RF_Getty_579470138_RZ_1340x754 RF_Getty_579470138_RZ_1340x754 | © Saigon Skyline von Geschäfts-und Verwaltungsbezirk von Saigon |© Getty Images/Phung Huynh Vu Qui

Special | Vietnam | Coronavirus

Vietnam stemmt sich dem Coronavirus entgegen

Vietnams Kampf gegen die Pandemie verläuft erfolgreich. Die Bedürfnisse der Wirtschaft rücken langsam wieder in den Vordergrund. 

Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi



  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Die strikten Eindämmungsmaßnahmen der vietnamesischen Regierung wirken. Der Lockdown ist seit dem 23. April 2020 aufgehoben (Stand: 8. Mai 2020). 

    Nach der Selbstisolation öffnet sich das Land wieder langsam

    Vietnam hat alles in Bewegung gesetzt, damit das Land nicht vom Coronavirus überwältigt wird, bislang überwiegend erfolgreich. Seit Mitte April bleiben die Fallzahlen auf niedrigem Niveau nahezu konstant.  



    Nachdem seit dem 17. April 2020 keine Neuinfektionen mehr aufgetreten sind (Ausnahme: aus dem Ausland Eingereiste, die sich nach Einreise ohnehin sofort in Quarantäne begeben mussten) hat die Regierung vom 23. April 2020 an die Phase der Selbstisolation für einen Großteil des Landes, auch für die städtischen Zentren Hanoi, Ho Chi Minh City und Danang, aufgehoben. Damit findet das Land langsam wieder in den Alltag zurück.

    Auch nicht als notwendig deklarierte Geschäfte, Restaurants, Cafes und Straßenküchen öffnen wieder, allerdings unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Seit dem 4. Mai 2020 sind die Schulen des Landes nach dreimonatiger Zwangspause wieder in Betrieb.

    Andere Einrichtungen wie Bars und Karaokeläden bleiben geschlossen, Veranstaltungen und Zusammenkünfte von mehr als 20 Personen sind ebenfalls noch verboten.  

    Der städtische Personennahverkehr läuft wieder an. Taxen und Fahrdienste wie Grab und Be sowie innerstädtische Buslinien und Langstreckenbusse bieten ihre Dienste an, wenn auch hier natürlich nur mit Abstands- und Hygienevorgaben. Der innervietnamesische Flug- und Zugverkehr gewinnt ebenfalls wieder an Schwung. Vietnamesische Fluglinien fliegen erneut Ziele in ganz Vietnam an, seit dem 7. Mai 2020 zumindest zwischen den wichtigsten Zentren Hanoi, Ho Chi Minh City und Danang sogar annähernd wieder in der Vorkrisenfrequenz. Der interkontinentale Auslandsflugverkehr ruht nach wie vor.

    Analysten korrigieren Wachstumsprognosen

    Die weltweite Pandemie schlägt auf die vietnamesische Wirtschaft durch. Die Regierung hatte für das Jahr 2020 ursprünglich ein Wachstum von real bis zu 6,8 Prozent angepeilt, später aber eingeräumt, dass die Wachstumszahlen zumindest für das 1. Quartal 2020 massiv nach unten korrigiert werden müssten. War 2019 im 1. Quartal noch ein Plus von 6,8 Prozent erreicht worden, lag es in den ersten drei Monaten 2020 bei lediglich 3,8 Prozent.

    Internationale Analysten korrigieren ihre Prognosen für das Gesamtjahr 2020. Der internationale Währungsfonds prognostiziert im World Economic Outlook von April 2020 ein Wachstum von 2,7 Prozent. Ratingagenturen wie Moody’s kommen zu vergleichbaren Schätzungen und gehen für 2020 von 2,8 Prozent Zuwachs aus. Andere Institutionen wie die Asian Development Bank erwarten ein höheres Wachstum von 4,8 Prozent. Eine Rezession wird für Vietnam wird bislang von keinem Analysten prognostiziert.

    Insbesondere die exportorientierte Industrie und die Dienstleistungsbranche, hier vor allem Tourismus, Luftverkehr und Gastronomie, leiden unter den Auswirkungen der Pandemie. 

    Die Produktionsunternehmen kämpften im Februar und Anfang März zunächst mit Lieferengpässen, da Zulieferungen von Komponenten und Rohmaterialien aus China knapp wurden. Besonders die Textilindustrie sowie die Plastik-, Chemie- und Gummiindustrie spürten die Ausfälle.

    Jetzt laufen zwar die Zulieferungen wieder an, dafür brechen den Unternehmen aber die Kunden weg. Gerade die Textilbranche berichtet von massenhaften Auftragsstornierungen, vor allem aus den wichtigsten Märkten USA und Europa. Erste Unternehmen orientieren sich um auf die Produktion von Gesichtsmasken für Auslandsmärkte. 

    Auch wenn Industrieunternehmen in der Regel auch während des Lockdowns im April weiterarbeiten konnten, fuhren Unternehmen sektorenübergreifend ihre Produktion zurück. Der Industrieproduktionsindex sank im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,5 Prozent. Einige wenige Branchen aber konnten auch in diesem Krisenmonat zulegen. So stieg die Produktion in der Pharma- und Gesundheitsindustrie um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.  

    Die Tourismusindustrie und die Luftfahrt aber sind schwer angeschlagen. Ende Februar 2020 - einen Monat vor der Quasi-Einstellung des in- und ausländischen Flugverkehrs - schätzte die Civil Aviation Authority of Vietnam die durch die Krise zu erwartenden Umsatzeinbußen der Luftverkehrsbranche auf 1,1 Milliarden US-Dollar (US$). Diese dürften nun noch deutlich höher ausfallen. So meldete allein die staatliche Vietnam Airlines im ersten Quartal 2020 Verluste in Höhe von 110 Millionen US$.

