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28.01.2019

Aserbaidschan will mehr Öl und Gasausrüstungen fertigen

Großes Interesse an ausländischen Partnern / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Aserbaidschan hegt Pläne für die Wiederbelebung seines Maschinenbaus. Im Fokus stehen vorrangig Projekte für die Herstellung von Ausrüstungen für die Öl- und Gaswirtschaft.

Die Republik Aserbaidschan ist bestrebt, ihre Kapazitäten im Maschinenbau auszuweiten und auf ein neues technologisches Niveau anzuheben. Konkrete Projekte basieren auf der Umsetzung von zwei Maßnahmen: eines Programms für den Ausbau der Industrie in den Jahren 2015 bis 2020 und einer Ende 2016 verabschiedeten Strategie für die Entwicklung der Schwerindustrie und des Maschinenbaus im Zeitraum bis 2020 und mit Ausblick bis 2025. Weitere Initiativen für den Ausbau von Industrieparks und kleineren regionalen Gewerbegebieten oder Industriezonen könnten ebenfalls zur Wiederbelebung der Branche beitragen.

Fokus liegt auf Produktion von Komplettierungsteilen

Mehrere veraltete Fabriken sollen geschlossen und neue Maschinenbaubetriebe in Kooperation mit ausländischen Partnern errichtet werden, hießt es in der Strategie. Ambitionierte Ziele verfolgt Aserbaidschan in der Produktion von Komplettierungsteilen für die Produktion von Landtechnik und Bohrausrüstungen für die Öl- und Gaswirtschaft. Bis zum Jahr 2020 sollen die jährlichen Importe solcher Teile für Landmaschinen um 65 Prozent und für Bohrausrüstungen um 45 Prozent gegenüber dem Jahr 2016 sinken. Jedoch stockt die Umsetzung entsprechender Ausbauprojekte.

Die Maschinenbaukapazitäten Aserbaidschans machen heute nur noch einen Bruchteil ihres früheren Niveaus aus. Zuzeiten der Sowjetunion gab es im Land circa 160 Maschinenbautriebe und branchennahe Forschungs- und Projektierungsinstitute mit mehr als 110.000 Mitarbeitern. Auf die damalige Unionsrepublik Aserbaidschan entfielen zwei Drittel des gesamten Ausstoßes von Öl- und Gasausrüstungen für die Instandsetzung, Generalüberholung und Reparatur von Anlagen für die Öl- und Gasförderung. Die mehr als 20 Hersteller solcher Technik haben einen nicht unerheblichen Teil ihrer Produktion in mehr als 30 Länder exportiert.

Kenndaten der Produktion von Maschinen und Ausrüstungen in Aserbaidschan
2015 2016 2017
Produktion (in Mio. US$) 191,7 96,9 114,4
.reale Veränderung zum Vorjahr (in %) *) -28,5 -16,2 42,9
Anteil am Industrieausstoß insgesamt (in %) 0,7 0,5 0,8
Bruttoanlageinvestitionen (in Mio. US$) 95,0 61,3 57,8
.Anteil an den Investitionen im Land insgesamt (in %) 0,2 0,1 0,0
Erneuerung der Grundfonds (Anteil an den Grundfonds insgesamt in %) 2,9 1,7 1,2
Anzahl der registrierten Unternehmen 59 58 58
.staatliche Unternehmen 17 17 14
Anzahl der individuellen Unternehmer (Kleinunternehmer) 71 65 70

*) auf der Basis der Nationalwährung Aserbaidschan-Manat (AZN)

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Aserbaidschan

Das Geschehen im Industriezweig bestimmen heute nur noch wenige Hersteller von Öl- und Gasausrüstungen. Nennenswert sind ein Kooperationsprojekt mit dem belarussischen Landtechnikhersteller MTZ für die Montage von Traktoren im Automobilwerk Gandscha, mit einem jährlichen Ausstoß von etwa 1.000 bis 1.500 Einheiten, sowie Betriebe im Kompetenzbereich des Ministeriums für Verteidigung. Der wertmäßige Ausstoß von Maschinen und Ausrüstungen einschließlich der Produktion von Ersatzteilen betrug im Jahr 2017 umgerechnet sehr bescheidene 114 Millionen US- Dollar. Die Anzahl der Beschäftigten, die heute Maschinen und Ausrüstungen produzieren, gibt das Statistikkomitee mit nur noch rund 4.000 an.

