Special Neuseeland Wege aus der Coronakrise

Wege aus der Coronakrise

Neuseeland meistert Coronapandemie vergleichsweise gut

Die Regierung konnte die Kontaktbeschränkungen aufheben. Die Wirtschaft soll 2021 wieder kräftig wachsen. Eine Einreise ist nur in Ausnahmefällen möglich.


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Nach der Eliminierung von Covid-19 herrscht in Neuseeland normales Alltagsleben. Die Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet. (Stand: 25. Juni 2021)

    Neuseeland konnte die lokale Ausbreitung des Coronavirus erfolgreich stoppen. Registrierte Fälle beschränken sich fast vollständig auf die Quarantäneeinrichtungen für Einreisende aus dem Ausland.

     

    Zur Bekämpfung von Covid-19 arbeitet Neuseeland mit einem vierstufigen Notfallplan. Seit Oktober 2020 gilt landesweit weitgehend die niedrigste Stufe 1.

    In Verbindung mit den Quarantänehotels können vereinzelt lokale Infektionsketten ausgelöst werden. Im Februar und März 2021 galt in Auckland deshalb für einige Tage wieder die Warnstufe 3, was zu negativen Auswirkungen für die Wirtschaft führte. Der Großraum Auckland mit rund 1,6 Millionen Einwohnern erwirtschaftet etwa 40 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Dabei ist Auckland nicht nur ein Finanzzentrum, sondern mit seinen ausgedehnten Industriegebieten auch mit Abstand wichtigster Standort für das verarbeitende Gewerbe.

    Covid-19-Warnstufen in Neuseeland

    Warnstufe

    Geltende Restriktionen (Auswahl)

    1

    Keine Beschränkungen im Inland. Die Grenze ist für ausländische Reisende geschlossen.

    2

    Abstandsgebote von 1 bis 2 Metern im öffentlichen Raum und in Geschäften. Maximale Teilnehmerzahl bei Versammlungen und Veranstaltungen von 100 Personen.

    3

    Die eigene Wohnung darf nur aus wichtigem Grund verlassen werden, z. B. für den Gang zur Arbeit oder zum Einkaufen. Falls möglich muss Heimarbeit erfolgen. Geschäfte zur Deckung des täglichen Lebensbedarfs wie Supermärkte dürfen öffnen, der restliche Einzelhandel und Restaurants dürfen aber nur kontaktlosen Abholservice anbieten.

    4

    Strenger Lockdown: Die eigene Wohnung darf nur aus wichtigem Grund verlassen werden, z. B. zum Einkaufen von Lebensmitteln und Medikamenten. Schulen und andere öffentliche Einrichtungen, Unternehmen, Einzelhandel, Restaurants etc. sind geschlossen. Ausnahmen gelten nur für Bereiche, die als essenziell eingestuft sind, wie z. B. Supermärkte, Apotheken, Gesundheitseinrichtungen, Elektrizitätswerke und Nahrungsmittel produzierende Betriebe.

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Von kurzen Lockdowns abgesehen sind die Einschränkungen für das wirtschaftliche und soziale Leben weitgehend aufgehoben. Alle Beschäftigten können wieder an ihre Arbeitsplätze. Der Einzelhandel, Restaurants, Kinos oder Museen öffnen unbeschränkt. Bei Rugbyspielen nehmen wieder Zuschauer in den Sportstadien Platz. Die Geschäftigkeit in den Innenstädten von Auckland und Wellington nahm dadurch deutlich zu, die Einkaufsstraßen und Shoppingmalls sind wieder belebt.

    Rezession fällt vergleichsweise milde aus

    Im Jahr 2020 schrumpfte das neuseeländische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um real 2,9 Prozent. Als Reaktion auf die erste Infektionswelle hatten ab dem 26. März 2020 landesweit für rund sieben Wochen die sehr strengen Warnstufen 3 und 4 gegolten. Dies war eine der weltweit härtesten Ausgangssperren, die das Geschäftsleben weitgehend zum Erliegen brachte. Der Lockdown zeigte jedoch den gewünschten Erfolg. Da die Wirtschaft schnell wieder geöffnet werden konnte, zählt Neuseeland zu den Staaten, die mit am besten durch die Krise kommen.

