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Branchen | Usbekistan | Weinanbau

Im Weinbau stehen ausländischen Unternehmen viele Türen offen

Die usbekische Regierung forciert ihren Plan, die Trauben- und Weinproduktion auszubauen. 100 Millionen US-Dollar werden bereitgestellt, um neue Anbauflächen zu bepflanzen. 

Von Viktor Ebel | Bonn

Die sonnenreiche Republik Usbekistan im Herzen Zentralasiens hat die besten Voraussetzungen für den Weinbau. Eine 2018 gestartete Initiative zur Entwicklung des Sektors bekommt nun einen neuen Schub. Triebkraft sind Subventionen für den Anbau von Trauben und Zollbefreiungen beim Import von Maschinen und Ausrüstungen. Verstärkt soll auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Innovationen aus dem Ausland zurückgegriffen werden. Außerdem privatisiert die Regierung einige Wein- und Spirituosenhersteller und ebnet ausländischen Investoren damit den Weg. 

Großes Exportpotenzial für usbekische Trauben

Der Anbau von Trauben hat in den fruchtbaren Regionen Usbekistans wie Samarkand, Buchara und Fergana lange Tradition. Nun will das Land zu alten Stärken zurückfinden und bepflanzt kräftig neue Anbauflächen mit Weinreben. Allein in den letzten vier Jahren waren es 52.000 Hektar.

Der Export von Trauben erreichte 2020 mit 133 Millionen US-Dollar (US$) einen neuen Höhepunkt. Doch eine Marktanalyse zeigt, dass die weltweite Nachfrage nach Weintrauben noch lange nicht befriedigt ist: Der Handel mit der begehrten Frucht nimmt jedes Jahr im Schnitt um 350 Millionen US$ zu. Die usbekische Regierung beziffert das jährliche Exportpotenzial für Trauben auf 600 Millionen US$, für Rosinen auf 500 Millionen US$ und für Wein auf 100 Millionen US$.

Ein Großteil der Produktion entfällt nach wie vor auf Bauern- und Farmwirtschaften. Diese sind geprägt von veralteter Technologie und einem geringen Wissensstand: Da neueste Erkenntnisse nicht einbezogen werden, beispielsweise bei der Traubenzucht, werden nach wie vor die vor 40 bis 50 Jahren eingeführten Traubensorten angebaut. Dies senkt die Produktivität und führt dazu, dass nur 38 Prozent der Felder intensiv bewirtschaftet werden. Auch bei der Verarbeitung der Trauben mangelt es an moderner Ausrüstung. Doch der Anteil von besser organisierten landwirtschaftlichen Betrieben nimmt stark zu.

Traubenanbau nach Kategorie (2020)

Art der Bewirtschaftung

Produktion (in Tausend Tonnen)

Anteil an Gesamtproduktion (in Prozent)

Wachstum im Vergleich zu 2019 (in Prozent)

Bauernwirtschaften (private Nebenwirtschaften der Bevölkerung)

898,6

54,8

1,3

Farmwirtschaften (offiziell registrierte Agrarproduzenten)

704,8

43,0

3,1

Landwirtschaftliche Betriebe

35,8

2,2

9,7

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Usbekistan

Neue Felder werden durch Subventionen unterstützt

Der Export von Trauben soll in den nächsten Jahren auf 200 Millionen US$ jährlich steigen. Dafür sollen 44 neue exportorientierte Plantagen in den Regionen des Landes und der Autonomen Republik Karakalpakstan entstehen. Die Regierung stellt dafür 100 Millionen US$ an Subventionen bereit. Pro Hektar einer zertifizierten Plantage werden 10 Millionen Usbekische Som (umrechnen etwa 940 US$) ausgezahlt.

Weitere finanzielle Anreize für die Ausfuhr von Trauben sind:

  • bei Export von weniger als 30 Prozent des Ertrages: 30 Prozent Umsatz- und Grundsteuersenkung,
  • bei Export von mehr als 30 Prozent des Ertrages: 50 Prozent Umsatz- und Grundsteuersenkung, 
  • Subventionen in Höhe von 5000 Usbekischen Som (umgerechnet etwa 0,5 US$) pro Liter exportierten Wein.

Lokale Vertretungen des Ministeriums für Landwirtschaft unterstützen die Projekte mit Know-how zum Weinanbau, stellen Pflänzlinge bereit und helfen dabei, Pflanzenkrankheiten zu bekämpfen. Wissenschaftliche Institutionen sind mit der Zucht von zertifizierten Traubensorten betraut.

