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10.07.2019

Deutsch-schottische Wirtschaftsbeziehungen werden enger

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Internationalisierung der schottischen Wirtschaft schreitet voran / Von Robert Scheid

London/Edinburgh (GTAI) - Die schottische Regierung will mit einem neuen Exportplan die Ausfuhren ankurbeln. Ehrgeizige Klimaziele eröffnen Geschäftschancen.

Schottland ist seit 1707 Teil des Vereinigten Königreichs. Die schottische Landmasse umfasst circa ein Drittel der britischen Insel. Mit rund 5,4 Millionen Einwohnern leben aber nur 8 Prozent der britischen Bevölkerung in Schottland. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schotten lag 2018 bei umgerechnet 183,6 Milliarden Euro, das entspricht 7,7 Prozent der Wirtschaftsleistung des gesamten Königreichs.

Auch wenn Schottland im Vergleich zu England nur einen Bruchteil zum britischen BIP beiträgt, rangiert die Wirtschaftsleistung der Schotten vor 11 der 28 europäischen Mitgliedstaaten und ist mit dem Niveau Griechenlands zu vergleichen.

Eckdaten zu Schottland 2018
Schottland Vereinigtes Königreich Anteil Schottlands am Vereinigten Königreich (in %)
Fläche (qkm) 78.789 243.610 32,3
Bevölkerung (Mio.)1) 5,4 66,5 8,1
Bevölkerungsdichte (Einwohner pro qkm)2) 64 272,8 -
BIP zu Marktpreisen (Mio. Euro, 2018)3) 183.577 2.394.087 7,7
BIP pro Kopf (Euro) 33.690 36.020 -
Einfuhren (in Mio. Euro) 28.643 570.433 5,0
Ausfuhren (in Mio. Euro) 34.229 411.259 8,3
Beschäftigungsrate 16-64 Jährige (in %)4) 75,4 76,1 -

1) Schätzung Mitte 2018; 2) Schätzung; 3) Durchschnittswechselkurs 2018: 1 GBP = 1,1305 Euro); 4) Januar bis März 2019

Quellen: Scottish Government; Office for National Statistics (ONS); National Records of Scotland; Bank of England; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Die Konjunktur Schottlands entwickelt sich insgesamt analog zum Rest des Landes. Das BIP wuchs 2018 um 1,3 Prozent, während das Vereinigte Königreich um 1,4 Prozent zulegen konnte. Für das Jahr 2019 wird eine leichte Konjunkturabschwächung erwartet. Zwar hängt viel von dem geplanten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (EU) ab, aber Experten erwarten eine BIP-Zunahme von knapp über einem Prozentpunkt.

MKT201907098008.14

Energiewirtschaft wiegt schwer

Das Vereinigte Königreich ist mit 213 Milliarden Euro Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe (2018) nach Deutschland, Italien und Frankreich das viertwichtigste Industrieland in Europa. Der Anteil Schottlands ist mit etwa 8 Prozent gering. Laut aktuellen Angaben von Eurostat erwirtschaftete das verarbeitende Gewerbe Schottlands 2017 rund 16,6 Milliarden Euro. Mit einem Anteil von 10,5 Prozent an der Gesamtwirtschaft liegt das schottische verarbeitende Gewerbe auf einem ähnlichen Niveau wie im gesamten Königreich. Allerdings wächst die Bedeutung auf insgesamt 17,5 Prozent, wenn die für Schottland wichtige Energieindustrie mitgezählt wird.

Die Energiebranche trägt wesentlich zur schottischen Wirtschaft bei. Schottland verfügt über die größten Ölreserven in der EU. Das Land ist in den letzten Jahren aber auch zum Vorreiter bei erneuerbaren Energien geworden. Die schottische Regierung hat noch ehrgeizigere Klimaziele als das gesamte Vereinigte Königreich verabschiedet und möchte die Treibhausgasemissionen bis 2045 auf null senken.