    Dennoch scheint die Regierung darauf zu vertrauen, dass sich der Sektor zumindest mittelfristig von den Auswirkungen der Pandemie erholen wird. So erteilte sie noch während des Lockdowns dem Tourismusunternehmen Vietravel die Lizenz zur Betrieb einer eigenen Fluglinie.  

    Reisedienstleistungen brachen im April um 97,5 Prozent und damit fast vollständig ein. Die Hotel- und Gastronomiebranche verzeichnete im April Einschnitte von 65 Prozent. Zumindest aber der Binnentourismus läuft nach Aufhebung des Lockdowns wieder an. So öffneten die wichtigsten Tourismusziele des Landes an den Maifeiertagen ihre Tore und wurden von inländischen Erholungssuchenden überrannt. Auch den Sommerurlaub werden die Vietnamesen aus Sicherheitsgründen größtenteils im Inland verbringen und damit zu einer ersten Wiederbelebung der Branche beitragen. Der internationale Tourismus aber wird erst nach Abklingen der Pandemie und damit frühestens im zweiten Halbjahr 2020 wieder langsam an Schwung gewinnen.

    AHK steht Unternehmen weiterhin zur Seite

    Um Unternehmen zu unterstützen, informiert die AHK Vietnam in ihrem Liveblog über neueste Entwicklungen. Auch steht sie Unternehmen weiterhin bei individuellen Problemen zur Verfügung und hilft mit ihrem Netzwerk bei der Erarbeitung praktikabler Lösungen.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Vietnams Regierung hat in weiten Teilen des Landes die Selbstisolation am 23. April 2020 aufgehoben. Interkontinentale Auslandsflüge sind noch eingestellt (Stand: 8. Mai 2020).

    Das gesamte Land befand sich vom 1. April 2020 bis zum 15. April 2020 in einer von der Regierung angeordneten Selbstisolation. Für Hanoi, Ho-Chi-Minh-City (HCMC), Danang und andere als gefährdet qualifizierte Städte und Provinzen wurde die Selbstisolation zunächst bis zum 22. April 2020 verlängert. Lediglich als notwendig qualifizierte Geschäfte und Einrichtungen wie Lebensmittelläden und Supermärkte, Apotheken, Banken, Telekommunikationsunternehmen und Tankstellen waren noch für den Publikumsverkehr geöffnet.

    Seit dem 23. April aber hat die Regierung in den überwiegenden Teilen des Landes, auch in HCMC, Hanoi und Danang, die Selbstisolation aufgehoben. Nicht-notwendige Geschäfte dürfen wieder öffnen. Allerdings gelten noch Social Distancing-Vorgaben, die nur langsam abgebaut werden. Versammlungen von mehr als 20 Menschen, Bars und Bierhallen sowie sonstige Orte, an denen klassischerweise Menschenmengen aufeinander treffen, bleiben verboten. Produktionsbetriebe können grundsätzlich arbeiten, müssen aber Schutzvorkehrungen für die Einhaltung von Abstandsregeln und Hygienevorschriften treffen. Seit dem 4. Mai haben auch die Schulen landesweit wieder geöffnet.  

    Personentransport pendelt sich wieder ein

    Der inländische Flug-, Bahn- und Busverkehr sowie der öffentliche Personennahverkehr in Vietnam geht in den Alltagsmodus über. Busse und Taxen fahren, allerdings sind nach wie vor Abstands- und Hygienevorgaben einzuhalten.

    Inlandsflüge sind seit dem 23. April wieder erlaubt. Die lokalen Fluglinien erhöhen die Flugfrequenzen auf den wichtigsten Strecken zwischen Hanoi, Ho Chi Minh City und Danang und fliegen auch wieder andere Ziele innerhalb Vietnams an. Die Nord-Süd-Eisenbahn zwischen Hanoi und HCMC kann den Fahrtakt erhöhen, und auch der provinzübergreifende Busverkehr nimmt wieder an Fahrt auf. 

    Flugpassagiere finden vereinzelt Informationen auf den Seiten der Fluggesellschaften Vietnam Airlines, Vietjet Air, Bamboo Air und Jetstar Pacific. Ein einheitliches Informationsportal zu weiteren Transportmöglichkeiten existiert bislang nicht.

    Passagierflüge aus oder nach Vietnam massiv eingeschränkt

    Der grenzüberschreitende Flugverkehr ist seit dem 1. April 2020 auf unbestimmte Zeit stark eingeschränkt, Direktflüge nach Europa sind gestoppt. Im innerasiatischen Verkehr läuft der Flugverkehr seit dem 16. April 2020 zunächst auf sehr niedrigem Niveau wieder an. Ab dem 7. Mai werden die inländischen Hauptflugstrecken wieder ansatzweise in Vorkrisenfrequenz bedient.

    Interkontinentalflüge gibt es zur Zeit nur in Form von diplomatisch unterstützten Rückholflügen. Auch die deutsche Bundesregierung hat am 5. und 7. April 2020 Touristen aus Vietnam zurück nach Deutschland gebracht. Über mögliche weitere Rückholaktionen für deutsche Staatsbürger und Familienangehörige informieren die deutsche Botschaft in Vietnam sowie das Auswärtige Amt über ihre Webseiten sowie Twitter- und Facebook-Kanäle.

    Einreisesperre für Ausländer auf unbestimmte Dauer

    Ausländer dürfen seit dem 22. März nicht mehr nach Vietnam einreisen. Die genaue Dauer der Einreisesperre ist unbestimmt. Einreisevisa werden nicht mehr erteilt, und die Möglichkeit der visumfreien Einreise für Deutsche ist aufgehoben. Auch Personen vietnamesischer Abstammung, aber ohne vietnamesische Staatsangehörigkeit, ist die Einreise untersagt.

