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Neuseeland bekommt auch zweite Coronawelle in den Griff

Die lokale Ausbreitung des Virus konnte erneut eingedämmt werden. Die Wirtschaft steht jedoch vor einem schwierigen Jahr.


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Nach einem zweiten Lockdown im Großraum Auckland konnten die Maßnahmen wieder gelockert werden. (Stand: 25. September 2020)

    Neuseeland hatte die lokale Ausbreitung des Coronavirus bereits gestoppt. Über einen Zeitraum von 102 Tagen wurde keine örtliche Ansteckung nachgewiesen. Registrierte Fälle beschränkten sich auf die Quarantäneeinrichtungen für Einreisende aus dem Ausland.

    Am 11. August 2020 wurden jedoch vier neue lokale Coronafälle gemeldet. Die Vermutungen gehen dahin, dass das Virus aus einem Quarantänehotel entwichen ist. Aufgrund von Folgeinfektionen entwickelte sich aus diesem Ereignis ein neuer Corona-Cluster im Großraum Auckland.

    Zur Bekämpfung von COVID-19 arbeitet Neuseeland mit einem vierstufigen Notfallplan. Um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern, wurde Auckland zeitweise wieder in einen Lockdown der Stufe 3 versetzt. Im Rest des Landes galt die Stufe 2.

    Covid-19 Warnstufen in Neuseeland
    Quelle: Recherchen Germany Trade & Invest

    Warnstufe

    Geltende Restriktionen (Auswahl)

    1

    Keine Beschränkungen im Inland. Die Grenze ist für ausländische Reisende geschlossen.

    2

    Abstandsgebote von 1 bis 2  Metern im öffentlichen Raum und in Geschäften. Maximale Teilnehmerzahl bei Versammlungen und Veranstaltungen von 100 Personen.

    3

    Die eigene Wohnung darf nur aus wichtigem Grund verlassen werden, z. B. für den Gang zur Arbeit oder zum Einkaufen. Falls möglich muss Heimarbeit erfolgen. Geschäfte zur Deckung des täglichen Lebensbedarfs wie Supermärkte dürfen öffnen, der restliche Einzelhandel und Restaurants dürfen aber nur kontaktlosen Abholservice anbieten.

    4

    Strenger Lockdown: Die eigene Wohnung darf nur aus wichtigem Grund verlassen werden, z. B. zum Einkaufen von Lebensmitteln und Medikamenten. Schulen und andere öffentliche Einrichtungen, Unternehmen, Einzelhandel, Restaurants etc. sind geschlossen. Ausnahmen gelten nur für Bereiche, die als essentiell eingestuft sind, wie z. B. Supermärkte, Apotheken, Gesundheitseinrichtungen, Elektrizitätswerke und Nahrungsmittel produzierende Betriebe.


    Die Maßnahmen zeigten die erhoffte Wirkung. Der Ausbruch wurde schnell eingedämmt. Auckland konnte deshalb wieder in die Stufe 2 zurückgestuft werden. In öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen, Bahnen oder Taxis müssen jedoch weiter Masken getragen werden.

    In den übrigen Landesteilen sind hingegen im Rahmen der Stufe 1 alle Einschränkungen für das soziale Leben aufgehoben.

    Die ursprünglich für den 19. September 2020 geplante Parlamentswahl wurde um vier Wochen verschoben und wird nun am 17. Oktober 2020 stattfinden.

    Wirtschaftliches Zentrum leidet durch den zweiten Lockdown

    Die erneuten Maßnahmen zur Eindämmung der zweiten Welle wirken sich jedoch weiterhin auf die wirtschaftliche Aktivität in Auckland aus. Einzelhändler und Restaurantbetreiber berichten, dass die Innenstadt auch in der Stufe 2 deutlich leerer ist als vor der Coronakrise. Viele Angestellte arbeiten noch immer von zu Hause.

