Suche

07.03.2019

Geschäfte mit Erneuerbaren in Mexiko werden schwieriger

Private Projektentwickler sollten mehrere Standbeine aufbauen / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Mexikos neue Regierung stärkt in der Stromwirtschaft den Staatskonzern CFE. Das geht zulasten von privaten Entwicklern, doch Abnahmeverträge können einen Ausweg bieten.

In Mexikos Elektrizitätswirtschaft herrscht ein neuer Wind. Das wurde spätestens am 2. Dezember 2018 klar, als Präsident Andrés Manuel López Obrador nur einen Tag nach seiner Amtsübernahme die vierte langfristige Stromausschreibung aussetzen ließ. Mittlerweile ist klar, dass neue Ausschreibungen erst wieder aufgenommen werden sollen, sobald die Regierung die bisherige Vergabepraxis überprüft und eigene Regeln etabliert hat. Wann das sein wird, ist offen.

Die Ausschreibungen hatten sich eigentlich bewährt: In den vergangenen drei Runden boten private Unternehmen extrem niedrige Preise von bis zu 20,57 US-Dollar (US$) pro Megawattstunde (MWh) für den von ihnen zu erzeugenden Strom an. Die Investitionen für die benötigten Kraftwerke - vorrangig Photovoltaik- und Windanlagen - betragen 8,6 Milliarden US$. Doch die neue Regierung scheint die staatliche Kontrolle über die Elektrizitätswirtschaft mithilfe des öffentlichen Stromversorgers CFE ausweiten zu wollen - zulasten der privaten Energieunternehmen.

Erneuerbare-Projekte für PPAs und Spotmarkt

"Für Erneuerbare Energie rücken Projekte wieder stärker in den Fokus, die auf den Stromverkauf an private Abnehmer anstelle der CFE ausgelegt sind", sagt Volker Schwab, Energiespezialist der DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) in Mexiko. Dazu gehören Vorhaben, die Elektrizität über ein Power Purchase Agreement (PPA) etwa an Industriefirmen verkaufen, die bislang von der CFE bedient wurden. Zudem besteht weiterhin die Möglichkeit, den Strom auf dem 2016 geschaffenen Großhandelsmarkt (Spotmarkt) abzusetzen.

Generell sind PPA-Projekte interessant für große Stromkunden, da die CFE-Tarife für die Industrie hoch sind. Grund dafür sind die im Vergleich zu erneuerbaren Quellen teuren konventionellen Kraftwerke: Experten gehen davon aus, dass die CFE in vielen Fällen Gestehungskosten von etwa 80 US$ pro MWh hat, in einigen Anlagen belaufen sie sich sogar auf bis zu 200 US$/MWh. Dahingegen generieren private Erzeuger in ihren Photovoltaik- und Windparks für 17 bis 60 US$/MWh.

Laut Volker Schwab von der DEG gibt es jedoch Herausforderungen auf der Finanzierungsseite: "Die potenziellen Stromkunden bevorzugen eine Laufzeit der Verträge von drei bis fünf Jahren, nur wenige Abnehmer zeigen sich bislang an längeren Laufzeiten interessiert. Im aktuellen Marktumfeld müssten diese jedoch eher zwölf bis 15 Jahre betragen, um ein Projekt angemessen strukturieren zu können." Auch der Absatz auf dem Spotmarkt berge Risiken: "Wir gehen zwar davon aus, dass der Spotmarkt weiter bestehen wird. Allerdings sind Prognosen über die Preisentwicklung dort schwierig."

CFE-Tarife könnten steigen

In den kommenden Jahren wird viel darauf ankommen, wie sich die CFE-Tarife für die Industrie entwickeln. Sollten diese zunehmen, werden auch die Preise in PPA-Verträgen steigen können und diese schneller rentabel machen. Dadurch kann sich die Lücke zwischen den Erwartungen der Abnehmer und der Projektentwickler sowie -finanzierer verkleinern.

Für eine mittel- bis langfristige Erhöhung der Tarife für Industriestrom spricht, dass ab dem Jahr 2022 nach bisherigem Stand weniger günstige Erneuerbare-Kapazitäten ans Netz gehen werden. Die Projekte der ersten drei Ausschreibungsrunden werden dann bereits online sein. Der Bedarf steigt angesichts der wachsenden Bevölkerung und der expandierenden Industrie aber weiterhin.

