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28.08.2019

Abfallwirtschaft in Thailand macht Fortschritte

Übergang zur Kreislaufwirtschaft wird diskutiert / Von Thomas Hundt

Bangkok (GTAI) - Thailand modernisiert seine Abfallentsorgung. Der Weg von einer Wegwerf- zu einer Kreislaufwirtschaft ist noch lang. Der Staat legt nun mit Förderungen und Empfehlungen nach.

Der National Solid Waste Management Master Plan der thailändischen Regierung von 2016 bis 2021 sieht vor, dass sämtliche Abfälle gesammelt, sortiert und entsorgt werden. Der Masterplan will auch das 3R-Prinzip verankern, das heißt, Haushalte und Gewerbebetriebe sollen Abfälle reduzieren, wiederverwenden und recyceln. Die Abfallwirtschaft muss noch stark aufholen, um diese Ziele zu erreichen.

Die Siedlungsabfälle wachsen stetig. Die statistisch erfassten Mengen legten von 2013 bis 2018 von 26,8 Millionen auf 27,8 Millionen Tonnen zu. Die Abfallwirtschaft entsorgt davon inzwischen etwa 40 Prozent ordnungsgemäß auf Deponien. Entsorgungsbetriebe recyceln ein weiteres Drittel oder produzieren daraus Düngemittel.

Der Rest von circa 7,4 Millionen Tonnen Müll landete 2018 immer noch in der Natur, wurde einfach verbrannt oder gelangte in Gewässer. Umweltschützer verweisen auf die Unmengen an heimischem Plastikabfall, der den Golf von Thailand verschmutzt.

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Haushaltsabfälle werden nicht hinreichend gesammelt und sortiert

Umweltminister Surasak Kanjanarat sagte im März 2019, dass bis 2030 sämtliche Kunststoffe recycelt werden sollen. Die Einwohner in den Städten produzierten 2018 immerhin zwei Millionen Tonnen an Kunststoffabfällen. Davon wurde nur ungefähr ein Viertel wiederverwertet.

Investoren wollen die Wiederverwertung von sortenreinen Kunststoffabfällen nun aufnehmen. Das Thailand Board of Investment gewährt Unternehmen, die in die Herstellung von umweltfreundlichen Produkten aus Wertstoffen investieren, Befreiungen von der Körperschaftssteuer und von Einfuhrabgaben.

Der französische Konzern Suez kündigte im Juni 2019 den Bau einer Kunststoff-Recyclinganlage im Distrikt Bang Phli in der Nähe von Bangkok an. Der Betrieb wird pro Jahr 30.000 Tonnen an Polyethylenfolien in Recyclingkunststoffe umwandeln können. Suez will das Werk auch mit einer eigenen Wasseraufbereitungsanlage und einer Dachsolaranlage ausstatten.

Der lokale Chemiekonzern PTT Global und der Kunststoffkonverter Alpla aus Österreich arbeiten an einer Machbarkeitsstudie, die ein Recyclingwerk zur Herstellung von Polyethylenterephthalat- und High Density Polyethylene-Rezyklaten vorsieht. Die Investitionsentscheidung soll im 3. Quartal 2019 erfolgen.

Die Regierung fördert ab 2019 auch die Verwendung von biologisch abbaubaren Kunststoffen und will, dass bestimmte Plastikprodukte verschwinden. Das Kabinett beschloss am 4. Juni 2019, dass Unternehmen, die biologisch abbaubare Verpackungen verwenden, steuerliche Anreize erhalten. Sie können von ihren steuerpflichtigen Einkünften die 1,25-fachen Aufwendungen für biologisch abbaubare Kunststoffverpackungen abziehen, die sie zwischen dem 1. Januar 2019 und 31. Dezember 2021 erwerben. Welche kompostierbaren Kunststoffe sich qualifizieren und wie Finanzämter diese Sonderausgabe absetzen, bleibt noch abzuwarten.

Die Aufsichtsabteilung im Umweltministerium (Pollution Control Department, PCD) arbeitet außerdem an einem freiwilligen Verzicht von Verschlusskappen von Wasserflaschen und von Mikroplastik in Waschmitteln und Kosmetika. Das PCD diskutiert mit Vertretern aus Industrie und Handel außerdem über einen Verzicht auf Plastiktüten mit Folienstärken von weniger als 36 Mikrometern, Kunststoffstrohhalmen, Einwegbechern aus Kunststoff sowie Styroporbehältern für Lebensmittel.

Entsorgungs- und Recyclingindustrie muss sich weiterentwickeln

Das PCD zählte 2018 insgesamt 2.786 städtische Abfallentsorgungseinrichtungen, davon 2.398 öffentliche und 388 private Stellen. Jedoch nur 647 Abfallentsorgungsbetriebe arbeiteten ordnungsgemäß. Das heißt die übrigen Anlagen müssten eigentlich schließen, saniert oder modernisiert werden. Die Behörden haben allein 2018 insgesamt 419 überfüllte oder unsachgemäß arbeitende Müllkippen geschlossen.

