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01.04.2019

Elektrifizierung von Indonesiens Peripherie bietet Geschäftschancen

Stromversorgung entlegener Gebiete überwiegend durch Gas und Diesel / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Vor allem im Osten Indonesiens müssen viele Regionen eine Stromversorgung erst aufbauen oder die bestehende modernisieren. Technologie und Know-how werden meist im Ausland eingekauft.

Die Stromnachfrage in Indonesien soll in den nächsten zehn Jahren um circa 80 Prozent steigen. In den weniger entwickelten Gebieten - vor allem im Osten des Archipels, wie etwa in Papua, auf den Molukken oder in Nusa Tenggara - wächst der Bedarf noch schneller als im Landesdurchschnitt. Denn in der Peripherie muss die Stromversorgung teilweise erst aufgebaut oder aber modernisiert werden.

Dort existieren Hunderte von kleineren Stromnetzen, die nicht miteinander verbunden sind. Deshalb sind vor allem Dieselgeneratoren oder Gaskraftwerke gefragt, die eine begrenzte Menge an Elektrizität schnell verfügbar machen und einen schwankenden Bedarf zuverlässig bedienen können.

Der Energiemix dieser Gebiete unterscheidet sich stark von dem der entwickelten Regionen. Indonesien erzeugt etwa 60 Prozent seines Stroms aus Kohle, 20 Prozent aus Gas und 4 Prozent aus Öl/Diesel. Auf Papua und den Molukken hingegen werden etwa 80 Prozent der Elektrizität aus Diesel gewonnen. Je abgelegener die Gegend, desto höher dieser Anteil.

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Kleinere gas- und dieselbetriebene Kraftwerke eignen sich besonders für den kombinierten Einsatz mit erneuerbaren Energien. Solche sogenannten Hybridkraftwerke sind in Indonesien bisher aber noch nicht im größeren Stil im Einsatz. Denn genügend Wind zur Energieerzeugung gibt es nur an wenigen Orten in dem riesigen Archipel. Und für die Produktion von Solarstrom bestehen bisher keine Anreize. Ganz im Gegenteil: Produzenten bekommen lediglich 85 Prozent des vom staatlichen Stromkonzern PLN festgelegten regionalen Erzeugerpreises vergütet.

Wenig Konkurrenz bei größeren Anlagen

Die meisten Kraftwerke, die in entlegenen Regionen benötigt werden, haben eine Leistung von einigen Dutzend Megawatt und versorgen ein paar Tausend bis mehrere Zehntausend Haushalte mit Strom. Die Technologie wird von ausländischen Unternehmen geliefert und installiert. Der einheimische Partner, mit dem diese zusammenarbeiten müssen, erledigt die einfacheren Konstruktionsarbeiten.

Gaskraftwerke sind vor allem in dünn besiedelten Gebieten seltener. Denn sie benötigen eine teure Infrastruktur, gegebenenfalls mit Ladeterminals und Pipelines. Ihr Aufbau erfordert teure Importe von zahlreichen Zulieferern. Dieselgeneratoren sind die deutlich günstigere Variante.

Je größer die benötigte Anlage, desto kleiner ist der Wettbewerb unter den Anbietern, beschreiben Marktteilnehmer das Konkurrenzumfeld. Bei der Ausstattung größerer Anlagen mit Turbinen hat etwa der im Osten Indonesiens aktive Zulieferer von Turbinen und Generatoren MAN Energy Solutions keine Wettbewerber aus China - wenngleich benötigte Komponenten durchaus dort hergestellt sein können.

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Stromerzeugung mit Palmöl

Laut nationalem Energieplan sollen Öl und Diesel in der Stromversorgung in den kommenden zehn Jahren auf einen Promilleanteil gesenkt werden und nur noch in Gegenden zum Einsatz kommen, die anders nicht zu versorgen sind. Mineralöl muss teuer im Ausland eingekauft werden und ist einer der Hauptgründe für das indonesische Rekord-Handelsbilanzdefizit von 2018.

Doch dieses politische Ziel könnte sich durchaus ändern. Denn mittlerweile kommt raffiniertes Palmöl nicht nur als Kfz-Treibstoff, sondern vermehrt auch in Kraftwerken zum Einsatz - als eine zumindest bei den Emissionswerten klimafreundliche Alternative zum Mineralöl. Bis zu 20 Prozent beträgt der Palmölanteil neuerdings, an einer weiteren Erhöhung dieses Anteils wird bereits geforscht. Das ausgesprochene Ziel sind 100 Prozent.

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Palmöl ist in Indonesien reichhaltig vorhanden. Es wurde laut Statistikamt BPS im Jahr 2017 auf einer Fläche von 14 Millionen Hektar angebaut. Das entspricht etwa der Größe Bayerns, Baden-Württembergs und Nordrhein-Westfalens zusammen. Dort, wo es technologisch und wirtschaftlich sinnvoll Mineralöl substituieren kann, wird es dazu genutzt werden.

Einsatz von Stromversorgungsschiffen

Wie schwierig die flächendeckende Versorgung des Archipels mit Strom ist, zeigt der Einsatz von Schiffen als mobile Kraftwerke. Der staatliche Energiekonzern PLN hat in den vergangenen Jahren mehrere von ihnen aus der Türkei angemietet und sie dorthin geschickt, wo die Nachfrage anders nicht bedient werden konnte.

Die Schiffe erzeugen den Strom durch auf ihnen installierte Dieselgeneratoren oder Gasturbinen mit einer Leistung zwischen 60 und 240 Megawatt. Sie sind vor allem zwischen den dünn besiedelten östlichen Inseln unterwegs. Eines von ihnen bewahrte im Juni 2017 aber auch die Millionenstadt Medan auf Sumatra vor Stromausfällen zum Ende des Fastenmonats Ramadan.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Kraftwerksbau, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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