Wirtschaftsausblick

26.06.2018

Wirtschaftsausblick - Gambia (Juni 2018)

Inhalt

Aufatmen im Nischenmarkt / Von Carsten Ehlers

Banjul (GTAI) - Das wirtschaftliche Klima hat sich in Gambia nach dem Regierungswechsel 2017 spürbar verbessert. Für ausländische Unternehmen dürften die Geschäftschancen insgesamt zunehmen. Von privater Seite fließt reichlich Geld in den Bau von Wohnungen im Großraum Banjul. Internationale Geberorganisationen kündigen eine Geldschwemme für Entwicklungsprojekte an. Gleichwohl hat sich an den armen Verhältnissen der Bevölkerung bislang kaum etwas geändert - das Konsumklima bleibt vorerst schwach ausgeprägt.

Wirtschaftsentwicklung: Zarter Aufschwung nach zehn Jahren Flaute

Nach vielen Jahren schlechter Wirtschaftsentwicklung blickt das westafrikanische Gambia seit dem Jahr 2017 erstmals wieder mit Optimismus in die Zukunft. Economist Intelligence Unit (EIU) erwartet für das Jahr 2018 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,3 Prozent. Für 2018 werden 4,8 Prozent prognostiziert. Für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensverhältnisse des äußerst armen Landes reicht dies bei Weitem nicht aus. Angesichts der wirtschaftlichen Stagnation der letzten Jahre kann man aber von einem zarten Aufschwung sprechen. Dieser dürfte auch deutschen Unternehmen eine zunehmende Anzahl von Geschäftsmöglichkeiten bescheren. Gleichwohl wird deren Umfang begrenzt bleiben, denn Gambia ist mit gerade einmal 2,1 Millionen Einwohnern einer der kleinsten Märkte Subsahara-Afrikas.

Grund für den Aufschwung ist in erster Linie der politische Wechsel, welcher 2017 vollzogen wurde. Nachdem Gesellschaft und Wirtschaft in den letzten zehn Jahren unter dem alten Präsidenten Yahya Jammeh stark kontrolliert und laut lokalen Geschäftsleuten auch verängstigt wurden, herrscht derzeit eine Atmosphäre des Aufatmens. Gleichwohl bleibt die Situation fragil, denn die neue aus acht Parteien bestehende Regierung unter Adama Barrow gilt als schwach. Regierungs-Knowhow ist ebenso ein Problem wie Kapitalmangel. Das Land ist mit circa 130 Prozent des BIP hochverschuldet und muss einen Großteil seines Staatshaushaltes für den Schuldendienst ausgeben.

Gleichwohl gibt es bereits jetzt positive Entwicklungen, die die Wirtschaft des Landes in den kommenden Jahren antreiben dürften. So berichten Landeskenner von deutlich gestiegenen Grundstückspreisen im Großraum Banjul (Banjul, Bakau, Serekunda). Dort investieren Gambier und zunehmend auch Angehörige der großen gambischen Diaspora in den USA und Europa in den Bau von Wohnungen. Verbrieft ist auch das deutlich zunehmende Engagement der internationalen Geberorganisationen. Auf einer Geberkonferenz für Gambia im Mai 2018 in Brüssel wurden insgesamt 1,45 Milliarden Euro an Hilfen in Aussicht gestellt. Darunter befindet sich gleichwohl ein großer Anteil von Krediten, die sich das hochverschuldete Land eigentlich gar nicht leisten kann. Dennoch dürfte es in den nächsten zehn Jahren zu vermehrten Geberprojekten in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft kommen.

Positiv sind auch die Aussichten für den Tourismussektor des Landes. Das deutsche Tourismusunternehmen FTI hat in Gambia bereits zwei Hotels übernommen und scheint das Land bald wieder direkt aus Deutschland anfliegen zu wollen. Darüber hinaus wird von anderer Seite in den Neubau von Hotels sowie eines Konferenzzentrums investiert. Die Bauten sollen bis zum Jahr 2019 fertig gestellt sein, wenn in Banjul der Gipfel der Organisation of the Islamic Cooperation (OIC) stattfinden wird. Das Großevent dürfte tausende Besucher in das Land bringen und soll eine Initialzündung für Projekte im Hospitalitybereich darstellen. Gambia kann binnen fünf Stunden aus Mitteleuropa angeflogen werden und gilt daher als europanahes und damit günstiges Touristenziel. Nachteilig wirkt sich indes aus, dass mit Brussels Airlines nur ein europäischer Linienflieger Banjul anfliegt und dafür entsprechend hohe Preise verlangt. Gambias Tourismus befindet sich seit 2014 in der Krise, als in Westafrika Ebola ausbrach und sich die großen Tourismusanbieter aus Westafrika verabschiedeten.

MKT201806258002.14

Wirtschaftliche Eckdaten Gambias
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 962,8 1.013,0 *) 3.686,7
BIP pro Kopf (US$) 473,2 480,0 *) 44.595
Bevölkerung (Mio.) 2,0 2,1 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = x GMD (gambischer Dalasi)) 48,56 52,64 -

*) Schätzung

Quellen: EIU, Oanda, Internationaler Währungsfonds (IWF), Statistisches Bundesamt

Investitionen: Geber und privater Hochbau sorgen für Dynamik

Investitionen sind das, was Gambia am dringendsten benötigt, um die junge Bevölkerung in Lohn und Brot zu bringen. Das Investitionsklima hat sich nach dem Regierungswechsel deutlich verbessert. Gleichwohl bleiben Nachteile bestehen, wie Korruption, politische Instabilität, Marktintransparenz und eine geringe Kaufkraft. Hinzu kommt die geringe Marktgröße. Gleichwohl ist das Potenzial in dem grundsätzlich unterversorgten Markt für kleinere und geduldige Unternehmertypen vorhanden.