    Für 2021 rechnen Volkswirte mit einer breiten Erholung. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet eine BIP-Steigerung von 3,5 Prozent. Die Geschäftsbank Westpac zeigt sich aufgrund guter Konjunkturdaten für das 1. Quartal 2021 besonders optimistisch und prognostiziert für das Gesamtjahr sogar ein Plus von 5,6 Prozent.

    Als Wachstumsstütze erweist sich insbesondere der private Konsum. Die Verbraucherausgaben stiegen nach der Lockerung der Coronamaßnahmen wieder schnell auf das Vorkrisenniveau an. Neuseeländer sind sehr reisefreudig und leisten sich deshalb gerne Flüge zu Zielen in Übersee. Aufgrund der geschlossenen Landesgrenze fließen Teile dieser Gelder nun in den lokalen Einzelhandel, wovon insbesondere der Absatz von Haushaltswaren und Elektronik profitiert.

    Dabei hilft, dass ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit vermieden werden konnte. Im 1. Quartal 2021 lag die Erwerbslosigkeit bei 4,7 Prozent. Bis 2022 wird ein weiterer Rückgang auf etwa 4 Prozent erwartet.

    Tourismussektor leidet unter Grenzschließung

    Umgekehrt leidet die wichtige Tourismusbranche nachhaltig unter der Coronakrise. Vor der Pandemie trug die Branche als wichtigster Exportsektor rund 6 Prozent zur BIP-Entstehung bei. Nun fällt das Geschäft mit den in der Regel etwa 4 Millionen internationalen Gästen pro Jahr komplett aus. Zwar steigt der Inlandstourismus, doch dieser kann die milliardenschweren Verluste nicht voll kompensieren.

    Die Regierung will die Grenze erst dann wieder für internationale Reisende öffnen, wenn in der lokalen Bevölkerung durch eine erfolgreiche Impfkampagne die Herdenimmunität erreicht ist. Deshalb ist erst ab Anfang 2022 mit einer Erholung im Tourismussektor zu rechnen.

    Leicht positive Effekte hat eine Reiseblase mit dem Nachbarn Australien, die seit dem 19. April 2021 gilt. Allerdings wird sie häufig ausgesetzt, da es in Australien immer wieder neue Infektionsherde in den großen Metropolen gibt. Besucher aus Down Under trugen zuletzt rund ein Viertel zu den neuseeländischen Tourismuseinnahmen bei.

    Wohnungsbau und Landwirtschaft florieren

    Der Wohnungsbau läuft auf Hochtouren. Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums in den vergangenen Jahren herrscht in Neuseeland Wohnungsmangel. Mit knapp 39.000 Wohneinheiten erreichte die Anzahl der erteilten Baugenehmigungen 2020 einen neuen Rekord.

    Die Regierung forciert den sozialen Wohnungsbau und will in den kommenden fünf Jahren 8.000 neue Wohneinheiten errichten. Insgesamt stehen umgerechnet rund 3,2 Milliarden US-Dollar (US$) zur Verfügung. Mit dem im März 2021 vorgestellten Housing Acceleration Fund werden zusätzliche 2,4 Milliarden US$ ausgeschüttet. Die Gelder fließen in die Erschließung von neuem Bauland, insbesondere für begleitende Infrastruktur wie Zugangsstraßen oder Abwasser- und Wasserleitungen.

    Gute Stimmung herrscht auch im Agrarsektor. Analysten zufolge könnten die Milchpreise in der Saison 2021/22 ein Niveau von etwa 8 Neuseeland-Dollar (NZ$) pro Kilogramm Milchfeststoffe (kgMS) erreichen. Der Break-Even-Point liegt bei rund 5,90 NZ$ pro kgMS.