    Vom Einreiseverbot ausgenommen sind Experten, qualifizierte Fachkräfte und leitende Angestellte, wenn sie bereits über einen vietnamesischen Aufenthaltstitel verfügen. Dieser aber muss zum Zweck der Erwerbstätigkeit ausgestellt worden sein. Bei Ankunft müssen sich Reisende einer gesundheitlichen Untersuchung und in aller Regel einer zweiwöchigen Quarantäne unterziehen. Dies gilt auch für Familienangehörige, die bereits eine Aufenthaltsberechtigung haben.

    Visaverlängerungen mit Hindernissen

    Ausländer, die sich bereits im Land aufhalten und aufgrund des Wegfalls von Transport- und Flugverbindungen das Land nicht mehr verlassen können, benötigen nicht selten die Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis. Die Erteilung oder Verlängerung von Visa aller Art ist zur Zeit auch wegen nur eingeschränkter Dienstzeiten der Einwanderungsbehörden erschwert. 

    Allerdings hat die vietnamesische Regierung bereits angekündigt, bei kurzfristiger Überschreitung von Touristenvisa wegen der Unmöglichkeit der Ausreise Visaverlängerungen zu ermöglichen. Betroffene sollten sich bei bei Überschreitung der erlaubten Aufenthaltsdauer mit der zuständigen Botschaft in Verbindung setzen. Zudem empfiehlt die Deutsche Botschaft deutschen Staatsbürgern, die sich in Vietnam aufhalten, dringend, sich auf der Elefand-Liste des Auswärtigen Amtes einzutragen, um im Notfall erreichbar zu sein. 

    Neue Arbeitserlaubnis nur für Experten 

    Auch die Erteilung von Arbeitserlaubnissen ist in der augenblicklichen Situation schwierig. Bereits erteilte, nun ablaufende Arbeitsgenehmigungen werden in der Regel zwar noch verlängert, allerdings mit Verzögerung. Die Neuerteilung von Work Permits aber ist so gut wie ausgeschlossen. Eine Entscheidung über die Erteilung einer neuen Arbeitserlaubnis erfolgt zur Zeit von Fall zu Fall und bedarf der intensiven Zusammenarbeit mit der zuständigen Behörde.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Der Schutz des Landes und der Bevölkerung hat für die vietnamesische Regierung Vorrang. Steuerstundungen und erleichterte Kredite sollen Unternehmen entlasten (Stand: 8. Mai 2020).

    Seit Ausbruch von COVID-19 in China hat die vietnamesische Regierung die Bekämpfung der Krankheit im eigenen Land zum obersten Ziel erklärt. Sie mobilisiert alle Kräfte, um ein Übergreifen auf die Bevölkerung zu verhindern. Wirtschaftliche Interessen sind diesem Ziel gegenüber klar nachgestellt. Dennoch hat die Regierung umgehend damit begonnen, erste Hilfsprogramme für die von der Coronapandemie betroffenen Unternehmen und Privatpersonen aufzulegen.

    Als eine der ersten Maßnahmen hatte sie bereits Anfang Februar angekündigt, dass sämtliche Kosten für Test und Behandlung einer Covid-19-Erkrankung sowie für eine eventuell erforderliche Quarantäne durch die Vietnam Social Insurance, den vietnamesischen Kranken- und Sozialversicherungsträger, übernommen werden. Ausländische Staatsbürger sind hiervon grundsätzlich ausgenommen.

    Zudem hat die Regierung ein Sozialprogramm in Höhe von 2,7 Milliarden US-Dollar (US$) aufgelegt, das Unternehmen und Individualpersonen im Zeitraum zwischen zunächst April und Juni 2020 unterstützen soll.

    Ein Großteil der Maßnahmen zielt auf die Sicherung des Lebensunterhalts sozial fragiler Bevölkerungsschichten und Arbeitnehmer ab, die aufgrund von Entlassung oder Freistellung ohne Gehalt Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Unternehmen profitieren von erleichterten Kreditkonditionen und Stundungen bei der Zahlung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.

    Sicherung des Lebensunterhalts Schwerpunkt der Regierungsmaßnahmen

    Arme und armutsgefährdete Haushalte erhalten im Zeitraum zwischen April und Juni jeweils 1 Million vietnamesische Dong (circa 43 US$) monatliche Unterstützungsleistung. Arbeitnehmer, deren Arbeitsverträge aufgrund der Pandemie ruhend gestellt wurden, erhalten 78 US$ pro Monat. Auch Kleinbetriebe, die ihr Unternehmen aufgrund der Eindämmungsvorgaben schließen mussten (wie Cafés, Restaurants und nicht-notwendige Ladengeschäfte), können eine monatliche finanzielle Unterstützung bekommen.

    Arbeitgeber stehen grundsätzlich in der Pflicht, ihren Arbeitnehmern auch im Falle der vorübergehenden Betriebsstilllegung Lohnfortzahlung in Höhe von mindestens dem Mindestlohn zu leisten. Dieser liegt, regional gestaffelt, zwischen 3.070.000 Dong (rund 132 US$) und 4.420.000 Dong (rund 190 US$). Sehen sich Betriebe hierzu außerstande, können sie, so zumindest Regierungsentwürfe, 50 Prozent der ausstehenden Zahlungsverpflichtungen zum Nullzinssatz aufnehmen. Praktisch aber arbeitet ein Großteil der Betriebe mit mehr oder weniger freiwilligen Lohnverzichtserklärungen der betroffenen Arbeitnehmer.

