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05.04.2019

Deutsche Firmen in Mexiko sorgen sich wegen Streikwelle

Arbeiter in Betrieben an US-Grenze fordern mehr Geld / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - An Mexikos US-Grenze wurden in den vergangenen Monaten dutzende Betriebe bestreikt. Unternehmensvertreter befürchten, dass die Konflikte auf andere Regionen übergreifen.

Die Zahl der Streiks in Mexiko ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Laut dem Arbeitsministerium STPS (Secretaría del Trabajo y Previsión Social) kam es in den ersten 100 Amtstagen der neuen Regierung unter Andrés Manuel López Obrador (genannt AMLO) zwischen dem 1. Dezember 2018 und dem 10. März 2019 zu 40 Arbeitsniederlegungen. In der gesamten sechsjährigen Regierungsperiode von AMLOs Vorgänger Enrique Peña Nieto gab es lediglich 22 solcher Streiks.

Die Streiks konzentrieren sich bislang auf die an der Grenze zu den USA gelegene Stadt Matamoros im Bundesstaat Tamaulipas. Der Gewerkschaftsverband CTM (Confederación de Trabajadores de México) gab Ende März an, dort bislang für 50 Arbeitsniederlegungen verantwortlich zu sein.

AMLO hatte zum Jahresbeginn in den Grenzgebieten zu den USA den Mindestlohn auf umgerechnet etwa 9,30 US-Dollar (US$) pro Tag verdoppelt. Ziel ist, die Löhne denjenigen in den USA anzugleichen und die Auswanderung einzugrenzen. Die allermeisten Arbeiter in Mexiko werden weit über dem Mindestlohn bezahlt, seine Entwicklung hat jedoch Signalwirkung für die jährlichen Lohnsteigerungen. Das führt zu Forderungen nach starken Lohnerhöhungen: Die Arbeiter in Matamoros fordern mehrheitlich ein Plus ihrer Bezüge von 20 Prozent im laufenden Jahr sowie eine Sonderzahlung von umgerechnet rund 1.680 US$.

Streiks könnten auf andere Regionen übergreifen

Die Lage in Matamoros entspannt sich seit Ende März. Die meisten Streiks wurden durch Zugeständnisse der Arbeitergeber beigelegt. Der Arbeitgeberverband Coparmex (Confederación Patronal de la República Mexicana) geht davon aus, dass im Zuge der Arbeitsniederlegungen rund 6.500 Personen entlassen wurden. Die streikbedingten Verluste sollen bei rund 500 Millionen US$ liegen.

In einigen Fällen schlossen die Unternehmen ihre lokalen Werke und entließen daraufhin die Belegschaft. Allerdings kam es auch zu Entlassungen aufgrund unrechtmäßiger Streiks, die nicht von den Gewerkschaften autorisiert waren. Betroffen davon war unter anderem Arca Continental, einem der größten Erfrischungsgetränkehersteller des Landes.

Die deutsche Wirtschaft hat nur wenig Präsenz in Matamoros und war entsprechend bislang kaum betroffen. Nun gehen Vertreter deutscher Unternehmen jedoch davon aus, dass die Streikbewegung auf andere Landesteile wie den Nachbarstaat Nuevo León und die zentral gelegene Bajío-Region übergreifen kann. Dort ist das deutsche Engagement dank Firmen aus der Kfz-Industrie und der Metallverarbeitung ungleich größer.

Arbeitsrecht und USMCA verkomplizieren die Situation

Die Lage wird derzeit dadurch angeheizt, dass die neue Regierung eine Reform des Arbeitsrechts plant. Die Gesetzesinitiative sieht vor, die demokratischen Prozesse bei der Auswahl von Gewerkschaften durch die Arbeiterschaft zu stärken. Ende 2017 waren 3.347 Gewerkschaften in Mexiko registriert. Arbeitsministerin Luisa María Alcalde Alcalde geht jedoch davon aus, dass 90 Prozent von ihnen in Wirklichkeit durch das Management der jeweiligen Unternehmen bestimmt werden und entsprechend nicht primär das Wohl der Arbeitnehmer im Blick haben. Ein neues Gesetz soll nun Arbeitnehmervertretungen unabhängig von äußeren Einflüssen - beispielsweise aus Unternehmerschaft und Politik - machen.

Hinzu kommt das neue Handelsabkommen USMCA (United States-Mexico-Canada Agreement): Der Vertrag wurde Ende November von Vertretern Kanadas, Mexikos und der USA unterschrieben, ist jedoch noch nicht von den nationalen Parlamenten ratifiziert. Auch hier sieht die momentane Fassung strengere Arbeitsstandards in Mexiko vor, um Lohndumping zu verhindern.

In den USA macht die Demokratische Partei eine weitere Verschärfung der Arbeitsrichtlinien zur Bedingung dafür, dass sie im Kongress für das Abkommen stimmt. Entsprechende Vorgaben könnten die Diskussion um Arbeitsnehmerrechte in Mexiko zusätzlich befeuern. Vertreter der mexikanischen Regierung gehen zwar davon aus, dass das US-Parlament den Vertrag in seiner jetzigen Form noch im Sommer diesen Jahres ratifizieren könnte, sicher sei dies jedoch nicht.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Secretaría del Trabajo y Previsión Social (STPS) http://www.stps.gob.mx Mexikanisches Arbeitsministerium
Confederación Patronal de la República Mexicana (Coparmex) https://coparmex.org.mx Verband der Arbeitgebervertreter
Confederación de Trabajadores de México (CTM) http://ctmoficial.org Mexikanischer Gewerkschaftsverband

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Arbeitsmarkt / Löhne / Ausbildung

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