RF_Getty_622853146_RZ_1340x754 RF_Getty_622853146_RZ_1340x754 | © Bangkok, Thailand - Blick auf das Sieg-Denkmal das große militärische Denkmal in Bangkok |© Getty Images/Pakphipat Charoenrach

Special Thailand Coronavirus

Die Pandemie trifft Thailand besonders hart

Thailand hängt stark vom Tourismus und der Weltwirtschaft ab. Der Dienstleistungssektor, Konsum und Außenhandel schrumpfen. Es gibt jedoch Lichtblicke.   

Von Thomas Hundt | Bangkok


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Die Corona-Infektionen in Thailand steigen. Die Wirtschaft ist in vielen Bereichen gelähmt. Die Zentralbank erwartet, dass sie 2020 um 5,3 Prozent schrumpft.  (Stand: 22. April 2020)     

    Die Zahl der Corona-Infizierten in Thailand steigt seit Mitte März rapide um mehr als 100 pro Tag an, meldet das Department of Disease Control

    Die Regierung ruft die Bürger auf, möglichst zu Hause zu bleiben. Der inländische Personenverkehr wird heruntergefahren. Die Außengrenzen des Landes, Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomie sind seit dem 21. März 2020 weitgehend geschlossen. Seit dem 3. April 2020 gilt zusätzlich eine nächtliche Ausgangssperre. Die Aktivitäten der Bauindustrie und des verarbeitenden Gewerbes wurden bislang jedoch nicht eingeschränkt.

    Vom 26. März bis 30. April 2020 gilt ein nationaler Ausnahmezustand. Premierminister Prayut Chan-o-cha kann landesweite Schutzmaßnahmen verordnen. Die Kommunen und 76 Provinzen entscheiden eigenständig über weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens und andere Maßnahmen.

    Thailand gehört zu den wirtschaftlich stark betroffenen Ländern

    Die Zentralbank Bank of Thailand (BOT) prognostizierte am 25. März 2020 für das Gesamtjahr 2020 einen realen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 5,3 Prozent. Im 1. Halbjahr droht eine Rezession, die durch steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Investitionen und Konsumausgaben gekennzeichnet ist. Im 2. Halbjahr und spätestens 2021 wird ein leichter Aufschwung erwartet.

    Wirtschaftliche Entwicklung 2019 bis 2021 in Thailand (reale Veränderungen gegenüber dem Vorjahr in Prozent)
    1) Waren und Dienstleistungen; 2) PrognoseQuelle: Bank of Thailand (25.03.20)

    2019

    2020 2)

    2021 2)

    BIP

    2,4

    -5,3

    3,0

    Einfuhr 1)

    -4,4

    -11,6

    4,3

    Private Bruttoanlageinvestitionen

    2,8

    -4,3

    2,2

    Privater Verbrauch

    4,5

    -1,5

    2,1


    Die Konsumentenpreise werden 2020 fallen. Die Zentralbank sagt eine negative Inflationsrate von -1 Prozent voraus. Die weltweit gefallenen Öl- und Gaspreise senken die Energiekosten und Preise an den Tankstellen. Den sinkenden Einkommen der Haushalte und Firmen stehen somit immerhin geringere Energiekosten gegenüber. 

    Staat lanciert Hilfsprogramme

    Das Kabinett hat drei Hilfspakete verabschiedet, die unter anderem Finanzhilfen für kleine und mittlere Unternehmen sowie für Arbeitslose vorsehen. Außerdem können Unternehmen Zahlungen von Steuern sowie Sozialversicherungsbeiträgen reduzieren und aufschieben. 

    Die Deutsch-Thailändische Handelskammer und Germany Trade & Invest berichten auf einer Sonderseite über die Hilfsmaßnahmen für lokale Unternehmen. Die Sonderseite informiert auch über die aktuelle Covid-19 Situation, Reisebeschränkungen, Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der Geschäftsaktivitäten.

    Die Einschränkungen treffen die Dienstleistungsbranchen und insbesondere den Tourismus am stärksten. Eine Lockerung ist noch nicht abzusehen.