    Der Großraum mit rund 1,6 Millionen Einwohnern erwirtschaftet rund 40 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Dabei ist Auckland nicht nur Finanzzentrum, sondern mit seinen ausgedehnten Industriegebieten auch mit Abstand wichtigster Standort für das verarbeitende Gewerbe.

    Jedoch besteht die Hoffnung, dass sich das öffentliche Leben nach weiteren Lockerungen ähnlich schnell erholt, wie nach der Aufhebung des ersten Lockdown. Ab dem 26. März 2020 hatten landesweit für rund sieben Wochen die sehr strengen Warnstufen 3 und 4 gegolten.

    Dies war eine der weltweit härtesten Ausgangssperren und brachte das Geschäftsleben weitgehend zum Erliegen. Im 2. Quartal 2020 brach die Wirtschaftsleistung dadurch um 12,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ein.

    Nach der schrittweisen Öffnung ab dem 14. Mai 2020 setzte jedoch eine Normalisierung des Alltagslebens ein. Alle Beschäftigten konnten wieder an ihre Arbeitsplätze. Einzelhandel, Restaurants, Kinos oder Museen konnten unbeschränkt öffnen. Bei Rugbyspielen nahmen wieder Zuschauer in den Sportstadien Platz.

    In den Innenstädten von Auckland und Wellington war in Bezug auf die Geschäftigkeit kaum noch ein Unterschied zur Zeit vor dem Ausbruch der Pandemie zu spüren. So lag der Autoverkehr in Auckland Ende Juni 2020 wieder bei rund 90 Prozent des Vorjahresniveaus, in Wellington sogar bei 96 Prozent.

    Volkswirte erwarten schwere Rezession

    Prognosen der neuseeländischen Zentralbank (Reserve Bank of New Zealand (RBNZ)) gehen für 2020 von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 5,8 Prozent aus. Die Geschäftsbanken ASB und Westpac zeigen sich mit einem erwarteten Rückgang von 4,6 bzw. 4,8 Prozent etwas optimistischer.

    Für das Jahr 2021 rechnen die Währungshüter derzeit mit einem Wachstum von 5,1 Prozent. Westpac prognostiziert eine wirtschaftliche Erholung von 6 Prozent.

    Viele Unternehmen mussten sich bereits verschulden, um durch den langen ersten Lockdown zu kommen. Aufgrund von Konsolidierungszwängen und neuen Belastungen durch die zweite Infektionswelle dürfte sich die Privatwirtschaft deshalb mit Investitionen zurückhalten. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen nach Vorhersage der RBNZ im Jahr 2020 um rund 16,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sinken.

    Die konjunkturelle Abwärtsentwicklung macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Nach der offiziellen Arbeitslosenstatistik für das 2. Quartal 2020 herrscht mit einer Erwerbslosenquote von 4 Prozent zwar noch Vollbeschäftigung. Diese Zahlen zeichnen jedoch ein etwas verzerrtes Bild, da sie einen Wert für das Gesamtquartal darstellen.

    Nach Einschätzung von Analysten dürfte die tatsächliche Arbeitslosenquote gegen Ende Juni 2020 bereits bei rund 6 Prozent gelegen haben und könnte bis Jahresende auf 7 bis 8 Prozent steigen. Eine vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit könnte ein länger andauerndes Phänomen sein. Bis Ende 2021 wird aktuell nur ein Rückgang auf 6 bis 7 Prozent vorhergesagt.

    Regierung bringt großes Konjunkturprogramm auf den Weg

    Die Regierung nutzt den im Mai 2020 vorgestellten Staatshaushalt für das Finanzjahr 2020/21 (1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021), um mit dem Covid-19 Response and Recovery Fund Gelder für konjunkturbelebende Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Werden vorherige Rettungsmaßnahmen eingerechnet, pumpt die Regierung insgesamt umgerechnet rund 40 Milliarden US-Dollar in die Wirtschaft. Dies entspricht in etwa 20 Prozent des BIP. Wichtige Elemente sind ein beschleunigter Infrastrukturausbau sowie eine Forcierung des sozialen Wohnungsbaus mit 8.000 neuen Wohneinheiten.

