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15.10.2019

Bei Industrierobotern besetzt Japan global einen Spitzenplatz

Viele Branchenfirmen und ein sehr hoher Exportanteil / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Industrieroboter spielen für Nippons Wirtschaftsentwicklung eine wichtige Rolle. Denn sie helfen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Japan verfügt dabei über hohes Know-how.

Japan setzt in Industrie und Logistik auf Roboter. In beiden Bereichen wird die Nachfrage nach Automatisierungsausrüstung weiter dynamisch steigen, sowohl weil die Arbeitskräfte fehlen als auch weil höhere Produktivitätsfortschritte erzielt werden sollen. Die wichtigsten Industrien für den Robotereinsatz in Nippon sind die Erzeugung von Elektronik, die Kfz- und Kfz-Teile-Branchen sowie die Herstellung von Industriemaschinen.

Dabei können Unternehmen in Japan auf ein hohes Angebot fortgeschrittener Robotertechnologie zurückgreifen. Zudem kauft das Land auch aus dem Ausland zu, allerdings in weit geringerem Maße. Insgesamt soll der japanische Markt für Industrieroboter laut dem staatlich unterstützten Forschungsinstitut New Energy and Industrial Technology Development Organization bis 2035 auf 25 Milliarden US-Dollar (US$) wachsen.

Japan nutzt intensiv Industrieroboter

Zahlen des japanischen Branchenverbandes Japan Robot Association (JRA) zufolge lag der Lieferwert im Jahr 2018 bei über 8,4 Milliarden US$. Die Liefermenge erreichte über 240.000 Einheiten. In Nippon verblieben circa 59.000 Einheiten, also etwa ein Viertel der in Japan produzierten Roboter. Der Rest wurde exportiert.

Dennoch konnte Japan laut der Studie "World Robotics 2019" der International Federation of Robotics seine Position als zweitgrößter Nutzer von Industrierobotern im Jahr 2018 nicht nur halten, sondern noch ausbauen. Ist die Zahl der neuen Installationen in China und Südkorea zurückgegangen, hat sie in Japan um 21 Prozent zugenommen. In den USA und Deutschland konnte die Zahl der installierten Roboter ebenfalls um jeweils mehr als 20 Prozent zulegen.

Liefervolumen von Industrierobotern (in Stückzahlen; Veränderung in Prozent) *)
Branche 2017 2018 Veränd. 18/17
.Inland 49.170 59.068 20,1
..Elektro/Elektronik 18.707 20.619 10,2
..Kfz und Kfz-Teile 14.650 17.889 22,1
..Industriemaschinen 3.895 4.987 28,0
..Metallwaren 2.571 3.544 37,8
..Kunststoff 1.264 1.418 12,2
..Nahrungsmittel 864 1.243 43,9
..Präzisionsmaschinen 523 751 43,6
..Chemie 319 441 38,2
..andere Fahrzeuge 236 286 21,2
..andere 5.854 7.466 27,5
..nicht-verarbeitendes Gewerbe 287 318 10,8
..nicht klar zuzuordnen - 106 -
.Export 184.215 183.059 -0,6
Insgesamt 233.385 242.127 3,7

*) jeweils Kalenderjahr

Quelle: Japan Robot Association (JRA)

Japan exportiert umfangreich Industrieroboter

Drei Viertel der produzierten Industrieroboter gehen in den Export. Sie werden in japanischen Werken in Übersee eingesetzt oder sind von ausländischen Firmen bestellt. Auf Wertbasis verzeichnete die JRA 2018 Ausfuhren von Branchenerzeugnissen in Höhe von knapp 6 Milliarden US$. Dies entsprach auf Yen-Basis einem Zuwachs gegenüber 2017 von 1,5 Prozent.

Allerdings dürften die japanischen Ausfuhren von Industrierobotern im Jahr 2019 sowohl zahlen- als auch wertmäßig sinken. Denn der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China beeinflusst die Investitionen in neue Produktionsausrüstung im Reich der Mitte. Hinzu kommt die Abkühlung der internationalen Konjunktur, die die Nachfrage sinken lässt.

Nicht zuletzt investieren Firmen in China selbst in die Roboterproduktion, so dass der Bedarf teilweise lokal gedeckt werden kann. Dennoch werden Produktionsunternehmen in China auch mittelfristig die stärksten Abnehmer für japanische Branchenerzeugnisse bleiben, gefolgt von den USA. Als drittgrößter Absatzmarkt ist laut JRA-Statistik im Jahr 2017 Deutschland an Südkorea und Taiwan vorbeigezogen

Japans Export von Industrierobotern nach maßgeblichen Abnehmerländern (in Millionen US$; Veränderung in Prozent) 1) 2)
Abnehmerland 2017 2018 Veränd. 18/17 3)
China 2.318 2.427 3,1
USA 1.055 1.004 -6,3
Deutschland 487 565 14,2
Südkorea 410 436 4,9
Taiwan 357 316 -12,9

1) jeweils Kalenderjahr; 2) JRA-Mitglieder und Nicht-Mitglieder; 3) auf Yen-Basis

Quelle: JRA

Branche investiert in Diversifizierung

Um protektionistischen Entwicklungen ausweichen zu können, investieren japanische Hersteller in die Diversifizierung ihrer Produktion. Beispielsweise hat Nidec als einer der größten Produzenten von Motoren und Teilen für Robotersysteme 2018 und 2019 mehrere deutsche Branchenfirmen gekauft. Nidec will sich insgesamt im Roboterbereich verstärken und die Geschäfte in Europa ausbauen.

Hitachi hat in den ersten sechs Monaten 2019 bereits zwei Firmen im Bereich Automatisierung gekauft. Eine Firma ist die japanische KEC Corp., die auf die Integration von Robotersystemen spezialisiert ist. In den USA hat Hitachi die JR Automation Technologies erworben, die Produktionslinien und Logistiksysteme auf automatisierter Basis baut.

Japan hat mit Fanuc, Yaskawa Electric, Mitsubishi Electric und Kawasaki mehrere Akteure, die sich im Bereich Industrieroboter bewegen. Hinzu kommen weitere Unternehmen, die wichtige Teile für Roboter liefern oder Systemintegration betreiben. Abgesehen von großen Industrierobotern entwickeln diese Unternehmen mittlerweile auch Cobots (Collaborative Robots), die im Zusammenspiel mit Menschen eingesetzt werden können, um Arbeitskräfte zu unterstützen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Japan Robotik und Automation, Digitalisierung

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