    Der Staat hat weitere Hilfsprogramme angekündigt. Die BOT hat künftige Konjunkturpakete in ihrer Prognose nicht berücksichtigen können. Sie geht aber, ebenso wie das Gesundheitsministerium, davon aus, dass die Epidemie im Laufe des 2. Quartals unter Kontrolle sein werde.

    Experten befürchten, dass deutlich mehr als die gemeldeten Patienten erkrankt seien. Thailand muss wie andere Länder auch, gleichzeitig eine Infektionswelle verhindern und die Wirtschaft wiederbeleben.

    Von Thomas Hundt | Bangkok

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Thailand möchte die Rezession aufhalten und hat drei Hilfspakete verabschiedet. Gelder gehen an Arbeitslose. Unternehmen werden entlastet und erhalten Überbrückungskredite. (Stand: 15. April 2020)

    Thailands Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte nach Berechnungen der Deutschen Bank 2020 um 57 Milliarden US-Dollar (US$) auf 487 Milliarden US$ schrumpfen. Wegen der Wirtschaftskrise hat die Regierung am 10. März 2020 ein erstes Hilfspaket von umgerechnet etwa 12 Milliarden US$ verabschiedet. Dessen Großteil entfällt auf zinsgünstige Kredite für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie einen Aufschub von Steuerzahlungen. Das Kabinett schob zwei Wochen später ein 3,4 Milliarden US$ Paket nach, das hauptsächlich Sozialleistungen für Arbeitslose umfasst.

    Das dritte und größte Programm vom 8. April 2020 sieht 58 Milliarden US$ vor. Dies entspricht satten 12 Prozent des BIP. Das Finanzministerium wird den Haushalt daher neu strukturieren und will 30 Milliarden US$ an zusätzlichen Schulden aufnehmen. Die Finanzen des Staates und der Banken sind nach Ansicht von Fachleuten relativ solide. Die Staatsschulden werden voraussichtlich von 42 Prozent auf verkraftbare 57 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Es gilt, einen sich selbst verstärkenden sozialen und wirtschaftlichen Abschwung zu verhindern. 

    Die Bank Krungsri schätzt, dass von der Krise betroffene Unternehmen staatliche Liquiditätshilfen von mehr als 50 Milliarden US$ benötigen werden. Einige Firmen aus der Gastronomie, dem Gastgewerbe, Personenverkehr einschließlich Airlines werden ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können.

    Finanzministerium entlastet Firmen

    Unternehmen bezahlen vom 1. April bis 30. September 2020 einen reduzierten Satz der Quellensteuer (Withholding Tax) von 1,5 Prozent statt 3 Prozent. Die reduzierten Sätze gelten gemäß der Verordnung 361 des Finanzministeriums vom 30. März 2020 für bestimmte Leistungen wie Honorare, Makler- und Anwaltsgebühren, Kommissionen, Zahlungen für Urheberrechte, Architektur- und Ingenieurleistungen sowie Auftragsarbeiten. Vom 1. Oktober 2020 bis 31. Dezember 2021 fallen 2 Prozent an, wenn Zahlungen über das elektronische Quellensteuersystem erfolgen.

    Der Arbeitgeberanteil des Beitrages zur Sozialversicherung sinkt von März bis August 2020 von 5 Prozent auf 4 Prozent. Der Arbeitnehmeranteil fällt von März bis Mai 2020 auf 1 Prozent und von Juni bis August 2020 auf 4 Prozent. Der Arbeitgeber kann beide Anteile drei Monate später als üblich abführen. 

    Die Behörden verlängern außerdem die Abgabefristen von Steuererklärungen. Dies gilt für natürliche und juristischen Personen. Gesellschaften dürfen auch ihre Bilanzen und Anträge auf Steuerbefreiungen später abgeben und ihre Hauptversammlungen verschieben. 

    Unternehmen mit weniger als 200 Beschäftigten können, unter bestimmten Voraussetzungen, Zinszahlungen für Kredite von der Steuer abziehen. Sie können auch die dreifachen Löhne der Beschäftigten, die weniger als 15.000 Baht (circa 450 US$) verdienen, von der Steuer absetzen, wenn das Unternehmen die gleiche Zahl an Mitarbeitern beschäftigt, wie im Dezember 2019.

