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23.05.2019

Der Handel mit dem Vereinigten Königreich schrumpft

Briten nur noch auf Platz sechs der wichtigsten deutschen Handelspartner / Von Robert Scheid (Mai 2019)

London (GTAI) - Im Vorfeld des geplanten Brexits sinken die deutschen Ausfuhren in das Vereinigte Königreich. Vor allem Pkw und Arzneimittel sind betroffen.

Unter den ersten zehn Handelspartnern Deutschlands ist das Vereinigte Königreich 2018 das einzige Land mit rückläufigen Warenhandelszahlen. Die Importe und Exporte zwischen Deutschland und den britischen Inseln fielen laut Eurostat auf 117,6 Milliarden Euro. Das waren rund 1,6 Prozent oder etwa 2 Milliarden Euro weniger als noch 2017. Dadurch rutschte das Vereinigte Königreich in der Rangliste der Handelspartner Deutschlands um einen Platz ab und belegt nun hinter Italien den sechsten Platz. Auf den vorderen Rängen lagen wie auch im Vorjahr China, die Niederlande, die USA und Frankreich.

Für deutsche Ausfuhren war das Vereinigte Königreich 2018 der fünftwichtigste Absatzmarkt. Deutsche Unternehmen exportierten laut Eurostat Waren im Wert von über 77 Milliarden Euro, so viel wie nach Spanien und Tschechien zusammen. Dies entspricht 6,2 Prozent der deutschen Gesamtausfuhren, rund 1,1 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. Der Grund hierfür ist der starke Rückgang der Pkw- und Arzneimittelausfuhren.

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Verschiedene Warengruppen, darunter Maschinen, Fertigwaren, chemische Erzeugnisse und Kfz-Teile verbuchten 2018 ein Plus. Dies ist vorrangig dem sogenannten "Stockpiling" vor dem geplanten Brexit geschuldet. Diese Bevorratung, mit der Unternehmen Lieferengpässe vermeiden wollen, wird aber nur einen einmaligen positiven Effekt auf die Nachfrage haben. Laut einer Umfrage des Unternehmerverbands CBI unter britischen KMU erreichte das "Stockpiling" im ersten Quartal 2019 einen Rekordwert.

Das Vereinigte Königreich ist für Deutschland als Lieferland von untergeordneter Bedeutung. Die Briten exportierten 2018 Waren im Wert von 40,2 Milliarden Euro nach Deutschland und damit 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Insgesamt liegt das Land nur auf Platz 11 der wichtigsten deutschen Lieferländer. Der Handelsbilanzüberschuss Deutschlands mit dem Vereinigten Königreich lag dementsprechend bei über 37 Milliarden Euro.

Deutschland bleibt Hauptlieferland

Deutschland ist, bezogen auf den Warenhandel, wichtigstes Bezugsland. Rund 13,9 Prozent der britischen Importe stammen aus Deutschland. Danach folgen China mit 9, die Niederlande mit 8,6 und die USA mit 8,6 Prozent.

Sehr hoch ist die Nachfrage nach deutschen Pkw. Fast ein Drittel der deutschen Ausfuhren in das Vereinigte Königreich, rund 23,5 Milliarden Euro, entfallen auf die Kfz-Branche (Straßenfahrzeuge und Sonstige Kfz und -Teile). An zweiter Stelle steht die Chemiebranche mit einem Anteil von 18,3 Prozent, gefolgt von Maschinen mit 11 Prozent.

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Etwa 44 Prozent der britischen Pkw-Importe stammen aus Deutschland. In der Warengruppe Kfz- und Teile ist der Anteil mit 24 Prozent ebenfalls hoch, gefolgt von chemischen Erzeugnissen (18 Prozent) und Maschinen (16 Prozent), insbesondere Metallbearbeitungsmaschinen (26 Prozent).

Der Brexit sorgt für Unsicherheit

Die Europäische Union (EU) ist der wichtigste Handelspartner der Briten. Rund die Hälfte des Außenhandels entfällt auf die EU-Mitgliedsstaaten. Insgesamt gehen 47 Prozent der britischen Ausfuhren in die EU. Rund 53 Prozent der Einfuhren stammen aus EU-Ländern. Das Vereinigte Königreich profitiert außerdem von 40 Handelsabkommen, die die EU mit rund 70 Ländern weltweit geschlossen hat.

Noch ist unklar, wie die Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich nach dem geplanten Brexit aussehen werden. Bei einem "No-Deal-Brexit", also einem ungeregelten Austritt des Landes ohne Austrittsabkommen mit der EU, verlieren auch die EU-Handelsabkommen mit Drittstaaten ihre Gültigkeit. Seit dem Referendum über den EU-Austritt 2016 konnte die britische Regierung erst neun Abkommen übernehmen: http://www.gov.uk/guidance/signed-uk-trade-agreements-transitioned-from-the-eu. Diese machen lediglich 11 Prozent des britischen Außenhandels aus.

Zu berücksichtigen ist auch das Gewicht des Dienstleistungssektors für die britische Wirtschaft. Dienstleistungen machen 46 Prozent der Ausfuhren und 27 Prozent der Einfuhren des Vereinigten Königreichs aus. Mit dessen Austritt aus dem europäischen Binnenmarkt wird es voraussichtlich zu einem Wegfall der Dienstleistungsfreiheit kommen.

Im Fall eines "No-Deal-Brexits" würden neue Zolltarife auf ausgewählte Produkten erhoben. Diese können online unter http://www.gov.uk/guidance/check-temporary-rates-of-customs-duty-on-imports-after-eu-exit abgerufen werden.

Weitere Informationen zum Vereinigten Königreich finden Sie unter http://www.gtai.de/vk.

Über den geplanten Brexit informiert Germany Trade & Invest regelmäßig auf der Sonderseite http://www.gtai.de/brexit.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigtes Königreich Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Brexit

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