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28.08.2019

Ein Fünftel der slowakischen Importe hat Bezug zur Autoindustrie

Deutschland ist wichtigster Handelspartner / Von Miriam Neubert

Bratislava (GTAI) - Der slowakisch-deutsche Außenhandel hat 2018 kräftig zugelegt. Das betraf besonders Pkw-Exporte nach Deutschland und Importe von Kfz-Teilen, Elektrotechnik, Maschinen von dort.

Seit 2004 gehört die Slowakei zur Europäischen Union (EU), seit 2009 ist sie Teil der Eurozone. Gut ablesen lassen sich die Meilensteine dieser Entwicklung am Warenaußenhandel. In den vergangenen 15 Jahren hat sich der slowakische Außenhandelsumsatz vervierfacht. Im letzten Jahrzehnt weitete er sich, vorübergehend abgebremst durch die Weltwirtschaftskrise, um über 60 Prozent aus. Vorläufigen Angaben des Europäischen Statistikamts Eurostat zufolge erreichte das slowakische Außenhandelsvolumen 2018 den Wert von fast 160 Milliarden Euro.

Der vor fünf Jahren noch 3 Milliarden Euro umfassende Handelsüberschuss ist allmählich zurückgegangen und 2018 laut den Zahlen von Eurostat sehr geschrumpft. Das hatte mit deutlich höheren Importwerten von Komponenten und Motoren für die slowakische Autoindustrie, aber auch von Elektrotechnik und mineralischen Brennstoffen zu tun und spürbar geringeren Elektronikausfuhren. Der hohe Anstieg der Pkw-Ausfuhren um 28 Prozent auf einen Wert von 18,6 Milliarden Euro verhinderte ein schlechteres Ergebnis.

Außenhandel der Slowakei (in Mio. Euro; Veränderung in Prozent)

2017 2018 Veränderung 2018/17
Importe 73.684 79.718 8,2
Exporte 74.726 79.810 6,8
Handelsbilanzsaldo 1.042 92 -

Quelle: Eurostat

Wachsende Kraftfahrzeuglastigkeit

Zweistellig legte die Dynamik im Segment Kraftwagen und Kraftwagenteile (SITC 78) zu. Gegenüber 2017 war es fast ein Fünftel mehr - sowohl auf der Einfuhr-, wie auch der Ausfuhrseite. Speziell mit dem wichtigsten Handelspartner Deutschland war das Tempo in dem Segment noch einmal deutlich höher (+27 Prozent bei den Importen und +43 Prozent bei den Exporten). Dahinter stand besonders die erweiterte Produktionspalette von Volkswagen Slovakia in Bratislava. Sie umfasst jetzt Modelle der Kategorie Sport Utility Vehicle (SUV) für drei verschiedene Konzernmarken. Hinzu kam im Herbst der Start des neuen Werks von Jaguar Land Rover in Nitra, dessen Impuls 2019 stärker zu spüren sein sollte.

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Die slowakischen Warenexporte im Wert von rund 80 Milliarden Euro entsprachen 89 Prozent der Wirtschaftsleistung. Damit hat sich die Ausfuhrabhängigkeit der kleinen Volkswirtschaft noch verstärkt.

Auch ist die Kraftfahrzeuglastigkeit des Außenhandels weiter gestiegen. Gut ein Drittel der Ausfuhr betrifft mittlerweile Straßenfahrzeuge, Teile, Kfz-Elektrik, Zündkabelsätze und Motoren. Im Fünfjahresvergleich gesehen ist allein der Wert an exportierten Pkw gegenüber 2013 um drei Viertel auf 18,6 Milliarden Euro im Jahr 2018 hochgeschnellt.

Slowakei importierte für mehr als 10 Milliarden Euro Kfz-Teile

Auf der anderen Seite hat ein Fünftel der Einfuhr inzwischen Bezug zur Autoindustrie. Dabei geht es mehrheitlich um Teile und Komponenten. Ihr Importwert machte 2018 mehr als 10 Milliarden Euro aus. Im Jahr 2013 waren es erst 6,1 Milliarden Euro. Darüber hinaus haben sich die Importe in den Segmenten Kfz-Elektrik, Motoren und Zündkabelsätze im Fünfjahresvergleich mehr als verdoppelt.

Die EU dominiert als Herkunftsregion der slowakischen Importe. Rund zwei Drittel des Einfuhrwerts kommen aus dem europäischen Binnenmarkt. Der deutsche Anteil an den slowakischen Einfuhren hat sich 2018 auf fast ein Fünftel und bei den Ausfuhren auf über 22 Prozent ausgeweitet. Laut Eurostat stieg der gemeinsame Warenaustausch 2018 gegenüber dem Vorjahr sprunghaft um 13,4 Prozent auf 33,6 Milliarden Euro. Zweitwichtigster Handelspartner ist in beide Richtungen traditionell die Tschechische Republik, wenn auch im Fünfjahresvergleich mit leichten Markteinbußen.

Visegrad-Gruppe mit hohen Marktanteilen

Eine wichtige Rolle spielt die Visegrad-Gruppe. Die drei Nachbarländer Polen, Ungarn und Tschechien hielten 2018 einen Anteil von knapp 29 Prozent an den slowakischen Importen und von 25 Prozent an den Exporten. Das hat mit ähnlichen Industriestrukturen und der Bedeutung der Kraftfahrzeugbranche zu tun. Hinzu kommen ausländische, besonders deutsche Investitionen in den vier Ländern und die Warenströme zwischen deren Werken in Mittelosteuropa.