    In der Molkereiwirtschaft soll sich die Produktion in den kommenden Jahren relativ konstant entwickeln. Neuseeland ist der weltgrößte Exporteur von Vollmilchpulver. Die Unternehmen dürften aber weiter in die Erhöhung ihrer Wertschöpfung und in die Herstellung von Endprodukten wie Käse oder Butter investieren. So gibt beispielsweise Westland Milk rund 25 Millionen US$ für die Verdopplung der Butterproduktion in der Hokita Molkerei aus. Angestrebt werden 42.000 Tonnen pro Jahr.

    Der Anbau von Obst und Gemüse verzeichnet weiterhin hohe Flächenzuwächse. Für Äpfel und Birnen wird bis 2030 ein Anstieg der bepflanzten Fläche von zurzeit etwa 10.800 Hektar auf rund 15.000 Hektar erwartet. Auch der Anbau von Kiwifrüchten und Avocados expandiert.

    Die gute Einnahmeentwicklung in der neuseeländischen Landwirtschaft dürfte auch dem Absatz von Landtechnik zugutekommen. Die Verkaufszahlen von Traktoren könnten 2021 zweistellig wachsen.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Die neuseeländische Regierung forciert den Infrastrukturausbau. Unternehmen profitieren von Liquiditätshilfen und steuerlichen Erleichterungen. (Stand: 25. Juni 2021)

    Insgesamt stellt die neuseeländische Regierung im Rahmen ihrer Covid-19-Maßnahmen rund 40 Milliarden US-Dollar (US$; knapp 62 Milliarden Neuseeland-Dollar, NZ$) bereit. Dies entspricht etwa 20 Prozent des neuseeländischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

    Kernstück ist der mit dem Staatshaushalt für das Finanzjahr 2020/21 (Juli bis Juni) vorgestellte Covid-19 Response and Recovery Fund. Der Fonds finanziert Rettungsmaßnahmen und fördert die Umsetzung von Programmen zur Stimulierung der Wirtschaft. Bislang sind die zur Verfügung stehenden Mittel noch nicht vollständig ausgeschöpft. Einen Teilbetrag von umgerechnet rund 3,3 Milliarden US$ hält die Regierung als Puffer zurück, um auf unvorhergesehene Entwicklungen wie erneute Infektionswellen reagieren zu können.

    Impfplan Neuseelands

    Neuseeland hat insgesamt 10 Millionen Impfdosen von Pfizer/BioNTech eingekauft. Dies reicht aus, um der gesamten Bevölkerung (auf freiwilliger und kostenloser Basis) ein Impfangebot zu machen. Für weitere 8,5 Millionen Dosen besteht ein Vorvertrag. Zudem hat Neuseeland Verträge mit den Anbietern AstraZeneca, Novavax und Janssen Pharmaceutica über die mögliche Lieferung von Impfstoff abgeschlossen.


    Der Start der Impfkampagne erfolgte im Februar 2021. Zur Priorisierung der Bevölkerungsgruppen arbeitet Neuseeland mit einem vierstufigen Impfplan. Seit Mai 2021 werden Personen der Gruppe 3 geimpft, welche Personen über 65 Jahre sowie Menschen mit Vorerkrankungen umfasst. Zuvor wurden vorrangig bereits die Grenzbeamten, das Personal in den Quarantänehotels sowie Beschäftigte im Gesundheitssektor und Pflegeheimbewohner geimpft. Die Immunisierung der Bevölkerung soll spätestens bis Jahresende 2021 abgeschlossen sein.