    Banken schnüren Kreditpakete

    Die Staatsbank hatte im März 2020 Kreditinstituten Vorgaben an die Hand gegeben, die ihnen erlauben, notleidenden Unternehmen die Restrukturierung oder Stundung laufender Kredite sowie Zinserleichterungen anzubieten.

    Die Regierung hat die Banken zudem angewiesen, Kredite in Höhe von 12,1 Milliarden US$ zu abgesenkten Zinssätzen auszugeben. Bereits Anfang März hatte die Staatsbank Kreditzinsen für Darlehen mit kurzer Laufzeit um 0,5 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent abgesenkt. 

    Die ersten Banken haben spezielle Kreditpakete zu deutlich niedrigeren Zinsen auf den Markt gebracht. Die Nachfrage an Krediten steigt indes so langsam wie zuletzt 2014. Das Kreditwachstum lag im 1. Quartal 2020 bei lediglich 1,1 Prozent. Investoren halten sich angesichts der herrschenden wirtschaftlichen Unsicherheit zurück, neue Verbindlichkeiten aufzunehmen. Zudem haben die Banken aus Sorge vor Zahlungsausfällen ihre Kreditvergabepraxis verschärft.

    Steuerstundungen entlasten Unternehmen

    Die Regierung stellt von der Gesundheitskrise betroffenen Unternehmen durch Dekret 41/2020/ND-CP, in Kraft getreten am 8. April 2020, Steuererleichterungen zur Verfügung. Das Gesamtpaket liegt bei 7,7 Milliarden US$. Unternehmen aus besonders betroffenen Branchen wie Textil, Landwirtschaft, Automobil, Tourismus und Gastronomie oder Transport können danach ihre Körperschaft- und Umsatzsteuerzahlungen um bis zu fünf Monate verschieben. Auch die Zahlung von Individualeinkommensteuer und Landnutzungsgebühren wird gestundet. Das Arbeitsministerium hat zudem vorgeschlagen, die Fälligkeit der Beiträge zum Gewerkschaftsfonds ebenfalls um fünf Monate nach hinten zu verlegen.

    Ein besonderes Augenmerk legt die Regierung darauf, Preistreiberei vor allem bei medizinischen Gütern wie Gesichtsmasken, Desinfektionsmitteln oder sonstigen krisenbedingt nachgefragten Produkten zu verhindern. Auch der Lebensmitteleinzelhandel wird streng daraufhin überwacht, dass es gerade bei stark nachgefragten Lebensmitteln nicht zu unverhältnismäßigen Preissteigerungen kommt. Branchenunternehmen berichten von vermehrten Kontrollen seitens der zuständigen Behörden.

    Öffentliche Investitionen sollen die Konjunktur anschieben

    Die Regierung plant bereits jetzt für die Zeit nach der Bewältigung der akuten Gesundheitskrise. Nachdem die öffentlichen Investitionen in den vergangenen Jahren eher zäh flossen, sieht das bislang erst in Ansätzen bestehende Konjunkturprogramm, formuliert in Direktive 11 der Regierung vom 4. März 2020, die beschleunigte Ausschüttung öffentlicher Gelder vor.

    Gerade der Infrastrukturbereich soll angeschoben werden und teils schon jahrelang verzögerte Vorhaben, wie Flughafenprojekte oder Investitionen in die Energiegewinnung, endlich in die Umsetzung gehen. Auch Programme zur Verbesserung des Geschäftsumfelds sowie Förderinitiativen für besonders angeschlagene Branchen wie Tourismus oder Transport stehen auf der To-do-Liste der Regierung. Wie die Umsetzung im Einzelnen aussieht, ist allerdings noch ungewiss.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Der landesweite und auch der grenzüberschreitende Güterverkehr funktioniert trotz Corona, wenn auch verzögert. Problematisch ist der Luftfrachtverkehr (Stand: 8. Mai 2020).

    Der Luftfrachtverkehr ist am Boden. Im April 2020 erreichte die Transportleistung lediglich 136 Millionen Tonnenkilometer, gegenüber dem Vormonat eine Rückgang um 51 Prozent, gegenüber April 2019 sogar um 79 Prozent. Zwischen dem 1. und 22. April waren in- wie ausländische Passagierflüge so gut wie eingestellt. Die Frachtpreise steigen und können, je nach Zielregion und Dringlichkeit, durchaus das Fünffache des Vorkrisenniveaus erreichen.

    Zusätzlich eingesetzte reine Frachtflugzeuge können die ausgefallenen Flüge nicht auffangen. Seit dem 7. Mai werden die inländischen Hauptflugstrecken zwischen Hanoi, Ho Chi Minh City und Danang wieder ansatzweise in Vorkrisenfrequenz bedient. Internationale, insbesondere Interkontinentalflüge verkehren aber nach wie vor nur extrem eingeschränkt. Daher muss weiter mit Engpässen gerechnet werden. 

    Schiffe und Trucks weiter im Einsatz

    Die Schiffsfracht wird bislang durch nationale Einschränkungen nur minimal beeinträchtigt. Zwar gelten Quarantänevorgaben für Crewmitglieder, die in Vietnam von Bord gehen wollen. Auch gibt es Hygiene- und Desinfektionsvorschriften bei Betreten des Schiffes beispielsweise durch Zoll- und Hafenmitarbeiter sowie beim Löschen der Ladung. Diese Vorgaben aber führen, so Branchenvertreter, lediglich zu Verzögerungen von wenigen Stunden. Die Häfen des Landes arbeiten normal weiter, wenn auch aufgrund der Vorgaben zur „Sozialen Isolation“ teilweise mit weniger Personal.

