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06.09.2019

China drängt auf kasachischem Markt in neue Bereiche vor

Zulauf bei erneuerbaren Energien und Kfz-Industrie / Von Jan Triebel

Almaty (GTAI) - Das Engagement chinesischer Firmen in Kasachstan ist in den letzten Jahren vielfältiger geworden. Die Projekte umfassen neben Solar- und Windkraftanlagen auch ein Pkw-Werk.

Während Kasachstan in erster Linie Rohstoffe nach China ausführt, ist das Liefersortiment in umgekehrter Richtung recht breit aufgestellt. In letzter Zeit gelangen immer häufiger Ausrüstungen für die Stromerzeugung auf Basis der erneuerbaren Energien nach Kasachstan. Firmen aus China, die in diesem Bereich aktiv sind, gelten auf dem kasachischen Markt mittlerweile als etabliert. Ihre Schwerpunkte liegen derzeit in den Bereichen Solar- und Windenergie.

Auch EBWE-Kredite für chinesische Solarprojekte

Die chinesische Firma Risen Energy hat im Juli 2019 ihre erste 40-Megawatt-Solaranlage im Gebiet Karagandy in Betrieb genommen. Parallel dazu hat das Unternehmen angefangen, ein 50-Megawatt starkes Solarkraftwerk in Scholakkorgan im Gebiet Turkestan zu bauen. Verantwortlich für die Entwicklung und technische Planung der 75 Millionen US-Dollar (US$) teuren Anlage ist die Leipziger Firma Green Energy 3000 gewesen. Ende 2018 hat Green Energy 3000 das Projekt in Scholakkorgan jedoch an den chinesischen Investor Risen Energy verkauft. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) ist bei den Solaranlagen in Karagandy und Scholakkorgan als Co-Finanzier mit an Bord.

Ein Beitrag der EBWE bei Projekten der neuen Seidenstraße gilt in aller Regel als Schlüssel für nicht-chinesische Akteure, um sich mit Leistungen in Kasachstan einbringen zu können. Ansonsten spricht in der Praxis viel dafür, dass chinesische Auftragnehmer und Investoren fast ausnahmslos nicht nur die Finanzmittel, sondern auch die benötigten Ausrüstungen und Materialien mitbringen. Den Zugang zu Zulieferaufträgen für deutsche Firmen ermöglichen dann allenfalls eigene Niederlassungen in Kasachstan oder China.

Die EBWE unterstützt zudem die chinesische Gesellschaft Universal Energy beim Bau des Solarparks Schangis in Schangistobe (Gebiet Ostkasachstan), indem sie einen Kredit über gut die Hälfte der veranschlagten Gesamtkosten bereitstellt. Bei einer geplanten Leistung von 30 Megawatt kostet der Solarpark 22,5 Millionen US$. Darüber hinaus baut das chinesische Unternehmen aktuell noch an einer Photovoltaikanlage in Kapschagai (Gebiet Almaty). Deren Leistung beläuft sich auf 100 Megawatt, die Kosten werden auf 115 Millionen US$ beziffert.

Als Generalauftragnehmer errichtet Universal Energy außerdem eine 100 Megawatt starke Windkraftanlage in Kokschetau (Gebiet Akmola) für rund 105 Millionen US$. Zu den abgeschlossenen und von dem Unternehmen selbst betriebenen Projekten in Kasachstan zählen zudem eine 50-Megawatt-Solaranlage im Gebiet Almaty und zwei Windparks mit jeweils 50 Megawatt in den Gebieten Kostanai und Turkestan.

Als weiterer chinesischer Akteur ist seit kurzem auch das Staatsunternehmen POWERCHINA auf dem kasachischen Markt für erneuerbare Energien aktiv. Sein Pilotvorhaben ist der Windpark Schelek im Gebiet Almaty, an dem als lokaler Partner Samruk-Energo beteiligt ist. Ende Juni 2019 war Baubeginn. Für die technische Ausstattung der Anlage mit einer Leistung von 60 Megawatt greifen die beiden Investoren auf Windräder des chinesischen Herstellers Goldwind zurück.

Mehr chinesische Pkw-Modelle aus kasachischer Montage

Neben dem Engagement in den Bereichen Solar- und Windenergie umfasst die lange Liste der chinesischen Aktivitäten in Kasachstan mittlerweile auch den Automobilbau. Im Dezember 2018 haben die China National Machinery Import & Export Corporation (CMC) und SaryarkaAwtoProm in Kostanai (Gebiet Kostanai) eine Investitionsvereinbarung geschlossen. Das chinesische Unternehmen hat dabei eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent an dem kasachischen Pkw-Montagewerk erworben.

