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15.01.2019

Chinas Hightech-Metropole plant riesige Landaufschüttung

Shenzhen braucht Platz für 1,7 Millionen Wohnungen und gewerbliche Flächen / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Shenzhen platzt aus allen Nähten. Die Lokalregierung beabsichtigt daher die Aufschüttung von 5.000 Hektar Land. Doch neue gesetzliche Vorschriften legen ihr Steine in den Weg.

Shenzhen an der Grenze zur Sonderverwaltungsregion (SVR) Hongkong versteht sich selbst als die Hightech-Metropole Chinas. Sie beherbergt Konzerne des Informations- und Telekommunikationssektors wie Huawei, ZTE oder Tencent. Außerdem hat der Auto- und Batteriehersteller BYD hier sein Zuhause. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf belief sich 2017 laut lokalem Statistikamt auf umgerechnet rund 27.000 US-Dollar (US$).

Doch die damit reichste Stadt des Landes hat ein großes Problem: Sie platzt praktisch aus allen Nähten, und die Lage dürfte sich künftig noch verschärfen. Die Metropole beherbergte 2018 nach Angaben des örtlichen Housing and Construction Bureau rund 12,5 Millionen Menschen. Laut Prognosen der Behörde soll die Einwohnerzahl bis 2035 auf 18 Millionen steigen.

Daher wollen die Verantwortlichen den Wohnungsbaumarkt kräftig ankurbeln. So könnten bis 2035 rund 1,7 Millionen neue Apartments entstehen. Das sind etwa 100.000 Einheiten pro Jahr. Private Immobilienentwickler sollen 40 Prozent des geplanten Angebots generieren. Sie dürften sich mit ihren Objekten eher am oberen Segment orientieren. Bei den restlichen 60 Prozent wird es sich um staatlich geförderte Wohnungen handeln.

Shenzhen wirbt wieder stärker um Unternehmen

Auch die Geschäftswelt darf nicht zu kurz kommen. Bislang musste sich Shenzhen nicht besonders um Unternehmensansiedelungen kümmern. Die Metropole war sogar darum bemüht, Firmen der Leichtindustrie wie Textil- oder Möbelhersteller zur Abwanderung zu bewegen. Moderne Branchen mit einer höheren Wertschöpfung sollten an ihre Stelle treten.

Doch der Handelskonflikt mit den USA führte zu einer Kehrtwende. Die Direktinvestitionen aus den Vereinigten Staaten sind 2018 nach Angaben von lokalen Regierungsvertretern quasi implodiert. Auch andere Nationen hielten sich zurück. Sie wollen abwarten, wie das Kräftemessen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt ausgeht.

Zudem leiden auch immer mehr Betriebe der Hightech-Industrie unter den steigenden Landpreisen in Shenzhen. Daher soll das Angebot an gewerblicher Fläche erhöht werden. Doch woher soll das zusätzliche Land sowohl für Unternehmen als auch für die geplanten 1,7 Millionen neuen Apartments herkommen?

Eine Möglichkeit besteht in Aufschüttungen. Schließlich liegt Shenzhen direkt am südchinesischen Meer beziehungsweise am Delta des Perlflusses. Letzterer führt große Mengen an Sand mit sich und liefert damit sogar noch preisgünstig den notwendigen Baustoff. Wenn der nicht ausreicht, gibt es noch genug Aushub, der vor allem von der Neukonstruktion zahlreicher U-Bahn-Linien stammt.

Genehmigt Beijing die gesamten 5.000 Hektar?

Laut Angaben der renommierten South China Morning Post plant die Shenzhener Lokalregierung Aufschüttungen im Umfang von bis zu 5.000 Hektar für den Zeitraum 2016 bis 2025. Die entsprechenden Investitionen summieren sich auf umgerechnet rund 4 Milliarden US$. Darin sind die Kosten für den Bau von Wohnungen, gewerblichen Objekten und der Infrastruktur noch gar nicht enthalten. Diese dürften sich nach inoffiziellen Schätzungen auf einen niedrigen dreistelligen Milliardenbetrag summieren.

Pläne werden in China in der Regel rasch und innerhalb des Zeitplans umgesetzt. Im vorliegenden Fall gibt es aber eine Schwierigkeit: Die Vorstellungen der Lokalregierung müssen von Beijing abgesegnet werden. Doch seit 2018 existiert ein neues Gesetz, das Landaufschüttungen an der Küste stärker reglementiert. Es bleibt abzuwarten, wieviel Land tatsächlich dem Meer abgerungen werden darf.

Deutsche Firmen sollten das Projekt jedenfalls im Auge behalten. Zwar dürften alle wichtigen Bauarbeiten von chinesischen Firmen ausgeführt werden. Bei öffentlichen Ausschreibungen und Beschaffungen sind per Gesetz einheimische Anbieter zu bevorzugen. Doch bei der Gebäudeausstattung oder anderer Spezialtechnik könnten sich an der einen oder anderen Stelle lukrative Geschäftsmöglichkeiten für ausländische Unternehmen ergeben.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
News Guangdong http://www.newsgd.com (Startseite) http://www.newsgd.com/news/2018-06/06/content_182139070.htm (Informationen zu den 1,7 Mio. geplanten Wohnungen) Informations-plattform
South China Morning Post https://www.scmp.com/frontpage/international (Startseite); https://www.scmp.com/economy/china-economy/article/2180273/hong-kong-shenzhen-multibillion-dollar-land-reclamation-plans (Informationen zur Landaufschüttung) Renommierte Hongkonger Zeitung

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Hongkong können Sie unter http://www.gtai.de/hongkong abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Gewerbebau, Infrastruktur, Wohnungsbau, Immobilienmarkt

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