    Arbeitgeberverbände schätzen, dass die Pandemie 6,5 Millionen bis 10 Millionen Personen den Job kosten wird. Nur im Handel könnten über 4 Millionen Stellen und jeweils 1 Million Stellen in der Bauindustrie sowie im Hotelgewerbe wegfallen. Alleine im März 2020 haben 145.000 Personen Arbeitslosengeld neu beantragt, doppelt so viele wie im Januar 2020. 

    Firmen kürzen Löhne, Sozialversicherung erhöht Arbeitslosengelder

    Wenn ein Unternehmen auf staatliche Anordnung zur Eindämmung der Coronapandemie temporär geschlossen wird, zahlt der Social Security Fund den sozialversicherten Arbeitnehmern 62 Prozent des Lohns für maximal 90 Tage. Berechnungsgrundlage ist der Monatslohn mit einer Höchstgrenze von 15.000 Baht (circa 450 US$). 

    Ein staatliches Kurzarbeitergeld gibt es nicht. Unternehmen, die unter Rückgängen von Aufträgen und Einnahmen leiden, vereinbaren mit ihren Beschäftigten kürzere Arbeitszeiten bei geringeren Löhnen und Gehältern. Der Labour Relations Act von 1975 erfordert dafür eine schriftliche Zustimmung der Arbeitnehmer. 

    Betriebe in großen Schwierigkeiten kündigen auch. Das Social Security Office zahlt Arbeitslosen seit April 2020 70 Prozent statt 50 Prozent des Monatslohns für 200 Tage, bei einer maximalen Bemessungsbasis von 15.000 Baht (circa 450 US$). Kündigt der Arbeitnehmer, erhöht die Sozialversicherung das Arbeitslosengeld von bisher 30 Prozent auf 45 Prozent des Monatslohns für maximal 90 Tage.

    Jede zweite Arbeitskraft arbeitet ohne festen Vertrag und ist damit nicht gegen einen Jobverlust abgesichert. Freischaffende Hilfskräfte, die wegen der Krise ohne Beschäftigung sind, erhalten von April bis September 2020 monatlich eine Sozialhilfe von umgerechnet 152 US$. Ende März haben sich über 20 Millionen Antragsteller online registriert, knapp 10 Millionen davon erfüllen die Voraussetzungen für das Sozialgeld.

    Zentralbank sorgt für Liquidität

    Die Zentralbank Bank of Thailand (BOT) und Geschäftsbanken versprechen, dass sie während der Krise für ausreichende Liquidität sorgen werden. Firmen und Haushalte, die in finanzielle Schieflagen geraten, können Kreditlaufzeiten verlängern und Umschuldungen vereinbaren. Die BOT erlaubt Unternehmen, deren Kredite jeweils 3 Millionen US$ nicht übersteigen, ihre Zins- und Tilgungszahlungen für sechs Monate auszusetzen. Geschäftsbanken können an kleine und mittlere Unternehmen, unter bestimmten Voraussetzungen, zweijährige Softloans mit einem Zins von 2 Prozent vergeben. Üblich sind derzeit Zinsen von 6 Prozent bis 10 Prozent. Die BOT bürgt bei diesen Softloans für 70 Prozent der Kreditsumme. 

    Die BOT und das Finanzministerium befürchten Schieflagen bei Großunternehmen, die Anleihen von insgesamt rund 110 Milliarden US$ ausgegeben haben. Die BOT und das Finanzministerium werden daher einen 12 Milliarden US$ Fonds zur Stabilisierung des Marktes für Unternehmensanleihen gründen. Dieser soll in Anleihen investieren, die 2020 und 2021 fällig werden. 

    Von Thomas Hundt | Bangkok

  • Coronavirus und Recht

    Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße auch für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren thailändischen Geschäftspartnern. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wann ist eine Berufung auf „höhere Gewalt“ möglich?


    Was regelt der Vertrag?

    Spätestens wenn Probleme entstehen, ist es sehr wichtig, zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen hierzu unter „Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“).


    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Zunächst: die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: Genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit, zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.


