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Branchenbericht | China | Medizintechnik

Hochwertige Medizintechnik in China erfolgreich

Trotz steigender Konkurrenz, wachsender zentraler Beschaffung und erhöhtem Preisdruck bleibt hochwertige Medizintechnik aus dem Ausland in China auch 2020 gefragt.

Von Corinne Abele | Shanghai

China setzt bei der Gesundheitsversorgung verstärkt auf Medizintechnik und reduziert den Medikamentenverbrauch. Lange war letzterer die Haupteinnahmequelle für die Krankenhäuser. Nach Änderung der Finanzierung hin zu einer Art von Erstattung nach Fallpauschalen wird nun verstärkt Medizintechnik eingesetzt. Dies macht sich auch in den Zulassungszahlen bemerkbar. Obwohl die Covid-19-Pandemie China und die Welt in Atem hält, stiegen die Zulassungen auch 2020 um 15,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf knapp 16.000 Anträge. Mit 60 Prozent entfiel die überwiegende Mehrheit auf ausländische Hersteller. Insgesamt handelte es sich bei 19 Prozent um Anträge auf Erstzulassung.

Neuzulassungen zur Bekämpfung der Coronapandemie

Darunter befanden sich auch acht komplette Covid-19-Testsysteme (Schnelltests auf Basis von Nukleinsäure) und weitere 54 neue Reagenzien für den Nachweis von Coronaviren. Nach Angaben der National Medical Products Administration (NMPA) hat China inzwischen ausreichend Kapazitäten, um täglich 24 Millionen Covid-19-Tests durchführen zu können.

Ebenfalls wurde ein neuer Standard für fernbedienbare Roboter für Ultraschalluntersuchungen zur Covid-19-Diagnose erlassen, wie der Newsletter MedtechUpdate China der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft basierend auf einer Meldung der Branchenportals InnoMED berichtet. Der Einsatz derartiger Roboterarme ermöglicht eine größere Distanz zwischen behandelndem Personal und Patienten. Damit kann die Ansteckungsgefahr verringert werden. Der Standard wurde von der Shenzhen Life Science and Technology Industry-University-Research Assets Alliance veröffentlicht.

Wenige Branchencluster für Innovationen verantwortlich

Der neue Standard zeigt, dass einige chinesische Forschungsinstitute und Medizintechnikunternehmen inzwischen in der Lage sind, eigenständig innovative Medizinprodukte zu entwickeln. Top-Cluster der Medizintechnik sind dabei Peking und Shanghai sowie die Provinzen Guangdong, Jiangsu und Zhejiang. Von den in den vergangenen sechs Jahren zugelassenen 99 "innovativen Medizinprodukten" hatten nur vier ausländische Firmen beantragt. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass die beschleunigte Zulassung als „innovatives“ Produkt für ausländische Unternehmen nicht unmöglich, aber sehr schwierig ist.

Preise unter hohem Druck durch zentrale Beschaffung

Trotz verstärkter zentralisierter Beschaffungsmaßnahmen auf Provinz- und Stadtebene, die in der Regel den günstigeren inländischen Herstellern sowie regionalen Champions hilft, können sich ausländische Medizinprodukte weiterhin im High-End-Bereich unterschiedlicher Segmente behaupten. Allerdings können auf Provinzebene zentralisierte Ausschreibungen für volumenbasierte Beschaffungen dramatischen Einfluss auf die Preisgestaltung haben. So sank der Preis für Stents als Folge zentralisierten Einkaufs drastisch.

Gemäß den CMP-Nachrichten der Chinese Medical Device Procurement Public Service Platform dürften auch Knochenersatzmaterialien künftig über zentralisierte Ausschreibungen beschafft werden; Preissenkungen bis zu 90 Prozent werden erwartet. Laut CMP-Nachrichten betrug der Markt für orthopädische Implantate in China 2019 rund 4 Milliarden Euro. Allein 38 Prozent der Produkte für die Segmente Wirbelsäulenchirurgie und Gelenkersatz stammten 2018 von nur fünf ausländischen Herstellern: Johnson & Johnson, Zimmer Biomet, Stryker, Medtronic (USA) und Smith & Nephew (Vereinigtes Königreich).

