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11.10.2019

Agrarwirtschaft in Japan wird auf Digitalisierung getrimmt

Neuer Bedarf an Ausrüstung und Diensten erwartet / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Drohnen, Roboter und künstliche Intelligenz sollen Produktivität und Profitabilität von Japans Landwirtschaft erhöhen. Nach der Testphase werden sie die Agrarindustrie umkrempeln.

Japan will seine Agrarindustrie modernisieren, um mit weniger Arbeitskräften die Produktivität zu erhöhen. Die Regierung setzt auf Digitalisierung und smarte Lösungen wie Cloud Farming, moderne Umweltüberwachungsmethoden, automatisierte Ausrüstung für die Feldbewirtschaftung wie auch die Tierzucht. Dadurch soll das japanische Modell der Society 5.0 im Agrarsektor umgesetzt werden, das eine umfassende digitale Durchdringung aller wirtschaftlichen Bereiche vorsieht.

Bis 2025 will das Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries (MAFF) alle professionellen Landwirte auf smarte Agrarindustrie ausrichten, was als ambitioniertes Ziel bezeichnet werden kann. Die gesamte Lebensmittellieferkette soll ab 2022 in dieses System integriert sein, um von der Erzeugung über die Verarbeitung bis hin zur Lieferung alles optimieren zu können.

Praktischer Einsatz wird in Modellfarmen getestet

Digital Farming ist keine ferne Zukunftsmusik: Im Frühjahr 2019 hat das Agrarministerium 69 Farmen ausgewählt, in denen die smarte Landwirtschaft in der Praxis getestet wird. Nicht nur soll dadurch das Arbeitskräfteproblem verringert werden, sondern auch die Profitabilität der Branche erhöht, die Eigenversorgung und nicht zuletzt die Exportfähigkeit gestärkt werden.

Als einen wichtigen Baustein hat das Branchenministerium im April 2019 die "Agricultural Data Collaboration Platform" etabliert, die einen Standard für die Informationsnutzung im landwirtschaftlichen Raum darstellen soll. Zudem hat das MAFF dafür gesorgt, dass seit Ende 2018 vier Satelliten als ein Positionierungssystem (Quasi-Zenith Satellite Systems) zur Verfügung stehen.

Ausrüstungs- und Lösungsanbieter sind in Japan gefragt

Durch smarte Landwirtschaft entstehen neue Absatzmöglichkeiten. So soll sich der Markt für entsprechende Ausrüstung und Dienste zwischen den Fiskaljahren 2019 und 2024 (jeweils 1. April bis 31. März) mehr als verdoppeln, so eine Studie von Yano Research von Mitte 2018. Demnach wird das Marktvolumen im Fiskaljahr 2019 auf 160 Millionen US-Dollar (US$) geschätzt. Es könnte bis zum Fiskaljahr 2024 auf 352 Millionen US$ steigen.

Viele Unternehmen zeigen Interesse, an der Transformation der Landwirtschaft mitzuwirken. Beispielsweise hat sich NTTDocomo mit einem Unternehmen zusammengetan, um die Bedingungen in Reisfeldern über Sensortechnik zu messen. Softbank bietet eine Dienstleistung an, die eine zentimetergenaue Positionierung ermöglichen soll, um autonome Drohnen und landwirtschaftliche Geräte wie Traktoren oder Reispflanzmaschinen einzusetzen.

In Verbindung mit anderen Daten wie etwa von Wettersatelliten soll die Nutzung von Drohnen ausgeweitet werden, um gezielt Pestizide zu sprühen, Felder zu düngen oder den besten Erntezeitpunkt zu ermitteln. Dazu führt NTT in den Fiskaljahren 2019 und 2020 Testversuche mit Drohnen und künstlicher Intelligenz durch. NTT will damit den Ernteertrag um 30 Prozent steigern helfen.

Bauer sucht Roboter

Um den Arbeitskräftemangel auszugleichen und die Produktion zu erhöhen, setzen Milchbauernhöfe, die sich hauptsächlich in Hokkaido befinden, verstärkt auf Melkroboter. Ist die einheimische Produktion von Milch in den vergangenen vier Jahren gesunken, soll sie laut Japan Dairy Association im Fiskaljahr 2019 das erste Mal zulegen und 7,3 Millionen Tonnen übersteigen. Dafür sollen vor allem die großen Milchfarmen verantwortlich sein.

Auf größere Einheiten geht auch die Entwicklung bei Gewächshäusern hin. Hier können mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Ernteroboter den Reifegrad von Gemüse und Obst ermitteln und diese dann pflücken. Unabhängig vom tatsächlichen Wetter lässt sich die Lebensmittelversorgung energieeffizienter und mit höherer Produktivität verbessern.

Japans Import von Ausrüstung steigt

Die Produktion von landwirtschaftlicher Ausrüstung in Japan konzentriert sich hauptsächlich auf Traktoren, die allein mehr als die Hälfte des Erzeugungswertes ausmachen. Insgesamt produzierten Nippons Branchenunternehmen im Jahr 2018 Ausrüstung im Wert von rund 4,1 Milliarden US$; davon gingen 1,6 Milliarden US$ in den Export. Während 2018 die Erzeugung auf Yen-Basis um 3,8 Prozent gegenüber 2017 sank, stieg der Exportwert um 6,4 Prozent, so Angaben der Japan Agricultural Machinery Manufacturers Association.

Bei der Einfuhr war ebenfalls ein Anstieg zu verzeichnen, wie die Zahlen der UN Comtrade für ausgewählte Landwirtschaftsmaschinen zeigt. Japan führt aus Deutschland hauptsächlich Maschinen zum Ernten und Dreschen ein (HS-Position 8433). In diesem Segment hatte Deutschland 2018 einen Lieferanteil von immerhin 20 Prozent. Wie weit die importierte Ausrüstung automatisiert ist, lässt sich jedoch nicht erkennen.

Einfuhr von ausgewählten Landwirtschaftsmaschinen (in Millionen US$)
HS-Position Produkte 2017 2018 Aus Deutschland (2018)
8432 Maschinen und Geräte für die Land- und Forstwirtschaft 100 125 16
8433 Maschinen und Geräte zum Ernten oder Dreschen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen 205 205 41
8434 Melkmaschinen und andere milchwirtschaftliche Maschinen und Geräte 42 45 5
8435 Pressen, Mühlen und ähnliche Maschinen zum Bereiten von Wein, Most, Fruchtsäften oder ähnlichen Getränken 2 2 0
8436 Maschinen und Geräte, a.n.g., für die Land- und Forstwirtschaft, den Gartenbau, die Geflügel- oder Bienenhaltung 132 143 16
8701.91 Zugmaschinen, Kraftfahrzeuge 2 2 0

Quelle: UN Comtrade

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Japan Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Digitalisierung

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