    Regierung fördert den Infrastrukturausbau

    Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, setzt die Regierung auf Impulse durch den staatlichen Infrastrukturausbau. Mit dem Staatshaushalt 2021/22 werden die für die kommenden vier Jahre geplanten Ausgaben von umgerechnet circa 30 Milliarden US$ auf etwa 37 Milliarden US$ erhöht. Die Gelder fließen in eine Reihe von großen Programmen.

    Das mit rund 5,6 Milliarden US$ dotierte New Zealand Upgrade Programme setzt den Fokus auf den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Zudem investiert die Regierung in den Bau von 8.000 staatlich geförderten Wohnungen und stellt über den Housing Acceleration Fund rund 2,4 Milliarden US$ für die Erschließung von Bauland bereit.

    In sektoraler Hinsicht wird vor allem die Tourismusbranche gefördert. Der Markt mit den zuletzt etwa 3,9 Millionen ausländischen Besuchern pro Jahr ist durch die geschlossene Grenze vollständig zum Erliegen gekommen. Über das Tourism Recovery Package werden deshalb Hilfen in Höhe von 260 Millionen US$ zur Verfügung gestellt.

    Unternehmen erhalten Steuervergünstigungen und Liquiditätshilfen

    Die Regierung wird auch auf der steuerlichen Seite aktiv. So können Unternehmen Verluste aus dem Geschäftsjahr 2019/20 und dem Geschäftsjahr 2020/21 mit Gewinnen aus der jeweiligen Vorperiode verrechnen (Verlustrücktrag).

    Zudem werden die Möglichkeiten für eine Sofortabschreibung verbessert. Bis zum 16. März 2021 konnten angeschaffte Investitionsgüter mit einem Wert von bis zu 5.000 NZ$ sofort abgeschrieben werden. Seit dem 17. März 2021 liegt der Schwellenwert bei 1.000 NZ$ (ursprünglich galt ein Betrag von 500 NZ$). Zudem ist seit dem Finanzjahr 2020/21 eine steuerliche Abschreibung für gewerbliche Gebäude möglich.

    Das R&D Tax Incentive bietet Steuergutschriften in Höhe von 15 Prozent der förderfähigen Forschungsausgaben (bis maximal 120 Millionen NZ$). Zudem wurde ein R&D Loan Scheme für forschungsintensive Unternehmen aufgesetzt. Dieses bietet vergünstigte Kredite bis maximal 100.000 NZ$. Weitere Informationen dazu gibt es bei der Steuerbehörde Inland Revenue.

    Die Regierung stellt über verschiedene Instrumente Liquiditätshilfen für kleine und mittlere Unternehmen bereit. Das Hauptelement ist das Business Finance Guarantee Scheme, für welches noch bis zum 30. Juni 2021 neue Anträge gestellt werden können.

    Liquiditätshilfen für Unternehmen in Neuseeland

    Maßnahme

    Anmerkung

    Business Finance Guarantee Scheme

    Ermöglicht Kreditgarantien für Unternehmen. Dabei wird eine Staatsgarantie für 80 Prozent der vergebenen Kredite bis zu einer Darlehenssumme von maximal 5 Millionen NZ$ gewährt. Antragsberechtigt sind Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 200 Millionen NZ$.

    Small Business Cashflow Scheme

    Zinslose Kredite für Kleinunternehmen mit nicht mehr als 50 Beschäftigten. Dabei können maximal 100.000 NZ$ verliehen werden, die innerhalb von zwölf Monaten zurückgezahlt werden müssen. Wenn der Tilgungszeitraum 12 Monate übersteigt, fällt ein Zinssatz von 3 Prozent an.

    Business Debt Hibernation

    Unternehmen können eine Stundung von Krediten für einen Zeitraum von sieben Monaten beantragen.

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Damit im Rahmen des Business Finance Guarantee Scheme ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, wurde seitens der Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) ein begleitendes Kreditprogramm für die Geschäftsbanken geschnürt (zum Zins von 0,25 Prozent über drei Jahre).