    Was gibt es generell zu beachten?

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens, wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Nationales Recht: Nichterfüllung von Verträgen nach thailändischem Recht

    Ein Länderbericht „Coronavirus und Verträge“ liegt zurzeit nicht vor. Ihre Ansprechpartnerin bei Fragen zum Thema: julia.merle@gtai.de.

  • Covid-19: Gesundheitswesen in Thailand

    Covid-19: Gesundheitswesen in Thailand

    Das Gesundheitswesen ist leistungsstark und hat die Epidemie relativ gut im Griff. In relevante Gesundheitsbereiche wird investiert, andere leiden unter der Krise. (Stand: 28. April 2020)

    Thailand identifizierte am 8. Januar 2020 die weltweit erste Coronainfektion außerhalb Chinas. Dabei handelte es sich um eine chinesische Touristin aus Wuhan. Seitdem ist das Gesundheitswesen alarmiert und gefordert.

    Die Weltgesundheitsorganisation und andere Fachleute sind der Meinung, Thailand verfüge über umfangreiche Kapazitäten zur Kontrolle des Coronavirus, zur Prävention von Übertragungen sowie zur Erkennung von Covid-19 Fällen. Auch die Kapazitäten für das klinische Management seien hinlänglich. Bangkok ist immerhin das medizinische Zentrum für ganz Südostasien. 

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Thailand
    Quelle: United Nations Population Division; World Bank; Ministry of Public Health Thailand

    Indikator

    2019 (oder letztverfügbares Jahr)

    Bevölkerung in Millionen

    69,6

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre in Prozent

    12,5

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner (2017)

    0,81

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner (2018)

    2,25

    Gesundheitsausgaben pro Kopf in US-Dollar (2017)

    247


    Gesundheitsexperten haben die Risiken einer Epidemie frühzeitig erkannt und kommuniziert. Regierung und Bürger konnten durch strenge Einhaltung von Hygienemaßnahmen, Einlasskontrollen und das Tragen von Masken einen unkontrollierten Ausbruch von Covid-19 bislang verhindern. Hilfreich ist die Tradition, dass die Bürger Thailands auch bisher schon selbstverständlich eine Maske tragen und Abstand halten, um eine ansteckende Krankheit nicht an ihre Mitmenschen zu übertragen.

    Derzeit genügend Kapazitäten auf Intensivstationen

    Die Abteilung Seuchenbekämpfung des Gesundheitsministeriums hatte bis zum 23. April 2020 insgesamt 2.839 Covid-19 Patienten erfasst, davon haben sich 2.108 Patienten wieder erholt, 50 sind verstorben. Die Krankenhäuser behandelten am 23. April 2020 insgesamt 359 an Covid-19 Erkrankte.

    Die Intensivstationen des Landes können, laut Gesundheitsministerium, circa 6.200 Covid-19 Patienten aufnehmen. Insbesondere Universitätskrankenhäuser bauen diese Kapazitäten aus. Auch Hotels werden in Krankenstationen umgewandelt. Der Großraum Bangkok verfügt zudem über 132 Intensivbetten, die eine maschinelle Beatmung von schweren Fällen erlauben. Davon sind 82 Betten noch frei. Die Kapazitäten sollen bis Ende Mai auf 288 Betten erweitert werden.      

    Am 23. April 2020 waren 47.786 Personen unter Beobachtung und Quarantäne, weil sie sich in der Nähe von Erkrankten aufgehalten hatten oder aus dem Ausland eingereist waren. Alle Einreisenden werden derzeit in Hotels oder anderen Zentren unter Quarantäne gestellt.

    Nur die Spitze des Eisbergs erkannt

    Laut Schätzung ist die Zahl der infizierten stillen Überträger, die keine Symptome zeigen oder trotz Symptomen nicht erfasst werden, vierzigmal so hoch wie die Zahl der erfassten Infektionen. Von Februar bis Mitte April 2020 wurden nur 143.000 Tests durchgeführt, daher dürfte die Dunkelziffer an nicht diagnostizierten Fällen hoch sein.

