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11.02.2019

Aserbaidschans Industrieparks locken mit Präferenzen

Investoren und Lieferanten sind willkommen / Von Uwe Strohbach

Baku (GTAI) - Aserbaidschan will Firmenansiedlungen in Industrieparks und regionalen Gewerbegebieten stärker vorantreiben. Innovative und technologieorientierte Unternehmen sind besonders willkommen.

In Aserbaidschan steht der Ausbau der zentralen Industrieparks und lokalen Industriezonen ganz oben auf der wirtschaftspolitischen Agenda. Er ist Schlüssel für die dringend notwendige Diversifizierung der lokalen Wirtschaft. Die Regierung setzt dabei stark auf in- und ausländische Investoren.

Sieben Jahre Steuerferien in Industrieparks

Industrieparks sollen Vorhaben von gesamtstaatlicher oder überregionaler Bedeutung sowie exportorientierte Projekte beherbergen. Firmen sind hier ab der Firmenregistrierung für sieben Jahre von der Gewinn-, Grund- und Vermögensteuer befreit. Auf importierte Ausrüstungen und Ausgangsstoffe für die eigene Produktion werden weder Mehrwertsteuer noch Zölle erhoben. Eine Ausweitung des Zeitraums für die gewährten Präferenzen auf zehn Jahre wird erwogen. Bald sollen die Parks auch über einen grünen Korridor für die schnelle Zollabfertigung von Im- und Exporten verfügen.

Neben Projekten in den Industrieparks unterstützt die aserbaidschanische Regierung auch Unternehmensansiedlungen in regionalen Industriezonen. Sie übernimmt die Investitionen in die infrastrukturelle Erschließung und greift Investoren mit Fördermitteln für eine günstige Finanzierung unter die Arme. Zum 1. Januar 2018 waren in den fünf Parks und vier regionalen Industriezonen 67 Unternehmen registriert. Aktiv tätig sind 40 Firmen. Projekte für gut 3 Milliarden US-Dollar (US$) wurden bereits umgesetzt. Vorhaben für etwa 2 Milliarden US$ sind angekündigt, gab das Ministerium für Wirtschaft bekannt.

Industrieparks in Aserbaidschan
Park Branchenprofil (Schwerpunkte) Jahr der Gründung Fläche (in ha)
Industriepark für die Chemieindustrie Sumgait Gaschemie, chemische-, Kunststoff-, Baustoff- und Glasindustrie, Metallverarbeitung und Agribusiness 2011 505,6
Industriepark Balakhani Recyclingwirtschaft, innovative und energieeffiziente Industrieprojekte 2011 8,3
Industriepark Mingetschewir Textil- und Bekleidungsindustrie, andere Konsumgütersparten 2015 14,8
Industriepark Garadagh Bau und Reparatur von Schiffen, Offshore- und Onshore-Technik für die maritime Wirtschaft 2015 72,0
Industriepark Pirallahi Pharmazeutische Industrie, Produktion von medizinischen Verbrauchsartikeln und Medizintechnik und andere technologieorientierte Sektoren 2016 30,0

Quelle: Ministerium für Wirtschaft Aserbaidschans

Industriepark in Sumgait ist landesweit größtes Gewerbegebiet

Neun Zehntel des bisher in den Gewerbegebieten investierten Kapitals entfällt auf den Park für die Chemieindustrie in Sumgait. Hier ragen zwei Projekte der staatlichen Ölgesellschaft SOCAR hervor: Das Unternehmen SOCAR Polymer investierte rund 800 Millionen US$ in die Produktion von Polypropylen und -ethylen. Die Gesellschaft SOCAR Carbamide Plant errichtete für etwa die gleiche Summe ein Harnstoffwerk.

In den im Jahr 2009 gegründeten und später in den Industriepark integrierten Technologiepark Sumgait (Sumgait Technologies Park) wurden knapp 700 Millionen US$ in zwölf Fabriken investiert. Diese stellen vor allem Kabel, Kunststoffrohre, verzinkte Stahlprodukte und Aluminiumerzeugnisse her. Weitere Firmen im Industriepark engagieren sich in den Geschäftsfeldern Stahl- und Polyethylenrohre, Fassadenverkleidungen und Dachmaterialen, Floatglaserzeugnisse, Bauchemie, Schmierstoffe und Pflanzenschutzmittel. Deutsche Unternehmen sind als Lieferanten von Maschinen und Ausrüstungen an mehr als jedem zweiten Projekt beteiligt.