    Zudem senkte die RBNZ ihren Leitzins auf einen historischen Tiefstand von 0,25 Prozent. Erstmals in ihrer Geschichte begann die Bank mit Ankäufen von Staatsanleihen. Im August 2020 verkündete sie, das Volumen ihres Aufkaufprogramms auf bis zu 100 Milliarden NZ$ zu erhöhen.

    Lohnzuschüsse gibt es nur noch in Sonderfällen

    Während des Höhepunkts der Coronakrise gewährte die Regierung auch Lohnzuschüsse für Unternehmen, die aufgrund der Pandemie Umsatzeinbrüche von mindestens 40 Prozent erlitten. Dabei wurde für Vollzeitangestellte mit mehr als 20 Wochenstunden Arbeitszeit ein wöchentlicher Zuschuss von 585,80 NZ$ gewährt. Für Teilzeitkräfte wurden 350 NZ$ pro Woche gezahlt. Anträge für die Lohnzuschüsse erfolgten über Work and Income New Zealand, sind aber seit dem 1. September 2020 nicht mehr möglich.

    Ausnahmen gibt es für Unternehmen, die aufgrund vereinzelter Infektionsherde von regionalen Lockdown-Maßnahmen betroffen sind. Dies gilt beispielsweise für Firmen in Auckland, die von den Kurz-Lockdowns Anfang 2021 betroffen waren.

    Ein fortlaufendes Förderprogramm ist das Covid-19 Leave Support Scheme. Dieses Programm gewährt Lohnzuschüsse für Arbeitnehmer, die sich in Quarantäne begeben müssen und bezieht sich insbesondere auf Covid-19-Verdachtsfälle und Personen, die mit solchen Verdachtsfällen in Kontakt standen.

    Arbeitgeber bekommen für Vollzeitkräfte (Arbeitszeit von mehr als 20 Wochenstunden), die nicht von zu Hause arbeiten können, pro Woche 585,80 NZ$ ausgezahlt. Für Teilzeitkräfte sind es 350 NZ$ pro Woche. Dabei müssen die Arbeitgeber jedoch weiterhin mindestens 80 Prozent des regulären Arbeitsentgeltes an die betroffenen Arbeitnehmer entrichten.

    Öffentliche Verschuldung steigt massiv an

    Nachdem Neuseeland in den vergangenen Jahren einen Haushaltsüberschuss erzielen konnte, rutscht das Budget aufgrund von Einnahmeausfällen und den krisenbedingten Maßnahmen jetzt tief ins Minus. Für das Haushaltsjahr 2020/21 wird ein Defizit von 4,5 Prozent des BIP erwartet. Ein Budgetüberschuss dürfte frühestens 2025 wieder möglich sein. Ökonomen erwarten einen deutlichen Anstieg der neuseeländischen Staatsverschuldung von vergleichsweise sehr niedrigen 20 Prozent des BIP im Jahr 2019 auf einen Höchstwert von etwa 48 Prozent im Zeitraum 2022/23.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Die neuseeländische Grenze ist für nicht absehbare Zeit geschlossen. Eine geplante Reisevereinbarung mit Australien ist im April gestartet. (Stand: 25. Juni 2021)

    Für ausländische Staatsangehörige ist die Einreise nach Neuseeland seit dem 20. März 2020 nicht mehr möglich. In begründeten Fällen kann eine Ausnahmegenehmigung bei der Einwanderungsbehörde Immigration New Zealand beantragt werden.

    Die Regierung hat auch Regelungen für dringend benötigte Fachkräfte erlassen. Danach können sogenannte Other Critical Workers eine Aufenthaltserlaubnis von bis zu sechs Monaten erhalten, wenn sie beispielsweise über technische Kenntnisse verfügen, die vor Ort nicht verfügbar sind, oder sie für wichtige Vorhaben wie etwa große Infrastrukturprojekte benötigt werden. Eine längerfristige Aufenthaltserlaubnis kann unter anderem erteilt werden, wenn die Fachkräfte mehr als das Doppelte des nationalen Medianeinkommens verdienen. Dazu muss das Jahresgehalt einen Betrag von 106.080 Neuseeland-Dollar (NZ$) überschreiten.