    Insgesamt 100 Labore erhielten eine Lizenz, Proben mit dem RT-PCR Verfahren (Real-time Reverse Transkriptase Polymerase-Kettenreaktion) auf virales Erbgut zu testen. Seit Anfang April 2020 wird mehr getestet, täglich circa 3.300 Proben. Die Kapazität der Labore soll 20.000 Analysen betragen. Ein limitierender Faktor sei unter anderem die Verfügbarkeit von Testchemikalien, berichten Vertreter von Krankenhäusern.

    Das Gesundheitssystem ist nicht auf Hausärzte ausgerichtet, die Patienten untersuchen und überweisen. Die Menschen suchen direkt Krankenhäuser oder Kliniken auf. Die 378 privaten Krankenhäuser und 25.000 privaten Kliniken kümmern sich hauptsächlich um selbstzahlende Patienten aus dem In- und Ausland.

    Ungefähr 10.000 staatliche Gesundheitszentren und 1.050 öffentliche Krankenhäuser versorgen den Großteil der Bevölkerung. Alleine 48 Millionen Einwohner, also zwei Drittel der Bevölkerung, sind auf die annähernd gebührenfreie staatliche Grundversorgung angewiesen. Auch die Sozialversicherungen für Beamte und Angestellte übernehmen Covid-19 Behandlungskosten. 

    Die Krankenhäuser verzeichnen einen Andrang von Patienten, die Covid-19 Symptome spüren. Viele Einwohner sind sensibilisiert und konsultieren Ärzte bei Fieber, Husten und Halsschmerzen. Bürger mit anderen Erkrankungen befürchten wiederum Ansteckungen und suchen Gesundheitseinrichtungen seltener auf.

    Gesundheitswirtschaft steht vor schwierigen Zeiten  

    Private und öffentliche Einrichtungen melden, dass Patientenbesuche im Schnitt um ein Drittel zurückgegangen seien. Kliniken, die sich auf ausländische Medizintouristen spezialisiert haben, brechen die Umsätze sogar völlig weg. Auch die Reha- und Wellnesszentren können nicht an Patienten arbeiten. Gesundheitseinrichtungen werden ihren Kostendruck künftig an Lieferanten weitergeben, heißt es aus der Branche.

    Die Nachfrage nach medizinischen Produkten, die nicht Covid-19 relevant sind, geht derzeit zurück. Krankenhäuser verschieben unkritische Operationen zum Bespiel den Ersatz von Gelenken. Der Absatz von Implantaten habe sich stark abgekühlt, berichten Fachleute. Auch die Installation und Wartung von Medizintechnik sei unter den gegenwärtigen Umständen schwieriger.

    Covid-19 Medizin stark gefragt

    Medizinische Geräte zur Behandlung von Covid-19 wie Infusionspumpen und Beatmungsgeräte sowie Verbrauchsmaterialien wie medizinische Handschuhe und Desinfektionsmittel sind wiederum stark nachgefragt. Das Gesundheitsministerium hat alleine an öffentliche Krankenhäuser bis zum 22. April 2020 circa 41,6 Millionen Masken und über 78.000 persönliche Schutzausrüstungen geliefert.

    Viele Einrichtungen begannen zu Beginn der Corona-Pandemie, ihre Vorräte an Verbrauchsmaterialien und Medikamenten aufzustocken. Das Gesundheitsministerium und Branchenverbände fordern sie seitdem auf, keine unnötig hohen Lagerbestände anzuschaffen, sodass landesweit eine kontinuierliche Versorgung sichergestellt ist.

    Damit Patienten weniger häufig für Kontrollen und für aufschiebbare Untersuchungen in Krankenhäuser kommen, verschreiben Ärzte bei Dauermedikationen die Arzneimittel für bis zu sechs Monate. Die Nachfrage nach Pharmazeutika schnellte auch deshalb alleine im März 2020 um 30 Prozent, im Vergleich zum Vormonat, in die Höhe. Diese nun zusätzlich verkauften Mengen werden im Jahresverlauf weniger nachgefragt werden. Die Pharmabranche rechnet für das gesamte Jahr 2020 indes noch mit einem Umsatzzuwachs von mehr als 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    Von Thomas Hundt | Bangkok

  • Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Die Pandemie legt ganze Dienstleistungsbereiche in Thailand lahm. Die meisten Industriezweige melden indes noch keine größeren Schäden, eine negative Ausnahme ist die Kfz-Branche. (Stand: 16. April 2020)

    Anfang April schätzte die Weltbank den realen Rückgang der thailändischen Wirtschaftsleistung für das Gesamtjahr 2020 auf 3 Prozent. Während die Land-, Forstwirtschaft und Fischerei mit einem Plus von 1 Prozent und das produzierende Gewerbe mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent vom Coronavirus eher noch verschont blieben, werde der Dienstleistungssektor um satte 6 Prozent schrumpfen.

    Die Abhängigkeit vom Fremdenverkehr wird zur Achillesferse  

    Der Tourismus, der direkt ungefähr 12 Prozent der thailändischen Wirtschaftsleistung ausmacht und von dem viele andere Dienstleister indirekt abhängen, liegt danieder. Seit dem 21. März 2020 sind die Grenzen geschlossen. Viele Hotels, alle Restaurants und Einkaufszentren sind zugesperrt. Nur Geschäfte, die Lebens- oder Arzneimittel verkaufen, dürfen noch öffnen.

    Die Bürger sollen möglichst zu Hause bleiben. Angestellte arbeiten teilweise im Homeoffice. Banken, Versicherungen und Anwaltskanzleien haben viel zu tun. Die Nachfrage nach Überbrückungskrediten, privaten Krankenversicherungen und rechtlichen Auskünften nimmt rapide zu. E-Commerce und Kurierdienste gehören ebenfalls zu den Branchen, die einen Aufschwung erleben. Sie können die Umsatzverluste in den übrigen Service-Industrien aber nicht ausgleichen.

    Die meisten Betriebe im verarbeitenden Gewerbe produzieren weiter

    Die Regierung hat keine Schließungen von Fabriken angeordnet. Die meisten Betriebe haben ihre Lager rechtzeitig gefüllt und können für ein bis zwei Monate ihre Fertigung aufrechterhalten. Der Produktionswert im verarbeitenden Gewerbe fiel im Februar 2020 real um 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das gesamte 1. Halbjahr wird ein noch tieferer Einbruch erwartet. 

    Veränderung wirtschaftlicher Indikatoren in Thailand im Februar 2020
    Quelle: Bank of Thailand; Office of Industrial Economics; Tourism Authority of Thailand

    Indikator

    Reale Veränderung Februar 2020 gegenüber Februar 2019 in Prozent

    Produktionswert im verarbeitenden Gewerbe

    -5,2

     . Automotive

    -18,8

     . Nahrungsmittel und Getränke

    -8,1

     . Chemie

    +1,4

     . Arzneimittel

    +40,4

     . Textilien und Bekleidung

    +1,1

     . Metallerzeugung

    -3,9

     . Computer und Elektronik

    +2,6

     . Elektrogeräte

    -1,4

    Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse

    -4,5

    Genehmigte Bauflächen

    -2,2

    Ankünfte ausländischer Touristen

    -44,3


    Die Fertigung von Kfz gehört zu den wichtigsten Industriebranchen. Im Jahr 2019 wurden noch rund 2 Millionen mehrspurige Fahrzeuge und 2 Millionen Motorräder produziert, davon ging jedes zweite Exemplar ins Ausland. Neben der fehlenden Nachfrage im Inland kämpft die Branche nun aber mit einer einbrechenden Nachfrage in den Exportmärkten.

    Die Kfz-Hersteller und ihre Zulieferbetriebe fahren ihre Werke herunter oder schließen sie temporär. Die allgemeine Konsumlaune und das Geschäftsklima kühlen sich derzeit auf Rekordtiefen ab. Die Erholung der Branche hängt davon ab, ob die privaten und gewerblichen Käufer optimistisch oder verunsichert aus der Krise kommen.

    Die Produktion von chemischen Grundstoffen ist nicht so konjunkturabhängig und meldet keine Rückgänge. Die Fertigung von Erzeugnissen aus Kunststoffen, insbesondere Verpackungen, geht leicht zurück. Die Pharmaindustrie wiederum fährt die Produktion voll hoch.