Thailand: Sachgemäße Abfallentsorgungsanlagen 2018 (Anzahl)
Staatlich Privat
Deponien 90 19
Überwachte Halden mit Kapazitäten von weniger als 50 Tonnen pro Tag 386 87
Verbrennungsanlagen mit Rauchgasreinigung 16 11
Verbrennungsanlagen mit Energierückgewinnung 0 6
Kompostierungsanlagen 6 3
Mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlagen/Herstellung von Ersatzbrennstoffen (Refuse Derived Fuel) 18 5

Quelle: PCD, Thailand State of Pollution

Müllverbrennung kann lukrativ sein

Außerdem erzeugen 35 Kraftwerke Strom aus Abfällen. Ihre Gesamtkapazität beläuft sich auf 313 Megawatt. Den gesamten Energiesektor beaufsichtigt die Energy Regulatory Commission (ERC). Sie ist auch für die Regulierung, Ausschreibung und Zulassung von Waste-to-Energy-Anlagen (WTE) zuständig. Deren Kapazitäten sollen bis 2036 auf 550 Megawatt angehoben werden. Über 50 WTE-Projekte befinden sich in Planungs- und Umsetzungsphasen.

Die ERC hat 2019 weitere WTE-Vorhaben ausgeschrieben. Die Betreiber erhalten je nach Brennstoff und Anlagengröße feste Einspeisetarife und Stromabnahmeverträge mit Laufzeiten von 20 Jahren. Die Anlagen verfeuern Deponiegase, Siedlungs- oder Gewerbeabfälle. Als der größte Betreiber von WTE-Kraftwerken und Refuse-Derived Fuel (RDF)-Anlagen gilt die TPI Polene Power Public Company, eine Gesellschaft des lokalen Zementkonzerns TPI Polene. Auch die Holdinggesellschaft TPC Power Holding will ihre WTE-Kapazitäten von 130 auf 250 Megawatt erhöhen.

Sondermüll wird zum Problem

Kommunale Betriebe verwerten und entsorgen angelieferte Sonderabfälle. An gefährlichen Siedlungsabfällen erfasste das PCD 2018 circa 618.000 Tonnen, alleine 414.000 Tonnen entfielen auf Elektro- und Elektronikaltgeräte. Haushalte vermischen allerdings Sonderabfälle mit ungefährlichen Abfallstoffen. Es liegen noch keine Verordnungen vor, die eine Trennung und Sortierung von Siedlungsabfällen vorsehen.

Die Aufsichtsbehörden finden in Entsorgungsbetrieben außerdem große Mengen an illegal importierten Sonder- und Plastikabfällen. Nachdem China seine Einfuhren von Plastikmüll gestoppt hatte, entwickelte sich auch Thailand zu einem neuen Großabnehmer. Die Kunststoffabfallimporte wuchsen von 2017 bis 2018 um das Dreifache auf 571.000 Tonnen. Auch die Einfuhren von Elektroschrott legten auf 51.500 Tonnen stark zu. Die Regierung hat daher 2019 Einfuhrquoten sowie strengere Kontrollen von Recyclingbetrieben eingeführt, damit Thailand nicht zu einer internationalen Mülldeponie wird.

Das Aufkommen an erfassten Industrieabfällen sank 2018 sogar um ein Drittel auf 22,0 Millionen Tonnen. Davon wurden 7,2 Millionen Tonnen in Kraftwerken verfeuert und 1,2 Millionen Tonnen als Sondermüll behandelt. Spezialisierte Entsorgungsbetriebe von Gewerbeabfällen sind vor allem im Großraum Bangkok und in den östlichen Industriezonen zu finden.

Gerade unerfahrene Betriebe behandeln ihre Abfälle indes nicht sachgemäß. Die Behörde Department of Industrial Works (DIW) ist für die Umweltprüfung der circa 140.000 Betriebe zuständig, die nach den Bestimmungen des Factory Act 1992 eine Betriebsgenehmigung erhalten haben. Kleinere Betriebe werden ab Oktober 2019 allerdings weniger kontrolliert, weil die Genehmigungspflichten des Factory Act nur noch für Betriebsstätten mit einer Belegschaft von mehr als 50 Personen gelten werden. Bisher benötigen Fabriken mit mehr als sieben Mitarbeitenden eine Zulassung einschließlich der Umweltprüfung durch das Department of Industrial Works.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Thailand können Sie unter http://www.gtai.de/thailand abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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Thailand Abfallentsorgung, Recycling

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