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11.02.2019

Australiens Bergbau investiert in Batterie-Rohstoffe

Minenbetreiber rüsten sich für Nachfrageschub / Von Heiko Stumpf

Sydney (GTAI) - Australien ist reich gesegnet mit Hightech-Rohstoffen für das Zeitalter der Elektromobilität. Große Vorkommen an Lithium, Nickel, Kobalt oder Kupfer locken Investitionen an.

Der weltweit steigende Bedarf für Stromspeicherung löst in Australien zahlreiche neue Bergbauprojekte aus. Über 9 Milliarden US-Dollar (US$) werden bis 2022/23 (Finanzjahr vom 1. Juli bis 30. Juni) in neue Abbaustätten für Batterie-Rohstoffe fließen, schätzt das Office of the Chief Economist der australischen Regierung. Der Trend zur Elektromobilität erweist sich dabei insbesondere für Lithium als Wachstumstreiber. Lag der weltweite Lithiumkonsum im Jahr 2017 noch bei 211.000 Tonnen (Lithium-Karbonat-Äquivalent), könnte bis 2025 ein Anstieg auf rund 850.000 Tonnen erfolgen.

Bei der Förderung des Schlüsselrohstoffes verfügt Australien über einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. Auf dem roten Kontinent wird Lithium aus Spodumenerz gewonnen, das direkt in das von Herstellern von Autobatterien bevorzugte Lithiumhydroxid verarbeitet werden kann. Damit ist australisches Lithium um 10 bis 15 Prozent kostengünstiger als das aus südamerikanischen Quellen. Dort wird Lithium aus der Sole von Salzseen gefördert. Das daraus erzeugte Lithiumkarbonat muss jedoch nochmals weiterverarbeitet werden, um hochwertige Batteriequalität zu erreichen.

Investitionswelle in Lithiumraffinerien

"Bis 2025 dürfte sich die Lithiumproduktion in Australien mehr als verdreifachen", sagt Tim Hoff, Rohstoffanalyst bei der Deutschen Bank im Gespräch mit Germany Trade & Invest (GTAI). Insgesamt befinden sich Lithiumvorhaben mit einem Investitionsvolumen von knapp 3 Milliarden US$ in der Planung. Der erwartete Produktionsanstieg dürfte vor allem durch Kapazitätserweiterungen in den sieben bereits bestehenden Abbaustätten des Landes erzielt werden.

Die größte Lithium-Mine des Landes, Greenbushes, will ihre Kapazität bis Ende 2019 auf knapp 2 Millionen Tonnen Spodumenkonzentrat steigern. Der Betreiber Talison Lithium nimmt dafür 386 Millionen US$ in die Hand. Eine weitere Ausbaustufe wird bereits geplant. Pilbara Minerals hat für ihre Pilgangoora-Mine die Verdreifachung der Produktion auf über 800.000 Tonnen pro Jahr auf der Agenda. Bis 2020 werden in einer ersten Phase 173 Millionen US$ investiert.

Ebenfalls in Pilgangoora will Altura Mining im Jahr 2019 die Investitionsentscheidung über die Verdopplung ihrer Abbauleistung auf 440.000 Tonnen pro Jahr treffen. Mit dem Finiss-Projekt von Core Lithium bei Darwin dürfte Ende 2019 die achte Lithium-Förderstätte Australiens in Betrieb gehen. In fortgeschrittener Phase befindet sich auch das Mount Holland-Projekt von Kidman Resources (circa 150 Millionen US$).

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"Zudem will Australien verstärkt raffinierte Produkte exportieren, weshalb große Summen in Anlagen zur Herstellung von Lithiumhydroxid fließen", erklärt Hoff. Die chinesische Tianqi Lithium will in einer 524 Millionen US$ teuren Produktionsstätte bereits ab 2019 rund 48.000 Tonnen pro Jahr herstellen. Insbesondere japanische und südkoreanische Batteriehersteller interessieren sich verstärkt für Lithium aus Australien, um ihre Abhängigkeit vom bisherigen Hauptlieferanten China zu reduzieren. Dank dieses vielversprechenden Absatzmarktes sind vier weitere Anlagen für Lithiumhydroxid geplant.

