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Branchen | Russland | Windenergie

Marktchancen

Der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung steigt kontinuierlich. Die Ausschreibungen des neuen Förderzyklus bis 2035 bieten deutschen Technologieanbietern gute Chancen.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Russland

Russland nimmt im Jahr 2021 rund 941 Megawatt an Windenergiekapazitäten in Betrieb. Rund zwei Drittel steuert alleine das Joint Venture der staatlichen Holding Rusnano und des finnischen Energiekonzerns Fortum bei. Etwa 200 Megawatt errichtet Enel Russia (Tochterunternehmen des italienischen Energiekonzerns Enel) und weitere 60 Megawatt kommen von WetroOGK (gehört zu NowaWind der Staatsholding Rosatom). Bis 2024 wird die Kapazität von Windkraftanlagen auf über 3,4 Gigawatt steigen, erwartet die Assoziation zur Entwicklung der erneuerbaren Energien (ARWE). Das Potenzial der Windenergie ist noch viel größer und liegt bei rund 17.000 Terawattstunden, schätzt das Energiezentrum der Business-Schule Skolkowo.

Im Jahr 2020 gingen im größten Flächenland der Erde trotz der Einschränkungen im Zuge der Coronapandemie Windkraftanlagen mit einer Kapazität von rund 700 Megawatt ans Netz. Zu Beginn des Jahres 2021 waren somit über 1 Gigawatt Leistung installiert. Doch trotz dieses großen Zuwachses liegt die Kapazität der installierten grünen Energieanlagen (Wind- und Solarkraft, kleine Wasserkraftwerke) an der gesamten Kraftwerksleistung nur bei rund 0,42 Prozent. Der Marktanteil von Windkraft- und Solarenergie an der Stromerzeugung beträgt sogar nur 0,13 Prozent.

On- und Offshore-Windparks in Planung

Das Gebiet Rostow plant, bis 2024 Windparks mit einer Gesamtleistung von insgesamt 1 Gigawatt zu errichten. Damit baut die Region am Don ihren Vorsprung bei Windenergie weiter aus. Die Investitionen in neue Windmühlen in der südrussischen Region belaufen sich auf über 800 Millionen Euro. Bis 2022 wollen die regionalen Behörden rund ein Fünftel des lokalen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen decken.

Bis dato werden Windparks in Russland ausschließlich in windreichen Regionen am Festland im Hohen Norden, an der Wolga und um die Schwarzmeerregion sowie zur Stromversorgung - als Dieselersatz - in entlegenen Gebieten errichtet. Dabei hat das größte Flächenland mit seinen anliegenden Seegebieten ein riesiges ungeschöpftes Potenzial zum Bau von Offshore-Windparks. Der Branchenverband RAWI will dies ändern und diskutiert mit dem türkischen Verband für Offshore-Windenergie und dem Konzern GE Renewable Energy die Errichtung von Windkraftanlagen im Schwarzen Meer.

Investoren erhalten Stromabnahmegarantie

Die Erzeugung von grüner Energie ist gegenüber der Kohleverstromung auf dem freien Markt bereits wettbewerbsfähig, gegenüber Gas- und Atomkraft jedoch noch nicht. Daher garantiert die Regierung die Rentabilität von Windenergieprojekten auf dem Großhandelsstrommarkt durch Verträge zur Kapazitätsbereitstellung (russische Abkürzung: DPM WIE). Produzenten von Ökostrom erhalten dabei eine Stromabnahmegarantie für 15 Jahre und eine garantierte Rendite von jährlich 12 Prozent auf ihre Investition. Dafür muss das Projekt fristgerecht in Betrieb gehen, andernfalls drohen Strafzahlungen.

Preis wird ausschlaggebendes Kriterium bei neuer Ausschreibungsrunde

Projekte bei erneuerbaren Energien werden in einem Wettbewerbsverfahren vergeben. Die Ausschreibungen neuer Windparks im Rahmen des verlängerten Förderprogramms (DPM WIE 2) laufen seit September 2021. Bis 2035 sollen insgesamt 6,7 Gigawatt Kapazitäten errichtet werden. Den Zuschlag erhält der Bieter mit der geringsten Investitionssumme je Megawattstunde Leistung (Preis des erzeugten grünen Stroms inklusive der Kosten für den Bau eines Kraftwerks und dessen Wartung). Damit will die Regierung sowohl die Belastung der Verbraucher begrenzen, als auch das Bauvolumen erhöhen.

Für die durchführenden Unternehmen bedeutet die Kürzung der Fördermittel im DPM WIE-2-Programm im Vergleich zu den Ausschreibungen im Rahmen des ersten Förderprogramms bis 2024, dass sich der Wettbewerb verschärfen und die Rentabilität der Projekte sinken dürfte. Aufgrund der geringeren Subventionen und steigenden Lokalisierungs- und Exportauflagen könnte das Neubauvolumen auf nur rund 5 Gigawatt sinken, befürchten Analysten von Vygon Consulting.

