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05.02.2019

Gesundheitswirtschaft ist ein Wachstumssektor in den Philippinen

Medizintechnikeinfuhren steigen / Von Achim Haug

Bonn (GTAI) - Die Philippinen geben mehr für die Gesundheit aus. Während viele Arme noch eher unterversorgt sind, steigen in den großen Städten die Behandlungskosten für Zivilisationskrankheiten.

Die Philippinen hatten 2018 eine junge Bevölkerung von 107 Millionen Personen. Der Altersschnitt lag 2013 (letztverfügbare Angabe) laut WHO bei 23 Jahren, nur 4,5 Prozent waren 2016 über 65 Jahren. Das Gesundheitssystem bleibt bislang noch fragmentiert und gerade auf kleineren Inseln unzureichend.

Die Philippinen verfügen über rund 1.800 Krankenhäuser, je zur Hälfte staatliche und private Einrichtungen. Die Gesamtkapazität der Krankenhausbetten beträgt mehr als 100.000. Somit steht nur etwas mehr als ein Krankenhausbett 1.000 Einwohnern zur Verfügung, deutlich unter dem OECD-Durschnitt von knapp fünf Betten.

Generell steigen die privaten Investitionen, während der Staat sich mehr auf die Finanzierung der Krankenversicherung zurückzieht. Der Eigenanteil der Haushalte für Gesundheitsausgaben beträgt gegenwärtig circa 54 Prozent. Die öffentlichen Ausgaben für den Aufbau und die Modernisierung von Krankenhäusern und Gesundheitszentren werden zurückgefahren, dieser Bereich wird stärker privaten Investoren überlassen. Die privaten Gesundheitsausgaben sollen sich 2016 auf rund 10 Milliarden US-Dollar (US$) belaufen haben und bis 2022 im Schnitt um 6,6 Prozent jährlich zulegen, auf 13,8 Milliarden US$.

Staat konzentriert sich auf Finanzierung der Krankenversicherung

Dafür wird das Budget des Gesundheitsministeriums gesteigert, für 2018 zuletzt um 9 Prozent auf insgesamt 3,3 Milliarden US$. Davon waren 1,1 Milliarden US$ für die öffentliche Krankenversicherung PhilHealth bestimmt. Durch diese Subvention werden die Beiträge für Arme bezahlt. Für das Gesundheitswesen direkt waren 2,2 Milliarden US$ vorgesehen. Ein schrumpfender Posten sind die Infrastrukturausgaben. So wurde in dem Haushalt für 49 Krankenhäuser das Budget gekürzt.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Versorgung übertragbarer Krankheiten. Dazu zählen Dengue und Malaria, aber auch HIV und Tuberkulose. Bei diesen besteht Hoffnung auf Rückgang. Ziel ist es, immer mehr Provinzen zu malariafreien Gebieten zu machen.

Wohlstandsleiden nehmen zu

Im Ansteigen begriffen sind dagegen "Zivilisationsleiden" wie kardiovaskuläre Syndrome, Krebs oder Nierenkrankheiten. Gleichzeitig verstärkt der Lebenswandel das Risiko von chronischen Erkrankungen. So zählt besonders die Ernährung als nicht besonders gesund. Dazu wird unnötige Bewegung vermieden. Im Großraum Manila trägt das Leben in einer Megacity zusätzliche Gesundheitsrisiken wie Luftverschmutzung und Stress bei.

Krankheiten wie Bluthochdruck und Nierenversagen sind daher im Ansteigen. Das Zentrum für Nierenerkrankungen der Philippinen schätzt, dass jährlich rund 10 bis 15 Prozent mehr Patienten Dialysen benötigen. Das seien rund 15.000 neue Patienten pro Jahr. Davon profitiert zum Beispiel Fresenius Medical Care, die sowohl Dialysegeräte und Verbrauchsmaterialien verkauft, wie auch nephrologische Kliniken selbst betreibt.

Krankenhäuser werden ausgebaut

Als PPP-Projekt (Public-private-Partnership; öffentlich-private Partnerschaft) will die Regierung das Philippine General Hospital in UP Diliman realisieren, Auftraggeber ist die University of the Philippines. Es handelt sich um ein tertiäres Krankenhaus mit angeschlossenem Forschungszentrum und wird voraussichtlich mit 600 Betten geplant. Damit verbunden ist ein UP Cancer Center in Manila.