In naher Zukunft ist eine Fabrik für Kfz-Reifen und andere Gummierzeugnisse geplant (Projektwert: 450 Millionen bis 500 Millionen US$). Der zentrale Investitionsförderer Azpromo bereitet im Auftrag der Regierung ein auf 80 Millionen US$ veranschlagtes Projekt für die Produktion von PVC vor. Sumgait galt zu Zeiten der Sowjetunion als landesweites Zentrum der Stahl- und Chemieindustrie. Der lokale Industriepark wurde für die Wiederbelebung der chemischen Industrie und artverwandter Zweige konzipiert.

Eine Übersicht über Unternehmen im Industriepark für die Chemieindustrie Sumgait kann hier heruntergeladen werden.

Industriepark Balakhani bietet Geschäftschancen in der Recyclingindustrie

Der Industriepark Balakhani in der Hauptstadt Baku setzt vorrangig auf in- und ausländische Engagements in den Sektoren Recyclingwirtschaft, grüne Energie und energieeffiziente Baustoffe. Sieben der 14 registrierten Firmen haben ihre Produktion aufgenommen. Diese Unternehmen investierten bisher mehr als 20 Millionen US$ in die Fertigung von Kunststoff- und Kartonverpackungen, Rezyklat aus PET-Flaschen, Schmiermitteln, Möbeln, Magnesit-Verbundplatten und anderen Erzeugnissen. Neue kleinere Projekte für das Recycling von Kunststoffen und die Produktion von Biodiesel aus Altreifen sind angekündigt.

Industriepark Pirallahi - Investitionsschwerpunkt Arzneimittel und Medizinprodukte

Drei Projekte für die Herstellung von Arzneimitteln und medizinischen Verbrauchsartikeln bestimmen bislang das Geschehen im Industriepark Pirallahi. Investoren aus Russland, dem Iran und Aserbaidschan stecken etwa 100 Millionen US$ in diese Vorhaben. Ein weiteres Unternehmen, die IFFA Company, plant die Produktion von Babywindeln. Die Anfang Januar 2019 in dem Gewerbegebiet registrierte Gesellschaft Absheron Saffron Ltd. kündigte ein Projekt für die Verarbeitung des Gewürzes Safran zu verschiedenen Halbwaren und Fertigerzeugnissen an.

Im Industriepark für die Leichtindustrie in Mingatschewir sollen zunächst neun Fabriken für die Herstellung von Textilen und Bekleidung, Lederschuhen und Kosmetika errichtet werden. Anfang 2018 gingen die ersten zwei Fabriken für die Produktion von Baumwoll- und Mischgarn in Betrieb (Projektwert: 46 Millionen US$).

Das bisher einzige Unternehmen im Industriepark Garadagh, die Werft Baku Shipyard LLC (Bau, Wartung und Reparatur von Schiffen sowie Produktion von Metallkonstruktionen) liefert im Jahr 2019 zwei Öltanker und zwei RoPax-Schiffe an die einheimische Reederei Azerbaijan Caspian Shipping Company (ASCO).

Die Industrieparks werden mit Ausnahme des Parks Balakhani von der Gesellschaft Industriepark für die Chemieindustrie Sumgait AG (Struktureinheit des Ministeriums für Wirtschaft; http://www.scip.az) verwaltet und koordiniert. Betreiber des Gewerbegebietes Balakhani ist die ebenfalls dem Ministerium unterstehende Gesellschaft für Abfallmanagement in Baku Tamiz Shahar (Saubere Stadt; http://www.bsp.az).

Azerbaijan Investment Company managt regionale Industriezonen

Regionale Industriezonen (Gewerbegebiete) mit einer Fläche von jeweils bis zu zehn Hektar gibt es bisher an den Standorten Nefttschala, Masalli, Hajigabul und Sabirabad. Die in den Gebieten tätigen und sich im Aufbau befindenden Firmen verfolgen Projekte unter anderem in den Geschäftsfeldern Kfz-Montage, Baustoffe, Nahrungs- und Futtermittel, Bewässerungssysteme, Möbel, Metallerzeugnisse und Logistik.

Organisator und Koordinator der regionalen Industriezonen ist die staatliche Azerbaijan Investment Company (AIC; http://www.aic.az). Kerngeschäft der AIC ist die Mitfinanzierung von Projekten im Nichtölsektor Aserbaidschans und die Gewinnung von privaten Investoren für solche Vorhaben. Seit Beginn ihrer Tätigkeit im Jahr 2006 hat AIC Projekte mit einem Gesamtwert von 1,2 Milliarden US$ finanziell unterstützt. In diese Vorhaben flossen Auslandsinvestitionen im Umfang von 450 Millionen US$, jeweils per Stand 1. Oktober 2018.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Aserbaidschan sind unter http://www.gtai.de/aserbaidschan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Aserbaidschan Chemische Industrie, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Abfallentsorgung, Recycling

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