Die installierte Stromerzeugungskapazität aus erneuerbaren Energiequellen hat sich zwischen 2008 und 2018 verzehnfacht und lag Ende 2018 bei 10 Gigawatt. Die Onshore Windkraft erzielte dabei einen Anteil von rund 71 Prozent, bietet aber noch viel Ausbaupotenzial. Wichtig sind zudem Offshore Windkraft, Wasserkraft, Photovoltaik und Bioenergie. Neben der bereits installierten Kapazität sind mehrere Offshore Windparks im schottischen Gewässer entweder in Planung oder im Bau. Die langjährigen Erfahrungen im Offshore Öl- und Gassektor haben im Bereich Offshore Windkraft Synergieeffekte verursacht. Diese vereinfachen die Planung, den Bau und die Wartung von Anlagen im Meer.

Ausgewählte Großprojekte in Schottland
Vorhaben Investitionssumme (in Mio. Euro *) Projektstand Anmerkungen
Moray Offshore Windfarm East (950 MW) 2.949 Baubeginn im Laufe des Jahres 2019. Geplante Inbetriebnahme: 2022 Konsortium: EDPR, DGE und ENGIE. Weitere Informationen für Zulieferer: http://www.morayoffshore.com/moray-offshore-power/suppliers/
Müllverbrennungsanlage Earls Gate Energy Centre, Falkirk 238 Baubeginn erfolgt. Geplante Inbetriebnahme: 2021 Joint Venture: Clugston und französisches Unternehmen CNIM
Viking Onshore Windfarm, Shetlandinseln (370 MW) 633 Geplanter Baustart: 2020 Joint Venture: Viking Energy Shetland LLP und SSE Viking Ltd.

*) Tageswechselkurs vom 28. Mai 2019: 1 GBP = 1,1343

Quellen: Bank of England; Recherchen von Germany Trade & Invest

Whisky als Exportschlager

Der Beitrag der schottischen Landwirtschaft zur regionalen Wirtschaftsleistung lag mit 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2017 bei lediglich 1,6 Prozent, auch wenn der Anteil mehr als doppelt so hoch ist wie im Vereinigten Königreich. Wichtiger ist die Verarbeitung von Lebensmitteln und Getränken. Der Exportschlager Scotch Whisky macht rund drei Viertel der Nahrungsmittel- und Getränkeexporte und circa 13 Prozent der Gesamtausfuhren Schottlands aus.

Die schottischen Nahrungsmittelausfuhren stiegen zwischen März 2018 und März 2019 um 14 Prozent. Das Land hält 14 der insgesamt 87 geschützten Ursprungsbezeichnungen im Vereinigten Königreich. Darunter fallen neben Scotch Whisky auch Rindfleisch, Wildlachs, sowie Wolle und Lammfleisch von den Shetlandinseln.

Edinburgh zieht Touristen an

Ein Alleinstellungsmerkmal Schottlands ist das breite Tourismusangebot. Schottische Traditionen - von kulinarischen Spezialitäten wie gefülltem Schafsmagen (Haggis) über das mythische Ungeheuer im Hochlandsee Loch Ness bis hin zu den schottenrocktragenden Dudelsackspielern - ziehen Touristen aus der ganzen Welt an. Nicht zuletzt kommen Besucher auch für die geschichtsreichen Schlösser sowie für den Natursport.

Vor diesem Hintergrund erlebt Schottland einen Tourismusboom. Im Jahr 2018 registrierte Schottland 3,5 Millionen Besucher, rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese trugen rund 2,2 Milliarden Pfund Sterling (rund 2,5 Milliarden Euro) zur Wirtschaft Schottlands bei. Unter den wichtigsten Reisezielen im Vereinigten Königreich zog nur London mehr Besucher als die schottische Hauptstadt Edinburgh an. Auch Glasgow kam landesweit auf Platz sechs der beliebtesten Ziele und verzeichnet starke Wachstumsraten.