    Der internationale Schiffstransport von und nach Vietnam hingegen wird durch internationale Verwerfungen im Schifffrachtverkehr gestört. Einbrüche bei den Frachtvolumina führen zu vermehrten Routenänderungen, Leerfahrten oder kompletten Stornierungen. Problematisch ist nach wie vor der Mangel an Containern. Allgemein, verstärkt aber bei Sonderausstattungen wie temperaturgeführten Containern, schlagen Engpässe auf die Preise nieder.

    Der inländische und grenzüberschreitende Straßentransport läuft weiter, wenn auch aufgrund geringerer Frachtvolumina unregelmäßiger. Die meisten Grenzübergänge für Trucks von und nach China sind nach Schließungen im Februar und März wieder geöffnet. Mit verlängerten Abfertigungszeiten ist zur rechnen, da Hygiene- und Desinfektionsvorgaben eingehalten werden müssen. Zudem sind die Grenzöffnungszeiten an einigen Grenzübergängen verkürzt worden. Bestimmte Transporte werden prioritär abgefertigt. Hierzu zählen Warentransporte durch Authorised Economic Operators (AEO) oder solche, die in Bonded Area verbracht werden sollen.

    Die Grenzübergänge nach Laos und Kambodscha sind zur Zeit für den Personenverkehr geschlossen, nicht jedoch für den Warenverkehr. Grenzüberschreitender Überlandtransport Richtung Thailand ist möglich; es können sich aber aufgrund von Quarantäne- und Hygienevorgaben Verzögerungen ergeben.

    Vietnam hält sich mit Import- und Exportbeschränkungen zurück

    Wie die Regierungen der ganzen Welt versucht auch die vietnamesische Führung, die für die Bekämpfung der Covid-Pandemie erforderliche Notfallausstattung zu beschaffen. Zu diesem Zweck hat sie Steuererleichterungen für die Einfuhr von medizintechnischen Produkten (inklusive Zulieferungen für die medizintechnische Produktion) erlassen.

    Mit Exportbeschränkungen hält sich die Regierung bislang hingegen zurück. Um den landeseigenen Bedarf zu decken, kooperiert das Gesundheitsministerium vielmehr eng mit den medizintechnischen Unternehmen des Landes. Zwischenzeitlich hatte die Regierung auch den Export medizinischer Schutzmasken und die Ausfuhr von Medikamenten für die Behandlung von Covid-Erkrankungen quotiert beziehungsweise untersagt. Diese Ausfuhrverbote sind seit dem 29. April 2020 aber wieder aufgehoben.

    Pandemie belastet Exporte

    Die gedrosselte Inlandsproduktion, die zum Teil deutlich geringere Nachfrage aus dem Ausland und die erschwerten Transportbedingungen schlugen sich im April 2020 auf die vietnamesischen Ausfuhren nieder. Bedingt durch die Coronakrise verzeichneten die vietnamesischen Exporteure im April 2020 erstmals seit langer Zeit ein Minus. So lag der Wert der exportierten Waren im April 2020 nach den jüngsten von dem vietnamesischen Statistikamt verfügbaren Daten nominal 3,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Dabei brachen die Ausfuhren von in Vietnam produzierten Smartphones (inklusive Teile) sogar um fast 15 Prozent ein. Textil und Bekleidung, Schuhe und Handtaschen verloren ebenfalls, ebenso Baumaterialien und Chemikalien. Weltweite Lockdowns und Homeoffice aber beflügeln zumindest die Computerbranche. So exportierte Vietnam gut 28 Prozent mehr elektronische Güter, Computer und Computerteile.


    Exporte ausgewählter Produktgruppen April 2020

    Wert (Mio. US$)

    nominale Veränderung zum Vorjahresmonat (in %)

    Telefone/Smartphones und Bestandteile

    3.300

    - 14,9

    Elektronische Güter, Computer und Bestandteile

    3.300

    28,2

    Textil und Bekleidung

    1.900

    - 19,2

    Maschinen, Werkzeuge und Bestandteile

    1.800

    33,9

    Schuhe

    1.300

    - 10,6

    Holz und Holzprodukte (inkl. Holzmöbel)

    850

    - 0,1

    Meeresfrüchte

    600

    - 5,0

    Quelle: General Statistics Office Vietnam


    Die weitere Entwicklung dürfte vor allem davon abhängen, wie die Pandemie in den USA und der EU, den wichtigsten Abnehmern des Landes, weiter läuft. Gerade die vietnamesische Schuh- und Bekleidungsindustrie, aber auch die Möbelindustrie dürfte von der angekündigten vorsichtigen Öffnung des stationären Einzelhandels in ersten Staaten Europas und auch den USA profitieren. Gerade in diesen Branchen war eine Vielzahl an Aufträgen aus dem Ausland storniert worden. 

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Die Lieferketten für Vietnams herstellende Industrie funktionieren weitestgehend. Allerdings fragt das Ausland weniger Waren nach (Stand: 8. Mai 2020).

    Produzierende Unternehmen in Vietnam sind von einer Unterbrechung der Lieferketten verhältnismäßig wenig betroffen und können bislang, wenn auch mit pandemiegeschuldeten Einschränkungen, weiterarbeiten. Dennoch gehen internationale Lieferschwierigkeiten zumindest an den deutschen Unternehmen im Land nicht vorbei. 59 Prozent der befragten Firmen klagen laut dem AHK Business Outlook 2020 über die erschwerte Zulieferung von Vorprodukten.

    Wichtigster Lieferant für die vietnamesische produzierende Industrie ist China mit einem Importanteil von 25 Prozent. Nachdem die Produktion in China wieder hochgefahren wurde und der Land- und Seefrachttransport, wenn auch lückenhafter als zuvor, angelaufen ist, pendeln sich die Zulieferungen ein. Damit ist insbesondere die Schuh- und Bekleidungsindustrie wieder mit Vorprodukten versorgt. Allerdings brechen der Branche die Aufträge der wichtigsten Abnehmer USA und Europa weg.