    Ausreichender fiskalischer Spielraum ist vorhanden. Die staatliche Nettoverschuldung betrug 2019 nur rund 20 Prozent des BIP. Nachdem in den vergangenen Jahren ein Haushaltsüberschuss erzielt werden konnte, rutscht das Budget aufgrund von Einnahmeausfällen und krisenbedingten Maßnahmen jetzt jedoch tief ins Minus. Für 2020/21 wird ein Defizit von 9,6 Prozent des BIP erwartet. Ein Budgetüberschuss dürfte frühestens 2028 wieder möglich sein. Bis 2023/24 erwarten Ökonomen einen Anstieg der Staatsverschuldung auf etwa 54 Prozent des BIP.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Die neuseeländische Grenze ist für nicht absehbare Zeit geschlossen. Geplante Reisevereinbarungen mit anderen Staaten wie Australien verschieben sich. (Stand: 14. August 2020)

    Für ausländische Staatsangehörige ist die Einreise nach Neuseeland seit dem 20. März 2020 nicht mehr möglich. In begründeten Fällen kann eine Ausnahmegenehmigung bei der Einwanderungsbehörde Immigration New Zealand beantragt werden. Die Regierung hat dafür auch Regelungen für dringend benötigte Fachkräfte erlassen.

    Danach können "Other Critical Workers" eine Aufenthaltserlaubnis von bis zu sechs Monaten erhalten, wenn sie beispielsweise über technische Kenntnisse verfügen, die vor Ort nicht verfügbar sind oder die Arbeitskraft für die Durchführung wichtiger Vorhaben wie großer Infrastrukturprojekte benötigt wird. Eine längerfristige Aufenthaltserlaubnis kann beispielsweise erteilt werden, wenn die Fachkräfte mehr als das Doppelte des nationalen Medianeinkommens verdienen. Dazu muss das Jahresgehalt einen Betrag von NZ$ 106.080 überschreiten.

    Weiterhin möglich ist die Einreise für neuseeländische Staatsbürger und Inhaber einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis (Permanent Residents). Diese müssen sich jedoch direkt nach Grenzübertritt für 14 Tage in eine verbindlich angeordnete Quarantäne begeben. Dazu hat die Regierung eigens Hotelzimmer angemietet.

    Grundsätzlich übernimmt die Regierung die Kosten für die Quarantäne. In einigen Fällen wird aber mittlerweile eine Gebühr von 3.100 $NZ für Alleinreisende erhoben. Dies gilt beispielsweise für Reisende mit einem vorübergehenden Aufenthaltstitel, die mit Ausnahmegenehmigung einreisen.

    Die Grenzschließung für den allgemeinen Reiseverkehr dürfte noch viele Monate anhalten. Mit einer weitgehenden Lockerung der Einreisebeschränkungen ist erst nach der Verfügbarkeit eines Impfstoffes zu rechnen.

    Aktuelle Informationen zu Einreisebeschränkungen


    Zwischen den Regierungen von Neuseeland und Australien hatte es in den vergangenen Monaten Gespräche über die mögliche Einführung einer sogenannten Trans-Tasman Bubble gegeben. Gemeint ist damit die Wiedereröffnung des grenzüberschreitenden Flugverkehrs über die die beiden Länder trennende Tasmanische See.

    Aufgrund des neuerlichen Aufflammens von Coronafällen in den beiden Staaten wurde der mögliche Starttermin jedoch auf frühestens Ende 2020 verschoben. Eine weitere bilaterale Reiseblase wird mit den Cookinseln angestrebt.

    Aufgrund der in Auckland geltenden Covid-19 Warnstufe 3 ist das größte Ballungszentrum Neuseelands noch bis zum 30.August 2020 vom Rest des Landes abgeschnitten. Danach werden Geschäfts- und Urlaubsreisen wieder landesweit möglich sein.


