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01.10.2019

Digitalwirtschaft steht in Afrika vor großen Herausforderungen

Auf dem Kontinent sind Südafrika, Botsuana und Tunesien am besten vorbereitet / Von Marcus Knupp

Berlin (GTAI) - Viele afrikanische Länder sind für die Umwälzungen der Digitalisierung unzureichend gerüstet. Das zeigt der Enabling Digitalization Index 2019 des Kreditversicherers Euler Hermes.

An der Spitze der globalen Rangliste des Enabling Digitalization Index (EDI) stehen 2019 die USA, Deutschland, Dänemark, die Niederlande und das Vereinigte Königreich vor Singapur, der Schweiz, Japan, China und Schweden. Fast alle Plätze im letzten Viertel der 115 Länder umfassenden Aufstellung werden von afrikanischen Staaten eingenommen. Südafrika als Bestplatzierter aus Afrika liegt auf Rang 51, Botsuana folgt auf Platz 72 vor Tunesien auf Rang 75, Marokko (78) und Ruanda (80).

Index ist potenzialorientiert

Der EDI misst ausdrücklich nicht den Stand der derzeitigen Umsetzung der Digitalisierung. Vielmehr geht es um die Fähigkeit von Volkswirtschaften, Unternehmen der Digitalwirtschaft günstige Bedingungen zu bieten und traditionellen Unternehmen eine erfolgreiche Digitalisierung zu ermöglichen. Dies geschieht durch die Betrachtung von fünf Komponenten: Regulierung, Wissen, Konnektivität, Infrastruktur und Größe.

Dabei greifen die Experten von Euler Hermes auf bestehende Aufstellungen zurück und fügen die Daten in ihrem Index zusammen. Beim Faktor Regulierung geht es um das Geschäftsumfeld, etwa die Bedingungen für Finanzierung und Investitionen. Er stützt sich auf die Ergebnisse des Doing Business Reports der Weltbank. Unter dem Stichwort Wissen bewertet der EDI das vorhandene Humankapital und das Potenzial für Innovationen und verwendet hierzu die Indikatoren Skills und Innovation des World Economic Forum.

Der Punkt Konnektivität betrachtet die vier Messgrößen Internetnutzer, Mobilfunk- und Festnetzverträge sowie sichere Server, jeweils in Bezug zur Einwohnerzahl. Zur Messung der Infrastruktur wird der Logistics Performance Index herangezogen. Der Begriff Größe schließlich bezieht sich auf die absolute Zahl der Internetnutzer in einem Land und ihre Einkommen gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf.

Afrika darf den Anschluss nicht verlieren

Von den 25 einbezogenen afrikanischen Ländern fielen 13 gegenüber dem EDI 2018 auf einen niedrigeren Rangplatz zurück, neun konnten sich verbessern und drei ihren Platz halten. Das heißt, trotz rascher Fortschritte, etwa in der Ausstattung mit Mobiltelefonen und der Nutzung mobiler Dienstleistungen, konnte Afrika seine Position im Durchschnitt nicht verbessern. Denn auch anderswo wird an den Bedingungen für die Digitalisierung gearbeitet, ausgehend von einem höheren Stand und ausgestattet mit ungleich größeren Ressourcen.

Länder, die im Vergleich zum Vorjahr zurückfallen, wie Südafrika und Kenia, verlieren Punkte vor allem durch eine sich verschlechternde Infrastruktur und niedrige Bewertung im Bereich Bildung. Relativ hohe Werte erzielen afrikanische Länder aus dem Mittelfeld, etwa Botsuana, Tunesien, Marokko oder Ruanda, bei der Regulierung.

Die Konnektivität wird im Vergleich zum Beispiel zu europäischen Ländern meist ebenfalls sehr gering bewertet. Diese Größe dürfte hier aber wegen der geringen Zahl von Festnetzanschlüssen verzerrt sein. Auch beim Indikator Größe erhalten viele Länder in Afrika aufgrund ihrer kleinen Bevölkerungszahl und wegen des geringen BIP nur wenige Punkte.