Schottland ist wichtiges Ziel für ausländische Investoren

Laut des EY Attractiveness Survey, welches insgesamt elf Regionen des Vereinigten Königreichs betrachtet hat, zieht Schottland nach London die meisten ausländischen Investoren an. Im Jahr 2018 wurden laut EY 94 Investitionsvorhaben in Schottland realisiert, die meisten in Edinburgh, Glasgow und Aberdeen.

Schottland ist bei Investoren aus den USA besonders beliebt. Ein Drittel der Projekte kam 2018 aus den Staaten. An zweiter Stelle lag Deutschland mit einem Anteil von 8 Prozent. Die Anzahl deutscher Investitionsprojekte in Schottland stieg 2018 um 40 Prozent, auch wenn die Projektzahl im gesamten Königreich mit minus 30 Prozent stark rückläufig war. Eine Reihe von deutschen Unternehmen sind in Schottland bereits tätig. Dazu gehören Bilfinger Salamis UK Ltd. (Industriedienstleister für die Prozessindustrie), Atlas Cranes (Baumaschinen), JF Hillebrand (Frachtspeditionsdienst), SGL Carbon Fibers Ltd. (Spezialgraphit und Verbundwerkstoffe) und Müller Milk & Ingredients (Milch und Molkereiprodukte).

Schottland setzt auf Exporte

Circa 64 Prozent der Waren, die Schottland verlassen, gehen in das Vereinigte Königreich. Die restlichen 36 Prozent werden exportiert, rund die Hälfte davon in die EU. Mit einem neuen Ausfuhrplan der schottischen Regierung sollen die Ausfuhren weiter wachsen. Das Ziel ist es, den Anteil der Exporte am BIP von 20 auf 25 Prozent zu erhöhen. Um die Handelsbeziehungen mit Deutschland zu stärken, hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Scottish Development International Sitze in Düsseldorf und Berlin etabliert.

Im Jahr 2018 exportierte Schottland Waren im Wert von umgerechnet 32,4 Milliarden Euro. Mineralische Brennstoffe generierten mit 41 Prozent der Gesamtausfuhren den höchsten Ausfuhranteil. Davon gingen 11 Prozent nach Deutschland. Zweitwichtigstes Exportgut waren Maschinen und Fahrzeuge mit einem Anteil von 25 Prozent. An dritter Stelle rangierten Getränke mit einem Anteil von 15 Prozent.

Exporte Schottlands nach Warengruppen (in Mio. Euro) 1) 2)
SITC Warengruppe 2018 davon nach Deutschland 2018
Waren insgesamt (0-9) 32.401,7 3.126,2
0 Nahrungsmittel/lebende Tiere 1.812,6 73,8
11 Getränke 4.840,4 166,4
2 Rohstoffe (ausgenommen Nahrungsmittel und mineralische Brennstoffe 596,5 46,7
3 Mineralische Brennstoffe 13.138,3 1,446,0
5 Chemische Erzeugnisse 2.851,0 301,8
davon:
.51 Organische Chemikalien 491,2 40,4
.54 Arzneimittel 714,0 59,1
6 Vorerzeugnisse 2.297,4 233,6
7 Maschinen und Fahrzeuge 8.129,8 585,4
davon:
.71-74 Maschinen 4.915,4 283,7
.75 Büromaschinen 461,7 48,7
.77 Elektrische Maschinen 953,1 188,9
.78 Kraftfahrzeuge 424,1 22,5
.79 Andere Beförderungsmittel 974,9 21,8
8 Fertigerzeugnisse 2.160,3 266,3

1) Originaldaten in Pfund-Sterling; 2) vorläufig; durchschnittlicher Jahreswechselkurs 2018: 1 GBP = 1,1305 Euro; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Quelle: HM Revenue & Customs

Schottland führte 2018 Waren im Wert von 28,7 Milliarden Euro ein. Insgesamt 40 Prozent der Einfuhren stammten aus der EU. Wichtigste Lieferländer waren 2018 Norwegen (16 Prozent), China (11,4 Prozent) und die USA (11,1 Prozent). Danach folgte Deutschland mit 7,9 Prozent (2,3 Milliarden Euro).