    Von Heiko Stumpf | Sydney

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Die neuseeländische Regierung unterstützt Unternehmen bei der Weiterbeschäftigung von Arbeitnehmern. Auch zusätzliche Liquidität wird bereitgestellt. (Stand: 17. August 2020)

    Insgesamt stellt die neuseeländische Regierung im Rahmen ihrer Covid-19-Maßnahmen rund 40 Milliarden US-Dollar (US$, 62 Milliarden Neuseeland-Dollar, $NZ, 1 NZ$ = 0,6499 US$ ) bereit, dies entspricht etwa 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

    Kernstück ist der mit dem Staatshaushalt 2020/21 (Juli bis Juni) vorgestellte Covid-19 Response and Recovery Fund. Dieser dient neben der Finanzierung von Rettungsmaßnahmen auch zur Umsetzung von Programmen zur Stimulierung der Wirtschaft.

    Bislang sind die über den Covid-19 Response and Recovery Fund zur Verfügung stehenden Mittel noch nicht vollständig ausgeschöpft. Einen Betrag von umgerechnet rund 9 Milliarden hält die Regierung als Reserve vor, um auf unvorhergesehene Entwicklungen wie eine zweite Infektionswelle reagieren zu können.

    Maßnahmen zur unmittelbaren Bewältigung der Krise

    Das Hauptelement bei den Rettungsbemühungen bilden Lohnzuschüsse für Unternehmen, die aufgrund der Coronakrise Umsatzeinbrüche von mindestens 40 Prozent erleiden. Dabei gewährt die Regierung für Vollzeitangestellte (mehr als 20 Wochenstunden) einen wöchentlichen Lohnzuschuss von 585,80 $NZ. Für Teilzeitkräfte werden 350 $NZ pro Woche gezahlt. Voraussetzung ist, dass die betroffenen Arbeitnehmer weiterbeschäftigt werden und mindestens 80 Prozent ihres üblichen Gehalts bekommen.

    Neuanträge für den Bezug der Lohnzuschüsse sind noch bis zum 1. September 2020 möglich und erfolgen über Work and Income New Zealand. Die Auszahlung der Lohnzuschüsse ist auf einen Zeitraum von acht Wochen begrenzt.

    Die Nachfrage nach den Lohnzuschüssen ist enorm. Bislang wurden insgesamt über 1,7 Millionen Arbeitsplätze gefördert, was rund 60 Prozent aller Beschäftigten des Landes entspricht. Die Gesamtausgaben beliefen sich zu Ende Juli 2020 bereits auf rund 8,5 Milliarden US$.

    Als Reaktion auf den erneuten Covid-19 Ausbruch im Großraum Auckland und dem damit verbundenen verbundenen Shutdown der größten Wirtschaftsmetropole des Landes, verkündete Schatzminister Grant Robertson am 17. August 2020 eine Verlängerung der Maßnahme. Dadurch können Unternehmen, welche bereits Lohnzuschüsse erhalten, eine zusätzliche Bezugsdauer von 2 Wochen beantragen.

    Voraussetzung ist, dass der erforderliche Umsatzrückgang von mindestens 40 Prozent für 14 aufeinander folgende Tage im Zeitraum 12. August 2020 bis 14. September 2020 nachgewiesen werden kann. Entsprechende Anträge können ab dem 21. August 2020 gestellt werden.

    Zudem stellt die Regierung über verschiedene Instrumente auch Liquiditätshilfen bereit.

    Liquiditätshilfen für Unternehmen in Neuseeland
    Quelle: Recherechen Germany Trade & Invest

    Maßnahme

    Anmerkung

    Business Finance Guarantee Scheme

    Ermöglicht Kreditgarantien für Unternehmen. Dabei wird eine Staatsgarantie für 80 Prozent der vergebenen Kredite bis zu einer Darlehenssumme von maximal 5 Millionen $NZ gewährt. Antragsberechtigt sind Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 200 Millionen $NZ.

    Small Business Cashflow Scheme

    Zinslose Kredite für Kleinunternehmen mit nicht mehr als 50 Beschäftigten. Dabei können maximal 100.000 $NZ verliehen werden, die innerhalb von zwölf Monaten zurückgezahlt werden müssen. Wenn der Tilgungszeitraum 12 Monate übersteigt, fällt ein Zinssatz von 3 Prozent an.

    Business Debt Hibernation

    Unternehmen können eine Stundung von Krediten für einen Zeitraum von sieben Monaten beantragen.

    Damit im Rahmen des Business Finance Guarantee Scheme ausreichend Liquidität zur Verfügung gestellt werden kann, wurde seitens der Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) ein begleitendes Kreditprogramm für die Geschäftsbanken geschnürt (zum Zins von 0,25 Prozent über drei Jahre).

    Maßnahmen zur wirtschaftlichen Wiederbelebung

    Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, setzt die Regierung auf Impulse durch den staatlichen Infrastrukturausbau. Bereits im Januar 2020 verkündete die Regierung das mit rund 8,8 Milliarden US$ dotierte New Zealand Upgrade Programme.

    Im Rahmen der coronabedingten Konjunkturmaßnahmen wird dieses Ausgabenprogramm noch einmal um 2 Milliarden US$ aufgestockt. Die Gelder fließen vor allem in Verkehrsprojekte wie den Straßenbau in Auckland oder die Modernisierung des Schienennetzes. Weitere 3,2 Milliarden US$ werden für den Bau von 8.000 staatlich geförderten Wohnungen ausgegeben.

    Die Notenbank RBNZ greift im Kampf gegen die Folgen von COVID-19 zu drastischen Mitteln. Sie senkte ihren Leitzins auf einen historischen Tiefstand von 0,25 Prozent. Erstmals in ihrer Geschichte startete die RBNZ auch mit Ankäufen von Staatsanleihen. Im August 2020 verkündete die RBNZ, das Volumen ihres Aufkaufprogramms auf bis zu 100 Milliarden $NZ zu erhöhen.

    In sektoraler Hinsicht wird vor allem der Tourismussektor gefördert. Der Markt mit den zuletzt etwa 3,9 Millionen ausländischen Besuchern pro Jahr ist durch die geschlossene Grenze vollständig zum Erliegen gekommen. Über das Tourism Recovery Package werden deshalb Hilfen in Höhe von 260 Millionen US$  zur Verfügung gestellt.

    Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen

    Die Regierung wird auch auf der steuerlichen Seite aktiv. So können Unternehmen Verluste aus dem Geschäftsjahr 2019/20 und dem Geschäftsjahr 2020/21 mit Gewinnen aus der jeweiligen Vorperiode verrechnen (Verlustrücktrag).

    Zudem werden die Möglichkeiten für eine Sofortabschreibung verbessert. Bis zum 16. März 2021 können angeschaffte Investitionsgüter mit einem Wert von bis zu 5.000 $NZ sofort abgeschrieben werden. Ab dem 17. März 2020 liegt der Schwellenwert bei 1.000 $NZ (ursprünglich galt ein Betrag von 500 $NZ).

    Die R&D Tax Incentive bietet Steuergutschriften in Höhe von 15 Prozent der förderfähigen Forschungsausgaben (bis maximal 120 Millionen $NZ). Zudem wurde ein R&D Loan Scheme für forschungsintensive Unternehmen aufgesetzt. Dieses bietet vergünstigte Kredite bis maximal 100.000 $NZ.

    Weitere Informationen dazu gibt es bei der Steuerbehörde Inland Revenue.

    Zugang zu Fördermitteln für deutsche Firmen

    Die Förderprogramme stehen grundsätzlich allen Unternehmen mit Sitz oder Niederlassung in Neuseeland offen, so dass auch Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen berechtigt sind.

    Öffentliche Verschuldung

    Der Staatshaushalt rutscht durch die zahlreichen Maßnahmen der Regierung und die krisenbedingten Mindereinnahmen tief ins Minus. Für das Haushaltsjahr 2020/21 wird ein Defizit von 9,6 Prozent des BIP erwartet. Die staatliche Nettoverschuldung betrug 2019 jedoch nur rund 20 Prozent des BIP, sodass fiskalischer Spielraum vorhanden ist. Bis 2023/24 erwarten Ökonomen einen Anstieg der Staatsverschuldung auf etwa 54 Prozent des BIP.


