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16.05.2019

Golfstaaten mit ehrgeizigen Projekten für erneuerbare Energien

Immense Potenziale sollen endlich genutzt werden / Von Thomas Hundt

Bonn (GTAI) - Die Staaten des Golfkooperationsrates haben unterschiedlich ambitionierte Programme für den Ausbau erneuerbarer Energien vorgestellt. Erste Projekte leiten die Energiewende ein.

Die Staaten des Golfkooperationsrates Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Kuwait, Katar, Oman und Bahrain könnten Sonnen- und Windenergie viel stärker nutzen. Insbesondere für Solaranlagen sind die Voraussetzungen glänzend. Die durchschnittliche jährliche Sonneneinstrahlung beträgt in den meisten Regionen der arabischen Halbinsel mehr als 2.000 Kilowattstunden pro Quadratmeter und liegt damit ungefähr doppelt so hoch wie in Deutschland. Die Sonnenenergie könnte die extremen Stromverbräuche, zum Beispiel der Klimaanlagen, bedienen.

Erneuerbare Energien (EE) spielen in der Region jedoch bislang eine bescheidene Rolle. Die installierten EE-Kapazitäten zur Stromerzeugung lagen Ende 2018 bei 867 Megawatt und machten im Durchschnitt lediglich 0,6 Prozent der gesamten Kraftwerkskapazitäten aus. Die Regierungen am Golf haben nun sehr ambitionierte Ausbauprogramme formuliert.

EE-Kapazitäten der Golfstaaten Ende 2018
in MW Anteile an den installierten Gesamtkapazitäten im Lande in Prozent Ziele
Vereinigte Arabische Emirate 589 2,0 44 Prozent der Stromkapazitäten bis 2050
Saudi-Arabien 142 0,2 58.700 MW (2030)
Kuwait 79 0,4 15 Prozent der Stromerzeugung (2030)
Katar 43 0,4 10.000 MW Solar (2030)
Oman 8 0,1 30 Prozent der Stromerzeugung (2030)
Bahrain 6 0,1 10 Prozent der Stromerzeugung (2035)

Quellen: International Renewable Energy Agency (Renewable Energy Market Analysis: GCC 2019), UAE Energy Strategy 2050, Saudi Arabia National Renewable Energy Programme, Kuwait National Development Plan, Qatar Ministry of Energy and Industry, Oman Power and Water Procurement Company, Bahrain National Renewable Energy Action Plan

Die GCC-Staaten haben in den letzten Jahrzehnten verschiedene Visionen und Pläne für den Ausbau der erneuerbaren Energien vorgestellt. Wenn Ziele nicht mehr erreichbar oder die Kosten nicht mehr tragbar erschienen, wurden ältere Versionen fallen gelassen.

Einige der zuständigen Behörden und Energieversorger verfügen zudem über wenig Erfahrung. Formulierung der Vorschriften und Handhabung von Ausschreibungen im EE-Bereich seien kaum erprobt. Anbietern fällt es daher schwer, die Erfolgschancen einzuschätzen. Beobachter meinen, wenn nur ein Teil der anvisierten Pläne und Vorhaben realisiert werde, sei dies ein großer Erfolg.

Saudi-Arabien mit dem anspruchsvollsten Ausbauprogramm

Saudi-Arabien hatte beispielsweise 2013 ein 54 Gigawatt umfassendes Programm für erneuerbare Energien angekündigt und gab den Plan 2014 wegen des Ölpreiseinbruchs wieder auf. Anfang 2019 erhöhte die saudische Regierung ihre Ziele wieder. Im Rahmen des Renewable Energy Program sollen nun bis 2023 insgesamt 27 Gigawatt an EE-Anlagen, davon 20 Gigawatt Photovoltaik- und 7 Gigawatt Windanlagen, installiert werden. Die langfristige King Salman Renewable Energy Initiative strebt bis 2030 sogar 58,7 Gigawatt an EE-Kapazitäten an.