Interesse an privaten PPAs wächst

Bereits jetzt wächst das Interesse von Stromabnehmern aus der Industrie an PPA-Lösungen. Ende 2017 waren in Mexiko 5,7 Gigawatt an Kapazität installiert, aus denen Strom für private PPAs erzeugt wurde. 2018 verzeichnete das Land laut Bloomberg New Energy Finance zusammen mit Brasilien den stärksten Zuwachs in Lateinamerika.

Die Stromkunden kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen wie dem Einzelhandel, dem Bergbau sowie der Stahl- und Lebensmittelindustrie. Viele der PPA-Verträge legen große Abnahmemengen fest, die Kapazitäten von über 100 Megawatt (MW) binden. Laut Marktexperten gibt es jedoch auch Chancen für mittelgroße Vorhaben von rund 10 bis 50 MW, unter anderem für die Automobilindustrie.

Wichtige private PPA-Projekte (Auswahl)
Projektentwickler Stromabnehmer (Sektor) Anmerkungen
Acciona Energy/Tuto Energy k.A. Stromabnahme von 110 MW aus 404-MW-Solarpark in Sonora ab 2. Quartal 2019; weitere 61 MW für Spotmarkt bestimmt; restliche Kapazität ging in 2. Ausschreibungsrunde an CFE
Balam Fund Farmacias de Ahorro (Apotheken) Stromabnahme aus 30-MW-Solarpark in Durango über 15 Jahre seit Mitte 2018
EnerAB (Joint Venture aus AES und Grupo BAL) Industrias Peñoles (Bergbau) Stromabnahme aus 306-MW-Windpark in Sonora über 15 Jahre ab Ende 2021; Turbinenlieferant: Vestas
Engie Gerdau (Stahl) Stromabnahme aus 130-MW-Solarpark in Sonora über 15 Jahre ab Ende 2019
Invenergy Wind Bimbo (Backwaren) Stromabnahme von 100 MW aus 300-MW-Windpark in Texas (USA) ab 3. Quartal 2019; Bimbo plant, bis 2025 Strom ausschließlich aus erneuerbaren Quellen zu beziehen und dafür weitere PPAs einzugehen
Sempra Energy Cemex, Femsa, Fiat-Chrysler, Deacero, Tec de Monterrey (Diverse) Stromabnahme aus 252-MW-Windpark Ventika I/II in Nuevo León über 15 bzw. 20 Jahre seit April 2016

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Staat konzentriert sich auf konventionelle Energien

Das Energieministerium Sener will indes die Vorrangstellung der CFE im nationalen Elektrizitätssystem wieder herstellen. Der staatliche Stromversorger hatte unter der Vorgängerregierung sein Monopol über Stromerzeugung und -verteilung verloren und immer mehr Marktanteile an private Firmen abgeben müssen. In den vergangenen Ausschreibungen war die CFE bei Weitem die größte Käuferin von Stromleistungen und generiert nur noch knapp die Hälfte des im Land erzeugten Stroms selbst.

Um den Stromkonzern wieder handlungsfähiger zu machen und das Defizit der ausgesetzten Ausschreibungen aufzufangen, investiert die Regierung in die Modernisierung bestehender CFE-Kraftwerke. Für dieses Programm, das vor allem Gas- und Schwerölkraftwerke betrifft, sind im Haushalt 2019 rund 1,7 Milliarden US$ vorgesehen.

Zum Teil stammen die Mittel aus einem anderen Großprojekt, das von der neuen Regierung ebenfalls abgesagt wurde: die 1.221 Kilometer lange und 1,2 Milliarden US$ teure Stromtrasse vom südlichen Bundesstaat Oaxaca ins Zentrum des Landes. Die Leitung sollte vornehmlich Windstrom aus der Landenge zwischen Atlantik und Pazifik in die Abnehmerzentren transportieren. Die CFE begründete die Entscheidung lediglich damit, dass die Bedingungen zum Bau der Strecke nicht mehr gegeben seien. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass künftig konventionelle Energien wieder eine größere Rolle spielen werden.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Secretaría de Energía (Sener) http://www.gob.mx/sener Mexikanisches Energieministerium
Comisión de Regulación de Energía (CRE) http://www.gob.mx/cre Regulierungsbehörde
Centro Nacional de Control de Energía (Cenace) https://www.gob.mx/cenace Aufsichtsbehörde
Comisión Federal de Electricidad (CFE) https://www.cfe.mx (Link derzeit inaktiv) Staatlicher Stromkonzern

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind

Funktionen

Jutta Kusche Jutta Kusche | © GTAI

Kontakt

Jutta Kusche

‎+49 228 24 993 419

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche