Special Brasilien Wege aus der Coronakrise

Brasilien hält den Erholungskurs

Die Pandemielage und auch die politischen Entwicklungen bleiben unsicher. Doch die Wirtschaftsdaten des ersten Quartals überraschen positiv.


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Brasiliens Wirtschaft durchsteht die zweite Welle besser als erwartet. Die Finanzinstitute setzen ihre Wachstumsprognosen für 2021 wieder herauf. (Stand: 18. Mai 2021)

    Seit Mitte April ging die Anzahl der täglichen Covid-19-Todesfälle in Brasilien deutlich zurück. Dazu tragen auch die Impfungen bei, die zunächst älteren Menschen und ausgewählten Risikogruppen zukommen. Mit einem 7-Tages-Durchschnitt von täglich 9 Todesfällen pro eine Million Einwohner liegt das Land immer noch über den Durchschnittswerten Südamerikas. Die Fallzahlen legen seit Ende April sogar wieder zu.

    Gesundheitslage bleibt kritisch 

    Nach den ersten Anzeichen einer Stabilisierung im April lockerten Gouverneure und Bürgermeister die Restriktionen. Im Bundesstaat São Paulo begann am 18. April eine Übergangsphase, in der die Einschränkungen für Handel und Dienstleistungen nach und nach aufgehoben werden. Aufgrund der erneuten Verschlechterung führen jedoch erste Städte im Staat São Paulo wieder restriktivere Maßnahmen ein. Gesundheitsspezialisten warnen bereits vor einer dritten Welle.

    Es fehlt nach wie vor an systematischen Test- und Tracking-Verfahren und klaren Leitlinien für die lokalen Verwaltungen. Die Maßnahmen werden nicht auf Bundesebene koordiniert. Zudem erfolgen die Lockerungen von Restriktionen oftmals nicht auf Basis aussagekräftiger Daten. Der weitere Verlauf der Gesundheitskrise lässt sich unter diesen Bedingungen nicht absehen.

    Bei einer Basisreproduktionszahl von durchschnittlich 1,01 (Stand: 15.05.2021) hält sich die Zahl der Neuinfektionen auf einem hohen Niveau vorerst stabil. Bislang starben in Brasilien über 436.000 Menschen an Covid-19 (Stand: 18.05.2021). Positiv getestet wurden fast 16 Millionen Brasilianer. Nur in den USA und Indien waren mehr Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert.

    Brasilien erwartet BIP-Wachstum von über 3 Prozent

    2020 sorgte ein umfangreiches Hilfsprogramm zur Unterstützung der bedürftigen Bevölkerung und zum Erhalt von Arbeitsplätzen für einen vergleichsweise milden Einbruch der Wirtschaftsaktivität. Mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,1 Prozent kam Brasilien deutlich besser weg als die anderen Staaten Lateinamerikas. Da die hohe und stark angestiegene Staatsverschuldung kaum Spielraum für weitere Hilfsmaßnahmen bietet, fielen die Prognosen für 2021 relativ schwach aus. Befürchtungen einer erneuten Rezession bewahrheiteten sich jedoch nicht. Dem Wirtschaftsinstitut der FGV-Stiftung zufolge wuchs das BIP im ersten Quartal um 1,7 Prozent. Trotz der Gesundheitskrise und des langsamen Impfrythmus erwarten die Finanzinstitute laut der wöchentlichen Zentralbankumfrage für 2021 ein BIP-Wachstum um 3,5 Prozent.

    Der Untersuchungsausschuss im Senat zu Versäumnissen in der Gesundheitskrise stellt die Regierung unter Präsident Bolsonaro an den Pranger. Umfragen belegen, dass die Unterstützung in der Bevölkerung sinkt. Die Präsidentschaftswahlen 2022 rücken in den Vordergrund und mindern die Chancen auf Reformen. Der versprochene liberale Reformkurs zu einer nachhaltigen Konsolidierung des Staatshaushalts und Verbesserung des Geschäftsumfelds ist ohnehin nicht mehr erkennbar.

    Aufgrund der fiskalpolitischen Krise bewegt sich der US-Dollar weiter über der 5-Reais (R$)-Marke. Die geschwächte brasilianische Währung in Kombination mit hohen Rohstoffpreisen treibt Preissteigerungen an. Durch den Inflationsdruck hob die brasilianische Zentralbank den Leitzins Selic im Mai erneut um 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent an.

    Ausführlichere Informationen zum gesamtwirtschaftlichen Hintergrund bieten der Wirtschaftsausblick und die SWOT-Analyse.

    Branchenentwicklung

    Land- und Forstwirtschaft

    Mit Rekordergebnissen erweist sich die Land- und Forstwirtschaft ebenso wie in der Rezession von 2014 bis 2016 als Säule der Stabilität. Der Sektor macht etwa 5 Prozent des brasilianischen BIP aus. Über den Dominoeffekt auf andere Wirtschaftsbereiche, wie den Transport-, Landmaschinen- und Agrarchemiesektor, trägt das Agribusiness mittlerweile zu über einem Viertel des brasilianischen BIP bei. Infolge der hohen Rohstoffpreise am Weltmarkt gekoppelt mit der starken Währungsabwertung legte die Bruttowertschöpfung des Sektors in brasilianischen Reais 2020 um 9 Prozent zu. Für 2021 erwartet der Agrarwirtschaftsverband CNA ein Wachstum um 3 Prozent. 

    Energiewirtschaft

    2020 setzte sich die Abwanderung großer Stromverbraucher in den freien Strommarkt fort. Dieser Trend belebt die Investitionen in erneuerbare Energien, insbesondere in mittelgroße Solarparks. Auch die dezentrale Erzeugung über Fotovoltaikanlagen wächst stark. Die fortschreitende Marktliberalisierung sowie die Einführung zeitvariabler Stromtarife ab Januar 2021 stimulieren zudem Investitionen in Speichertechnologien und Digitalisierung. Die Stromregulierungsbehörde prognostiziert für 2021 bis 2025 einen jährlichen Anstieg im Verbrauch um 3,6 Prozent. Neben Fotovoltaik gibt es auch für Windkraft gute Wachstumsaussichten.

    Bauwirtschaft

    Brasiliens Immobilienmarkt erholte sich erstaunlich schnell. Der Wohnungsverkauf legte 2020 fast um 10 Prozent zu. Neben dem Wohnungsbau mehren sich auch die Investitionen in Logistikimmobilien. Der Tiefbau erwartet Anreize durch neue Infrastrukturkonzessionen. Herausforderungen bergen allerdings die drastischen Preissteigerungen für Baumaterialien, insbesondere Stahl, Zement und PVC.

    Pkw- und Nfz-Produktion

    Lieferengpässe für Halbleiter lähmen die Automobilproduktion weltweit. Brasiliens Kfz-Sektor trifft zudem auf weitere Herausforderungen. Im März stellten zahlreiche Hersteller den Betrieb infolge der verschärften Gesundheitskrise vorübergehend ein. Trotz allem wurden in den ersten vier Monaten dieses Jahres aufgrund der hohen Nachfrage in Brasilien und steigendem Export 14,5 Prozent mehr Pkw und 48,9 Prozent mehr Lkw produziert als im Vorjahreszeitraum.

    Der Branchencheck aus dem November 2020 bietet einen Überblick zu Maschinenbau, Chemieindustrie, Energiewirtschaft, Bau, Gesundheitswirtschaft, Landwirtschaft, Bergbau, Nahrungsmittelindustrie, Kfz, IKT und Umwelttechnik.

    Von Gloria Rose | São Paulo

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Nach dem umfangreichen Hilfspaket 2020 bietet die hohe Staatsverschuldung kaum Spielraum. Maßnahmen wurden 2021 reduziert neu aufgelegt. (Stand: 18. Mai 2021)

    Zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie und den wirtschaftlichen Folgen wendete die brasilianische Regierung 2020 etwa 100 Milliarden US-Dollar (US$) auf. Damit war das Hilfspaket in Brasilien wesentlich umfangreicher als in den meisten anderen Schwellenländern. Ende 2020 liefen die Hilfsmaßnahmen aus. Angesichts des Aufflammens der Gesundheitskrise wurden die Maßnahmen neu aufgelegt, allerdings in stark reduziertem Umfang.

    Die Förderung wird auch von den Niederlassungen deutscher Unternehmen in Anspruch genommen. Die AHK São Paulo und die AHK Rio de Janeiro bieten weiterführende Informationen durch Webinare und Beratungen an. 

    Maßnahmen zur unmittelbaren Bewältigung der Krise

    Flexible Arbeitszeitkonten, die kurzfristige Anordnung von Betriebsferien, das Vorziehen von Feiertagen und individuellen Ferien sowie die erweiterte Homeoffice-Regelung schafften 2020 eine Erleichterung. Die Anpassungen im Arbeitsrecht über das Programa Emergencial de Manutenção do Emprego e da Renda (BEm) liefen Ende 2020 aus. Um Unternehmen und Arbeitsplätze durch die Krise zu retten, legte die Regierung das Programm BEm Ende April 2021 neu auf. Für einen Zeitraum von bis zu 120 Tagen kann der Arbeitsvertrag ganz ausgesetzt oder Kurzarbeit mit einer proportionalen Minderung von Arbeitszeit und Gehalt um jeweils 25 Prozent, 50 Prozent oder 70 Prozent vereinbart werden. 

    Die Zentralbank senkte den Leitzins Selic auf den historischen Tiefstand von 2 Prozent und verstärkte die Bankenliquidität. Infolge des Inflationsdrucks zieht Brasiliens Zentralbank die geldpolitischen Anreize wieder zurück und hob den Leitzins Selic im Mai 2021 auf 3,5 Prozent an. Für kleine und mittelständische Unternehmen ohne Kreditsicherheit wurden Programme wie Pronampe geschaffen. Bei den zinsgünstigen Kreditlinien übernimmt der Staat 80 Prozent bis zu 100 Prozent des Risikos. Allerdings bietet die Neuauflage von Pronampe nicht mehr so hohe Zinsvorteile wie im Vorjahr. Wenigstens 15 Bundesstaaten bieten zudem eigene Kreditförderprogramme an, um Abhilfe zu schaffen.

    Angesichts der erneuten Zuspitzung der Gesundheitskrise wurden die Rückzahlung von Pronampe-Notkrediten aus 2020 aufgeschoben. Zudem werden Lohnnebenkosten und Steuern auf verschiedenen Verwaltungsebenen gestundet beziehungsweise reduziert.

    Schritte zur wirtschaftlichen Wiederbelebung

    Im Vergleich zu 2020 steht in diesem Jahr ein wesentlich geringeres Budget zur finanziellen Unterstützung der bedürftigen Bevölkerung bereit. Dabei sind etwa 40 Millionen informell Beschäftigte und Kleinstunternehmer nach wie vor auf ihr tägliches Einkommen angewiesen. Statt 66 Millionen erhalten in diesem Jahr nur etwa 45 Millionen Haushalte für den Zeitraum von vier Monaten einen sogenannten Coronavoucher. Die monatliche Auszahlung beträgt im Durchschnitt nur noch ein Viertel des gesetzlichen Mindestlohns von 1.100 brasilianische Reais (R$, etwa 200 US$; durchschnittlicher Wechselkurs 2020: 1 US$= 5,15 R$).

    Das neue Hilfspaket 2021 beläuft sich auf rund 8 Milliarden US$. 2020 hatten die Transferzahlungen von insgesamt 70 Milliarden US$ die Konsumgüternachfrage stimuliert, die in Brasilien immerhin 70 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ausmacht. 

    Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen

    Für umfangreiche Investitionsprogramme hat der brasilianische Staat keinen Spielraum. Die Projekte des Programms für öffentlich-private Investitionspartnerschaften werden über Infrastrukturkonzessionen und öffentlich-private Partnerschaften umgesetzt. In der Infra-Week vom 7. bis 9. April wurden 28 Konzessionen für Flughäfen und Hafenterminals sowie für die Schienenstrecke Fiol erfolgreich vergeben. Die Verträge stoßen Investitionen von insgesamt 1,8 Milliarden US$ an.

    Mitte Juli 2020 wurde der neue Rechtsrahmen für die Wasserwirtschaft verabschiedet, der Investitionen von 100 Milliarden US$ stimulieren soll. Anfang April verabschiedete die Regierung den Rechtsrahmen für den Gasmarkt. Durch die Liberalisierung sollen Investitionen von über 11 Milliarden US$ angestoßen werden. Wichtige Reformen wie eine umfassende Steuerreform stagnieren jedoch. Branchenspezifische Fördermaßnahmen werden angesichts der knappen Staatskasse nicht erlassen. Im Gegenteil: Die Industrieförderung für die Petrochemie über das Programm REIQ läuft sogar vorzeitig im Juli 2021 aus.

    Öffentliche Verschuldung

    Aufgrund der hohen Verschuldung Brasiliens sind die Auflagen für Staatsausgaben restriktiv. Durch den nationalen Notstand war die Regierung bis Ende 2020 jedoch nicht an das verabschiedete Haushaltsbudget gebunden. Die anhaltende Gesundheitskrise und die politische Unsicherheit mindern die Hoffnung, dass der Staatshaushalt nur vorübergehend zusätzlich belastet wird. Entsprechend hoch fallen die Prämien für Versicherungen von Kreditausfällen (Credit-Default-Swaps - CDS) aus. 

    Laut aktuellen Prognosen des internationalen Währungsfonds stieg die Bruttostaatsverschuldung 2021 auf 98,4 Prozent des BIP. Positiv wirken die geringe Auslandsverschuldung und das niedrige Zinsniveau. Allerdings könnte der Leitzins im Lauf dieses Jahres von derzeit 3,5 Prozent auf über 6 Prozent angehoben werden.

    Um den Haushalt 2021 endlich zu verabschieden, einigten sich Regierung und Kongress am 19. April auf eine unkonventionelle Lösung. Zusatzausgaben für die Corona-Maßnahmen von rund 13 Milliarden US$ werden als Sonderausgabe nicht in der Zielvorgabe zur Deckelung der Staatsausgaben berücksichtigt. Das unabhängige Institut für Staatsfinanzen IFI kritisiert das Manöver und die zunehmende Intransparenz. Eine weitere Änderung räumt der Regierung mehr Entscheidungskompetenz zur Ausgabenbegrenzung im Bundeshaushalt ein.

    Internationale Ratingagenturen nahmen seit Mitte 2020 keine Änderungen in der Einschätzung der Bonität Brasiliens vor.

    Informationen zu Impfkampagne der Regierung

    Am 17. Januar war Impfstart in Brasilien. Seitdem erhielten 36,6 Millionen Brasilianer die erste und 17,4 Millionen die zweite Impfdose (Stand: 18.05.2021). Bei 68,4 Prozent der Impfungen wurde der Impfstoff Coronavac des chinesischen Herstellers Sinovac eingesetzt, bei 30,5 Prozent das Vakzin von Oxford/AstraZeneca und bei 1,1 Prozent Pfizer/BioNTech.

    In Partnerschaft mit AstraZeneca füllt das Institut Fiocruz die Dosen ab und nimmt im Mai 2021 auch die Wirkstoffproduktion auf. Sinovac führt eine ähnliche Kooperation mit dem Institut Butantan, das aber erst ab 2022 den Wirkstoff selbst produzieren wird. Butantan/Sinovac lieferte bislang 47 Millionen Impfdosen, Fiocruz/AstraZeneca 34 Millionen Dosen. Allerdings stockt die Versorgung mit Wirkstoffen aus China, was den Impffluss bereits verzögert.

    Darüber hinaus schloss das Gesundheitsministerium Verträge mit Moderna, Janssen und Pfizer/BioNTech und erhält Lieferungen der Covax-Initiative. Erklärtes Ziel ist die Impfung aller 211 Millionen Brasilianer bis Ende 2021. Dazu können auch der indische Impfstoff Covaxin und der russische Impfstoff Sputnik V beitragen. Beide wurden bislang nicht von der brasilianischen Gesundheitsbehörde zugelassen. Hoffnung weckt auch ein eigenes Vakzin des Instituts Butantan namens Butanvac, das besonders kostengünstig hergestellt werden kann.

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Von Gloria Rose | São Paulo

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Einreisende nach Brasilien müssen einen negativen Coronatest nachweisen. Brasilianer treffen weltweit auf strenge Restriktionen. (Stand: 18. Mai 2021)

    Einreisende müssen vor dem Abflug nach Brasilien das negative Ergebnis eines weniger als 72 Stunden zurückliegenden PCR-Tests auf SARS-CoV-2 nachweisen. Das Dokument muss in englischer, spanischer oder portugiesischer Sprache vorliegen. In einer dieser drei Sprachen müssen sich alle Reisenden innerhalb der 72 Stunden vor Abflug bei der brasilianischen Gesundheitsbehörde Anvisa anmelden. Von einer sehr kurzfristigen Anmeldung ist abzuraten!

    Im Anschluss an die Registrierung erhält der Reisende einen Link per E-Mail zu einem Formular, in dem er seine Zustimmung zu den geltenden Vorkehrungsmaßnahmen und seinen aktuellen Gesundheitszustand deklariert. Im Anschluss daran wird ein Nachweis der Declaração de Saúde do Viajante (DSV) zugeschickt. Diese ist ebenfalls beim Check-in vorzuweisen. Ein Beleg über eine in Brasilien gültige Auslandskrankenversicherung wird nicht mehr verlangt.