    Auch große Elektronikunternehmen wie Samsung, die zwischenzeitlich dringend benötigte Komponenten einfliegen mussten, können wieder produzieren. Hier allerdings erschweren Sicherheits- und Hygienevorgaben die Produktion teils massiv. Eine Produktionsstätte Samsungs im Norden Hanois musste im April die Produktion stoppen, nachdem ein Mitarbeiter positiv auf den Virus getestet wurde.

    Korea und Japan, die zusammen im Februar 2020 knapp 30 Prozent aller Importe stellten, mussten nur wenig Produktionsausfälle verkraften und liefern bislang ohne größere Probleme und Verzögerungen weiter, ebenso wie Taiwan. Damit ist die Zulieferung weiterer wichtiger Komponenten für die Elektronikindustrie, der mit Abstand wichtigsten Industrie des Landes, weitestgehend gesichert.

    Lücken reißen hingegen an andere Stellen auf. In Zusammenarbeit mit malaysischen Lieferanten kommt es, so deutsche Unternehmen vor Ort, vermehrt zu Lieferschwierigkeiten. Zudem dürfte die Beschaffung von Vorprodukten und Rohmaterialien aus Indien aufgrund des landesweiten Lock downs in den kommenden Wochen schwierig bis unmöglich werden. Dies stellt vor allem Chemie- und Pharmahersteller, aber auch einzelne Textilunternehmen in Vietnam vor Probleme. Die vietnamesische Automobilbranche bezieht ebenfalls Teile seiner Komponenten aus Indien. Allerdings hatten die Automobilhersteller im Land die Produktion ohnehin seit Anfang April eingestellt. Nur langsam nehmen erste Produzenten wie Honda und Nissan ihre Produktion wieder auf.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Gesundheitswesen in Vietnam

    Covid-19: Gesundheitswesen in Vietnam

    Vietnam hat den gesamten medizinischen Sektor mobilisiert, um sich auf den Notfall vorzubereiten. Die akute Krise scheint aber zunächst überstanden (Stand: 8. Mai 2020).

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Vietnam
    Quelle: Ministry of Health; General Statistics Office; Business Monitor International (BMI)

    Indikator

    2018 

    Bevölkerungsgröße (in Mio.)

    94,6

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre (in %)

    7,4

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner 

    0,9

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner 

    2,8

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (US$)

    149,4


    Vietnams Gesundheitswesen steht für ein Land mittleren Einkommens recht gut da. In den städtischen Zentren existieren einige öffentliche spezialisierte Krankenhäuser, die im Regelfall eine medizinisch angemessene Patientenversorgung gewährleisten können.

    Bereits im Normalbetrieb aber sind die staatlichen Krankenhäuser in Ho-Chi-Minh-City (HCMC) und Hanoi hoffnungslos überlastet. Die Belegung eines Bettes mit zwei oder mehr Patienten ist keine Seltenheit. Branchenexperten schätzen die Auslastung auf 130 Prozent. In vielen der staatlichen Krankenhäuser ist die medizintechnische Ausstattung zudem veraltet oder nicht vollständig einsatzbereit.

    Außerhalb der großen städtischen Zentren sieht es mit der ärztlichen - vor allem der intensivmedizinischen - Versorgung eher schlecht aus. Viele lokale und Provinzkrankenhäuser sind weder technisch noch von der Ausbildung des Personals her in der Lage, umfassendere medizinische Notfälle zu behandeln. Ein großflächiger Ausbruch der Coronapandemie in Vietnam würde, so Branchenexperten, in kürzester Zeit zum Kollabieren der medizinischen Versorgung führen.

    Vietnams Gesundheitssektor wappnet sich für den Notfall

    Das Ministry of Health und die Krankenhäuser des Landes wissen dies. Entsprechend haben Behörden und Krankenhäuser die medizinische Notfallversorgung in kürzester Zeit soweit wie möglich hochgefahren. Schutzmaßnahmen wie strengere Hygienevorschriften oder Möglichkeiten zur Isolierung erkrankter Personen oder Verdachtsfälle wurden unmittelbar eingeführt. Zudem hat Hanoi zwei, Ho Chi Minh City vier und die nördliche Provinz Quang Ninh drei Feldkrankenhäuser für die Behandlung von Covid-Erkrankten errichtet. Landesweit wurden Quarantäneeinrichtungen geschaffen, die zur Zeit vor allem Rückkehrer aus dem Ausland beherbergen. 

    Gesundheitsministerium pusht die Produktion von Notfallausstattung

    Das Gesundheitsministerium arbeitet eng mit in- und ausländischen medizintechnischen und pharmazeutischen Unternehmen des Landes zusammen, um den Fortgang der Produktion sicherzustellen. Hierbei liegt das Augenmerk darauf, die im Falle des Ausbruchs erforderliche Ausstattung sicherzustellen. Die Behörden des Landes unterstützen Branchenunternehmen mit Einfuhrsteuererleichterungen und der vorrangigen Zollabfertigung von Vorprodukten für die als „essentiell“ deklarierte medizintechnische Produktion. Wichtige Medikamente und medizintechnische Ausstattung registriert das Gesundheitsministerium im Fast-Track-Verfahren.

    Bei medizintechnischen Produkten, die für die Bekämpfung der Pandemie ohne Bedeutung sind (wie orthopädische oder chirurgische Ausstattung) ist die Nachfrage hingegen fast vollständig weggebrochen, so Branchenunternehmen. Arztbesuche und nicht notwendige Operationen werden seit Anfang Februar 2020 aufgeschoben. Eine Erholung dürfte erst wieder nach Abflauen der akuten Bedrohungssituation eintreten. 