Unter den zehn wichtigsten Lieferpartnern der Slowakei finden sich von außerhalb der EU Russland, Südkorea und China. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Anteil Russlands an den slowakischen Importen infolge der Rohstoffpreisentwicklung halbiert. Südkorea und sogar China haben etwas an Gewicht verloren. China ist 2018 sogar auf Rang neun abgefallen.

Das Gewicht der EU als Absatzmarkt ist noch deutlich größer. Rund 83 Prozent der Exporte steuerten den gemeinsamen Binnenmarkt an. Die acht wichtigsten Abnehmerländer gehören alle zur EU. Anders als vor fünf Jahren sind Russland und China nicht mehr unter den Top 10 der Abnehmerländer. Dafür rückten die USA und Spanien an die neunte und zehnte Stelle. Obwohl die Ausfuhren der Slowakei in das Vereinigte Königreich 2018 um über 6 Prozent zurückgingen, bleibt es der achtwichtigste Exportmarkt, der vor allem Autos abnimmt.

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Die höchsten Handelsüberschüsse verzeichnete die Slowakei 2018 bei Pkw (16,1 Milliarden Euro), aber auch Vorerzeugnissen (1,4 Milliarden Euro), Maschinen für verschiedene Zwecke (0,7 Milliarden Euro), Elektronik (0,5 Milliarden Euro) und Spezialmaschinen (0,2 Milliarden Euro). Am größten waren die Handelsdefizite bei Kraftfahrzeugteilen und sonstigen Kraftfahrzeugen (-5,1 Milliarden Euro), mineralischen Brennstoffen (-3,9 Milliarden Euro), chemischen Erzeugnissen (-1,8 Milliarden Euro), Elektrotechnik (-1,5 Milliarden Euro), Arzneimitteln und Nahrungsmitteln (je -1,3 Milliarden Euro).

Slowakische Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code 2013 2017 2018 Veränderung 2018/2017 in %
Gesamt 61.542,6 73.684,5 79.718,0 8,2
Vorerzeugnisse 6 9.167,8 11.277,1 12.014,4 6,5
Elektronik 75, 76, 776 8.905,8 10.925,7 10.740,8 -1,7
Fertigerzeugnisse 8 7.269,3 8.543,6 8.743,3 2,3
Maschinen 70-74 5.756,8 7.836,4 8.801,2 12,3
Chemische Erzeugnisse 5 minus 54 3.710,3 4.725,1 4.782,8 1,2
Arzneimittel 54 1.520,7 1.709,2 1.740,5 1,8
Sonstige Kfz und Kfz-Teile 78 minus 781 6.081,0 7.963,4 10.130,0 27,2
Straßenfahrzeuge 781 1.205,6 2.576,5 2.507,9 -2,7
Elektrotechnik 77 minus 776 3.901,5 5.226,5 6.411,5 22,7
Mineralische Brennstoffe 3 7.960,9 6.262,9 6.880,0 9,9
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 3.071,1 3.412,8 3.570,0 4,6
Rohstoffe 2 1.878,0 1.956,9 2.080,6 6,3
Getränke/Tabak 1 411,8 517,8 604,1 16,7
Sonstiges 9 214,5 256,4 243,3 -5,1
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 198,1 357,0 342,1 -4,2
Tierische/pflanzliche Öle 4 289,4 137,1 125,6 -8,4

Quellen: Eurostat, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Slowakische Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code 2013 2017 2018 Veränderung 2018/2017 in %
Gesamt 64.565,8 74.726,4 79.809,7 6,8
Vorerzeugnisse 6 10.879,3 12.778,0 13.428,3 5,1
Elektronik 75, 76, 776 11.452,7 12.118,1 11.215,0 -7,5
Fertigerzeugnisse 8 6.086,1 7.109,7 7.743,0 8,9
Maschinen 70-74 5.970,6 7.442,5 7.853,1 5,5
Chemische Erzeugnisse 5 minus 54 2.640,1 2.926,3 2.978,9 1,8
Arzneimittel 54 367,5 330,2 402,8 22,0
Sonstige Kfz und Kfz-Teile 78 minus 781 4.881,8 5.320,9 5.047,2 -5,1
Straßenfahrzeuge 781 10.806,0 14.485,0 18.580,4 28,3
Elektrotechnik 77 minus 776 3.222,5 4.474,3 4.954,0 10,7
Mineralische Brennstoffe 3 3.591,9 3.316,3 3.001,1 -9,5
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 2.379,1 2.382,3 2.316,0 -2,8
Rohstoffe 2 1.526,1 1.369,6 1.520,2 11,0
Getränke/Tabak 1 108,6 98,8 125,3 26,8
Sonstiges 9 163,4 168,7 191,9 13,8
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 247,1 339,3 396,1 16,7
Tierische/pflanzliche Öle 4 243,0 66,2 56,4 -14,8

Quellen: Eurostat, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zur Slowakischen Republik finden Sie unter http://www.gtai.de/Slowakei

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowakei Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Außenhandel / Struktur, allgemein

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