    Auf dem Luftweg können deutsche Geschäftsreisende und Touristen visumsfrei einreisen, um Kurzaufenthalte von bis zu 90 Tagen wahrzunehmen. Die Einreise auf dem Landweg wird Ausländern nur aus Paraguay gestattet. Zu beachten ist, dass Einreisen zur technischen Assistenz ein Arbeitsvisum erfordern. Ausländer dürfen nicht einreisen, wenn sie sich innerhalb der vergangenen 14 Tage in Indien, Südafrika oder im Vereinigten Königreich aufgehalten haben.

    In der Einstufung des Robert-Koch-Institutes wird Brasilien seit dem 19. Januar 2021 als Virusvarianten-Gebiet aufgeführt. Es gelten besondere Vorschriften für die Wiedereinreise nach Deutschland und die Verpflichtung zu einer 10-tägigen häuslichen Quarantäne. Weitere Informationen bieten das Bundesministerium für Gesundheit, die zuständigen Gesundheitsämter und die deutschen Vertretungen in Brasilien.

    Es gilt ein grundsätzliches Einreise- und Beförderungsverbot für Reisen aus Brasilien nach Deutschland. Auch die anderen EU-Staaten untersagen die Einreise für Brasilianer. Lufthansa und LATAM Airlines bieten Direktverbindungen zwischen Deutschland und São Paulo an, reduzierten jedoch die Flüge. Einige Länder wie Portugal, Italien, Frankreich und das Vereinigte Königreich setzten den Flugverkehr mit Brasilien zwischenzeitlich ganz aus.

    Keine Koordinierung der lokalen Restriktionen

    Brasilien legte keine landesweiten Quarantäneregelungen fest. Grundsätzlich ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Raum vorgeschrieben. Ein Mindestabstand von 1,5 m ist einzuhalten. Der Warenverkehr wird nicht eingeschränkt. Abgesehen von diesen Grundregeln unterscheiden sich die Restriktionen von Bundesstaat zu Bundesstaat. Auch Städte und Gemeinden treffen eigene Maßnahmen. Die Verwaltungen nutzen mehrstufige Ampelsysteme zur regionalen Differenzierung der Maßnahmen. São Paulo, der bevölkerungsreichste Bundesstaat und das Wirtschaftszentrum Brasiliens, reguliert die Quarantänemaßnahmen über den Plano São Paulo. Aufgrund unzureichender Tests erfolgen die Einstufungen nicht nur anhand der Fallzahlen, sondern auch anhand zusätzlicher Kriterien wie der Auslastung von Intensivbetten.

    Die Informationen über die lokalen Regelungen sind nicht überschaubar, zumal sich kurzfristige Änderungen ergeben. Die AHK São Paulo bietet eine Übersicht zu Quarantänemaßnahmen und anderen relevanten Themen auf einer Sonderseite. Auch die regionalen deutschen Auslandsvertretungen informieren über die aktuell geltenden Vorgaben. Vor einer Reise beziehungsweise der Reiseplanung sollten zudem konkrete Informationen beim Kunden oder Geschäftspartner vor Ort eingeholt werden.

    Unabhängig von den staatlichen Restriktionen halten viele Unternehmen strikte Schutzmaßnahmen ein und setzen ihre Mitarbeiter keinen vermeidbaren Risiken aus. Die Auslandshandelskammern bieten vorerst keine Präsenzveranstaltungen an, sondern beraten über zahlreiche Webinare und Webkonferenzen. Auch Messen und Geschäftsanbahnungsreisen werden virtuell abgehalten.

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen
    • Ausländer dürfen auf dem Luftweg nach Brasilien einreisen. Beim Check-in sind ein negatives PCR-Testergebnis und die Gesundheitserklärung bei der brasilianischen Gesundheitsbehörde nachzuweisen.
    • In Deutschland wird Brasilien als Virusvarianten-Gebiet behandelt. Der Test darf höchstens 48 Stunden vor der Einreise nach Deutschland erfolgt sein. Die USA untersagen Ausländern ohne Green Card, die sich in den vorangehenden 14 Tagen in Brasilien aufgehalten haben, die Einreise.
    • Aktuelle Informationen bieten die Deutsche Botschaft in Brasília, die Deutschen Generalkonsulate in São Paulo, Rio de Janeiro, Recife und Porto Alegre sowie die Brasilianische Botschaft in Berlin.
    • Beachten Sie die Reise- und Sicherheitshinweise für Brasilien des Auswärtigen Amtes und die Hinweise für die Einreise nach Deutschland


    Von Gloria Rose | São Paulo

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