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20.06.2019

Boom des mexikanischen Außenhandels ist vorerst vorbei

Abflauende Konjunktur in den USA mindert Ausfuhren / Von Florian Steinmeyer (Juni 2019)

Mexiko-Stadt (GTAI) - Dank des guten Exports Richtung USA stiegen auch die mexikanischen Importe von Vorprodukten und Kapitelgütern. Doch sowohl Ein- als auch Ausfuhren werden künftig weniger stark wachsen.

Der gesamte Außenhandel Mexikos legte in den vergangenen Jahren deutlich zu, zwischen 2013 und 2018 um 20 Prozent. Ein- und Ausfuhren sind eng miteinander verknüpft, da das Land zahlreiche Vorprodukte (darunter Metalle und Chemikalien) sowie Investitionsgüter importieren muss, die weiterverarbeitet und wiederum exportiert werden. Am augenfälligsten ist dies in der Kfz-Industrie. Nach dem Boom der vergangenen Jahre sind die Absatzprognosen wesentlich moderater. Hauptgrund dafür ist die abflauende Konjunktur in den USA.

Außenhandel Mexikos (in Mrd. US$; Veränderung in %)
2013 2018 Veränderung 2018/2013
Importe 381,2 464,3 21,8
Exporte 379,9 450,5 18,6
Handelsbilanzsaldo -1,3 -13,7 -

Quelle: UN Comtrade

Außenhandel nach Handelspartnern

China drängt ins Land

Zwischen 2013 und 2018 konnte China seine Exporte Richtung Mexiko steigern, während die USA als bei Weitem wichtigster Lieferant Anteile verlor. Andere Länder, wie Deutschland, Japan und Südkorea, behielten ihre Stellung in etwa bei. China wird in den kommenden Jahren aufgrund einer stärkeren Präsenz in der Kfz-Industrie wohl weiter gewinnen. Dank der neuen Pkw-Werke in Mexiko von BMW und Daimler (zusammen mit Nissan) werden vermutlich auch die Lieferungen aus Deutschland zulegen können.

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Mexiko kann sich aus der Abhängigkeit von den USA als wichtigstem Exportmarkt trotz verschiedener Bemühungen nicht lösen. Weiter gehen 75 bis 80 Prozent der Ausfuhren jedes Jahr an den nördlichen Nachbarn. Vorreiter für eine diversifiziertere Ausfuhrstruktur ist jedoch wieder einmal die Kfz-Industrie. Die neuen Werke, die 2019 den Betrieb aufnehmen (neben BMW und Daimler/Nissan auch Toyota) sind auf den Weltmarkt und damit potenziell auch auf Ziele außerhalb Nordamerikas ausgerichtet. Deutschland war 2018 der viertwichtigste Exportmarkt, nach Kanada und China.

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Außenhandel nach Warengruppen

Mexiko fragt mehr Maschinen nach

Neben mineralischen Brennstoffen (+41 Prozent) legte in den vergangenen Jahren der Import an Maschinen und Ausrüstung (+30 Prozent) am stärksten zu. Darin spiegelt sich Mexikos wachsende Bedeutung als Industriestandort wider. 2018 war das Land hinter den USA, China und Indien der viertwichtigste Überseemarkt für deutsche Maschinenanbieter. Auch Straßenfahrzeuge und Teile davon aus dem Ausland waren mit einem Einfuhrplus von 29 Prozent stärker gefragt. Allerdings werden sowohl Kapitalgüter- als auch Kfz-Teile-Importe 2019 und wohl auch 2020 unter der abflauenden Industrieproduktion leiden.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$)
Warengruppe SITC-Code *) 2013 2018
Gesamt 381.210,1 464.268,5
Elektronik 75, 76, 776 64.027,1 67.622,2
Maschinen 71-74 50.137,1 65.297,8
Vorerzeugnisse 6 51.294,1 61.349,8
Chemische Erzeugnisse 5 43.120,4 48.801,0
Mineralische Brennstoffe 3 32.897,0 46.329,6
Straßenfahrzeuge 78 33.185,5 42.784,4
Fertigerzeugnisse 8 33.091,1 40.904,2
Elektrotechnik 77 minus 776 32.066,1 38.475,8
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 19.240,3 20.521,4
Sonstiges 9 8.726,2 17.308,1
Rohstoffe 2 9.307,9 10.614,1
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 1.465,4 1.770,0
Tierische/pflanzliche Öle 4 1.566,3 1.330,9
Getränke/Tabak 1 1.085,8 1.159,1

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: http://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/internationales-warenverzeichnis.html

Quelle: UN Comtrade

Ölexporte sinken erheblich

Ausfuhrgüter mit besonders starker Steigerung waren in den vergangenen fünf Jahren Straßenfahrzeuge - darunter hauptsächlich Pkw - sowie Maschinen. Bei letzteren handelt es sich jedoch vorwiegend um Maschinenteile und Werkzeuge für Hersteller in den USA. Der eigenständige mexikanische Maschinenbau ist äußerst schwach ausgeprägt.

Die schwächeren Ausfuhren an mineralischen Rohstoffen, darunter zum größten Teil unbehandeltes Erdöl, zeigen den Niedergang der mexikanischen Ölindustrie. Dem überschuldeten Staatskonzern Pemex fehlen Ressourcen und Know-How, um in den Tiefengewässern des Golfs neue Fördergebiete zu erschließen. Die vorherige Regierung beschloss daher eine umfassende Energiereform, die mehr privates Engagement zuließ. Wichtige Teile davon nimmt der neue Präsident Andrés Manuel López Obrador allerdings derzeit zurück.

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$)
Warengruppe SITC-Code *) 2013 2018
Gesamt 379.949,3 450.531,7
Straßenfahrzeuge 78 76.718,0 115.229,0
Elektronik 75, 76, 776 62.981,7 69.923,4
Maschinen 71-74 34.262,6 44.513,0
Elektrotechnik 77 minus 776 35.068,8 43.583,9
Fertigerzeugnisse 8 34.147,0 43.433,4
Vorerzeugnisse 6 28.289,4 31.049,4
Mineralische Brennstoffe 3 48.679,8 29.706,0
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 19.539,6 26.632,3
Chemische Erzeugnisse 5 15.590,0 15.143,6
Sonstiges 9 9.310,8 10.681,5
Rohstoffe 2 7.651,2 9.005,2
Getränke/Tabak 1 3.979,8 6.968,3
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 3.541,5 4.340,1
Tierische/pflanzliche Öle 4 189,0 322,5

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: http://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/internationales-warenverzeichnis.html

Quelle: UN Comtrade

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Außenhandel / Struktur, allgemein

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