Geplante Lithiumraffinerien in Australien
Projektentwickler Investitionssumme (in Mio. US$) Anmerkung
Albemarle Corporation 750 Anlage in Kemerton mit einer Kapazität von 100.000 t/Jahr, geplante Umsetzung bis 2021
Mineral Resources / Albemarle Corporation 600 Anlage für die Wodgina-Mine bis 2021, Kapazität von 100.000 Tonnen in zwei Phasen
Kidman Resources / Sociedad Quimica y Minera de Chile 450 Anlage in Kwinana mit einer Kapazität von 45.000 t/Jahr bis 2021
Neometals 150 Bau eine Anlage in Kalgoorlie mit einer Kapazität von 10.000 t/Jahr bis 2022

Quelle: Recherchen von GTAI

Auch Nickelproduzenten nehmen den Batteriemarkt ins Visier

Weitere wichtige Rohstoffe für den Batteriebau sind Nickel und Kobalt. Insgesamt befinden sich in Australien 14 Nickelprojekte mit einem Investitionsvolumen von mindestens 3,7 Milliarden US$ in der Planung. So rüstet der Konzern BHP Billiton seinen Nickel West-Komplex im Bundesstaat Western Australia fast vollständig auf die Belieferung von Batterieherstellern um. Zum Nickel West-Komplex gehört unter anderem eine Schmelzhütte in Kalgoorlie sowie eine Raffinerieanlage in Kwinana.

Nachdem bislang vor allem die Stahlindustrie beliefert wurde, entsteht in Kwinana bis 2019 eine große Anlage zur Produktion des von Batterieherstellern gefragten Nickelsulfats. Die Anfangskapazität von 100.000 Tonnen soll später verdoppelt werden. Auch die Herstellung von Kobaltsulfat ist angedacht. Zur Sicherstellung der langfristigen Versorgung mit Nickelerz wird es in diesem Zuge auch zu einer Reihe neuer Minenprojekte kommen. Als erstes steht für BHP Billiton die Umsetzung des Yakabindie Nickel-Projektes auf dem Programm.

Auf der gleichen Schiene fährt die Independence Group und arbeitet an Machbarkeitsstudien für eine weitere Nickelsulfat-Anlage in Western Australia. Den Batteriemarkt im Visier will das Bergbauunternehmen seine Nickelerzproduktion von derzeit rund 30.000 Tonnen auf langfristig etwa 100.000 Tonnen steigern. Dazu erfolgt ein großes Explorationsprogramm insbesondere in der Umgebung der bestehenden Nova-Mine.

Suche nach neuen Kupfervorkommen kommt in Gang

Im Kupferbergbau sind die Explorationsausgaben im Finanzjahr 2017/18 um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert gestiegen. Da ein Elektrofahrzeug im Durchschnitt dreimal mehr Kupfer als ein Wagen mit Verbrennungsmotor enthält, dürften die Aktivitäten weiter zunehmen. Gerüchte über große Kupferfunde kursieren um die Paterson-Region in Western Australia. Die australische Fachpresse veröffentlichte Satellitenbilder von Camps, die Rio Tinto dort aufgeschlagen hat. Auch Fortescue Metals ist in dem Hotspot aktiv.

Insgesamt befinden sich in Australien derzeit sieben Kupferminen in der Planung, deren Kapitalbedarf bei mindestens 750 Millionen US$ liegen dürfte. Seitens BHP Billiton gibt es zudem Überlegungen über einen Ausbau der Olympic Dam-Mine in South Australia. Die mögliche Erhöhung der Produktionskapazität auf 300.000 Tonnen Kupferkonzentrat pro Jahr könnte rund 1,6 Milliarden US$ kosten.

Australische Minenprojekte zur Erschließung von Batterie-Rohstoffen (Auswahl)
Projekt Investitionssumme (in Mio. US$) Anmerkung
Sconi Project 974 Abbau von Nickel und Kobalt durch Australian Mines in Queensland ab ca. 2021, https://australianmines.com.au
Wingellina Project 1.900 Abbau von Nickel und Kobalt durch Metals X in Western Australia ab ca. 2023, mögliche Kapazität von 43.000 t/Jahr, http://www.metalsx.com.au
Sunrise Project 1.500 Abbau von Nickel und Kobalt durch CleanTeq in New South Wales ab 2021, geplante Kapazität 25.000 t/Jahr, http://www.cleanteq.com
Thackaringa Project 411 Abbau von Kobalt durch Cobalt Blue in South Australia ab ca. 2023, mögliche Kapazität von 4.000 t/Jahr, http://www.cobaltblueholdings.com
Dubbo Project 972 Abbau von seltenen Erden wie Yttrium durch Alkana Resources in New South Wales ab ca. 2023, http://www.alkane.com.au
Nolans Project 680 Abbau von seltenen Erden wie Neodymium im Northern Territory durch Arafura Resources ab ca. 2020, mögliche Kapazität 14.000 t/Jahr, http://www.arultd.com
Mount Peake Project 635 Abbau von Vanadium im Northern Territory durch TNG ab ca. 2020, Finanzierung mit Hilfe der Kfw-Ipex Bank, http://www.tngltd.com.au

Quelle: Recherchen von GTAI

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Australien können Sie unter http://www.gtai.de/australien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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Australien Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Erze, Steine, Erden

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