    Mittlerweile weltweit händeringend gesuchte medizinische Verbrauchsmaterialien wie Gesichtsmasken, Handschuhe oder Schutzkleidung, aber auch Laborausstattung wie Abstrichröhrchen stellt Vietnam selbst her. Soweit es die Versorgungssituation in Vietnam gestattet, gehen diese  Produkte auch in den Export. Exportbeschränkungen für medizinische Schutzmasken sind seit dem 29. April aufgehoben. Auch Medikamente, die zur Behandlung von Coronaerkrankungen genutzt werden, dürfen wieder ausgeführt werden.

    Lokale Unternehmen gehen in die Produktion von Beatmungsgeräten

    Bei technisch komplexerer Ausstattung wie Röntgengeräten ist Vietnam grundsätzlich auf Importe angewiesen. Knapp 90 Prozent aller medizintechnischen Geräte kamen laut BMI 2018 aus dem Ausland, 14 Prozent davon aus Deutschland. Gerade Beatmungsmaschinen aber sind auf dem internationalen Markt in hinreichender Menge und zu bezahlbaren Preisen kaum noch zu bekommen.

    Um diese Versorgungslücke zu schließen, ist die Vingroup Ende März in die Produktion eigener Beatmungsgeräte eingestiegen. Die Lizenz für die invasiven Beatmungsmodelle liefert die amerikanische Firma Medtronics. Am 28. April meldete das Unternehmen, zwei Prototypen entwickelt zu haben. Ab dem 15. Mai sollen die ersten Geräte ausgeliefert werden. 

    Im Bereich Forschung und Smart Health rüstet Vietnam ebenfalls auf. Die Vietnam Military Medical University hat in Zusammenarbeit mit Viet A Technologies im März 2020 ein Covid-Test-Kit entwickelt. Ende April wurde das Test Kit CE- und CFS- (Certificate of Free Sale) zertifiziert. Zudem hat die WHO das Test-Kit "Made in Vietnam" unter seinen Emergency Use Listing-Verfahren anerkannt. Mittlerweile gehen die Tests in den Export, unter anderem nach Europa.

    Forscher der Hanoier Forschungseinrichtung VABIOTECH und der Universität Bristol arbeiten an der Entwicklung eines Covid-Impfstoffes. Zur Zeit laufen erste Testreihen an Mäusen. 

    Nachverfolgungsapps finden reißenden Absatz

    Gesundheits- und vor allem Covid-19-Tracking-Apps haben rasanten Zulauf. Die in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Behörden entwickelten Anwendungen Suc Khoe Viet Nam (Gesundheit Vietnam), Hanoi Smart City-Patienten-Nachverfolgungsapp sowie die Gesundheitsregistrierungs- und Tracking-App NCOVI zählen in Vietnam zu den meistabgerufensten Anwendungen. Bereits nach wenigen Wochen erreichten sowohl Suc Khoe Viet Nam als auch NCOVI mehr als 500.000 Downloads. Bei allen Apps werden sensibelste Daten (wie der volle Name und Adresse, Gesundheitsstatus und Standort) abgefragt und im Falle einer  Erkrankung auch ganz oder teilweise veröffentlicht. Dies scheint den Nutzern allerdings aktuell gleichgültig zu sein.

    Das Gesundheitsministerium hat in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Information und Kommunikation zudem mit "Bluezone" eine Tracking-App entwickelt, die den Kontakt mit erkrankten Personen melden soll. Hier aber scheint das Interesse der Nutzer noch gering zu sein, möglicherweise auch dem Umstand geschuldet, dass das Land seit Mitte April keine Binneninfektionen mehr verzeichnet hat.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück. Das B2B-Geschäft ist schwieriger geworden. Unter anderem der IKT-Bereich könnte aber von Corona profitieren (Stand: 8. Mai 2020).

    Die Covid-19-Pandemie führt in Vietnam trotz niedriger Infektionszahlen branchenübergreifend zu Umwälzungen. Allerdings stellte sich die wirtschaftliche Lage trotz einschneidender Abschottungsmaßnahmen im ersten Quartal noch verhältnismäßig positiv dar. Die Wirtschaftsleistung des Landes stieg gegenüber dem Vorjahr um 3,8 Prozent, die Exportsteigerungen lagen bei 7,5 Prozent und damit höher als im Vorjahreszeitraum.

    Dienstleistungssektor kämpft mit Corona

    Während die herstellende Industrie im Land, wenn auch unter Einhaltung von Sicherheitsstandards, weiterarbeitet, leiden weite Bereiche des Dienstleistungssektors.

    Die Tourismusindustrie ist hart getroffen. Reisedienstleistungen brachen im April 2020 nach Angaben des vietnamesischen Statistikamtes um 97,5 Prozent ein. Ausländische Touristen dürfen nicht nach Vietnam einreisen. Auch der inländische Reiseverkehr ist im April aufgrund der Maßnahmen zur sozialen Isolation zum Erliegen gekommen, zieht aber nach Aufhebung des Lockdowns nun wieder langsam an. Der Tourismussektor, der 2018 dem Kulturministerium zufolge gut 8 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitrug, wird sich erst wieder erholen, wenn in- und ausländische Touristen, insbesondere aus den wichtigsten Herkunftsländern Korea und China, wieder das Land bereisen können und auch wollen. 

    Gastronomiebetriebe können seit dem 23. April 2020 wieder Kunden begrüßen. Der Einzelhandel brach im April aufgrund der Schließung aller nicht notwendigen Geschäfte um 15 Prozent ein. Es bleibt abzuwarten, wie schnell die Kauflaune der Verbraucher in Folge der weitgehenden Normalisierung des Lebens im Mai zurückkehrt.