Das Gros der Produzenten von Zulieferungen für die Öl- und Gaswirtschaft ist noch unter dem Dach der staatlichen Aktiengesellschaft Azneftkimyamash tätig. Die Betriebe stellen mehr als 100 zumeist technologisch wenig anspruchsvolle Erzeugnisse vorwiegend für den Bedarf der Förderindustrie, aber auch für den Einsatz in der petrochemischen und chemischen Industrie her. Deren Maschinen- und Anlagenpark ist zum größten Teil verschlissen und technisch veraltet. Die Betriebe arbeiten zumeist mit Verlust und werden mit staatlicher Unterstützung künstlich am Leben erhalten. Die in Aserbaidschan tätigen Öl- und Gasunternehmen (Erkundung und Exploration) beziehen ihre Ausrüstungen zu mehr als 99 Prozent aus dem Ausland.

Gute Chancen für einen Neustart in der Sparte Öl- und Gasausrüstungen

Die Chancen für eine Wiederbelebung der Maschinenbausparte stehen grundsätzlich nicht schlecht. Hierfür spricht der große Bedarf an Öl- und Gasausrüstungen in Aserbaidschan und in den anderen Kaspisee-Anrainerstaaten Iran, Kasachstan, Russland und Turkmenistan. In den Jahren 2017 und 2018 startete die Regierung eine neue Offensive für die Privatisierung aller Unternehmen für die Herstellung von Öl- und Gasausrüstungen.

Das staatliche Komitee für Eigentumsfragen der Republik Aserbaidschan ist an einer umfassenden Restrukturierung und Nutzung der alten Industrieareale und der Infrastruktur für die Errichtung neuer Fertigungskapazitäten und branchenübergreifender Gewerbegebiete interessiert (http://www.emdk.gov.az). Es gibt heute im Land mehrere neue Unternehmen, die verschiedenste Metallerzeugnisse nach internationalem Standard produzieren und sich somit als Zulieferer für die Herstellung von Öl- und Gasausrüstung empfehlen.

Neuer Maschinenbaubetrieb im Hafenkomplex Zira geplant

Die Regierung Aserbaidschans kündigte auch den Bau einer neuen modernen Fabrik für Öl- und Gasausrüstungen sowie qualitativ hochwertiger Metallbauerzeugnisse für den Bedarf der marinen Wirtschaft an. Das Werk soll auf einem 127.900 Quadratmeter großen Gelände in der westaserbaidschanischen Siedlung Zira (Landkreis Khazar) entstehen. Das Unternehmen ADO-G Construction, Equipment and Installation wird das Werk projektieren und errichten. Die Finanzierung des Projekts soll unter anderem mit einem Darlehen über umgerechnet 18 Millionen US-Dollar sichergestellt werden, teilt die Regierung mit. Das Werk ist eines der geplanten Teilprojekte für den Ausbau des neuen Hafen- und Industriekomplexes Zira Sea Port (http://www.ziraport.az).

Betriebe der Maschinenbausparte Ausrüstungen für die Öl- und Gasindustrie
Unternehmen Produktionsprofil (Auswahl)
Maschinenbaufabrik für Ölausrüstungen Bakneftmash, Baku *) Pumpen (Teile/Komponenten), Absperrschieber, Bohrrohrverschlüsse und Hebeausrüstungen
Maschinenbaufabrik Surakhany, Baku *) Gestängepumpen, Bohrloch-Gaslifte, Gashubventile
Maschinenbaufabrik Zabrat, Baku *) Bohrtürme, Unterbauten und Hebeausrüstungen für Bohrtürme
Maschinenbaufabrik Balakhani, Baku *) Bohrmeißel, Eichinstrumente, Gestängefangvorrichtungen, Rohrkrebsfänger, Gewindebohrer
Maschinenbaufabrik Sabail, Baku *) Ausrüstungen (Werkzeuge) für den Bedarf der Installation von Bohrrohren und die Reparatur von unirdischen Bohranlagen
Azneftemash, Baku (http://www.azneftmash.az) Bohrausrüstungen, Eichinstrumente, Hebezeuge, Montagekranen
ADO-G Group, Baku (http://www.ado-g.com) Lieferung, Montage und Produktion von Öl- und Gasausrüstungen

*) Diese und noch einige andere Unternehmen noch Tochtergesellschaften der staatlichen Aktiengesellschaft Azneftkimyamash, Baku (http://www.azneftkimyamash.com)

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen, Fördertechnik, Hebezeuge, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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