Die Unternehmensberatung KPMG beobachtete für das Gesamtjahr 2017 einen Rückgang der Abschlüsse. Demnach sank die Zahl der Deals auf 29 und damit auf den niedrigsten Wert seit 2012. Gleichzeitig stieg in diesem Zeitraum jedoch das eingesetzte Kapital von 15,9 auf 102,4 Millionen US$ pro Jahr.

Der Rückgang ist laut KPMG auf das allgemein unsicherere Investitionsklima in Mexiko infolge des Streits um das nordamerikanische Freihandelsbündnis Nafta und die mexikanischen Präsidentschaftswahlen Mitte 2018 zurückzuführen. Außerdem geht der Trend dahin, dass die Kapitalgeber lieber in bereits etablierte Start-ups investieren, wodurch die Summe pro Abschluss im Durchschnitt höher ist.

Bankenkredite bieten für die allermeisten Jungunternehmen keine Option, da die Geschäftsbanken in Mexiko sehr konservativ in der Vergabe sind. Sie kommen lediglich infrage, wenn die Gründer sie als Privatpersonen aufnehmen - und somit ein hohes persönliches Risiko eingehen. Aufstrebende Unternehmer müssen daher öfter alternative Wege suchen, um an Kapital zu kommen.

Crowdfunding kann funktionieren

Diese Erfahrung hat auch Moisés Trejo gemacht. Er ist Eigentümer des Start-ups SinLlave, das sich mit kontaktloser Zugangskontrolle beschäftigt. „Wir haben verschiedene Formen des Crowdfundings ausprobiert, mit gemischtem Erfolg.“ Nachdem eine internationale Kampagne über die Website Indiegogo nicht funktioniert hatte, war SinLlave mit einem nationalen Aufruf über Play Business erfolgreich. „Allerdings mussten wir bei diesem Format Firmenanteile an die Unterstützer abgeben“, gibt Trejo zu bedenken.

Ein weiterer Weg zur Finanzierung können staatliche Fonds und Förderproramme wie der Fondo Nacional Emprendedor des Inadem sein. Doch auch sie bieten Fallstricke. „Vor der Bewerbung auf ein Programm sollte man prüfen, ob das eigene Unternehmen alle Förderbedingungen erfüllt“, rät Paulino Vacas von MoTeBo. Er war im Programm Estímulos a la Innovación des Wissenschaftsrats Conacyt erfolgreich. „Ist dies nicht der Fall, muss man im Worst Case die Fördergelder zurückzahlen.“ MoTeBo verfügt daher über einen Spezialisten, der sich eigens darum kümmert, Fördergelder einzuwerben.


Text: Florian Steinmeyer

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