    Unternehmen halten sich mit Investitionen in Maschinen und Anlagen zurück 

    Da Unternehmen kaum investieren, gestaltet sich das B2B-Geschäft deutlich schwieriger. Anlagenverkäufer berichten von großer Zurückhaltung der Kunden. Produktionsunternehmen, die Ende vergangenen Jahres noch Ausweitungen der Produktion planten, stellen aufgrund der herrschenden Unsicherheit Neuinvestitionen in Maschinen und Ausstattung zurück. Die Installation im Ausland eingekaufter und bereits gelieferter Anlagen ist teils schwierig bis unmöglich, weil das technische Personal nicht oder nur unter größten Schwierigkeiten und bei Einhaltung einer 14-tägigen Quarantäne nach Vietnam einreisen kann.

    Neuaufträge zu verhandeln bleibt herausfordernd. Geschäftstreffen und Veranstaltungen finden im Moment nicht statt. Auch können die Hersteller komplexer Anlagen nicht für persönliche Verkaufsgespräche oder Produktpräsentationen einreisen.

    Textilunternehmen satteln um

    Der Produktionsbereich ist bislang weniger von der Krise betroffen. Zwar steigen Produktionskosten aufgrund verpflichtender Sicherheits- und Hygienevorgaben. Nach Aufhebung des Lockdowns aber fährt ein Großteil der Unternehmen die Produktion wieder hoch, soweit es die Auftragslage gestattet.

    Insbesondere Unternehmen der Schuh- und Bekleidungsindustrie aber klagen über bedeutende Umsatzeinbußen und Auftragsausfälle. Erste europäische und vietnamesische Textilunternehmen haben die Produktion von Bekleidung auf die Herstellung von Schutzmasken umgestellt und versuchen so, ausbleibende oder stornierte Aufträge zu kompensieren. Laut Zeitungsberichten rechnet allein das größte Textilunternehmen des Landes, Vinatex, mit der Kündigung von 50.000 Mitarbeitern.

    Aber nicht allen Unternehmen geht es schlecht. So berichtet ein in Zentralvietnam produzierender deutscher Schuhhersteller, er mache „Business as usual“ und sei weder von Störungen der Lieferketten noch von Absatzeinbrüchen betroffen.

    Mittelfristig erwarten Branchenbeobachter eine Konsolidierungswelle in Sektoren, die in der Wertschöpfungskette eher am unteren Ende angesiedelt sind. Unternehmen in der Plastik- und Kautschukindustrie, aber auch in der Textilbranche, Holz- und Möbelverarbeitung oder Hersteller von Baustoffen wie Klinker und Zement beginnen zu straucheln. Gerade kleine, wenig effizient arbeitende und finanziell schwach aufgestellte Unternehmen werden Schwierigkeiten haben, eine sinkende nationale und internationale Nachfrage zu kompensieren. Dies dürfte den Weg frei machen für technologisch, finanziell und unternehmerisch besser aufgestellte Unternehmen.

    Ausländische Elektronikunternehmen erwägen Umsiedlung nach Vietnam

    Die Elektronik- und Zulieferindustrie des Landes könnte einer der Gewinner der Krise werden. Vertreter von Industrieparks im Norden Vietnams berichten, dass große internationale Unternehmen und deren Zulieferer sich mit Hochdruck neue Standbeine jenseits ihrer Produktion in China suchen. Der Shutdown der Industriemetropole Wuhan und die darauf folgenden Ausfälle von dringend benötigten Komponenten-Zulieferungen trugen dazu bei, bereits bestehende Umsiedlungsüberlegungen noch zu beschleunigen.

    Für japanische Unternehmen, bereits jetzt einer der wichtigsten Investoren im Land, ist eine Auslagerung der Produktion aus China heraus eine besonders attraktive Option. So kündigte die japanische Regierung Anfang April an, Umsiedlungen japanischer Unternehmen zurück nach Japan oder in ASEAN-Staaten finanziell zu unterstützen.

    Der IKT- Bereich hat durch die Krise an Dynamik gewonnen. Home Office, Sicherheitsabstände in der Produktion und Reisebeschränkungen machen Internet of Things und Industrie 4.0-Lösungen wie Fernwartung, flexible Produktion und 3D-Druck von Ersatzteilen und Komponenten auch attraktiv für Unternehmen, die bislang entsprechende Investitionen scheuten.

    Einige große und mittlere Unternehmen, so berichten Brancheninsider,  denken über eine Digitalisierung von Unternehmensprozessen wie Personalverwaltung, Einkauf und Vertrieb nach, um mittelfristig kostenoptimierter arbeiten zu können. Inwieweit sich eine Digitalisierung von Unternehmensverwaltung und Produktion durchsetzen kann, wird aber erheblich davon abhängen, wie die Unternehmen es finanziell durch die Krise schaffen.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Coronavirus und Recht

    Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße auch für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren vietnamesischen Geschäftspartnern. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wann ist eine Berufung auf „höhere Gewalt“ möglich?


    Was regelt der Vertrag?

    Spätestens wenn Probleme entstehen, ist es sehr wichtig, zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen hierzu unter „Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“).


    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Zunächst: die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: Genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit, zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.


    Was gibt es generell zu beachten?

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens, wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Nationales Recht: Nichterfüllung von Verträgen nach vietnamesischem Recht

    Ein Länderbericht „Coronavirus und Verträge“ liegt zurzeit nicht vor. Ihre Ansprechpartnerin bei Fragen zum Thema: julia.merle@gtai.de.

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