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20.05.2019

Ausländische Investoren bleiben in Tschechien aktiv

Ausländische Firmeneigentümer erzielten 2018 Gewinne über 16 Milliarden Euro / Von Miriam Neubert

Prag (GTAI) - Deutsche Unternehmen haben in Tschechien 2018 rund 2,4 Milliarden Euro investiert, mehrheitlich in Form von Reinvestitionen. Ihr Engagement setzt sich fort.

Der Nettozufluss an ausländischen Direktinvestitionen (ADI) betrug nach vorläufigen Angaben der Tschechischen Nationalbank CNB 2018 rund 8,0 Milliarden Euro. Fast 99 Prozent stammten aus den Ländern der Europäischen Union. Deutschland ist mit 2,4 Milliarden Euro nach Belgien bei den Direktinvestitionen zweitwichtigster Anleger. Dahinter kamen die Niederlande, Frankreich und Österreich. Bedeutendste nichteuropäische Herkunftsländer für ADI waren 2018 Japan und die USA. Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes hatten die Direktinvestitionen vor allem Maschinenbau, Metallverarbeitung und andere verarbeitende Industrien zum Ziel.

Der ADI-Gesamtbestand betrug Ende 2017 rund 130 Milliarden Euro (neuere Zahlen lagen im Mai 2019 noch nicht vor). Der größte Teil ist mit jeweils 29 Prozent im verarbeitenden Gewerbe sowie dem Finanz- und Versicherungssektor angelegt. Bei den Immobilien beträgt der Anteil 9 Prozent. Vom Bestand her liegt Deutschland als Investor mit einem Anteil von 16 Prozent auf Rang zwei nach den Niederlanden (20 Prozent) und vor Luxemburg (15 Prozent).

Hohe Rentabilität

Wie das Tschechische Statistikamt feststellte, überstiegen die Gewinne der ausländischen Unternehmenseigentümer 2018 rund 414 Milliarden Tschechische Kronen (Kc; rund 16,2 Milliarden Euro; Jahresdurchschnittskurs 2018: 1 Euro = 25,643 Kc). Das entsprach 7,8 Prozent des tschechischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Umgerechnet rund 4,7 Milliarden Euro wurden reinvestiert. Mehr als das Doppelte floss mit rund 11,5 Milliarden Euro in Form von Dividenden ab. "Diese Entwicklung reflektiert die hohe Rentabilität der ausländischen Direktinvestitionen in der Tschechischen Republik", schreibt das Statistikamt in seiner Analyse zu den Sektorkonten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Seit 2005 übersteigen die Dividendenauszahlungen regelmäßig die reinvestierten Werte.

Umgekehrt ist das ausländische Kapital in der tschechischen Wirtschaft ein Schwergewicht. Rund 43,3 Prozent der Wertschöpfung in der Nichtfinanz-Wirtschaft wird von ausländisch kontrollierten Unternehmen gestemmt. Damit steht das Land an fünfter Stelle in der EU, wie das europäische Statistikamt Eurostat im April 2019 mitteilte. Ganz vorne liegen Ungarn, die Slowakei, Luxemburg und Rumänien. In Deutschland beträgt dieser Wertschöpfungsanteil 24,8 Prozent. Die Zahlen stammen aus 2016.

ADI hinter 90 Prozent der Wertschöpfung der Kfz-Industrie

Besonders groß ist die Rolle in der verarbeitenden Industrie Tschechiens. Hier liefern Niederlassungen ausländischer Unternehmen fast zwei Drittel der Wertschöpfung, hält der Länderbericht der EU-Kommission zu Tschechien 2019 fest. Ganz vorn steht dabei die Kfz-Industrie, in der dieser Wertschöpfungsanteil mehr als 90 Prozent ausmacht. In den auslandskontrollierten Unternehmenseinheiten seien die Kosten pro Mitarbeiter etwa ein Viertel höher, als im Landesdurchschnitt, aber auch Arbeitsproduktivität und Ausstoß pro Mitarbeiter liege deutlich darüber, heißt es in dem Report.

Von den 2,4 Milliarden Euro, die deutsche Firmen 2018 direkt in Tschechien investierten, waren 1,6 Milliarden Euro reinvestierte Gewinne. Ihr Engagement setzt sich fort. Aktuell investiert zum Beispiel Bosch in sein Entwicklungszentrum in Ceske Budejovice; Efaflex erweitert die Produktion von Industrietoren; Eon baut das Stromversorgungsnetz aus; deutsche Einzelhandelsketten wie Globus, Rossmann, Kaufland erweiteren ihr Filialnetz; Hettich baut in Zdar nad Sazavou die Produktion von Metallteilen für Möbel aus; Lidl plant ein neues Vertriebszentrum in Mährisch Schlesien; Skoda Auto investiert in die Ladeinfrastruktur für E-Autos.

Mehr Informationen zu Tschechien finden Sie unter http://www.gtai.de/Tschechien.

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschechische Republik Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures

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