CMC ist Teil der staatlichen Technologieholding China General Technology (Genertec) und wird Presseberichten zufolge in den kommenden Jahren rund 1,1 Milliarden US$ in die kasachische Kfz-Industrie investieren. Der jährliche Ausstoß von Fahrzeugen aller Art soll in Kostanai mittelfristig auf rund 100.000 Einheiten steigen. Ziel ist, bereits 2020 einen lokalen Wertschöpfungsanteil von 50 Prozent zu erreichen.

Der chinesische Investor setzt dabei auf den Trend, dass in Kasachstan immer häufiger Pkw-Modelle gekauft werden, die vor Ort gefertigt wurden. Der kasachische Anteil an den Neuwagenverkäufen ist im Zweijahresvergleich der Zeiträume Januar bis Juli 2017 und 2019 von etwa 33 auf 56 Prozent gestiegen. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie gut es dem chinesischen Anbieter gelingen wird, sich mit seinen Modellen vor Ort durchzusetzen.

Chinesische Großbank dreht Geldhahn für Nur-Sultans Stadtbahn zu

In der Regel sind die von chinesischen Firmen in Kasachstan verfolgten Vorhaben Erfolgsgeschichten. Es gibt aber auch Ausnahmen. Hierzu gehört die Stadtbahn in der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan. Die Kosten betrugen ursprünglich knapp 1,9 Milliarden US$. Ein zinsgünstiger Kredit der China Development Bank (CDB) sollte 85 Prozent davon abdecken.

Die CDB sah sich jedoch im Verlauf des 2. Halbjahres 2018 gezwungen, die weitere Finanzierung der verantwortlichen Projektgesellschaft Astana LRT zu stoppen. Bis dahin waren bereits etwa 315 Millionen US$ an Astana LRT geflossen. Für knapp ein Viertel dieser Gelder sind für die Hochbahn-Route bereits Betonstelzen im Stadtgebiet errichtet worden. Gut drei Viertel der Mittel aus den ersten Kredittranchen hatte Astana LRT bei der Bank Astany geparkt, der jedoch im September 2018 die Lizenz entzogen wurde. Astana LRT hat seither keinen Zugriff auf die chinesischen Kreditgelder. Seit Monaten ruht der Bau.

Die kasachischen Verantwortlichen sind allerdings fest gewillt, die Stadtbahn spätestens bis 2022 aus eigener Kraft fertigzustellen. Das Vorhaben, das selbst Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew für überdimensioniert hält, wurde zwischenzeitlich optimiert. Es wird wohl auf weniger Haltestellen und Zugverbände hinauslaufen. Laut Nur-Sultans Stadtverwaltung lassen sich damit 350 Millionen US$ gegenüber den ursprünglichen Kosten sparen. Die Suche nach alternativen Finanzierungsquellen innerhalb Kasachstans war Mitte August 2019 jedoch noch nicht abgeschlossen.

Probleme gab es auch innerhalb des bauausführenden Konsortiums. Von den einst drei chinesischen Partnern sind derzeit noch die China Railway No. 2 Engineering Group und die China Railway Asia-Europe Construction Investment Co. dabei. Die Beijing State-Owned Assets Management Co. hatte sich im Herbst 2018 zurückgezogen. Stattdessen ist der kasachische Tiefbauspezialist Integra Construction KZ in das Konsortium eingestiegen.

Wichtige chinesische Firmen nach Sektoren
Sektor Firmenname Aktivitäten
Solarenergie Risen Energy Bau der Solarkraftwerke in Karagandy und Scholakkorgan
Universal Energy Bau des Solarparks Schangis in Schangistobe und der Photovoltaikanlage in Kapschagai, Betreiber einer Solaranlage im Gebiet Almaty
Windenergie POWERCHINA Bau des Windparks Schelek (zusammen mit Samruk-Energo)
Universal Energy Generalauftragnehmer der Windkraftanlage in Kokschetau, Betreiber zweier Windparks in den Gebieten Kostanai und Turkestan
Kfz-Industrie China National Machinery Import & Export Corporation (CMC) Pkw-Montage-Werk in Kostanai (zusammen mit SaryarkaAwtoProm)
Infrastrukturbau / ÖPNV China Railway No.2 Engineering Group, China Railway Asia-Europe Construction Investment Co. Partner für Stadtbahn in Nur-Sultan
Banken China Development Bank (CDB) Kredit für Stadtbahn in Nur-Sultan

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kasachstan können Sie unter http://www.gtai.de/kasachstan abrufen.

Unter http://www.gtai.de/seidenstrasse finden Sie zahlreiche weitere GTAI-Beiträge zum Thema neue Seidenstraße.

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Kasachstan, China Straßenfahrzeuge, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, alternative Energien, Seidenstraße

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