Fortum ersteigert größten Anteil an neuer Ausschreibungsrunde

Bei der ersten Ausschreibung von Windkraftprojekten für den Zeitraum 2025 bis 2027 vergab der Strommarktregulator Sowjet Rynka Mitte September 2021 den Löwenanteil von 1,4 Gigawatt an den finnischen Stromkonzern Fortum. Die Muttergesellschaft des deutschen Energieerzeugers Uniper unterbot mit einem Strompreis von 2000 Rubel (rund 23,4 Euro) pro Megawattstunde den aktuellen Großhandelspreis für Strom (auch aus konventioneller Erzeugung) in Russland. Weitere 460 Megawatt erhielt der Staatskonzern Rosatom. Damit sank der Preis zur Erzeugung von Strom aus Windkraft in den letzten sechs Jahren um 87 Prozent und ist aktuell einer der niedrigsten weltweit, melden Analysten der staatlichen VTB-Bank.

Deutsche Firmen nutzen Chancen bei Windenergieprojekten

Obwohl der Anteil der Erneuerbaren am Energiemix nur im einstelligen Prozentbereich liegt, bieten sich Perspektiven für deutsche Firmen bei der Projektierung, dem Bau und der Lieferung von Komponenten für Windkraftanlagen. Gefragt ist deutsche Expertise zudem bei Wartung und Service, vorbeugender Instandhaltung (Predictive Maintenance) oder der Digitalisierung von Serviceprozessen.

Der deutsche Projektentwickler Sowitec will im Gebiet Rostow einen Windpark mit einer Kapazität von bis zu 1.000 Megawatt errichten und unterzeichnete auf dem Sankt Petersburger Wirtschaftsforum (SPIEF) eine Vereinbarung mit der Gebietsregierung. Der deutsche Dienstleister für Windenergieanlagen, BS Green GmbH, erwägt den Bau eines Windparks im Gebiet Orenburg mit einer Kapazität von bis zu 300 Megawatt. Siemens Gamesa kündigte hingegen seinen Rückzug aus dem Russlandgeschäft an. Viele Projekte seien sehr riskant, weil der Bau von Windparks nur in wenigen frostfreien Wochen im Jahr möglich sei, erklärte Unternehmenschef Andreas Nauen in einem Interview mit der WirtschaftsWoche Ende August 2021.

Aktuelle Windprojekte in Russland

Projektbezeichnung / Standort

Leistung in MW)

Unternehmen

Status

Investitionsvolumen (in Mio. Euro)

Bau eines Windparks / Gebiet Rostow

800 – 1.000

Sowitec

Vereinbarung mit der Gebietsregierung unterzeichnet;

116,3

Bau eines Windparks / Gebiet Rostow

600

UK Wetroenergetika (gehört zu Rosnano und Fortum)

Geplante Inbetriebnahme: 2023

959

Bau von fünf Windparks / Gebiet Astrachan

340

Fonds zur Entwicklung der Windenergie (gehört zu Rosnano und Fortum)

Im Bau; geplante Inbetriebnahme: Ende 2021

k.A.

Bau eines Windparks / Gebiet Samara

236,6

Fonds zur Entwicklung der Windenergie (gehört zu Rosnano und Fortum)

Kooperationsvereinbarung mit der Gebietsregierung unterzeichnet; geplante Fertigstellung: 2023

290,7

Bau eines Windparks / Gebiet Saratow

210

UK Wetroenergetika (gehört zu Rosnano und Fortum)

Geplante Inbetriebnahme: 2023

290

Bau eines Windparks / Gebiet Orenburg

200-300

BS Green GmbH

Verhandlungen mit der Gebietsverwaltung

k.A.

Bau des Windparks „Kolskaja“ / Gebiet Murmansk

201

Enel Russia; Technologiepartner: Siemens Gamesa

Im Bau; geplante Inbetriebnahme: 2022

266

Bau von 7 Windparks / Region Krasnodar

192,5

Nowawind (gehört zu Rosatom)

Absichtserklärung unterzeichnet; geplante Inbetriebnahme: 2024

274

Bau eines Windparks / Sabetta, Autonomer Bezirk der Jamal-Nenzen

190-200

Novatek

Machbarkeitsstudie; Auswahl des Technologiepartners: Anfang 2022

162,8

Bau des Windparks „Bondarewskaja“ / Region Stawropol

120

Nowawind

Im Bau; geplante Fertigstellung: 2022

185

Bau eines Windparks / Gebiet Rostow

100-140

Enel Russia

Vereinbarung Anfang Juli 2021 unterzeichnet

116,3

Bau des Windparks „Rodnikowskij“ / Gebiet Rostow

71

Enel Russia

Im Bau; geplante Inbetriebnahme: 2024

90

Bau eines Windparks / Swiriza, Gebiet Leningrad

68

Wetropark

Projektierungsphase

k.A.

Bau eines Windparks / Gebiet Sachalin

67,2

Wostotschnaja gornorudnaja kompanija

Geplante Inbetriebnahme: 2023

98

Bau des Windparks „Medwezhenskaja“ / Region Stawropol

60

WetroOGK-2 (gehört zu Nowawind bzw. Rosatom)

Im Bau; geplante Inbetriebnahme: 2024

93

Bau des Windparks „Berestowskaja“ / Region Stawropol

60

WetroOGK (gehört zu Nowawind bzw. Rosatom)

Im Bau; geplante Inbetriebnahme: 2024

93

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

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