    Von Heiko Stumpf | Sydney

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Der Frachtverkehr läuft ohne große Einschränkungen. Die auf den Export ausgerichtete Agrarwirtschaft dürfte unter schwächerer Nachfrage leiden. (Stand: 10. Juni  2020)

    Der Logistiksektor ist in allen Warnstufen des Notfallplans für COVID-19 als essentielle Dienstleistung anerkannt. Die Seehäfen des Landes sind geöffnet und die Abfertigung von Importen und Exporten findet statt.

    Kapazitätsengpässe gibt es im Bereich der Luftfracht, da fast alle internationalen Linienflüge von und nach Neuseeland gestrichen sind. Die Anzahl der internationalen Flüge nach Neuseeland ging durch Schließung der Grenzen von rund 600 auf etwa 90 pro Woche zurück. Dadurch steigen die Kosten. Exporteure berichten, dass beispielsweise die Preise für Luftfracht nach Südkorea um etwa 250 Prozent höher liegen als vor der Pandemie. Auch beim Warenimport wird von Luftfrachtpreisen berichtet, die um das Drei- bis Fünffache gestiegen sind.

    Durch das International Airfreight Capacity (IAFC) Scheme unterstützt die Regierung zusätzliche Frachtflüge, wovon insbesondere Exporteure verderblicher Waren profitieren sollen. Bislang wurden im Rahmen des IAFC Aufträge für insgesamt 58 Cargo-Flüge pro Woche vergeben, die unter anderem Australien, China, Japan, Taiwan und die USA ansteuern. Zur Unterstützung von Importen wurde eine zum 1. Juni 2020 geplante Erhöhung der Zollgebühren verschoben.

    Sinkende Weltmarktpreise gefährden Agrar- und Lebensmittelexporte

    Neuseelands Wirtschaft ist stark auf den Export von Agrarerzeugnissen ausgerichtet. Über 70 Prozent der neuseeländischen Warenausfuhren entfallen auf land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse oder verarbeitete Lebensmittel. Mit dem Unternehmen Fonterra ist Neuseeland der weltweit größte Exporteur von Molkereiprodukten. Weitere wichtige Ausfuhrgüter sind Lammfleisch, Wolle, Rindfleisch sowie Obst und Gemüse.

    Dabei dürfte Neuseeland davon profitieren, dass die Nachfrage nach Nahrungsmitteln grundsätzlich weniger schwankungsanfällig ist als für viele langlebige Güter wie Kfz oder Elektronikgeräte. Nach neuesten Prognosen des Agrarministeriums sollen sich die Agrarexporte im laufenden Finanzjahr 2019/20 (Juni bis Juli) auch noch stabil entwickeln (+0,5 Prozent).

    Mittelfristig dürfte sich die wirtschaftliche Rezession in den Abnehmerländern jedoch bemerkbar machen, insbesondere durch sinkende Weltmarktpreise. So prognostiziert die ANZ Bank, dass die Milchpreise 2020/21 um etwa 20 Prozent fallen. Dadurch muss sich Neuseeland auf sinkende Exporterlöse einstellen.

    Insgesamt besteht eine große Abhängigkeit von den Entwicklungen in China. Das Reich der Mitte war 2019 mit einem Anteil von 28 Prozent der wichtigste Exportabnehmer für Neuseeland. Die Rindfleischexporte gingen sogar fast zur Hälfte in die Volksrepublik.

    Aktuelle Zollinformationen in deutscher Sprache

    Angesichts der Coronapandemie erlassen Staaten weltweit besondere Maßnahmen für den Warenverkehr. Welche Änderungen Sie beim Warenimport und -export beachten sollten, lesen Sie in unserer Berichterstattung zu Neuseeland.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

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