Die für das neue Programm zuständige Behörde Renewable Energy Project Development Office schrieb 2018 die ersten Projekte aus. Eine zweite Runde soll 2019 folgen (siehe http://www.powersaudiarabia.com.sa ). Auch der staatliche Investmentfonds Saudi Public Investment Fund will große EE-Vorhaben im saudischen Königreich umsetzen. Der Fund verhandelt dafür direkt mit potenziellen internationalen Partnern, statt Projekte über Ausschreibungen zu vergeben.

VAE mit Solarpark in Gigagröße

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) kamen Ende 2018 innerhalb der Region mit 2,0 Prozent auf den höchsten EE-Anteil an ihren installierten Stromproduktionskapazitäten und wollen diese Quote bis 2050 auf beachtliche 44 Prozent erweitern.

Der Photovoltaik (PV) werden die größten Chancen eingeräumt. Die VAE haben 487 Megawatt an Photovoltaik- und 100 Megawatt an solarthermischen Anlagen installiert. Der 2012 gestartete Solarpark Mohammed bin Rashid Al Maktoum verfügt über 413 Megawatt und soll nach Angaben der zuständigen Energieversorgers Dubai Electricity and Water Authority im Jahr 2030 circa 5.000 Megawatt erreichen (siehe https://bit.ly/2HheDfm ).

Die übrigen GCC-Länder habe unter anderem diese Projekte in der Pipeline: Das Joint Venture Siraj Solar Energy in Katar hat den Bau und Betrieb einer 500 Megawatt Photovoltaikanlage in Al Kharsaah ausgeschrieben. Die Oman Power and Water Procurement Company unterzeichnete im März 2019 mit dem saudischen Kraftwerksentwickler Acwa Power einen Vertrag über den Bau und Betrieb des 500 Megawatt Solarparks Ibri. Der Shagaya Renewable Park in Kuwait soll im Jahr 2030 rund 2.000 Megawat an PV-Modulen, Concentrated Solar Power-Anlagen und Windkraftanlagen verfügen. Das Kuwait Institute of Scientific Research schloss die erste Ausbauphase dieses Parks ab und die Kuwait National Petroleum Company will Mitte 2019 circa 1,5 Gigawatt an Solarprojekten innerhalb des Parks vergeben.

Windenergie ist vorhanden und soll genutzt werden

Windkraftanlagen könnten auf der arabischen Halbinsel effizient Strom produzieren. Die Internationale Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) ermittelte, dass im Norden und in der Mitte Saudi-Arabiens, im Süden des Omans und im Westen Kuwaits in einer Höhe von 100 Metern durchschnittliche Windgeschwindigkeiten von mehr als 7,5 Metern pro Sekunde vorherrschen. Diese reichen für einen wirtschaftlichen Betrieb von Windkraftanlagen aus.

Bisher drehen sich aber nur wenige Windräder. Die GCC Länder haben insgesamt 14 Megawatt installiert, davon entfallen 10 Megawatt auf den Shagaya Renewable Energy Park in Kuwait. Das Renewable Energy Project Development Office in Saudi-Arabien schloss im Januar 2019 zudem einen Betreibervertrag mit dem 400 Megawatt Windpark Dumat Al Jandal ab. Das Konsortium aus EDF Renewables aus Frankreich und Masdar aus Abu Dhabi wird den Park bauen und erhielt einen Stromabnahmevertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren.

Die Abu Dhabi Future Energy Company installiert derzeit in der Dhofar Wind Farm in Oman Windkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von 50 Megawatt, die von General Electric stammen. Die Oman Power and Water Procurement Company will weitere 300 Megawatt bis 2023 errichten lassen.

Weitere GTAI Berichte über Erneuerbare Energien finden Sie unter http://www.gtai.de/energie.

GTAI Ansprechpartner für den Energiesektor: Kilian Dick; E-Mail: kilian.dick@gtai.de

Tagesaktuelle GTAI Informationen auf Twitter: http://www.twitter.com/GTAI_Umwelt

Dieser Artikel ist relevant für:

Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar, Oman, Bahrain Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, alternative Energien

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