    Weiterhin möglich ist die Einreise für neuseeländische Staatsbürger und Inhaber einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis (Permanent Residents). Diese müssen sich jedoch direkt nach Grenzübertritt für 14 Tage in eine verbindlich angeordnete Quarantäne begeben. Dazu hat die Regierung eigens Hotelzimmer angemietet.

    Grundsätzlich übernimmt die Regierung die Kosten für die Quarantäne. In einigen Fällen wird aber mittlerweile eine Gebühr von 3.100 NZ$ für Alleinreisende erhoben. Dies gilt beispielsweise für Reisende mit einem vorübergehenden Aufenthaltstitel, die mit einer Ausnahmegenehmigung einreisen.

    Bis auf wenige Ausnahmen wird von allen Reisenden vor Abflug der Nachweis eines negativen Covid-19-Tests verlangt.

    Erste Travel Bubbles in Kraft

    Die Grenzschließung für den allgemeinen Reiseverkehr dürfte noch viele Monate anhalten. Am 19. April 2021 fiel jedoch der Startschuss für die lange geplante trans-Tasman Travel Bubble. Reisende aus Australien können nun wieder ohne Einschränkungen und ohne verbindlichen Quarantäneaufenthalt nach Neuseeland fliegen.

    Die Fluggesellschaft Air New Zealand steuert bereits wieder neun Zielflughäfen im Nachbarland an und kann damit bis zu 70 Prozent der Vorkrisen-Kapazität nach Down Under anbieten. Auch die australische Fluglinie Qantas erhöht ihr Angebot. Sobald es in einem der beiden Staaten zu neuen Infektionen kommt, wird die Reiseblase jedoch ausgesetzt. Dies war bereits mehrfach der Fall, beispielsweise aufgrund neuer Coronacluster in Sydney und Melbourne. Seit Mai 2021 besteht außerdem eine bilaterale Reiseblase mit den Cookinseln.

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Da in Neuseeland derzeit landesweit nur die Covid-19-Warnstufe 1 gilt, sind alle inländischen Geschäfts- und Urlaubsreisen ohne Einschränkung möglich.

    Frachtverkehr leidet unter Einschränkungen

    Gesetzliche Beschränkungen für den Warenverkehr gibt es keine. Die Seehäfen des Landes sind geöffnet und die Abfertigung von Importen und Exporten findet statt. Allerdings kann es in den Lieferketten von Unternehmen zu deutlichen zeitlichen Verzögerungen kommen.

    Die Reedereien haben ihren Linienverkehr nach Ozeanien ausgedünnt. Dies gilt insbesondere für die Route durch die Tasmanische See zwischen Australien und Neuseeland. Ein Grund wird darin gesehen, dass die Schifffahrtsunternehmen ihre Kapazitäten wegen der globalen Engpässe auf die Hauptfrachtrouten zwischen Asien, Europa und Nordamerika konzentrieren.

    Neuseeländische Unternehmen beklagen, dass Frachtschiffe zu selten oder mit zeitlicher Verspätung anlegen. Insbesondere kommen zu wenige leere Container für den Export an. In wichtigen Zentren des Obst- und Gemüseanbaus wie Nelson oder Hawke's Bay sind die Kühllager überfüllt, da große Mengen von Kiwifrüchten, Äpfeln oder Avocados auf den Export warten. Einzelhändler oder Kfz-Werkstätten wiederum leiden unter verspäteten Lieferungen aus Übersee.

    Zudem gibt es operative Schwierigkeiten im Hafen von Auckland, da sich ein Projekt zur Automatisierung des Containerterminals verzögert. Dadurch ist der laufende Betrieb beeinträchtigt.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

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