Maschinen und Fahrzeuge machten mit 39,2 Prozent den größten Anteil der Gesamteinfuhren aus, gefolgt von mineralischen Brennstoffen mit 18,5 Prozent.

Importe Schottlands nach Warengruppen (in Mio. Euro 1) 2)
SITC Warengruppe 2018 davon aus Deutschland 2018
Waren insgesamt (0-9) 28.691,1 2.255,5
0 Nahrungsmittel/lebende Tiere 1.909,2 221,6
11 Getränke 640,4 27,2
2 Rohstoffe (ausgenommen Nahrungsmittel und mineralische Brennstoffe 591,1 71,6
3 Mineralische Brennstoffe 5.320,5 65,5
5 Chemische Erzeugnisse 2.195,2 333,3
davon:
.51 Organische Chemikalien 532,1 60,8
.54 Arzneimittel 413,5 89,6
6 Vorerzeugnisse 3.168,6 336,5
7 Maschinen und Fahrzeuge 11.248,5 887,4
davon:
.71-74 Maschinen 4.083,9 399,3
.75 Büromaschinen 3.059,6 138,9
.77 Elektrische Maschinen 1.071,4 112,8
.78 Kraftfahrzeuge 454,7 70,3
.79 Andere Beförderungsmittel 1.649,2 310,4
8 Fertigerzeugnisse 3.509,8 305,5

1) Originaldaten in Pfund-Sterling; 2) vorläufig; durchschnittlicher Jahreswechselkurs 2018: 1 GBP = 1,1305 Euro; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Quelle: HM Revenue & Customs

Im Vergleich zu Deutschland spielen Fachmessen im gesamten Vereinigten Königreich eine geringere Rolle. Allerdings gibt es in Schottland einzelne Veranstaltungen, die hervorzuheben sind. Dazu gehören die All-Energy Exhibition & Conference zum Thema erneuerbare Energien (http://www.all-energy.co.uk), die Baumesse Scotland Build Expo (http://www.scotlandbuildexpo.com), die Straßenverkehrsmesse

Traffex Scotland (http://www.road-expo.com), sowie die Gastronomie- und Tourismusveranstaltung Scothot (http://www.scothot.co.uk).

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Scottish Council for Development and Industry, (SCDI) http://www.scdi.org.uk Unabhängige Mitgliederorganisation und Lobbygruppe
Scottish Development International http://www.sdi.co.uk Wirtschaftsförderungsgesellschaft im internationalen Bereich; (Vertretungen in Düsseldorf und Berlin)
Scottish Enterprise http://www.scottish-enterprise.com Öffentliche Einrichtung zur Förderung der Unternehmensinvestitionen und Innovation
Highland and Islands Enterprise http://www.hie.co.uk Wirtschaftsförderungsgesellschaft für diverse Regionen und Bezirke Schottlands
South of Scotland Enterprise http://www.sosep.co.uk Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Südschottland
GlobalScot http://www.globalscot.com Globales Netzwerk von Unternehmensführern
Transport Scotland http://www.transport.gov.scot Behörde für das Transportwesen
Scottish Fiscal Commission http://www.fiscalcommission.scot Amt für Statistiken und Prognosen
Scottish Cities Alliance http://www.scottishcities.org.uk Wirtschaftliche Zusammenarbeit der "sieben Städte" Schottlands
Scottish Funding Council http://www.sfc.ac.uk Öffentliche Stelle für die Finanzierung von Bildungseinrichtungen
Skills Development Scotland http://www.skillsdevelopmentscotland.co.uk Behörde für u.a. Berufsausbildung

Weitere Informationen zum Vereinigten Königreich finden Sie unter http://www.gtai.de/vk.

Über den geplanten Brexit informiert Germany Trade & Invest regelmäßig auf der Sonderseite http://www.gtai.de/brexit.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigtes Königreich Außenwirtschaft, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Tourismus, Brexit

Funktionen

Kontakt

Charlotte Schneider

‎+49 228 249 93 279

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