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25.02.2019

Chronische Krankheiten beflügeln Mexikos Pharmaabsatz

Krankenkassen müssen sparen / Von Florian Steinmeyer (Januar 2019)

Mexiko-Stadt (GTAI) - Größte Chancen bietet mittelfristig die Bekämpfung von Diabetes. Pharmafirmen investieren angesichts der guten Aussichten. Auch deutsche Firmen stärken ihr Engagement.

Der mexikanische Pharmamarkt wird laut dem Marktforscher Fitch Solutions 2019 um rund 7,7 Prozent wachsen. Auch in den Folgejahren sind die Aussichten mit ähnlich hohen Steigerungsraten gut. Das nach wie vor starke Bevölkerungswachstum und die alternde Gesellschaft treiben die Entwicklung an. Chronische und altersbedingte Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Gefäßverstopfungen sowie Gebärmutter- und Darmkrebs greifen immer weiter um sich.

Pharmaabsatz in Mexiko
Indikator 2016 2017 2018 *) 2019 *) 2020 *)
Absatz (Mrd. US$) 9,8 10,0 10,4 11,2 11,9
Pro-Kopf-Absatz (US$) 76,8 77,6 79,3 84,5 89,1
Anteil des Absatzes am BIP (%) 0,91 0,87 0,85 0,83 0,80
Anteil des Absatzes an gesamten Gesundheitsausgaben (%) 15,3 14,8 14,2 13,8 13,4

*) Prognose

Quelle: Fitch Solutions

Mittelfristig bietet die Bekämpfung von Diabetes die größten Chancen. Im Jahr 2040 wird Mexiko aktuellen Projektionen zufolge die weltweit sechsthöchsten Behandlungskosten für Diabetes aufweisen. Entsprechend groß ist das Interesse des Gesundheitsministeriums und der öffentlichen Krankenkassen IMSS und ISSSTE an Medikamenten, welche die Krankheit am Ausbruch hindern beziehungsweise therapieren können. Dabei müssen die öffentliche Kassen sparen: Das Budget des IMSS nimmt laut dem Marktbeobachter BMI Research pro Jahr nur um 5 Prozent zu, obwohl die Kosten durch chronische Krankheiten jedes Jahr um 7 Prozent steigen. Entsprechend hoch ist der Druck, kostengünstige Medikamente einzukaufen.

Arzneimittelproduktion zieht wieder an

Seit dem 2. Halbjahr 2017 steigt die mexikanische Arzneimittelproduktion mengenmäßig wieder, nachdem sie zuvor seit 2014 aufgrund der geringen öffentlichen Nachfrage nachgelassen hatte. Mit einem Plus von 1,8 Prozent im 1. Halbjahr 2018 setzte sich die Erholung fort, die voraussichtlich auch 2019 anhalten wird. Das Budget für den gemeinsamen Einkauf zahlreicher öffentlicher Einrichtungen steigt 2018/2019 nach vorläufigen Angaben in nationaler Währung um 20 Prozent auf rund 2,9 Milliarden US-Dollar (US$). Im Vorjahr hatte es in ähnlicher Größenordnung zugelegt.

Produktion von Pharmazeutika in Mexiko (in Mio. Schachteln, Veränderung in %) 1)
2014 2015 2016 2017 1. Halbjahr 2018 Veränderung 2018/2017 2)
2.584,4 2.572,0 2.563,3 2.577,1 1.317,2 1,8

1) umfasst Human- und Tiermedizin sowie Impfstoffe, Vitaminpräparate und Ernährungszusatzstoffe; 2) Januar bis Juni, Abweichungen durch Rundungen

Quelle: Statistikamt Inegi

Angesichts der mittelfristig guten Aussichten investieren die Pharmafirmen weiterhin im Land. Branchenprimus Sanofi gab im April 2018 bekannt, für 147 Millionen US$ eine Fabrik für Impfstoffe im Estado de México bauen zu wollen. Pfizer tätigte 2018 Investitionen von 26 Millionen US$, 8 Millionen davon für die Erweiterung des Werkes in Toluca, ebenfalls im Estado de México.

Auch deutsche Firmen stärken ihr Engagement. Boehringer Ingelheim investiert im Rahmen eines Fünfjahresplans rund 26 Millionen US$ in neue Kapazitäten. Merck gibt von 2017 bis 2019 etwa 32 Millionen US$ für die Erweiterung eines Werkes und eines Distributionszentrums im Estado de México aus. Auch Bayer plant, sich stärker in Mexiko zu engagieren. Der Konzern verfügt über vier Werke im Land.

770 Betriebe im Sektor tätig

Die Zentren der mexikanischen Pharmaproduktion liegen neben Mexiko-Stadt in den Bundesstaaten Jalisco, Estado de México, Puebla und Morelos. Insgesamt gibt es dem Statistikamt Inegi zufolge rund 770 Betriebe, die in dem Sektor tätig sind. Laut der staatlichen Investitionsagentur ProMéxico sind 20 der 25 weltweit größten Branchenkonzerne im Land ansässig. Von deutscher Seite sind Bayer, Boehringer Ingelheim, Merck, Grünenthal und Merck mit Werken oder Niederlassungen vertreten.

Größte Arzneimittelproduzenten in Mexiko (Umsatz in Mexiko, in Mio. US$, Veränderung in %)
Unternehmen (Herkunftsland) Umsatz 2017 Veränderung 2017/2016 *)
Sanofi (Frankreich) 970,3 5,6
Bayer (Deutschland) 859,7 3,5
Genomma Lab Internacional (Mexiko) 637,3 6,7
Farmaceúticos Maypo (Mexiko) 543,3 13,6
Pfizer (USA) 493,9 4,6
Roche (Schweiz) 392,5 -6,4
Merck (Deutschland) 374,7 11,1
Boehringer Ingelheim (Deutschland) 322,6 -1,1
Chinoin (Mexiko) 290,2 17,6
Eli Lilly (USA) 207,4 -3,2
Novartis Farmacéutica (Schweiz) 450,4 4,9
Valeant Farmacéutica (Kanada) 200,5 7,5
AstraZeneca (Russland) 184,7 6,1
Específicos Stendhal (Mexiko) 175,2 26,6

*) Veränderung in nationaler Währung

Quelle: Wirtschaftsmagazin Expansión

Weitere Informationen zu Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Arzneimittel, Diagnostika

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