Mit angepassten Strategien zum Erfolg

Je nach Ländergruppe haben die Autoren der Studie verschiedene Erfolgsstrategien identifiziert. So konnten vor allem Emerging Markets - genannt werden China, Indien, die Türkei, Kenia, Brasilien und Marokko - ihre Regulierung verbessern und damit in der Regel ein Marktwachstum ermöglichen. Erfolgreiche kleinere Länder mit geringerem absolutem Marktvolumen und bereits weit entwickelter Regulierung setzen vor allem auf die weitere Verbesserung der Infrastruktur und der Konnektivität - Beispiele hierfür sind Dänemark, Singapur oder Irland.

Größere Volkswirtschaften mit weit entwickelter Infrastruktur und Regulierung haben Potenziale vor allem durch Investitionen in Bildung und Forschung, um ihre Arbeitskräfte und Prozesse auf den digitalen Wandel einzustellen. Hier werden Länder wie Deutschland, Italien, Kanada, die USA oder Südkorea genannt.

Wo lässt dies afrikanische Länder? Bessere regulative Rahmenbedingungen zu schaffen, ist zunächst die am wenigsten kostenintensive Strategie. Das Beispiel Ruanda, das in dieser Kategorie 84 von 100 Punkten erzielt und damit gleichauf etwa mit Spanien liegt, zeigt den Spielraum, den auch kleinere und ärmere Länder haben. Auch Tunesien und Marokko haben auf diesem Gebiet in den letzten Jahren aufgeholt. Das Überspringen von technologischen Stufen ist eine weitere Chance. So können viele afrikanische Länder auf die hohen Investitionen eines Festnetzes verzichten und ihre Konnektivität über Mobilfunknetze konkurrenzfähig machen.

Der Aufholprozess bei der physischen Infrastruktur wird mehr Zeit und Investitionen in Anspruch nehmen. Aber auch hier sind, beispielsweise durch dezentrale Lösungen in der Stromversorgung, in der Zukunft Sprünge möglich, welche die Entwicklung beschleunigen können.

Unumgänglich sind allerdings erhebliche Anstrengungen im Bereich Ausbildung, denn nur so können Ideen auch vor Ort in Innovationen umgesetzt werden. Der afrikanische Spitzenreiter Südafrika kommt hier mit 43 von 100 Punkten auf ein ähnliches Niveau wie die Türkei, Brasilien oder Rumänien. Die folgende Gruppe mit Kenia, Namibia und Algerien liegt mit Werten um 30 aber schon deutlich darunter. Viele Länder des Kontinents sind jedoch völlig abgeschlagen im einstelligen und niedrigen zweistelligen Bereich.

Enabling Digitalization Index 2019, ausgewählte Länder (Maximum = 100)
Land Konnektivität Infrastruktur Regulierung Wissen Größe EDI Rang
USA 75 86 93 100 80 87 1
Deutschland 83 100 86 100 17 77 2
Dänemark 100 90 97 90 1 76 3
China 33 72 77 63 100 69 9
Südkorea 68 72 96 82 9 65 16
Polen 53 69 83 59 4 53 32
Indien 18 52 65 47 45 44 44
Türkei 38 51 78 44 6 44 48
Südafrika 41 62 63 43 4 42 51
Mexiko 36 46 74 41 10 42 55
Botsuana 28 46 62 30 0 33 72
Peru 30 29 68 33 2 33 73
Tunesien 34 24 63 36 1 32 75
Marokko 35 22 72 23 2 31 78
Ruanda 10 43 84 14 0 30 80
Kenia 10 35 71 34 1 30 81
Namibia 23 32 53 30 0 28 86
Ghana 23 24 51 27 1 25 91
Algerien 29 18 34 30 2 23 93
Nigeria 13 22 40 17 5 19 99
Senegal 17 9 42 19 0 17 104
Äthiopien 5 15 33 6 2 12 112
Tschad 0 17 16 0 0 7 115

Quelle: Euler Hermes

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Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
Enabling Digitalization Index 2019 https://www.eulerhermes.com/en_global/economic-research/insights/2019-Enabling-digitalization-index-beyond-potential.html Die zitierte Studie zum Download

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