Das Vorhaben wird als Hybridprojekt umgesetzt, das heißt Design und Bau werden durch die Regierung bezahlt, woraufhin Operation und Maintenance dann für den Privatsektor ausgeschrieben werden. Im August 2018 lief die Frist für eine Ausschreibung zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie aus. Wenn diese fertig ist, dürfte der Zeitplan klarer werden.

Private Akteure übernehmen Kliniken

Investoren wie Metro Pacific und Ayala Health bauen ihr Portfolio an Kliniken aus, da im Gesundheitsbereich große Wachstumserwartungen bestehen. Für ausländische Medizintechnikanbieter spielen diese Investitionen von Privatunternehmen eine größere Rolle. Denn sie kaufen bestehende Krankenhäuser, erweitern und erneuern deren Ausstattung.

Der größte private Krankenhausbetreiber ist Metro Pacific Hospital Holdings Inc. Im Jahr 2018 wurde das 14. Hospital übernommen, das 248-Betten-Haus St. Elizabeth Hospital in General Santos City. Die Gruppe hat unter anderem acht Krankenhäuser im Großraum Metro Manila und fünf Provinzhospitäler. Dazu erwägt die Holding, eigene Krankenhäuser zu errichten.

Der Familienkonzern Ayala hat 2016 angekündigt, seine Klinikkette FamilyDoc auszubauen, die eine preisgünstige Grundversorgung bietet. Etwa 100 solcher Kliniken sind bis 2020 im Raum Manila geplant, bis Ende 2016 waren es sechs Einrichtungen. Die Kliniken werden zusammen mit Testlabors und Apotheken ausgestattet. Letztere werden zur Franchisekette Generika gehören. Für jede Klinik sind Investitionen von etwa 8 Millionen US$ vorgesehen.

Bedarf nur durch Importe zu decken

Angaben für die Marktgröße für Medizintechnik sind schwer zu erhalten. Der Board of Investments schätzte den Markt 2016 auf 600 Millionen US$, wobei unter anderem 47 Prozent auf medizinische Geräte entfiele, 35 Prozent auf diagnostische und bildgebende Geräte, 8 Prozent auf Zahnheilmittel und 2 Prozent auf orthopädische Materialien.

Da die lokale Produktion nur wenige medizinische Verbrauchsgüter und Krankenhausmöbel umfasst, ist das Land in hohem Maße auf Importe angewiesen. Für Medizintechnik wird die Abhängigkeit von Branchenexperten auf 100 Prozent taxiert, bei Verbrauchsmaterialien auf über 65 Prozent. Wichtigste Lieferländer sind die USA, Japan, Deutschland sowie China. Aus Deutschland kamen die Bezüge 2017 auf 51,8 Millionen US$. Bei zahnmedizinischen Instrumenten und ophthalmologischen Instrumenten war Deutschland einer der Hauptlieferanten.

Einfuhr von Medizintechnik (in Millionen US$, Veränderung in Prozent)
Warenkategorie SITC-Code 2016 2017 Veränd. 17/16
.Sterilisierapparate 741.83 6,1 5,8 -5,0
.Elektrodiagnoseapparate 7741 55,2 45,7 -17,3
.Röntgenapparate 774.2 78,7 88,9 13,0
.Rollstühle 785.31 4,4 4,1 -5,6
.zahnmedizinische Instrumente 872.1 4,1 5,2 25,3
.Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen 872.21 64,7 71,3 10,3
.ophthalmologische Instrumente 872.25 6,6 3,9 -41,2
.andere Instrumente und Geräte 872.29 111,4 122,0 9,5
.Therapiegeräte, Atmungsgeräte 872.3 22,4 26,5 18,5
.Medizinmöbel 872.4 14,0 15,7 11,8
.Orthopädietechnik, Prothesen 899.6 17,6 35,0 98,7
Insgesamt - 385,2 424,1 10,1

Quelle: UN Comtrade

Die Food and Drug Administration (FDA) reguliert die Zulassung der Geräte. Neben einer License to Operate (diese kann auch der Importeur haben) wird eine Produktregistrierung bei der FDA benötigt. Grundlage ist der FDA Act von 2009.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Food and Drug Administration https://www.fda.gov.ph Regulierungsbehörde für Medizintechnik
Public Private Partnership Datenbank https://ppp.gov.ph/ppp_projects/philippine-general-hospital-pgh-diliman-om-ppp-project/ Projekt für Hospital UP Dilimann in der Ausschreibungsdatenbank

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in den Philippinen können Sie unter http://www.gtai.de/philippinen abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Philippinen Gesundheitswesen allgemein

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