    Die Elektronikindustrie arbeitet sehr exportorientiert und meldet eine stabile Nachfrage. Sie produziert und bestückt Leiterplatten, fertigt Festplatten und andere elektronische Bauteile für den Weltmarkt. Die Betriebe profitierten von den Verlagerungen von Betrieben aus China im Jahr 2019 und den dortigen Produktionsstopps Anfang 2020. Der internationale Wettbewerbsdruck wird aber wieder zunehmen.

    Der Absatz und die Fertigung von Haushaltselektrogeräten bricht wegen der Schließung von Elektrogeschäften seit März ein. Die Branche hofft, dass die Konsumenten nach Öffnung des Einzelhandels ihre geplanten Anschaffungen nachholen werden.

    Das Gesundheitswesen hat die Lage noch im Griff und erweitert seine Kapazitäten für die Aufnahme von Covid-19-Patienten. Die Produktion von Produkten für den Krankenhausbedarf wie Masken, medizinischen Handschuhen und Desinfektionsmitteln läuft auf Hochtouren. Im Falle einer unkontrollierten Ausbreitung des Coronavirus wird das Gesundheitssystem allerdings an seine Grenzen stoßen.

    Die Herstellung von Getränken und Nahrungsmitteln läuft dem Vernehmen nach stabil. Die Produzenten von verpackten Lebensmitteln und darunter insbesondere von solchen in Dosen sind voll ausgelastet. Der Absatz an die Gastronomie ist hingegen ausgetrocknet. 

    Die schwerste Dürre seit 40 Jahren plagt die Landwirtschaft 

    Die Erntemengen der wichtigsten Nutzpflanzen in Thailand Reis, Kautschuk, Zuckerrohr, Maniok, Obst und Gemüse sacken wegen einer anhaltenden Trockenperiode ab. Die derzeit steigenden Agrarpreise werden die Erlöse und Einkommen der Bauern kaum stabilisieren, meinen Experten.

    Die Preise für Fische und Meeresfrüchte fallen hingegen, weil der Absatz an Hotels und Restaurants tief sinkt. Der Lieferservice von frischen Mahlzeiten, den viele Gastronomen eingerichtet haben, kann die Umsatzverluste nicht ausgleichen.

    Auf den Baustellen wird fleißig gearbeitet

    Die Aktivitäten der Bauindustrie laufen weiter. Sie meldet zwar Engpässe bei der Versorgung mit kritischen Materialien und Schwierigkeiten beim Transport von großen Bauelementen. Es wurden aber keine laufenden Projekte eingestellt, berichten Baufirmen.

    Die Auftragseingänge für neue Vorhaben brechen hingegen ein, weil Investoren abwarten. Die Coronakrise zeigt auch die Abhängigkeit der Branche von ausländischen Arbeitskräften. Die Regierung bittet Wanderarbeiter aus Myanmar, Laos, Kambodscha und Vietnam, im Land zu bleiben. Falls sie ihre Arbeitsvisa nicht fristgerecht verlängern können, bleiben diese bis Ende Juni 2020 gültig.

    Die Immobilienbranche agiert schon seit Ende 2019 vorsichtiger und rechnet nun mit einem Einbruch der Nachfrage. Käufer aus China, die lange für eine steigende Nachfrage nach Apartments gesorgt hatten, fordern nun ihre Anzahlungen zurück. Entwickler versuchen, Wohnungen und Häuser online zu verkaufen. Die Immobilienpreise dürften so lange nachgeben, bis die Angebotsüberhänge absorbiert sind.

    Analysten erwarten, dass die öffentlichen Investitionen in Infrastrukturvorhaben zulegen werden. Zusätzliche Gelder für Verkehrsvorhaben, den Netzausbau, das Gesundheitswesen und die Energieversorgung gehören zu den typischen staatlichen Instrumenten, um die Nachfrage zu beleben und Thailands Zukunftsfähigkeit zu erhöhen.

    Von Thomas Hundt | Bangkok

nach oben

Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.