Einfuhr ausgewählter medizintechnischer Produkte nach China (in Millionen US-Dollar)

HS-Code

Produktgruppe

2019

1. Hbj. 2020

davon aus Deutschland (1.Hbj. 2020)

9018.1

Elektrodiagnoseapparate und -geräte

2.472,9

1.101,9


195,7

9022

Röntgenapparate etc.

3.837,9

1.830,8


555,0

8419.20

Sterilisierapparate

83,3

39,3


4,3

8713

Rollstühle

3,3

1,1

0,2

9018.4

Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g.

257,4

86,9

18,7

9018.3

Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc.

2.856,6

1.212,5

83,4

9018.50

Ophthalmologische Instrumente

725,2

267,1

124,1

9018.90

Andere Instrumente, Apparate und Geräte

3.491,6

1.742,1

282,2

9019, 9020

Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc.

516,6

310,6

58,3

9402

Medizinmöbel etc.

126,2

62,6

18,7

9021

Orthopädietechnik, Prothesen etc.

4.317,1

1.689,4

172,2

Summe

18.684,8

8.344,3

1.512,8

Quelle: International Trade Centre (ITC)

Deutsche Hersteller konnten Importmarktanteil erhöhen

Nichtaktive Implantate sowie ophthalmologische Geräte und Instrumente werden weiterhin vor allem im High-Endbereich aus dem Ausland benötigt. Zu den größten Importpositionen zählen ebenfalls nach wie vor Geräte für verschiedene bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computer- sowie Magnetresonanztomographie mit hoher Auflösung, stomatologische, neurologische sowie kardiovaskuläre chirurgische Instrumente und Produkte. Deutschland zählt dabei hinter den USA und neben Japan zu einem der wichtigsten Lieferanten. Auch im Pandemiejahr 2020 hat sich der Importmarktanteil deutscher Hersteller in verschiedenen Segmenten erhöht.

Neues Programm soll inländische High-End-Produktion stärken

Der hohe Importanteil bei High-End-Medizinprodukten bleibt daher ein Dorn im Auge der chinesischen Regierung. Der am 9. Februar 2021 vom Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) veröffentliche Entwurf des Entwicklungsprogramms für die Medizintechnikindustrie 2021 bis 2025 sieht daher bis 2025 eine inländische Produktion von High-End-Medizinprodukten auf internationalem Niveau vor. Dafür soll der Durchbruch vor allem bei der Herstellung zentraler Komponenten und Materialien geschaffen werden. Ziel ist ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum um 15 Prozent und der Aufstieg auf sechs bis acht chinesische Hersteller unter die Top-50 Medizintechnikunternehmen weltweit.

Das Programm soll dabei vor allem die Entwicklung in folgenden Schwerpunktbereichen vorantreiben: In-vitro Diagnostik (darunter High-end Diagnosegeräte, hohe Bilddiagnose, teilweise fernsteuerbar und/oder miniaturisiert; mikrofluidische Analyse, Point-of Care-Technologien), intelligente Chirurgieroboter mit Echtzeitnavigation, Überwachungs- und lebenserhaltende Geräte (beispielsweise bei Hirnverletzungen oder zur intrakraniellen Blutsauerstoffversorgung und Schmerzlinderung) inklusive Wearables und personalisierte intelligente Medtech-Produkte, nicht-invasive pränatale und frühkindliche Diagnosetechnologien sowie Medizingeräte für den Einsatz traditioneller chinesischer Medizin (TCM).

Qualität durch Industriestandards sichern

Um die inländische Medizintechnikbranche auf internationales Niveau zu bringen, spielen Industrienormen eine große Rolle. Allein 561 Normen wurden in der Zeit des 13. Fünfjahresprogramms von 2016 bis 2020 neu erlassen oder überarbeitet. Häufig lehnen sich neue an internationale Normen an. Rund 40 Prozent sind Vorgaben für aktive Medizinprodukte (vor allem Implantate).

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