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Branchen | Russland | Windenergie

Branchenstruktur

Wenige, meist staatliche Anbieter dominieren die Windenergiebranche. Steigende Anforderungen an Lokalisierung und Exporte verstärken den Trend zur Monopolisierung und Abschottung.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Moskau

Russland verfügt über alle notwendigen Kapazitäten, um Windkraftanlagen selbst lokal zu fertigen. Doch mit der Entwicklung eigener Technologien hat das größte Flächenland der Erde noch nicht begonnen.

Eine Handvoll Anbieter beherrscht den Markt

Den russischen Markt für Windenergie dominieren NowaWind (gehört zur staatlichen Atomholding Rosatom), Enel Russia, die Tochtergesellschaft des italienischen Energiekonzerns Enel und der Fonds zur Entwicklung der Windenergie (gehört zur staatlichen Holding Rosnano und zum finnischen Energiekonzern Fortum). Im Januar 2021 gründete Fortum (Mehrheitseigner von Uniper) ein weiteres Joint Venture mit dem Russischen Direktinvestitionsfonds (RFPI) für Investitionen in Windenergieprojekte.

Den Markt für die Ausrüstung von Windkraftanlagen teilen sich vier größere Anbieter mit lokaler Fertigung: Der dänische Konzern Vestas produziert im Gebiet Uljanowsk Rotorblätter und Türme. Zudem fertigt Liebherr in Dserschinsk im Gebiet Nischni Nowgorod für Vestas Gondeln. Red Wind, ein Joint Venture von Rosatom und dem niederländischen Unternehmen Lagerwey Systems (gehört zur deutschen Enercon GmbH) produziert Generatoren, Gondeln und Türme. Siemens Gamesa Renewable Energy stellt Getriebegeneratoren, Gondeln und Türme im Gebiet Leningrad her. Baschni WRS (Joint-Venture von Windar Renovables, Severstal und Rosnano) fertigt Türme für Windkraftanlagen im Gebiet Rostow.

Anforderungen an Lokalisierung und Exporte steigen

Aktuell müssen Produzenten von Windenergie im Rahmen des ersten Förderprogramms bis 2024 einen Lokalisierungsgrad von 65 Prozent erreichen. Mit dem verlängerten Programm bis 2035 steigen die Lokalisierungsanforderungen, die künftig über ein Punktesystem bestimmt werden. Um den Status „Made in Russia“ zu erhalten, müssen bis 2030 schon 87 und bis 2035 bereits 102 Punkte erzielt werden. Daneben steigen die Exportzielvorgaben für Komponenten von Windkraftanlagen. Bis 2030 liegt die Exportquote bei 5 Prozent und steigt bis 2035 schrittweise auf 15 Prozent.

Bei Nichterfüllung der Lokalisierungs- oder Exportvorgaben drohen hohe Strafen, die bis 2035 stufenweise auf bis zu 85 Prozent der Projektvergütung bei zu geringer Lokalisierung, und auf bis zu 33 Prozent bei Nichterfüllung der Exportziele steigen.

Wettbewerbsfähigkeit sinkt im internationalen Vergleich

Die höheren Lokalisierungs- und Exportvorgaben sind jedoch nur ab einer bestimmten Marktgröße umsetzbar. Doch bei den staatlich geplanten Volumina rechnen sich weitere Investitionen in neue Produktionen nicht. Zudem macht die Absenkung der Fördersumme im verlängerten Förderprogramm bis 2035 Investitionen in die lokale Produktion von Anlagen unrentabel. Erschwerend hinzu kommt, dass sich bei vielen Anbietern bereits getätigte Investitionen im Rahmen des ersten Förderprogramms noch nicht amortisiert haben. In der Folge könnten Anbieter, welche die hohen Anforderungen nicht erfüllen können, den Markt verlassen, befürchtet Igor Bryzgunow, Vorsitzender des Verbands zur Entwicklung erneuerbarer Energien (ARWE). Die technologische Rückständigkeit dürfte steigen und die Konsolidierung der Branche weiter zunehmen.

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