Ausländische Technik und Expertise sind gefragt

Dabei soll auch auf Erfahrungen aus dem Ausland zurückgegriffen werden, beispielsweise um ertragreiche Sorten ohne Kerne zu züchten. Ein weiterer Vorschlag, um die Erträge zu steigern, ist die Benutzung von Spalieren und Gittern. Um Landwirte bei der Einführung der neuen Technik zu unterstützen, bietet die Regierung Rückerstattungen in Höhe von 30 Prozent der Anschaffungskosten an. Hinzukommt die Befreiung von Zöllen beim Import von Maschinen und Ausrüstungen, die für den Weinbau verwendet werden.

Um Anbau und Verarbeitung von Trauben effektiver zu gestalten, sollen in der Zukunft Weincluster aufgebaut werden. Diese kommen dann in den Genuss von Vorzugsbedingungen. Neben finanziellen Entlastungen beim Einkauf von Ausrüstungen ist auch im Gespräch, die Verbrauchssteuer für Naturwein abzuschaffen.

Wein „Made in Uzbekistan“ soll ein internationaler Kassenschlager werden. Neben traditionellen Abnehmern wie Russland wurde 2020 erstmals Wein nach Afghanistan, Korea, Litauen und Estland exportiert. Auch der Weintourismus soll zu einem lukrativen Geschäft ausgebaut werden. In Samarkand und den Regionen Fergana und Taschkent haben Winzer ihre Pforten für Verkostungen bereits geöffnet – andere folgen bald.

Wein- und Spirituosenhersteller kommen unter den Hammer

Die Staatliche Agentur für Vermögensverwaltung hat angekündigt, jeweils 51 Prozent der Anteile an den Unternehmen „Usbekiston Champagne“ und „Mastona“ zu verkaufen. Abgewickelt wird die Auktion von der mit Privatisierungsfragen beauftragten UzAssets. Das Consultingunternehmen KPMG berät das Vorhaben. 

„Usbekiston Champagne“ sitzt in Taschkent und hat in seinem Produktportfolio neben Wein und Sekt auch Wodka und Liköre. Die Produktionskapazität beträgt etwa 8 Millionen Liter alkoholischer Getränke pro Jahr. Doch liegt die Auslastung bei nur 62 Prozent. Ein Großteil des Ausstoßes wird auf dem usbekischen Markt verkauft, kleine Mengen gehen nach Indien, Korea und die Mongolei. Gegenwärtig werden mit einem französischen Partner klassische Methoden zur Herstellung von Sekt implementiert.

Das in Kokand angesiedelte Unternehmen „Modesta“ produziert neben einer Reihe von Weinen (Dessert,- Likör und trockene Weine) ebenfalls Wodka und andere Spirituosen. Die Kapazitäten für Weine betragen 2 Millionen Liter, während bis zu 5 Millionen Liter Hochprozentiges hergestellt werden können. Die Auslastung schwankt zwischen 70 und 75 Prozent. „Modesta“ beliefert den einheimischen Markt, zu gleichen Teilen im Premium und Economy Segment.

Alkoholexporte Usbekistans 2020 (in Millionen US-Dollar; Stand 01.09.2020)

Gesamt

12,3*

Traubenwein (Alkoholische Tinkturen)

8,6

Wein

1,6

Weinkonzentrat

1,3

Weinbrand

0,5

Ethanol

0,1

Wodka

0,1

Bier

0,04

*Wert in der Vorjahresperiode 2019: 6,0 Mio. US$Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Usbekistan

Ansprechpartner

Für Projekte im Weinbau ist O´zsharobsanoat AJ (Usbekische Weinindustrie AG) der Hauptansprechpartner. Unter dem Dach der Gesellschaft sind alle 61 usbekischen Hersteller von Wein und Spirituosen, vier Produzenten von Äthylalkohol, zwei Glasfabriken sowie zahlreiche Firmen für die Rohstoffbeschaffung und für den branchenbezogenen Groß- und Einzelhandel tätig. Die UzAssets (Investitionsgesellschaft) steht für Fragen zur Privatisierung der Wein- und Spirituosenhersteller offen und nimmt die Angebote bis zum 8. August 2021 entgegen.

O´zsharobsanoat AJ, Abay k-si 6, 100011 Taschkent/Usbekistan Otabek Sadikovich Mustafaev, Vorstandsvorsitzender, T +99871 244 39 47

UzAssets, Amir Temur Avenue 6, 100000 Tashkent/Usbekistan, A. Mukhamatkulov, T +99871 259-22-38

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