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22.05.2019

Deutsch-estnischer Handel wächst weiter

Importe und Investitionen steigen / Von Marc Lehnfeld

Tallinn (GTAI) - Estland erhöhte seine Importe 2018 aus Deutschland, allerdings wuchs der Handel langsamer als mit anderen Partnern. Dafür sorgten deutsche Firmen für zwei spannende Investitionen.

Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner für Estland. Beim Güteraustausch lag die Bundesrepublik 2018 mit einem Anteil von 8,4 Prozent am gesamten Warenaußenhandelsvolumen hinter Finnland, Schweden und Lettland auf dem vierten Platz. Allerdings benötigt der deutsch-estnische Handel weitere Impulse, um nicht zurückzufallen: Gegenüber dem Vorjahr legte das deutsch-estnische Handelsvolumen zwar nominal um 2,3 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu, doch der bilaterale Warenhandel wuchs im Vergleich mit den zehn wichtigsten Handelspartnern nur durchschnittlich.

Die Warenimporte aus Deutschland stiegen 2018 nominal um 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit bleibt Deutschland nach Finnland das zweitwichtigste Lieferland. Die Bundesrepublik ist das wichtigste Herkunftsland bei den estnischen Einfuhren von Industriemaschinen, Gummi und Kunststoffen. Insgesamt ist die Struktur estnischer Importe aus Deutschland stark auf Industriegüter ausgerichtet. Die deutschen Lieferungen von Industriemaschinen, Elektrik, Elektronik und Transportmitteln einschließlich Personenkraftwagen machen über die Hälfte der gesamten Importe aus der Bundesrepublik aus.

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Estland zieht Investoren aus Deutschland an

Estland lockt zunehmend Investitionen aus Deutschland an: Ein Beispiel aus dem Jahr 2018 ist die Übernahme des größten estnischen Terminalbetreibers im Tallinner Industriehafen Muuga durch die Hamburger Hafengesellschafter HHLA. Damit sichert sich HHLA einen attraktiven Güterumschlagplatz im Handel mit Finnland im Norden und in östlicher Richtung mit Russland. Mit der geplanten Inbetriebnahme der Rail Baltica Schienenverbindung 2026 verbessert sich außerdem die logistische Anbindung des Terminals an Westeuropa.

Davon dürfte dann auch der Lebensmitteleinzelhändler Lidl profitieren, der seinen Expansionskurs durch die baltischen Staaten nach Litauen und Lettland nun nach Estland fortsetzt und bereits Grundstücke in Tallinn, Tartu und Narva gekauft haben soll. Das Grundkapital der Lidl Eesti OÜ beträgt bereits 19,5 Millionen Euro. Der Zeitpunkt der Eröffnung der ersten Märkte ist noch nicht bekannt.

Auch estnische Start-ups wecken das Interesse deutscher Firmen: Im Jahr 2018 ist der Daimler-Konzern beim estnischen Start-up Taxify, das heute als "Bolt" firmiert, eingestiegen. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 90 Millionen Euro. Der Daimler- Konzern ist der größte Einzelinvestor bei Bolt. Der digitale Fahrdienstvermittler gilt als Konkurrent der US-Gesellschaft Uber. Insgesamt ist der Wert der deutschen Direktinvestitionsbestände 2018 in Estland um 43,9 Prozent auf 500,8 Millionen Euro gestiegen. Damit rangiert Deutschland auf Platz zehn unter den ausländischen Investoren im Land.

Das Engagement der deutschen Unternehmen ist bereits vielfältig: Es reicht vom Altmetallhändler Cronimet über den Pharmagroßhändler Tamro bis zur Ergo Versicherungsgruppe. Im Fokus der Investitionen stehen nicht nur Ein- oder Verkauf. Die Medizintechnikhersteller Karl Storz (Endoskope) und Otto Bock (Orthopädische Produkte) nutzen das kleine Land auch als Produktionsstandort. Nach den aktuellsten Daten des estnischen Statistikamts für das Jahr 2016 beschäftigten die rund 60 deutschen Unternehmen in Estland etwa 5.770 Mitarbeiter. Sie erwirtschafteten einen Umsatz von 994,6 Millionen Euro.

Ausgewählte deutsche Unternehmen in Estland
Unternehmen Umsatz (in Mio. Euro, 2017) Branche
Cronimet Nordic 115,8 Altmetallhandel
Tamro Eesti 111,9 Pharmagroßhandel
Scania Eesti 71,0 Nutzfahrzeuge
Ergo Insurance 57,4 Versicherung
DHL Express Estonia 55,3 Logistik
ALSO Eesti 53,5 IT-Großhandel
Kunda Nordic Tsement 48,3 Baustoffe
HHLA TK Estonia 21,0 Logistik
Karl Storz Video Endoscopy Estonia 34,5 Medizintechnik
Merinvest 17,1 Automobilzulieferer

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Estnische Wirtschaft mit Ausbaupotenzial in Deutschland

Was Deutschland als Absatzmarkt betrifft, hat Estland noch Potenzial nach oben. Estland ist im Export vor allem regional stark vernetzt. Die drei größten Ausfuhrziele sind Finnland, Schweden und Lettland, danach folgen die USA auf dem vierten und Deutschland auf dem fünften Platz. Während Estlands Warenausfuhren 2018 gegenüber dem Vorjahr nominal um 12,1 Prozent auf 14,4 Milliarden stiegen, schrumpfte der Export nach Deutschland leicht um 3,4 Prozent. Auch die Exporte nach Russland sind um 5,7 Prozent gefallen.

Beim Export nach Deutschland dominieren nachrichtentechnische Güter. Diese sind vor allem Teil der Tallinner Produktion von Ericsson oder Produktionsaufträge bei Estlands Auftragsfertigern von Elektronik. Aber auch Holz, Holzwaren und Möbel sowie die überwiegend aus Holz bestehenden vorgefertigten Gebäude machen einen deutlichen Anteil am Export nach Deutschland aus.

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Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/estland Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft über Estland
AHK Baltische Staaten http://www.ahk-balt.org Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Majandus- ja Kommunikatsiooniministeerium (MKM) https://www.mkm.ee/en Estnisches Ministerium für Transport

Weitere Informationen zu Estland finden Sie unter http://www.gtai.de/estland.

Dieser Artikel ist relevant für:

Estland Außenwirtschaft, allgemein, Export, Import, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures

Funktionen

Kontakt

Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

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