Zusammen mit lokalen privaten Investoren dürften internationale Geber in den kommenden Jahren für eine rege Investitionstätigkeit im Baubereich sorgen. Während die private Seite vor allem Hochbauprojekte vorantreibt, fließt das Geld der Geber wie EU, Weltbank oder China in die Infrastruktur. An vorderer Stelle stehen der Energie- und der Transportsektor. Weil in den Bereichen Energie, Wasser, Hafen oder Telekommunikation marode Staatsfirmen über einen großen Einfluss verfügen, bleibt das private Interesse gering. Die Weltbank will daher Staatsunternehmen wie Gamtel, die National Water & Electricity Company (NAWEC) oder die Gambia Ports Authority entschulden und umstrukturieren.

Ausgewählte Großprojekte in Gambia
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Ausbau des Hafens von Banjul 162,2 Geplant. Bewerber für den Ausbau sind seit Mitte 2017 die China Communications Construction Company (CCCC) und die französische Bolloré.
Trans-Gambia-Bridge 86,9 Im Bau. Ein Großteil der Finanzierung kommt von der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB).
Gambia International Conference Centre 50 Im Bau. Baudurchführer: China Jiangsu Provincial Construction Company. Finanzierung: chinesische Regierung. Fertigstellung ist für 2019 geplant.
EU-Solarprojekt 29 Geplant. Verschiedene Solarprojekte sollen in Gambia durchgeführt werden. Das Geld kommt aus dem European Development Fund (EDF).
Projekte im Rahmen der Organisation pour la Mise en Valeur du fleuve Gambie (OMVG) 711 Im Bau. Fertigstellung ist für 2020 geplant, Verzögerungen aber wahrscheinlich. Das Projekt umfasst den Bau mehrerer Wasserkraftwerke mit 368 Megawatt grenzüberschreitender Übertragungsleitungen nach Senegal.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/gambia, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Bislang hat sich das Konsumklima kaum verbessert

Trotz deutlich besserer wirtschaftlicher Aussichten hat sich die Kaufkraft für die breite gambische Bevölkerung bislang kaum verändert. Sie bleibt mit einem Pro-Kopf-Einkommen von nur etwa 480 US-Dollar (US$) im Jahr sehr gering. Neue Jobs dürften im Großraum Banjul entstehen, wenn die Botschaften und Geberorganisationen ihre Präsenz in Banjul aufstocken. Dies zeichnet sich nach dem politischen Wechsel ab. Auch die wieder zunehmenden Touristenzahlen in der Saison von November bis März sorgen für die Entstehung von Arbeitsplätzen. Aus diesem Grund sind die Aussichten für eine Zunahme des Verbrauchs positiv.

Vor allem die zunehmende Präsenz von Expats in Banjul dürfte auch für eine deutlich steigende Nachfrage nach hochwertigen Konsumgütern sorgen. Weil die Landwirtschaft den Nahrungsmittelbedarf bei Weitem nicht decken kann, ist Gambia auf importierte Grundnahrungsmittel angewiesen. Im Hafen von Banjul kommen jede Woche große Schiffe aus aller Welt an und bringen Fleisch, Getreide, Gemüse, Milchpulver oder andere Nahrungsmittel. Der Handel wird dominiert von libanesischen Familien. Ausländische Einzelhandelsketten, die in vielen größeren westafrikanischen Ländern Supermärkte betreiben, gibt es in Banjul nicht.

Außenhandel: Versorgung erfolgt häufig von Dakar aus

Gambia ist für die deutsche Wirtschaft ein äußerst kleiner Absatzmarkt. Nachdem der Exportwert im Jahr 2016 auf nur etwa 8,3 Millionen Euro kam, betrug er im Jahr 2017 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes immerhin 11 Millionen Euro. Speziell für deutsche Ausrüstungen und Maschinen bietet Gambia nur in äußerst begrenztem Maße einen Markt. Das könnte sich ändern, wenn die Ölproduktion in einigen Jahren anlaufen sollte. Für Agrochemie könnte bei Geberprogrammen zunehmender Bedarf entstehen. Einen wesentlichen Anteil der deutschen Lieferungen machen Nahrungsmittel und Gebrauchtwagen aus. Das Straßenbild in Gambia wird dominiert von alten Mercedes-Taxen und Kleinbussen.

Kein deutsches Unternehmen ist selber mit einer Verkaufsniederlassung in dem kleinen Markt präsent und auch in Westafrika bekanntere Vertriebspartner sind mit Ausnahmen von CFAO (Toyota) in Banjul nicht präsent. Distributoren wie Bia, Tractafric oder DEM betreiben im nahen Dakar in Senegal Niederlassungen und bedienen Gambia von dort aus. Exportiert werden kann nach Gambia ohne Probleme. Die großen Containerlinien fahren den Hafen von Banjul alle an. Gambia exportiert nur in sehr geringem Umfang, in erster Linie handelt es sich um Agrarrohstoffe wie Erdnüsse, Cashewnüsse und Fisch.

Außenhandel Gambias (in Mio. US$; Veränderung in %)
2017 *) 2018 *) Veränderung 2017/18
Importe 354,7 405,2 14,2
Exporte 89,5 99,0 10,6
Handelsbilanzsaldo -265,2 -306,2 -

*) Schätzung beziehungsweise Prognose

Quelle: EIU

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=swotanalyse--gambia-juni-2018,did=1936144.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/branchencheck,t=branchencheck--gambia-juni-2018,did=1936150.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Gambia Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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